Ein Besuch der Officin von Brockhaus in Leipzig

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Autor: Albert Rottner
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Titel: Ein Besuch der Officin von Brockhaus in Leipzig
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 15-17, S. 212–214, 224-226, 237-239
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1858
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Ein Besuch der Officin von Brockhaus in Leipzig.
Mitgetheilt von Albert Rottner.

So weit die Wissenschaften zurückreichen, so lange hat man auch den Buchhandel gekannt; konnte er auch ursprünglich nicht in der ausgeprägten Gestalt der Gegenwart auftreten, so weiß man doch, daß sein Ausgang zunächst bei den alten Griechen zu suchen ist. Das buchhändlerische Geschäft mußte aber so lange bedeutungslos bleiben, als ihm nicht die Mittel zu Gebote standen, die Wissenschaft zum Gemeingut zu machen. Da trat gleich einer glanzvollen Sonne aus dem erwachten Morgenroth die große Geburt unseres Jahrtausends, „Gutenberg’s Buchdruckerkunst,“ hervor und sie ist es, welche dem Buchhandel erst seine hohe Bedeutung gegeben hat.

Von Deutschland aus eröffnete die Kunst zuerst mit ihren Erzeugnissen den Handel, weshalb es auch als die Wiege des eigentlichen buchhändlerischen Verkehrs zu betrachten ist. Außer den zahlreichen Klöstern, Stiftern und den hohen Schulen, waren es vorzugsweise die im Aufblühen begriffenen Messen, wo die damaligen Buchdrucker den Hauptabsatz für ihre Preßerzeugnisse fanden. Vorzüglich bildete Frankfurt a. M. seit dem ersten Viertel des sechzehnten Jahrhunderts den Mittelpunkt des deutschen Bücherverkehrs. Als aber Luther, der große Kämpfer für Denk- und Glaubensfreiheit, erschien, der sich in Schrift und Rede gegen die zahlreichen Mißbrauche der Kirche erhob, und seine kräftige Stütze in der Buchdruckerpresse fand, begann in Folge der Reformation die Culturwanderung des deutschen Geistes nach Norden, und der vielbesuchte Meßplatz Leipzig wurde für den Buchhandel des Nordens, was Frankfurt für den Süden war. In Frankfurt wurde der Buchhandel durch die Einführung einer kaiserlichen Büchercommission immer mehr beschränkt und belästigt, und es konnte daher in der That nicht Wunder nehmen, daß das durch eine eigene, so wie durch die nahe Wittenbergs Universität und von der sächsischen Regierung in Bezug auf Bücherwesen vor Frankfurt hochbegünstigte Leipzig nach und nach den literarischen Verkehr immer mehr an sich zog.

In dem Herzen Deutschlands[WS 1] gelegen, bietet Leipzig für den Osten und Norden Europa’s den wichtigsten Vereinigungspunkt handeltreibender Nationen; für den deutschen Buchhandel aber ist es die Pulsader des Verkehrs aller Länder geworden, welche Literatur verbrauchen oder produciren.

Und so finden wir gegenwärtig hier nicht weniger als 168 Buch-, Kunst- und Musikalienhandlungen, zum Theil Verleger, als Producenten, zum Theil Sortimentshändler, als Vermittler der Verleger und des Publicums, oder Commissionshandlungen, als Vermittler des eigentlichen geschäftlichen Verkehrs der Buchhandlungen aller Länder unter sich. In naturgemäßer Folge dieser speculativen und industriellen Ausbildung mußten auch alle diejenigen Geschäftszweige einer höhern Blüthe und Vollkommenheit zugeführt werden, welche im Dienste des Buchhandels stehen, die Buchdruckerkunst und die Schriftgießerkunst, sowie alle die graphischen und technischen Künste, welche zur Herstellung literarischer und künstlerischer Objecte Anwendung finden, oder zu deren Ausführung mitwirken. So zählt Leipzig gegenwärtig 38 Buchdruckereien und 10 Schriftgießereien.

Für Jeden, der nach Erkenntniß und Belehrung strebt, muß es vom höchsten Interesse sein, einen tiefern Einblick in die Stätten zu thun, aus denen ihm die geistige Nahrung in einer für die weiteste Verbreitung geeigneten Form zugeführt wird. Nur Wenige mögen bei dem Lesen eines Schriftstückes sich bewußt sein, welche Stadien dasselbe zu durchlaufen hat, bevor es an die Oeffentlichkeit hervortreten kann, in seiner Vollendung den gesteigerten Anforderungen zu genügen, welche gegenwärtig der in den weitesten Kreisen ausgeprägte Kunstsinn an typographische Erzeugnisse macht. Es wird daher gewiß vielen unserer Leser willkommen sein, wenn, wir sie auffordern, uns in die Werkstätten der Kunst und Industrie zu begleiten, deren Aufgabe es ist, die Producte des Geistes zu vervielfältigen und das, was der menschliche Geist des Einzelnen gedacht und erforscht, zum Gemeingut Aller zu machen.

Wir wählen zu diesem Besuch die Officin von F. A. Brockhaus, welche eine Vereinigung fast aller auf dem Gebiete der typographischen Production mitwirkenden Geschäftszweige aufweist und uns Gelegenheit bietet, die Herstellung der Schriftstücke von der rohen Schriftmasse bis zu ihrer Vollendung als fertige Bücher in allen Stadien zu verfolgen, um ein lebendiges Bild der gesammten typographischen Thätigkeit vor uns aufzurollen.


Die Schriftgießerei.

Die Buchdruckerkunst verdankt ihre Entstehung dem Bedürfnisse, die Schrift durch Farbendruck leichter und schneller zu vervielfältigen, als dies durch Wiederholung mit der Hand und der Feder möglich ist. Als Vorläufer der Buchdruckerkunst ist die Holzschneidekunst zu betrachten, vermittelst welcher die Schrift in Holztafeln erhaben geschnitten wurde. Das Buchstabenalphabet der Sprachen führte aber bald darauf hin, die ganzen Holztafeln zu zerfällen und die Buchstaben einzeln in Holz, Blei oder Zinn zu schneiden, um aus denselben Druckformen für die Schrift zusammenzusetzen, welche nach gemachtem Gebrauche auseinander genommen und zu einer neuen Form wieder gebraucht werden konnten. Durch dieses Zerfällen erst entstand die zweite Verfahrungsweise, die sogenannte Typographie.

