Drei große Erfindungen dieses Jahrhunderts und ihre Schicksale

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Titel: Drei große Erfindungen dieses Jahrhunderts und ihre Schicksale
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aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 320
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1864
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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[320] Drei große deutsche Erfindungen dieses Jahrhunderts und ihre Schicksale. Von der Ehren-Schwärmerei, welche wir Deutschn mir unsern großen Erfindern, wenn sie todt sind, treiben, möchten wir, mit Bezug auf obenstehenden Artikel, einmal einfach auf die nationalökonomischen Verluste hinweisen, die wir dadurch erlitten haben, daß wir die erste Ausbeute unserer größten Erfindungen immer den Fremden überlassen haben.

Wir wählen dazu drei Zeitgenossen. Joseph Ressel[1] ist der Erfinder der Schiffsschraube. Schon 1812 war diese Erfindung fertig und erprobt, und erst 1840 feierte sie als englische Erfindung eine großartige Auferstehung. Welchen Vorsprung hätte die österreichische Marine gewinnen können, hätte sie sich 1812 zum Alleinherrn dieser Erfindung gemacht! Wer berechnet den Schaden, welcher der deutschen Schifffahrt durch die unverzeihliche Mißhandlung dieser großen Geistesgeburt zugefügt wurde? – Und als im Jahre 1852 die englische Regierung für den wirklichen Erfinder der Propellerschraube einen Preis von 20.000 Pfd. Sterl. aussetzte, und die von der österreichischen Regierung beglaubigten Actenstücke über den deutschen Ursprung der Erfindung nach London wanderten, – wer erhielt die schöne Summe? Fünf Engländer, deren Namen die britische Admiralität noch heute nicht bekannt gemacht hat!

Noch einleuchtender sind die Vortheile, welche Deutschland über die ganze Verkehrswelt in Europa errungen hätte, wenn Soemmerring’s Erfindung der elektrischen Telegraphie zuerst bei uns verstanden und in’s Große ausgeführt worden wäre. Wie mit der Schiffsschraube, war mit der Telegraphie Deutschland dem Ausland um 20-30 Jahre voraus! Wer berechnet die Größe des deutschen Verlustes durch die Verwahrlosung einer solchen Erfindung ? – Und zum Schluß derselbe Hohn des Auslandes für die Erfinderehre: der Amerikaner Morse steckt mit derselben Gemüthsruhe die kaiserl. französ. Belohnung von 400.000 Fr. ein, aber doch mit mehr Recht, wie jene fünf Engländer die 20.000 Pfd. Sterl. und den Deutschen bleibt nichts übrig, als nun dem eigentlichen Erfinder Soemmerring nachträglich zu dem landüblichen Denkmal zu verhelfen.

Der dritte Zeitgenosse ist Wilhelm Bauer. Seine wichtigste Erfindung ist die der unterseeischen Schifffahrt. Sie ist erprobt, Rußland hat das theure Lehrgeld für sie bezahlt, und sie ist seitdem durch wesentliche Verbesserungen vervollkommnet. Wird Deutschland, durch seine bisherigen Erfindungs-Verluste belehrt, aus ihr den ersten Nutzen ziehen? Die Gelegenheit war da, Ehre und Vortheil geboten es, und es ist nicht geschehen! Hätte nur ein halbes Dutzend Bauer’scher unterseeischer Schiffe als Brandtaucher die Nord- und Ostsee befahren und wäre nur ein einziges dänisches Kriegsschiff durch eine solche Brandtaucher-Mine in die Luft geflogen, – der dänische Seeraub wäre gelegt gewesen! Millionen deutschen Gutes hätten ihren unsichtbaren Schutz gefunden. Ja, noch mehr: die Zufuhr von den dänischen Inseln zum Festland wäre abgeschnitten gewesen, kein Panzer- und Thurmschiff hätte sich in Alsens und des Sundewitts Nähe gewagt, und Hunderte braver Männer und Jünglinge hätten den wenn auch noch so rühmlichen Heldentod ersparen können, um als Lebende die heilsame Wirkung einer nationalen Erfindung zu preisen! – Jetzt bauen Rußland, Frankreich, Spanien unterseeische Schiffe, und Amerika hat den ersten Triumph der deutschen Erfindung davongetragen! Am 17. Febr. dieses Jahres wurde von einem nach Wilh. Bauer’s Princip gebauten Brandtaucher der nordamerikanischen Südstaaten die Unions-Corvette Hausatonic von 1200 Tonnen und 13 Kanonen in die Luft gesprengt. Wer wird nun der Preisträger dieser deutschen Erfindung sein? Sollte nicht der Erfolg derselben in Amerika endlich den Deutschen die Augen öffnen? Muß man es unseren Küstenstaaten erst bei Heller und Pfennig vorrechnen, daß sie nimmermehr im Stande sind, eine oberseeische Flotte zu schaffen, mit welcher sie den vereinigten Flotten von England und Frankreich erfolgreichen Widerstand zu leisten vermögen, aber daß eine unterseeische Flotte nach Bauer’s Princip sie nicht nur zu Herren ihrer Küsten, sondern auch zu Herren auf der See hätte erheben können? Wie viel ist jetzt schon verloren durch diese neue deutsche Saummseligkeit! Und doch kann noch weit mehr verloren gehen, wenn die Deutschen sich nicht noch heute zu einem energischen Aufraffen entschließen und wenigstens ihre Flottengelder an die Ausführung einer deutschen Erfindung wagen, die im Auslande nun sattsam erprobt ist! [2]



  1. Vgl. Gartenlaube, 1863, S. 124.
  2. Einen Aufruf Wilhelm Bauer’s an die deutschen Regierungen und Patrioten, ihm die Mittel zum Bau von sechs Brandtauchern zu gewähren, haben wir in den deutschen Blättern Nr. 19. mitgetheilt, nachdem dringende briefliche Aufforderungen Fr. Hofmann’s an den Sechsunddreißiger-Ausschuß und an die Erlanger Landesversammlung, sich der Erfindung Bauer’s zum Besten der schleswig-holsteinschen Sache anzunehmen, vergeblich gewesen waren.
    Die Red.