Eine Erinnerung an eine harte Zeit

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Titel: Eine Erinnerung an eine harte Zeit
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aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 832
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1876
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[829]
Die Gartenlaube (1876) b 829.jpg

Vor sechs Jahren bei Paris.
Nach seinem Oelgemälde auf Holz gezeichnet von unserem damaligen Feldmaler F. W. Heyne.

[832] Eine Erinnerung an harte Zeit. (Mit Abbildung Seite 829.) „Ich rechne die Tage von Villiers nächst dem 18. August und den Kämpfen bei Belfort zu den bedeutendsten Leistungen des Feldzugs.“ So sprach Kaiser Wilhelm, als er am 7. März aus dem Schlachtfeld von Champigny und Vigny Musterung hielt über die Württemberger und Sachsen, von denen namentlich die letzteren in den blutigen Treffen bei Champigny, Brie und Villiers die schwersten Verluste zu beklagen hatten. Wie dem Kaiser, so bleibt jedem Mitkämpfer die Erinnerung an jene Tage vom 30. November bis 2. December 1870 vor Paris treu im Gedächtniß, und ebenso erhält jedes damit zusammenhängende Erlebniß in jenen Tagen durch den ernsten Hintergrund seine Bedeutung. Ein solches stellt unser Bild dar, dessen Gegenstand unser Feldmaler Heyne der Mittheilung eines sächsischen Ulanen verdankt. Bei dem schweren wechselvollen Kampf um Champigny an dem grimmig kalten 2. December versprengt, irrte er am Kopf verwundet und halbverschmachtet in der Winterlandschaft umher. Endlich sieht er ein klosterartiges Gebäude. Ob nun Feind oder Freund dort hauste, erst kommt das Leben und das wird für einen Rettungstrunk gewagt. „Ich hatte ganz unvernünftiges Glück,“ erzählte er. „Denn wie ich rasch um die Ecke bog, um den Eingang zu suchen, steht so verblüfft wie möglich ein alter Mönch vor mir, einen Weinkrug in der Hand, mit dem er wahrscheinlich auf die siegreichen Landsleute gelauert hatte. Ich winkte sehr verständlich nach dem Kruge hin, meine lange Lanze mochte auch zum Guten reden, kurz, der Alte schenkte ganz freundlich ein und bot mir mit einem jedenfalls gutgemeinten Wort den Labetrunk. Ja, das war ein Labsal! Noch ein Glas und noch ein Glas und Handdruck und deutscher Dank – und fort sauste ich und fand nun, wieder ein ganzer Mensch, bald die Meinen wieder.“ – Dieses einfache Erlebniß fand gleichwohl Heyne’s Wohlgefallen so sehr, daß er es in einem großen Oelbilde, jetzt Eigenthum eines Nordamerikaners, verewigte.