Die Lettern oder Buchdruckertypen sind vierseitig prismatische, aus Schriftzeug oder Schriftgießermetall gegossene Stäbchen, deren Begrenzungsflächen in rechten Winkeln zu einander gestellt sind, und deren Höhe ganz gleich sein miß, damit ihre obern Flächen nach Vollendung des Satzes in einer und derselben Ebene liegen und bei dem Abdrucke mit dem Papiere gleichmäßig in Berührung kommen. Auf der obern Fläche des Typenkörpers befindet sich das abzudruckende Zeichen erhaben und in verkehrter Stellung. Eine Anzahl Lettern so mit einander verbunden, daß sie abgedruckt einen bestimmten, zusammenhängenden Text geben, bildet einen Schriftsatz oder kurzweg Satz. Da nun diese Typen, um den Schriftsatz herzustellen, geeignet sein müssen, in jede beliebige Ordnung gebracht zu werden, so kann natürlich eine Type in der Regel auch nur ein einziges Schriftzeichen darstellen.

Um diese Typen hervorzubringen, muß man zuvörderst ein Original des gegossenen Buchstabens (Stempel) haben, welches das Schriftzeichen ebenfalls erhaben und verkehrt enthält. Dieser Stempel wird, als Vater der Schrift, Vaterbuchstabe oder Patrize genannt. Da nun aber zum Gießen der Lettern eine Form erforderlich ist, welche das Schriftzeichen vertieft enthält, damit die darin abgeformten Lettern wieder erhaben erscheinen, so werden die aus Stahl gefertigten Schriftstempel in ein weicheres Metall und zwar gewöhnlich in Kupfer eingeschlagen. Diese Abschläge nennt man Mutterbuchstaben oder Matrizen.

So vorbereitet, treten wir nun in den Gießersaal ein, wo wir sieben Gießöfen und an jedem drei bis vier Gießer beschäftigt finden. In dem Feuerungsraume des Gießofens hängt ein gußeiserner Kessel, welcher das geschmolzene Metall in flüssigem Zustande enthält. Das Schriftmetall besteht aus einer Legirung von Blei mit Antimonium Regulus. Das Gießen der Lettern wird vermittelst einer besonderen Form, des sogenannten Gießinstruments, ausgeführt, in welches die Matrize so hineingelegt wird, daß das [213] Schriftmetall durch eine Oeffnung einfließen kann. Der Gießer steht an dem inmitten des Ofens eingesetzten Kessel, in seiner linken Hand das geschlossene Instrument, und in der rechten den Gießlöffel, mit welchem er den Zeug faßt und in das Instrument gießt. Sobald dies vor sich geht, macht er mit dem Instrument eine rüttelnde Bewegung (Wendung), wodurch der Schriftzeug durch den Einguß und den innern freien Raum hindurch in die unten anliegende Matrize fließt. Ein geschickter und fleißiger Schriftgießer kann bis 4000 Buchstaben in einem Tage gießen.

Als das Maschinenwesen für die praktische Ausübung der Künste und Gewerbe immer größere Bedeutung und Anwendung fand, wurden auch mehrfache Versuche gemacht, das Gießen der Lettern durch Maschinen auszuführen. Applegath in London und Andere construirten die ersten Maschinen, die aber sämmtlich ihrem Zweck nicht entsprachen. Endlich wurde in Amerika eine solche Maschine gebaut, von welcher ein Modell durch E. Hänel in Berlin in der Werkstatt von F. A. Brockhaus aufgenommen und so wesentlich umgewandelt und verbessert wurde, daß die jetzt allgemein verbreiteten Letterngießmaschinen daraus entstanden, mit welchen durch einen gewöhnlichen Handarbeiter in einer Stunde 12–1500 ganz fehlerfreie Buchstaben gegossen werden.

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Der Setzersaal.

Nachdem der Buchstabe gegossen ist, hat er zwar schon die Form, in der er später zum Druck verwendet wird, aber er besitzt noch an der der Bildfläche entgegengesetzten Seite einen pyramidalen Anhang, welcher sich im Einguß des Instrumentes bildet und abgebrochen werden muß. Der von dem Gießzapfen befreite Buchstabe gelangt nun zum Abschleifen, wodurch der Grat von den beiden Seitenflächen entfernt wird, damit die Buchstaben im geschlossenen Satze dicht neben einander zu stehen kommen. Zur Vollendung der gegossenen Schrift müssen die Typen noch einer letzten Arbeit unterworfen werden, welche das Fertigmachen genannt wird und in einem eigenen Instrumente, dem Bestoßzeuge, ausgeführt wird. Zu diesem Behufe werden die Typen in einem Winkelhaken der Art aufgestellt, daß die Bildfläche nach unten, der Fuß aber nach oben gerichtet ist; der so angefüllte Winkelhaken wird dann in das Bestoßzeug gebracht und mittelst eines Hobels das überflüssige Metall an dem Fuße der Lettern abgestoßen, so daß sich eine rinnenartige Aushöhlung, der Ausschnitt, bildet. Nachdem der Kopf der Lettern noch einer besonderen Behandlung unterworfen und die Kegelseiten derselben mit einem zweischneidigen Schabemesser von dem darauf befindlichen Grate befreit worden sind, damit die ganze Typenreihe auch hier als eine glatte Ebene erscheint, wird die Stärke derselben (der Kegel) geprüft, wozu man sich eines besondern Justoriums (des Systems) bedient. Die so fertig gemachte Schrift wird nun nochmals sorgfältig durchgesehen, die darunter befindlichen untauglichen, sogenannten bösen Buchstaben werden entfernt und die guten in ein Schiff, wie es der Setzer braucht, aufgestellt, mit einem Bindfaden darin eingebunden und in Packete verpackt zum Gebrauch in die Druckerei geliefert.


Die Stereotypie.

Mit der Schriftgießerei in genauer Verbindung steht die Stereotypie oder das Verfahren, vermittelst dessen der ganze Schriftsatz einer Columne nicht wie gewöhnlich aus einzelnen Theilen (Lettern etc.) besteht, sondern in einer einzigen Platte dargestellt wird.

Die ersten Versuche der Buchdruckerkunst bestanden bekanntlich in dem Abdrucke ganzer Platten, auf welchen der Text erhaben geschnitten war, und auf dieses Grundprincip ist somit das Verfahren der Stereotypie zurückgeführt. Anfänglich ließ man den Schriftsatz von Werken, die in kurzer Zeit wieder gedruckt werden sollten, stehen, um den Satz dann nicht auf’s Neue herstellen zu müssen; indessen führte das Verfahren des sogenannten stehenden Satzes (stehende Lettern) vielfache Schwierigkeiten und Nachtheile mit sich, denn es konnten aus dem Schriftsatze leicht Lettern herausfallen und eine große Anzahl Columnen beanspruchte zur Aufbewahrung viel Raum, sowie die dazu verwendete Schrift auch so lange einer weitern Verwendung entzogen blieb, als sie nicht aus ihrer augenblicklichen Ordnung genommen werden konnte. Diese und noch andere Uebelstände führten bald darauf hin, die zu einem Schriftsatze zusammengefügten Lettern in eine feste Platte zu vereinigen, um sie später durch den Abdruck vervielfältigen zu können. Nach mehrfachen Versuchen, die größtentheils darauf hinausliefen, die gesetzte Schrift hinten zusammenzulöthen, gelangte Firmin Didot zu Paris (1794) auf das Verfahren des Abformens, welches Lord Stanhope endlich im Jahre 1804 einer solchen Vollkommenheit zuführte, daß es jetzt unter dem Namen der englischen Methode am Meisten verbreitet ist.

