Ein berühmter Apotheker in Clausthal – Johann Christoph Ilsemann

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Textdaten
Autor: Heinrich Morich
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Titel: Ein berühmter Apotheker in Clausthal
Untertitel: Johann Christoph Ilsemann
aus: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender 1941
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Erscheinungsdatum: 1940
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Erscheinungsort: Clausthal-Zellerfeld
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Ein berühmter Apotheker in Clausthal.
Johann Christoph Ilsemann.
Von H. Morich.


     Die im Jahre 1638 von Joachim Kranich gegründete Apotheke in Clausthal hatte von Anfang an tüchtige arzneikundige Besitzer oder Vorsteher, von denen der Apotheker Johann Christoph Ilsemann als der berühmteste bezeichnet wird. Er war geboren am 7. April 1727 als Sohn des Apothekers Joh. Wilhelm Ilsemann in Clausthal, der hier die Ratsapotheke in Pacht hatte. Nachdem er im Clausthaler Gymnasium, das zu jener Zeit auch Pädagogium hieß, eine gute Schulbildung genossen hatte, erlernte er bei seinem Vater die Arzneikunde, in der er sich nach seinen Lehrjahren als Apotheker-Gehilfe in Wolfenbüttel und Berlin noch weiter auszubilden suchte. Mit unermüdlichem Fleiße benutzte er alle erreichbaren Hilfsmittel, um sich in der Arzneilehre zu vervollkommnen.

     Im Jahre 1758 übernahm er die Apotheke seines Vaters in Clausthal und verheiratete sich bald darauf mit der Tochter des wohlhabenden Gastwirts zum Kronprinzen in Einbeck, namens Meyer, mit der er eine glückliche Ehe führte. Seine Frau war ein Muster von Güte und Wohltätigkeit, weshalb sie auch in der Bevölkerung sehr verehrt wurde. Zwar brachten die ersten Jahre des 7jährigen Krieges, der eine allgemeine Stockung im deutschen Handel verursachte, dem jungen Ehemann mancherlei Sorgen, aber bald veränderten sich die Verhältnisse zu seinen Gunsten. Er erhielt Arzneilieferungen, die ihm so viel Gewinn einbrachten, daß er den Grund zu seinem späteren ansehnlichen Vermögen legen konnte.

     Ilsemann hatte alle Eigenschaften eines pünktlichen und ordnungsliebenden Geschäftsmannes und war ein treuer und gewissenhafter Apotheker und ein Vorbild in der Ausübung seiner Pflichten. Wenn er auch mit eigentlich großen Anlagen nicht begabt war, so hatte er sich durch ausdauernden Fleiß einen so reichen Schatz von vortrefflichen Kenntnissen in der Chemie und Physik erworben, daß er als Fachmann überall geschätzt wurde. In Clausthal, dem Zentrum alles bergmännischen Betriebes auf dem Harz, wo er häufig zu chemischen Untersuchungen aufgefordert wurde, fand er Gelegenheit, seine reichen Kenntnisse und Erfahrungen in der Chemie zum Vorteil des Staates anzuwenden. Lange Zeit war er der einzige, der mit tiefer Sachkunde den chemischen Teil der Bergwissenschaften auf dem Harze pflegte. Sehr häufig gab er die Methoden [72] an, nach welchen das Ausbringen mancher Erze vor sich ging. Immer wurde er um Rat gefragt und gern befolgte man seine Vorschläge.

Seine Versuche über das Reinigen des Bariumoxyds vom Eisen, über das Molybdän, über die Bereitung des Knallsilbers, über die Darstellung des Silbers aus seiner Auflösung mittels Phosphors, über die Gegenwart des Mangans im Eisen hatten guten Erfolg. Sehr verdient machte er sich durch seine vielen schönen Eisenproben. Seine Versuche gingen dahin, das kalt- und warmbrüchige Eisen anwendbar zu machen, den Schwefel aus den Kiesen mittels Kalk zu trennen. Die Sachkenntnis, mit welcher Ilsemann chemische Prozesse durchführte, war erstaunlich. Auch in der Mineralogie hatte er ein tiefes Wissen und ausgezeichnete Kenntnisse. Er besaß eine wertvolle Mineraliensammlung, die Goethe auf seiner ersten Harzreise 1777 besichtigte. Sie war gewiß eine der instruktivsten und an Prachtstücken reichsten in Deutschland.

     Große Verdienste erwarb sich Ilsemann durch seinen Unterricht an der seit 1775 im Entstehen begriffenen Bergschule. Er unterrichtete zuerst in der Mineralogie, hielt dann aber auch öffentliche metallurgische und chemische Vorlesungen, was besonders für angehende Hüttenleute von Wichtigkeit war. Bei der Sorgfalt, mit welcher er arbeitete, und bei der großen Erfahrung in der Schmelz- und Hüttenkunde konnte es nicht anders sein, als daß seine Lehrmethode den erwünschten Eingang fand, und daß er durch seinen Unterricht selbst dem Bergwesen ungemein nützte. Frei von allem Eigennutz, bekleidete er sein Lehramt fast 25 Jahre lang. Der König erteilte ihm daher, zum Beweis der Anerkennung seiner wichtigen Verdienste, den damals ausgezeichneten Charakter eines Bergkommissärs.

     Sehr geschätzt wurde Ilsemann von den Berghauptleuten von Reden und von Trebra, welche die Sachkenntnis, mit welcher dieser Chemiker Schmelzprozesse durchführte, wie auch sein tiefes Wissen in der Mineralogie kennen gelernt hatten; sie ehrten ihn durch neue fast tägliche Beweise ihrer Zuneigung, wozu jedenfalls auch gerechnet werden kann, daß er die sehr einträglich gewordene Apotheke für die äußerst geringe Pacht von jährlich 500 Talern behielt. Der berühmte Arzt Lentin war ihm ein inniger Freund und Professor Gmelin erwähnt seiner ehrenvoll in der Geschichte der Chemie. Der norddeutsche Apothekerverein ernannte ihn zu seinem Ehrenmitgliede.

     Ilsemann hatte zwei Söhne, von denen der älteste Kaufmann in Hannover und der andere, ein gründlich gelehrter Apotheker, Chemiker und Mineraloge, der Nachfolger seines Vaters in Clausthal wurde. Der Kaufmann Karl Ilsemann ist in Clausthal bekannt durch seine milde Stiftung von 3000 Mk. im Jahre 1865. Eine dreifache Summe hatte sein Vater 1822 gestiftet. Außer den beiden Söhnen hatte Joh. Christoph Ilsemann noch 4 Töchter, die er gut ausstattete, denn er lebte in glänzenden Vermögensverhältnissen und machte ein Haus, dessen Gesellschaftszimmer von den ersten Beamten der Stadt besucht wurden.

     Leider wurde seine treffliche Frau noch im rüstigen Alter ihm durch den Tod entrissen, sein weitläufiger Haushalt forderte aber eine umsichtige und sichere Leitung. Er schritt deshalb zu einer zweiten Ehe mit der Tochter des Apothekers Meyer in Osterode, die ihn überlebte. Er selbst starb am 13. Oktober 1822 im 96. Lebensjahre, nachdem er 60 Jahre lang die Clausthaler Apotheke verwaltet hatte.