Ein Besuch bei Christian Fürchtegott Gellert

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Textdaten
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Autor: Dr. G. H.
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Titel: Ein Besuch bei Christian Fürchtegott Gellert
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 170
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[170] Ein Besuch bei Christian Fürchtegott Gellert. Wer wollte es den biederen Hainichern von heute und ehemals verargen, wenn sie den Leipziger Professor mit Stolz den Ihrigen nannten? Zweifelhafter dürfte der Anspruch der Bewohner der umliegenden Ortschaften sein, die den Dichter darum als den Ihrigen betrachteten, weil sie in der Jugend seine Mitschüler und Gespielen und später seines Vaters Beichtkinder waren. So vier Bäuerlein aus dem nahen Berthelsdorf, deren Namen Klio in die Tafeln der Erinnerung glücklicher Weise unlöschbar eingezeichnet hat. Sie unternahmen die für die damalige Zeit gewaltige Reise nach Leipzig, um auch einmal in ihrer Weise in den Genüssen der Messe zu schwelgen und vielleicht auch das durch Gellert unsterblich gewordene Rhinoceros zu sehen. Aber in Leipzig gewesen zu sein und den Professor nicht zu sehen, wahrhaftig! das hieße, „in Rom gewesen zu sein und den Papst nicht gesehen zu haben.“ Darum faßt man sich ein Herz und sucht den ehemaligen Spielgenossen, der unterdeß die höchste Staffel europäischen Ruhmes erstiegen – hat ihn doch selbst der alte Fritz einer Audienz gewürdigt und ihm einen Schimmel verehrt! – in seiner bescheidenen Junggesellenwohnung auf. Ermuthigt durch den überaus herzlichen Empfang und in wohlberechtigter Erwägung des Umstandes, daß man daheim, wenn sie ohne handgreiflichen Beweis von ihrem Besuche erzählen, ihnen zurufen könnte: „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube,“ faßt endlich Einer, da sie bereits Abschied genommen, den Muth zu der kühnverwegenen Bitte um „ein paar Zeilen“ von seiner Hand. Man tritt in’s Zimmer zurück; Müller und Zobel behalten im Entzücken ihres Herzens über die Leutseligkeit des verehrten Landsmannes oder aus angestammter Unkenntniß der nöthigsten Höflichkeitsformen den Dreimaster auf dem Kopfe.

Sinnend blickt Gellert alle Vier nochmals an, setzt sich dann an seinen Schreibtisch, und schalkhaft lächelnd überreicht er nun den Scheidenden das billet-doux. Daheim angekommen, versammeln sie die männlichen Ortsangesessenen im Gasthofe, und ein des Lesens Kundiger muß den andächtig Lauschenden den Inhalt des feierlich entfalteten Documentes verkünden. Groß war nun allerdings das Staunen der Meßreisenden, als sie offenen Mundes und voll gespannter Erwartung das Verslein hörten – man erinnere sich, sie hießen Wohlgemuth, Schütze, Müller und Zobel – das Verslein also:

Wär’ ich immer wohlgemuth
Und ein guter Schütze,
Schöß ich Müllern durch den Hut,
Zobeln durch die Mütze.

Dr. G. H.