[214] Um von dem Schriftsatze ganzer Seiten Platten zu gewinnen, welche einen einzigen Körper bilden, ist es zuvörderst nöthig, daß derselbe auf die gewöhnliche Weise, welche wir weiter unten näher kennen lernen werden, aus beweglichen Typen hergestellt wird. Man legt um die aus Typen gesetzte, sorgfältig corrigirte und geschlossene Columne einen Formenrahmen, der den Schriftsatz soweit überragt, als die Matrize stark werden soll, bestreicht den Satz mit Knochenöl und bringt dann eine dünne Schicht mit Wasser eingemachten Gypses darauf, die in alle Vertiefungen gehörig eingeführt wird, worauf dann der Formenrahmen selbst mit Gypsbrei gefüllt und mit einem Lineale abgeglichen wird. Dieser Gypsabguß, der sehr schnell verhärtet und die Buchstaben des Satzes vertieft, die Zwischenräume aber erhaben wiedergibt, gelangt nun in den Trockenofen, wo ihm noch alle zurückgebliebene Feuchtigkeit entzogen wird.

Von diesen Matrizen werden die Stereotyptafeln auf zweierlei Art gewonnen, wovon die eine das oben erwähnte englische und die andere das französische Verfahren (nach Daulé) genannt wird. – Nach dem ersten wird die ausgetrocknete Matrize in eine eiserne Pfanne mit Deckel gelegt an deren vier Ecken sich Eingußöffnungen befinden, und mit dieser so lange in die geschmolzene Masse versenkt, bis dieselbe alle Räume vollständig ausgefüllt hat. Nach 15 bis 30 Minuten zieht man die Pfanne wieder in die Höhe und läßt sie auf feuchtem Sande sich abkühlen; ist dies geschehen, so wird die Pfanne geöffnet, der Guß herausgenommen und die Stereotypplatte von der Matrize getrennt. – Nach dem französischen Verfahren werden die Stereotypplatten in einem senkrecht angebrachten eisernen Gießinstrument gegossen, welches aus zwei Theilen besteht und sich mittelst einer Charnière öffnen und schließen läßt; in diesem wird die Matrize sammt dem sie umschließenden Rahmen auf die hohe Kante gestellt und der Schriftzeug mit einem Gießlöffel durch den oben am vordern Theile befindlichen schrägen Einguß in das Gießinstrument gegossen.

Die auf beide Arten gewonnenen Stereotypplatten gelangen nun in die Hände besonderer Arbeiter, welche diese sorgfältig durchsehen und alle Unebenheiten zwischen und in den Buchstaben entfernen. Um die Platten für den Abdruck in der Buchdruckerpresse geeignet zu machen, werden sie auf einer Hobelmaschine gleichmäßig abgehobelt und durch eine mechanische Vorrichtung auf die gewöhnliche Schriftfläche zugerichtet, so daß sie nun wie eine gewöhnliche Form aus beweglichen Lettern zum Abdruck gelangen.

Die Erfindung der Stereotypie bietet dem Verleger bei Herstellung von Druckwerken, welche einer großen Verbreitung fähig sind, wesentliche Vortheile dar. Diese bestehen hauptsächlich darin, daß nicht, wie es in der Regel geschieht, die ganze Auflage eines Werkes mit einem Male abgedruckt werden muß, sondern daß man den Abdruck in beliebiger Anzahl von Exemplaren so oft erneuern kann, als es eben der Erfolg nöthig macht, wodurch bei wiederholten Auflagen die Herstellungskosten für Satz und Correctur erspart werden. Außerdem hat man bei dem ganzen Werke gleichsam neue Schrift, die sich, da sie eben nicht wieder zu andern Zwecken benutzt werden kann, gleichmäßig abnutzt, und endlich kann man auf die vollkommenste Correctheit des Textes rechnen, denn wenn derselbe einmal gesetzt, genau corrigirt und stereotypirt ist, so darf man der unfehlbaren Gleichheit aller Abdrücke gewiß sein, was bei dem gewöhnlichen Drucke der Fall nicht ist, wo bei dem Schwärzen der Form die beweglichen Lettern nur zu leicht herausgerissen oder in Unordnung gebracht werden.

Man vervielfältigt übrigens durch die Stereotypie nicht allein Lettern, sondern erlangt auch mittelst derselben Clichés von Holzstöcken und ähnlichen für den Buchdruck bestimmten Gravuren.

[224]
Die Buchdruckerei.

Wir haben nun die Produktion des zur Herstellung des Schriftsatzes erforderlichen Materials kennen gelernt und wenden uns den Arbeitsstätten zu, wo dasselbe praktische Anwendung findet.

Das technische Verfahren der Buchdruckerkunst theilt sich in zwei Hauptmomente: das Anfertigen der Druckformen und die Bewerkstelligung des Druckes selbst.

Wir treten also zuerst, um uns über das Anfertigen der Druckformen zu unterrichten, in den Setzersaal, der von beiden Seiten das Tageslicht empfängt und durch einen von Säulen getragenen Mittelgang in zwei Hauptabtheilungen getheilt ist. Hier erblicken wir in symmetrischer Ordnung Reihen von Regalen, die sich von den Fenstern nach dem Mittelgang hinziehen und mit den sogenannten Schriftkästen bedeckt sind, an denen die Setzer ihre Arbeit verrichten.

Um von dieser sinnreichen Manipulation, welche durch die Gewandtheit und Schnelligkeit, mit der sie ausgeführt wird, unsere Bewunderung erregt, einen klaren Begriff zu bekommen, müssen wir uns hier etwas verweilen und uns über die einzelnen Bestandtheile des Materials, wie über die Handhabung desselben unterrichten lassen.

Wir müssen nämlich zuvörderst nochmals auf die Schriften selbst zurückkommen, die wir in der Schriftgießerei nur in so weit kennen gelernt haben, als es zum Verständniß dieser Operation erforderlich war.

Es wird Jedem schon aufgefallen sein, daß es in den Schriften eine außerordentliche Verschiedenheit gibt, sowohl hinsichtlich ihrer Form als auch ihrer Größe.

In erster Beziehung haben wir zwei Hauptgattungen zu unterscheiden: die gewöhnliche deutsche Schrift, in der Kunstsprache Fractur genannt, und die lateinische Schrift, wovon man zwei Arten hat: die geradstehende, Antiqua, und die schrägliegende, Cursiv. Die Schriften in den übrigen Sprachen werden nach der ihnen zugehörigen Sprache benannt, z. B. griechisch, hebräisch, syrisch, armenisch etc.

