Ein Schreckenstag in der Geschichte der Stadt Radeberg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Friedrich Bernhard Störzner
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ein Schreckenstag in der Geschichte der Stadt Radeberg
Untertitel:
aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 34–36
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer: {{{ÜBERSETZER}}}
Originaltitel: {{{ORIGINALTITEL}}}
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
Originalherkunft: {{{ORIGINALHERKUNFT}}}
Quelle: SLUB Dresden und Wikimedia Commons
Kurzbeschreibung:
Siehe auch: Radeberg
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[34]
Was die Heimat erzählt (Störzner) 034a.jpg


11. Ein Schreckenstag in der Geschichte der Stadt Radeberg.

Ein ewig denkwürdiger Tag in der Geschichte der Stadt Radeberg an der vereinigten Röder ist und bleibt der 13. Juli. An diesem Tage brach einst ein furchtbares Unglück über diese Stadt herein. Ein gewaltiger Brand suchte am 13. Juli 1714 Radeberg heim. Die ganze Stadt wurde damals ein Raub der Flammen, nur die einzelstehende Pastoratswohnung, das Pirnaische Torhaus, vier daranstoßende kleine Häuser, dazu zum Teil die Pirnaer und Dresdner Vorstadt blieben von dem verheerenden Elemente verschont. –

Der 13. Juli war in jener Zeit der 2. Landesbußtag. Im Vormittagsgottesdienste hatte der Oberpfarrer D. Siegismund Richter eine gar ernste Bußpredigt gehalten und den zahlreichen Zuhörern scharf und eindringlich ins Gewissen geredet. Er verglich die Stadt Radeberg mit Sodom und Gomorrha und schloß seine Predigt mit den Worten:

„Ihr werdet es erfahren, Gott wird noch mit Donner und Blitz dareinschlagen. Amen!“ –

Diese letzten Worte seiner Predigt sprach er mit kräftiger Stimme und begleitete sie mit einem gewaltigen Schlage auf den Rand der Kanzel. Auf alle Zuhörer hatte diese ernste Bußpredigt einen tiefen Eindruck gemacht, und sie bildete nach dem Gottesdienste das Tagesgespräch der Bewohner. Zum größten Schrecken derselben sollten die Worte des Bußtagspredigers schon nach wenigen Stunden in Erfüllung gehen. Abends gegen 8 Uhr zogen drohende Wetterwolken über der Stadt sich zusammen. Es wurde finstere Nacht. Blitze flammten auf und durchzuckten die Finsternis. Grollend rollte der Donner. Die Bewohner ahnten Schlimmes, dazu war ihnen die ernste Bußtagspredigt noch zu frisch im Gedächtnis. Kurz nach 8 Uhr folgten Blitz auf Blitz und Schlag auf Schlag. Gleichzeitig schlug es dreimal an verschiedenen Stellen der Stadt ein und zwar in das Rathaus, in ein Gebäude am Pirnaischen Tore und in ein solches am Markte. Der Blitz hatte gezündet. In wenigen Stunden stand die ganze Stadt in Flammen, da die Wohnhäuser in jener Zeit zumeist aus Holz aufgeführt waren. Zusammen wurden 108 Wohnhäuser, 15 Scheunen und viele Viehställe, die Malz- und Brauhäuser, die Gebäude am Schloßtore, am Ober- und am Dresdner Tore, die Schule, die Wohnungen des Archidiaconus und des Diaconus, dazu die Stadtkirche, welche kurz vorher einen ganz neuen Turm erhalten hatte und auf dem vier schöne und wohlklingende Glocken hingen, ein Raub der Flammen. Die Glut war eine so furchtbare, daß fast niemand dem Feuerherde sich nähern konnte, [35] ohne in die größte Lebensgefahr zu kommen. An ein Löschen und Retten war unter solchen Umständen gar nicht zu denken. Die brennenden Schindeln der Dächer flogen, wie Augenzeugen berichten, bis in die nächsten Dörfer und brachten auch diesen eine große Gefahr. Die anfängliche Windstille ging in Sturm über, der heulend durch die Gassen fuhr und die Flammen förmlich vor sich her über und in alle Häuser der Stadt warf. Als ein wahres
Was die Heimat erzählt (Störzner) 035a.jpg

Alt-Radeberg: Die Kirche um 1830.

Wunder ist es zu bezeichnen, daß niemand in dem wütenden Feuermeere umkam. Nicht ein einziges Menschenleben war zu beklagen. Eine Frau, mit Namen Anna Büttner, hatte jedoch das Unglück, den Arm zu brechen. Sonst war niemand zu leiblichem Schaden gekommen. –

Die Aufregung der Bewohner war eine große. Das Jammern und Wehklagen wollte fast kein Ende nehmen. Der größte Teil der Bürger hatte Hab und Gut verloren und war an den Bettelstab gekommen. Als am anderen Morgen die Sonne aufging, beleuchtete sie kein blühendes Städtchen mit glücklichen Bewohnern mehr, sondern eine rauchende Trümmerstätte, an der die Radeberger standen und klagten. Sie gedachten dabei der Worte ihres ersten Predigers, die so schnell und unverhofft in furchtbarer Weise in Erfüllung gegangen waren. Dazu sahen sie, wie das Haus des Oberpfarrers unter denjenigen sich befand, die von den Flammen verschont geblieben waren. Deshalb erfaßte die unverständigen Leute eine wahre Wut gegen den Oberpfarrer, den sie allein für das schreckliche Unglück, von dem die Stadt betroffen worden war, verantwortlich machten. Sie schrieen ihn für einen Wettermacher, Brandstifter und Hexenmeister aus, rotteten sich zusammen, [36] zogen nach der Oberpfarre, belagerten diese und drohten, den ernsten Bußtagsprediger vom Tage vorher, zu steinigen. Doch gelang es noch zur rechten Stunde verständigen und einflußreichen Bürgern, die aufgeregte Menge zu beruhigen und den Oberpfarrer, welcher doch nur seine Pflicht getan hatte, vor Tätlichkeiten des Volkes zu schützen. Der Sturm der Aufregung legte sich, und Besonnenheit trat allmählich unter der verhetzten und törichten Menge ein.

Was die Heimat erzählt (Störzner) 036a.jpg

Alt-Radeberg: Die Bürgerschule im Jahre 1840.

Oberpfarrer D. S. Richter erlebte aber noch ein zweites Brandunglück der Stadt Radeberg. Nach dem Brande am 13. Juli 1714 entstand die Stadt auf den Trümmern allmählich von neuem und bekam ein freundlicheres Aussehen. Aber am 18. Mai 1741 entstand durch Verwahrlosung und Unvorsichtigkeit abermals ein großes Feuer, das wiederum fast die ganze Stadt in einen Schutt- und Aschehaufen verwandelte. Nur die Kirche, die Schule und 28 Häuser in den Vorstädten blieben vom Feuer verschont. Bei diesem zweiten Brande gingen leider auch die am 13. Juli 1714 geretteten Schriften und Urkunden des Kirchen- und Ratsarchives mit sehr wertvollen Manuskripten und anderen Denkmälern aus der Zeit bis vor Einführung der Reformation in Radeberg verloren.

Oberpfarrer D. Siegismund Richter, der am 13. Juli 1714 jene ernste Bußtagspredigt gehalten hatte, war von 1700 bis 1742 Pfarrer zu Radeberg. Über 60 Jahre hat er in verschiedenen Pfarrämtern gestanden und starb nach einer segensreichen Amtszeit in einem Alter von 87 Jahren und 5 Monaten. Er liegt in der Kirche zu Radeberg begraben.