Jede Schrift enthält zunächst die großen oder Anfangsbuchstaben, Versalien, und dann die kleinen, die man gemeine Buchstaben ,nennt, außerdem aber noch die zehn Zahlzeichen. Unter den zufälligen Bezeichnungen sind die Interpunctionen die unentbehrlichsten. Andere Zeichen sind: Sternchen, Kreuzchen, Paragraphzeichen, Nachweisungszeichen, arithmetische, mathematische, kaufmännische und ähnliche Zeichen. Außer diesen Typen, auf denen das Schriftzeichen, welches sie ausdrücken, erhaben dargestellt ist, gibt es aber noch andere, welche dazu bestimmt sind, die leeren Zwischenräume zwischen den Buchstaben, Wörtern, Zeilen etc. auszufüllen, denn in einem Schriftsätze muß Alles, auch das, was weiß bleiben soll, mit Metall ausgefüllt sein, so daß jede Columne oder gesetzte Seite eine zusammenhängende, obwohl aus lauter einzelnen Stückchen bestehende, ununterbrochene Metallmasse, also ein geschlossenes Ganze bildet. Diese Typen nun, welche niedriger sind, als die übrigen, damit sie eben nicht mit abgedruckt werden, nennt man Ausschließungen.

Wir haben noch den Größenunterschied der Schriften unter sich in Betracht zu ziehen und erwähnen hierüber nur im Allgemeinen, daß dieser jetzt nach sogenannten typographischen Punkten bestimmt wird, von denen 6 Punkte = 1 Linie und 72 Punkte = 1 Zoll sind. Auf Grund dieses Maßes werden die verschiedenen Größenverhältnisse der Schriften, welche man den Kegel der Schrift nennt, näher bestimmt, deren ursprüngliche Benennungen aber fast allgemein noch beibehalten werden. Die wichtigsten Schriftkegel sind in aufsteigenden Größenverhältnissen ihrer Benennung nach folgende: Diamant (4 typographische Punkte=, Perl, Nonpareille, Colonel, Petit, Bourgeois, Corpus, Cicero, Mittel, Tertia und so fort bis zu dem größten Imperial, welches 108 typographische Punkte enthält.

Wir treten nun vor den Schriftkasten, um uns dessen sinnreiche Einrichtung erklären zu lassen. Bei dem Lesen einer Schrift muß es uns gleich auffallen, daß einige Buchstaben, wie a, e, d, m, i, n etc. sehr häufig vorkommen, während andere seltener gebraucht werden. Auf diesem Bedürfniß beruht nun auch die Einrichtung des Schriftkastens, in welchem für jeden Buchstaben und überhaupt für jedes typographische Zeichen, auch für die Ausschließungen, ein verhältnißmäßig großes Fach sich befindet. In dem Schriftkasten liegen, was in dem ersten Augenblick ausfallend erscheint, die Lettern nicht nach der alphabetischen Folge, sondern eben nach dem durch Erfahrung festgestellten Verhältniß, so daß also diejenige, Typen, [225] welche am häufigsten gebraucht werden, dem Setzer am nächsten zur Hand liegen. Der Setzer steht nun vor dem Schriftkasten und steckt das Manuskript vermittelst des Tenakels auf demselben fest. In seiner linken Hand hält er den Winkelhaken, in welchem er 8 bis 10 Zeilen aneinander reihen kann, und ergreift, nachdem er mehrere Worte des Manuskriptes gelesen hat, mit dem Daumen und dem Zeigefinger der rechten Hand eine Letter nach der andern, um sie in gleichmäßiger Richtung in dem Winkelhaken aufzustellen. Ist derselbe ganz angefüllt, so werden die Zeilen vermittelst der Setzlinie in das Schiff gestellt und der Winkelhaken von Neuem vollgesetzt. So wird mit der Arbeit fortgefahren, bis die zu einer Columne erforderliche Anzahl Zeilen aufgestellt ist, die dann, um sie gegen das Auseinanderfallen zu sichern, mittelst eines Bindfadens, der Columnenschnur, zu einem Ganzen vereinigt oder, wie der Buchdrucker sagt, ausgebunden wird.

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Der Druckersaal.

Wenn wir die Seiten eines in ein beliebiges Format zusammengelegten Bogens mit fortlaufenden Ziffern versehen und den Bogen dann ausbreiten, so werden wir die Seiten in mehreren Reihen übereinander erblicken, aber nicht mehr in derselben Ordnung, wie vorher, sondern eine jede nimmt den Platz ein, den sie haben muß, um, wenn der Bogen wieder zusammengebrochen wird, ein fortlaufendes Ganze zu bilden und gelesen werden zu können. In dieser Ordnung nun müssen auch die gesetzten Seiten einer Druckform aufgestellt oder, wie die Buchdrucker sagen, ausgeschossen werden. Zu einem Bogen, der auf beiden Seiten bedruckt wird, gehören zwei Formen. Die erste Seite, welche mit der fortlaufenden Ziffer der Bogenzahl (Signatur) versehen ist, wird zuerst gedruckt und heißt der Schöndruck; der darauf folgende Druck der andern Seite führt den Namen Widerdruck. Das Größenverhältniß, welches durch die Anzahl Blätter und Seiten bestimmt wird, die sich auf einem der Signatur nach bezeichneten Bogen befinden, nennt man das Format der Bücher. Die gebräuchlichsten Formate sind: Folio, 2 Blätter oder 4 Seiten, Quart, 4 Blätter oder 8 Seiten, Octav, 8 Blätter oder 16 Seiten, Duodez, 12 Blätter oder 24 Seiten, Sedez, 16 Blätter oder 32 Seiten und so fort bis zu dem kleinsten vorkommenden Hundertachtundzwanziger-Format aus 128 Blättern oder 256 Seiten.

Nachdem alle Columnen, die zu einem Bogen in dem ihm gegebenen Formate gehören, auf die beiden Setzbreter zum Schön- und Widerdruck richtig ausgeschossen sind, wird die Form gebildet. Betrachten wir einen gedruckten Bogen, so sehen wir, daß die Schriftzeilen der Columnen nicht bis an das äußere Ende laufen, sondern nach allen vier Seiten von einem weißen Rande umgeben sind. Dieser weiße Rand wird durch die Stege hervorgebracht, welche aus hölzernen oder metallenen Leisten bestehen, die aber, damit der Raum, den sie einnehmen, bei dem Drucke auf dem Papiere weiß bleibt, niedriger sind, als die Schrift. Ist die Form in allen einzelnen Theilen nach den richtigen Verhältnissen zusammengestellt, so wird sie geschlossen, wozu man sich eiserner Rahmen bedient, und dadurch wird sie nun mit einer solchen Festigkeit vereinigt, daß dieselbe gleichsam als eine einzige Metallmasse zu betrachten und zu gebrauchen ist.

Viele unserer Leser werden glauben, daß die Form nun zum Drucke gelangen kann, sie würden sich aber in diesem Falle bei dem Lesen der Bücher über die vielen Fehler sehr beklagen, welche sich in dem Satze noch vorfänden; denn da bei dem Setzen das Herausnehmen der Lettern aus den Fächern des Setzkastens gleichsam mechanisch geschieht, so ist es nicht zu vermeiden, daß dabei Versehen vorkommen. Die Mehrzahl der Fehler entsteht aber schon früher durch das Ablegen der Schrift. Es ist dies jene Operation, bei welcher, nachdem die ausgedruckte Form auseinander genommen, die einzelnen Typen sogleich wieder in die ihnen zugehörigen Fächer des Schriftkastens gebracht werden. Bei der Schnelligkeit, mit welcher die Lettern aus der Hand des Setzers in die Fächer gleiten, ist es aber nur zu leicht, daß einzelne Buchstaben in unrichtige Fächer gerathen, wodurch dann später bei dem Setzen die Fehler entstehen.

Um nun die hierdurch und in Folge anderer Versehen in den Satz gekommenen Fehler zu berichtigen, ist es unerläßlich, daß, bevor der Druck eines gesetzten Bogens in der ganzen Auflage erfolgen kann, ein Abzug davon mit dem Manuskripte genau verglichen werde, um die in ersterem enthaltenen Fehler zu corrigiren. Diesen Abzug, der auf Schreibpapier gemacht wird, nennt man den Correcturbogen, die Correctur, und denjenigen, der sich dieser Arbeit unterzieht, den Corrector. Gewöhnlich werden von dem Satze eines Buches zwei, öfters auch drei solcher Correcturen gelesen.

Nachdem nun der Satz in allen seinen Theilen vollendet und druckfertig ist, gelangen wir zu dem zweiten Hauptmomente der Herstellung, zu der Bewerkstelligung des Druckes selbst.

Um von dem Schriftsatze Abdrücke zu gewinnen, bedient man sich einer Maschine, welche Presse oder Buchdruckerpresse genannt [226] wird. Seit der Erfindung der Buchdruckerkunst bis zum Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts hatte die Buchdruckerpresse in der ursprünglichen einfachen Form, welche ihr das Bedürfniß sogleich bei ihrer ersten Anwendung gab, wenig Veränderungen erfahren; von diesem Zeitpunkte an hat man aber ihrer Construction eine vorzügliche Aufmerksamkeit gewidmet, und namentlich haben die Engländer und Deutschen eine nicht unbedeutende Anzahl im Princip von einander abweichender Constructionen geliefert, welche entweder einen schärferen Druck bei geringerer Kraftanstrengung des Arbeiters oder einen gleichmäßigeren Druck selbst bei größeren Formaten und überhaupt auch eine Beschleunigung der Arbeit an und für sich bezwecken. Wie bedeutend aber auch die Verbesserungen waren, welche die Buchdruckerpresse seit Anfang dieses Jahrhunderts erfahren hat, so trat mit der größern Ausbreitung der Literatur und der dadurch herbeigeführten Vermehrung der Production das Verlangen nach einer beschleunigten Herstellung der Druckerzeugnisse immer dringender hervor und hieß auf neue Mittel sinnen, um Alles zu übertreffen, was bisher erreicht worden war. Dieses Bestreben führte zu dem Triumphe aller Fortschritte der Typographie, zur Erfindung der Druckmaschinen oder Schnellpressen.

Wir verdanken diese Erfindung einem Deutschen, Friedrich König aus Eisleben, der seit 1804 seine geniale Idee unermüdlich verfolgte und nach vielfachen Hindernissen zuerst in England 1810 auf eine Flachdruckpresse ein Patent erhielt. Die von ihm in Verein mit seinem Landsmanns Andr. Friedrich Bauer aus Stuttgart unter der Firma König und Bauer in Kloster Oberzell bei Würzburg begründete Maschinenbaufabrik ist noch heute eine der bedeutendsten.

Mit dieser Erfindung theilt sich nun die technische Ausführung des Druckes in zwei Verfahren: in den Druck auf Pressen, welche durch die Hand bewegt werden (Handpressen), und in den Druck auf Schnellpressen oder solchen mechanischen Vorrichtungen, welche mittelst Cylinder drucken und entweder mittelst des Schwungrades durch Menschenhände, oder auch durch eine größere Kraft, z. B. eine Dampfmaschine, in Bewegung gesetzt werden.

Wir besuchen zuerst den Druckersaal, in welchem die Handpressen thätig sind. Hier erblicken wir 23 Handpressen, je zwei und zwei in vier Reihen aufgestellt und durch einen Säulengang in zwei Abtheilungen gesondert; unter diesen eine Handpresse größten Placatformats und eine kleine Accidenzpresse, sowie eine Numerirmaschine. Außerdem besitzt die Druckerei noch eine Zifferndruckmaschine, vermittelst welcher die fortlaufenden Nummern auf Werthpapieren etc. hergestellt werden.

Zu einer vollen oder ganzen Presse gehören zwei Arbeiter, der eine wurde früher der Preßmeister und der andere der Ballen- oder Walzenmeister genannt.

Die Farbe, deren man sich allgemein zum Drucken bedient, ist eine Oelfarbe, nur daß derselben statt des reinen Oels der durch Sieden erzeugte Firniß als Bindemittel beigesetzt wird. Nachdem der Preßmeister die vorher angefeuchteten weißen Bogen neben der Presse zurechtgelegt, sticht derselbe einen solchen auf die Punktirstifte, legt das Rähmchen um, befestigt es mit der Deckelschnalle und schließt den Deckel. Indem er mit der linken Hand die Kurbel dreht und so den Karren führt, ergreift er mit der rechten den Preßbengel und zieht ihn mit Gewalt gegen sich, wodurch der Abdruck der Form bewirkt wird. Durch Rückwärtsdrehen der Kurbel bewegt er den Karren zurück, schlägt den Deckel und das Rähmchen auf, nimmt den gedruckten Bogen heraus und steckt einen neuen weißen Bogen auf die Punktirstifte. Während dem hat der Walzenmeister das Einschwärzen der Form wieder besorgt und der Abdruck wird nun von dem Preßmeister auf’s Neue ausgeführt, so daß Beide ununterbrochen beschäftigt sind. Sobald eine Form ausgedruckt ist muß sie, damit die Farbe nicht antrocknet, gewaschen werden. Die rein gewaschene Form wird dann dem Setzer übergeben, der sie ausschließt, die Stege abnimmt und den Satz ablegt.

Nach erfolgtem Drucke der ganzen Auflage werden die Bogen in einem luftigen Raume, dem Trockenboden, auf abgerundeten Latten oder auf Leinen (sogenannten Uhrleinen) aufgehängt, damit das gefeuchtete Papier und die frisch aufgetragene Druckerschwärze gehörig trocknen. Von dem Maschinensaale des Souterrains aus führt durch alle Etagen des Druckereigebäudes ein Aufzug bis auf den Trockenboden, der, durch die Dampfmaschine gehoben, eine Last von 10 Centnern in Bewegung setzt. Vermittelst dieser Vorrichtung werden die ausgedruckten Bogen auf den Trockenboden geschafft, der die obersten Räume des ganzen Gebäudes einnimmt.

Da durch den Druck der Presse die Buchstaben bei dem Abdrucke der Form in die ebene Fläche des Papiers eingedrückt und die dadurch hervorgebrachten Schattirungen auf der andern Seite sichtbar werden, so läßt man bessere Druckwerke, nachdem sie gehörig getrocknet sind, glätten. Dies geschieht, indem man die einzelnen Bogen zwischen Glanzpappen (Preßspähne) legt und hierauf in die Glättpresse bringt, in welcher sie je nach Verhältniß der größern oder geringern Kraftanwendung derselben eine Zeit lang stehen bleiben. Zu diesem Behufe gelangen sie in die unter dem Trockenboden gelegene sogenannte Bücherstube, wo 6 Glättpressen aufgestellt sind, worunter 2 hydraulische Pressen mit vereintem Pumpwerk und 4 Schraubenpressen.

Bevor das Papier zum Drucke gelangt, läßt man es häufig satiniren, um ihm dadurch einen erhöhten Glanz zu verleihen; die einzelnen Bogen werden zwischen Zinkplatten gelegt, die man durch die zwei gußeisernen, geschliffenen Cylinder der Satinirmaschine laufen läßt. Soll dieses Verfahren angewendet werden, nachdem das Papier bedruckt ist, so muß die Druckerschwärze vorher vollständig trocken sein, weil diese sonst sehr leicht abschmieren würde. Dieser Bestimmung gemäß befinden sich 3 Satinirmaschinen in unmittelbarer Nähe der Handpressen und Druckmaschinen. Die einzelnen Bogen eines Buches werden alsdann zusammengetragen oder completirt, d. h. nach der Reihenfolge ihrer Signaturen in Lagen gebracht, so daß 5, 6 oder 7 Bogen eine Lage ausmachen. Sämmtliche Bogen, die zu einem Buche gehören, bilden ein Exemplar. In neuerer Zeit, wo die meisten Bücher broschirt oder gebunden ausgegeben werden, liefern die Druckereien häufig die einzelnen Bogen, ohne sie zu Exemplaren zu completiren, ab.

[237]
Die Gartenlaube (1858) b 237.jpg

Der Maschinensaal.

Wir wenden uns nun zu den Schnellpressen, welche in einem besonders Saale im Souterrain aufgestellt sind, und durch eine Dampfmaschine von 4 Atmosphären oder 8 Pferdekraft aus der Fabrik der König Friedrich August-Hütte im Plauen’schen Grunde bei Dresden in Bewegung gesetzt werden. Wir finden hier 14 Druckmaschinen in Thätigkeit, unter diesen 2 Doppelmaschinen größten Formats, auf denen die „Illustrirte Zeitung“ gedruckt wird, 2 Doppelmaschinen mittleren Formats, 4 einfache Maschinen Lexikonformats, 3 einfache Maschinen mittleren Formats, 2 Krummzapfenmaschinen und eine Accidenzmaschine.

Die leitende Idee einer Druckmaschine ist folgende: Die Form, welche gedruckt werden soll, liegt auf einem Fundamente, das durch den Mechanismus der Maschine eine regelmäßig-wagrecht hin- und hergehende Bewegung erhält. Die Druckform hat die gewöhnliche Einrichtung, jedoch keinen Deckel und keine Rähmchen, über derselben befindet sich auf der Mitte des Weges, den sie zu durchlaufen hat, die Druckwalze, ein Cylinder oder eine große Trommel, welche mit Filz überzogen, zum Auflegen des Papiers und zum Abdrucken desselben bestimmt ist. Vor dieser Trommel befindet sich das Farbenwerk, welches aus verschiedenen Walzen besteht, die, aus dem obern Farbenbehälter die Farbe aufnehmen und an einander abgeben, bis diese endlich auf der Hauptwalze, welche die Form einschwärzt, als eine gleichmäßige Schicht verbreitet ist.

Verfolgen wir nun den Gang der Maschine in ihrer Thätigkeit. Die Form liegt am Anfange ihrer Bahn. Jetzt beginnt die Maschine ihren Gang, die Druckwalze steht fest und ein Knabe legt an bestimmten Klammern einen Bogen Papier über der Walze an, die Maschine ergreift denselben und führt ihn auf die Walze. Unterdessen ist die Form unter dem Farbenwerke durchgegangen, hat dort von der Schwärzwalze die nöthige Farbe gleichmäßig vertheilt empfangen, und langt unter der Druckwalze zugleich mit den, zu druckenden Bogen an, welcher nun den Druck empfängt, und durch Leitbänder von der Druckwalze zu einer Tafel geführt wird, wo ihn ein zweiter Bursch abnimmt und auf den Stoß legt. Die Form beginnt jetzt ihren Rückgang, wobei die Druckwalze durch die Einrichtung des Mechanismus in die Höhe gehoben wird, um mit derselben nicht in Berührung zu kommen, und gelangt wieder an den Ausgangspunkt, um dasselbe Spiel zu wiederholen.

Die geographisch-artistische Anstalt.

Unter dieser Firma sind die technischen Zweige der artistischen Abtheilung vereinigt, welche aus einer Stahl- und Kupferdruckerei, aus einer lithographischen Druckerei und aus einem Atelier für [238] Zeichner und Lithographen, sowie für Stahl- und Kupferstecher besteht.

Die Druckausführung der Stahl- und Kupferplatten unterscheidet sich von dem Buchdruck hauptsächlich dadurch, daß sie nicht durch senkrechten Druck von oben nach unten vermittelst einer Schraube bewirkt, sondern daß die Platte zwischen zwei über einander liegende Walzen gewaltsam hindurchgeschoben wird. Beide Walzen sind so an einander gestellt, daß sie auf den Drucktisch, der sich zwischen beiden befindet, einen sehr starken Druck ausüben. Wird nun der einen Walze eine drehende Bewegung mitgegetheilt, so nimmt auch die andere Walze dieselbe an, und durch die Reibung wird der Drucktisch mit den darauf befindlichen Gegenständen, die aus einer Unterlage, dann der Platte mit dem zum Abdruck bestimmten Papier und einer Ueberlage nebst dem Drucktuche bestehen, zwischen den Walzen durchgezogen und der Abdruck vollendet. Die ersten Abdrücke von einer Platte fallen rauh aus; die besten finden sich unter den ersten Hunderten. Bei den Kupferplatten kommt es auf die Manier an, in der der Stich ausgeführt ist, wie viel Abdrücke man davon gewinnen kann. Von einer mit hohem Grabstichel gearbeiteten Platte können 1500 vollkommene Abdrücke gemacht werden; eine in Radirmanier scharf ausgeführte und tief geätzte Platte gibt 500 gute und eben so viel schwache Abdrücke. Eine geschabte Platte pflegt nur 100 bis 150 Abdrücke zu liefern. Von einer gut ausgeführten Stahlplatte lassen sich dagegen 5 bis 10 Tausend gute Abdrücke gewinnen, weshalb man sich des Stahlstichs auch besonders zu solchen Kunstwerken bedient, von denen ein starker Absatz zu erwarten ist.

Die Lithographie oder der Steindruck ist die von Aloys Sennefelder gegen Ende des vorigen Jahrhunderts erfundene Kunst, auf Kalkstein sowohl Umrisse als völlig vollendete Zeichnungen in jeder beliebigen Manier hervorzubringen, und diese durch den Druck zu vervielfältigen. Das technische Verfahren der Lithographie beruht hauptsächlich auf chemischen Grundsätzen, und richtet sich nach der Manier, in der die Zeichnung ausgeführt wird. Die Zeichnung, die vor jedem Abdruck mit einem feuchten Schwamme überfahren wird, nimmt die Schwärze auf, ohne daß diese auf dem übrigen Stein haften bleibt, was durch das Anfeuchten verhindert wird. Ist auf diese Weise die Zeichnung völlig eingeschwärzt, so wird das Papier, schwach befeuchtet, darauf gelegt, das Ganze mit einem in Rahmen ausgespannten Leder bedeckt, und so durch die Presse gezogen.

Die großen Vortheile der Lithographie, welche hauptsächlich in einer leichten und billigen Herstellung von Kunstblättern bestehen, haben sie schnell in die entferntesten Länder verbreitet; als Kunst hat die Lithographie aber in der neueren Zeit solche Fortschritte gemacht, daß ihre Leistungen mit den besten Kupferstichen wetteifern.


Außer den erwähnten drei Hauptabtheilungen der typographischen Production finden wir noch fast alle auf diesem Gebiete mitwirkenden Künste und Hülfsgewerbe vertreten, wie das Bedürfniß deren Anwendung und Ausdehnung hervorgerufen hat. Unter diesen erwähnen wir die galvanoplastische Anstalt, das Atelier für Holzschneidekunst, das Atelier für Gravir- und Stempelschneidekunst, die Buchbinderwerkstatt und die mechanische Werkstätte. Die letztere beschäftigt sich vorzugsweise mit dem Bau von Maschinen, welche in der Technik der Typographie praktische Anwendung finden. Aus ihr gehen die schon erwähnten Letterngießmaschinen hervor, wovon bereits nahe an 100 gebaut und verbreitet sind; nächstdem haben die neu construirten Zifferndruckmaschinen und die Paginirmaschinen die bedeutendsten Erfolge gehabt, welche bei Herstellung der jetzt so zahlreich producirten mit fortlaufenden Nummern versehenen Geldzeichen, Werthpapieren und Documenten die wesentlichsten Vortheile darbieten.

Als der Stamm aller dieser Geschäftszweige ist die Buchhandlung von F. A. Brockhaus zu betrachten, welche nun über ein halbes Jahrhundert besteht, und den Verlags-, Sortiments- und Commissionsbuchhandel umfaßt.


Wir haben unsere Leser durch die Werkstätten der Officin von F. A. Brockhaus geführt und in der vorstehenden Darstellung ein übersichtliches Bild zu entwerfen versucht, welche Stadien die literarischen Productionen in ihrer technischen Herstellung zu durchlaufen haben; es dürfte aber auch von dem allgemeinsten Interesse sein, noch einen Blick auf die typographische Production des gesammten Königreichs Sachsen zu werfen, um deren Umfang und Resultate in Ziffern darzustellen. Wenn diese Angaben in Folge mangelhaften Materials an Zuverlässigkeit und Genauigkeit auch noch Manches zu wünschen übrig lassen, so dürften sie doch, gestützt auf Ziffern, welche die gemachten Erfahrungen darbieten, im großen Ganzen als ein annähernd richtiger Maßstab gelten.

Nach den Mittheilungen des Dr. Engel in der Zeitschrift des statistischen Bureaus des königl. sächs. Ministerium des Innern waren Anfang 1856 überhaupt 110 Buchdruckereien mit 91 Schnellpressen und 272 Handpressen, 64 Glättpressen und 30 Satinirmaschinen thätig, welche (mit Ausnahme von 2 Leipziger Officinen, von denen die an sie gerichteten Fragebogen nicht beantwortet wurden und die 24 Handpressen und 4 Schnellpressen beschäftigen) außer den Principalen 42 Factore, 583 Schriftsetzer mit 199 Lehrlingen und 258 Buchdrucker mit 60 Lehrlingen, außerdem aber noch 488 Markthelfer und Tagearbeiter beschäftigten. Von diesen 110 Buchdruckereien arbeiten 35 nur mit einer Handpresse, dagegen hat Leipzig in 29 Officinen 66 Schnellpressen und 141 Handpressen und Dresden in 10 Officinen 15 Schnellpressen und 32 Handpressen in Thätigkeit. Die Massenresultate dieser Arbeitskräfte genau zu bestimmen, ist kaum möglich, und die dem statistischen Bureau darüber eingelieferten Angaben bleiben jedenfalls hinter der Wirklichkeit zurück.

Eine einfache Schnellpresse liefert in einer Stunde 1000 Drucke oder 500 auf beiden Seiten bedruckte Bogen, in einem Tage zu 10 Arbeitsstunden also 5000 Bogen oder einen Ballen Papier und in einem Jahre zu 300 Arbeitstagen 1,500,000 Bogen oder 300 Ballen.

Um aber dieses Resultat zu erreichen, müßte die Maschine während dieser Zeit ohne Unterbrechung fortarbeiten und daher ein und dieselbe Satzform drucken. Da dies aber in Wirklichkeit nicht stattfinden kann, so kommen auch ganz andere Resultate zur Erscheinung. Jeder Druckausführung geht eine Operation vorher, welche das Zurichten der Druckform genannt wird und darin besteht, die Druckform so auf das Fundament der Presse niederzulegen und in allen ihren Bestandtheilen zu prüfen, daß die Abdrücke fehlerfrei und sauber hervorgehen. Da nun jede Bogenseite eine Druckform bildet, so muß auch, sobald die bestimmte Anzahl Exemplare der Auflage davon gedruckt ist, eine neue Form zugerichtet werden, und je kleiner die Auflage ist, desto öfter wird diese Operation nöthig, desto mehr Zeit wird die Presse unthätig und desto kleiner das Massenresultat der gewonnenen Drucke sein.

Die Zeit, welche das Zurichten der Form in Anspruch nimmt, ist je nach Beschaffenheit derselben verschieden; je complicirter und kunstvoller der Schriftsatz ist, desto mehr Sorgfalt und Urtheil erfordert die Zurichtung, und der Druck von Illustrationen bietet daher die meisten Schwierigkeiten durch eine wahrhaft künstlerische Zurichtung der Form dar. Wenn wir nun beispielsweise eine Auflage von 2000 Exemplaren annehmen, so wird die Maschine zum Druck einer Bogenseite 2 Stunden nöthig haben und dann wieder so lange stillstehen, bis die neue Form zugerichtet ist, was 11/2 bis 3 Stunden, bei illustrirtem Drucke auch noch länger dauern kann. Anders gestaltet sich freilich das Resultat bei großen Auflagen, vielleicht bei 5 bis 10,000 Exemplaren, denn dann kann die Maschine 5 bis 10 Stunden lang ununterbrochen fortarbeiten, ehe eine neue Zurichtung der Form nöthig wird; indessen werden doch die meisten Druckerzeugnisse nicht in so großen Auflagen gedruckt. Aber auch außerdem treten noch mannichfache Umstände und Hindernisse der fortgesetzten Druckausführung entgegen, sowie die zahlreichen Accidenzarbeiten ungleich mehr Zeit in Anspruch nehmen, so daß sich das Resultat der möglichen Leistung in der Wirklichkeit bedeutend reducirt.

Nach den gemachten Erfahrungen läßt sich nun als Durchschnittsziffer annehmen, daß eine Handpresse in einem Jahre wenigstens 30 Ballen Papier oder 150,000 Bogen auf beiden Seiten bedruckt; die Leistungen einer einfachen Schnellpresse sind denen von 31/2, bis 4 Handpressen gleichzustellen und hiernach läßt sich das Massenresultat der Production ziemlich genau bestimmen.

Unter den 91 Schnellpressen Sachsens befinden sich 4 mit 2 Cylindern, welche das Doppelte liefern, und es würden demnach 95 einfache Schnellpressen und 272 Handpressen in einem Jahre mindestens ein Papierquantum von 18,135 bis 19,560 Ballen, durchschnittlich also 19,000 Ballen bedrucken.

[239] Fragen wir nun nach dem Capitalwerth, den die Herstellung dieser Massenproduktion in Anspruch nimmt, so können wir natürlich ebenfalls nur eine Wahrscheinlichkeits- oder Durchschnittsrechnung aufstellen, da die Ausführung des verschiedenartigsten Satzes und Druckes, die Qualitäten der Papiersorten und endlich das Honorar für die geistige oder speculative Production in jedem speciellen Falle die entscheidenden Factoren bilden. Wir müssen daher auf Grund der uns vorliegenden statistischen Angaben und eigener Erfahrung für jeden dieser Factoren eine Durchschnittsziffer annehmen, welche durch die gegenseitige Ausgleichung in der Massenproduction der Wirklichkeit auch ziemlich nahe kommen wird.

Die mechanische Herstellung in Satz und Druck läßt sich durchschnittlich auf einen Ballen mit 30 Thlr. annehmen und beträgt für die Massenproduction Sachsens von 19,000 Ballen 570,000 Thlr. Den Anschaffungswerth des Papiers berechnen wir nach den jetzigen Preisen im Durchschnitt für einen Ballen mit 20 Thlr., im Ganzen also mit 380,000 Thlr. Der Geldwerth für die geistige und speculative Production reducirt sich auf das Massenverhältniß eines Ballens zu 35 Thlr. und beträgt im Ganzen 665,000 Thlr. Die Gesammtproduction Sachsens würde hiernach also in einem Jahre ein Herstellungscapital von 1,615,000 Thlr. in Anspruch nehmen. Hieran hat Leipzig einen Löwenantheil: aus seinen Officinen gehen allein über 12,000 Ballen Druckerzeugnisse hervor, welche ein Anlagecapital von über eine Million Thaler repräsentiren.

Diese Resultate bieten uns aber noch nach einer andern Seite hin Stoff zur Betrachtung. Wenn wir nämlich die literarischen Zwecke in Betracht ziehen, denen diese Production Sachsens dient, so finden wir, daß mehr als der dritte Theil dieser Massenproduction auf die Zeitschriftenliteratur kommt.

Es erschienen Anfang 1856 überhaupt in Sachsen 202 Zeitungen und Zeitschriften in 343,883 Exemplaren, deren Auflage in einem Jahre ein Papierquantum von 35,171,311 Bogen oder 7034 Ballen 2 Ries 14 Buch in Anspruch nahm. Von diesen 202 Zeitschriften erschienen 4 täglich, 7 wöchentlich 6 Mal, 40 wöchentlich 2 bis 4 Mal, 94 einmal, 33 erschienen monatlich 1 bis 4 Mal, 13 jährlich 4 bis 13 Mal und 11 haben eine unbestimmte Zeit des Erscheinens.

Hinsichtlich der Massenproduktion stehen die politischen Zeitungen, Tage-, Wochen- und Intelligenzblätter obenan; ihre Zahl beträgt 101, von denen aber 57 nicht über 500, 18 von 500 bis 1000 und 21 über 1000 bis 3000, dagegen 3 3 bis 5000 und 2 5 bis 10,000 Auflage haben; sie verbrauchen jährlich allein ein Papierquantum von 21,574,801 Bogen. Diesen zunächst stehen die Zeitschriften vermischten Inhalts, meist der Unterhaltung und Verbreitung allgemeiner Kenntnisse dienend; obgleich nur 22 an der Zahl, werden sie doch jährlich in 8,645,000 Bogen verbreitet, unter ihnen sind 8 mit 1000 bis 5000 und 3 mit über 15,000 Auflage (das illustrirte Familienjournal mit 17,000 Auflage, der Dorfbarbier mit 18,000 Auflage, die Gartenlaube mit 45,000 Auflage[1]). Der schönen Literatur, Kunst, Musik, Theater und Mode gehören 16 an, welche jährlich in 1,523,700 Bogen erscheinen. 12 sind der allgemeinen Literatur, Bibliographie und dem Buchhandel gewidmet und werden jährlich in 1,240,210 Bogen gedruckt. Die übrigen 67 dienen rein wissenschaftlichen Zwecken und nehmen zusammen jährlich 2,197,600 Bogen in Anspruch.





  1. Gegenwärtig ist die Auflage der Gartenlaube bis auf 70,000 gestiegen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Deutschands