Erster Nachtrag zu dem Verzeichniß der Vögel, welche in Franken nisten

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Autor: Adam Gottlob Truchseß von Wetzhausen
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Titel: Erster Nachtrag zu dem Verzeichniß der Vögel, welche in Franken nisten
Untertitel:
aus: Journal von und für Franken, Band 2, S. 693-698
Herausgeber: Johann Caspar Bundschuh, Johann Christian Siebenkees
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1791
Verlag: Raw
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Quelle: UB Bielefeld, Commons
Kurzbeschreibung:
s. a. Verzeichniß der Vögel, die in Franken nisten, Zweyter Nachtrag zu dem Verzeichniß der Vögel, welche in Franken nisten, Dritter Nachtrag zu dem Verzeichniß der Vögel, die in Franken nisten
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II.
Erster Nachtrag zu dem Verzeichniß der Vögel, welche in Franken nisten. (I B. 4 Heft. S. 457-464.)[1]

In dem oben genannten Verzeichniß vermiße ich folgende Vögel, von welchen ich aus eigner Erfahrung weiß, daß sie in Franken brüten.

 1) Der Fischreiher, horstet auf alten Eichen.

 2) Das Birkhuhn, Linn. Tetrao Tetrix, brütet auf der Erde, meistentheils auf jungen Schlägen.

 3) Der Tage-Schlag, Nachtschatten, oder Nachtglatzer, brütet in lichten Hölzern und jungen Schlägen, platt auf der Erde, ohne das geringste Nest gemacht zu haben.

 4) Der Baumreuter oder Baumläufer, Linn. Corthia familiaris grisca. Ein kleiner Specht, in der Größe, wie eine Graßmücke,| auf dem Rücken grau gesprengelt, am Bauche weißlich. Brütet auch, wie andere Spechte, in hohlen Bäumen.

 5) Der Wende- oder Drehhals ist im Winter nicht bey uns, kommt im Frühjahr spät, hat mit den Spechten vieles gemein. Er brütet wie jene in hohlen Bäumen, sucht seine Nahrung wie jene, auch hat seine lange Zunge Widerhacken, und an seinen Füssen stehen auch, wie bey den Spechten, vorn wie hinten zwey Zehen.

 6) Die Waldlerche, Pieplerche, Müller-Linneisch. Syst. II. p. 519. n. 5. ist nicht die Heidelerche, sie ist noch kleiner als diese, kommt im Frühjahr spät, singt meistens, indem sie aus der Luft herab auf einen Baum fällt, und auf den Bäumen. Brütet im Wald auf der Erde.

 7) Der Grünling, Linn. Loxia Chloris, brütet im Wald, auch in den Gärten, auf stark belaubten Bäumen.

 8) Der Gimpel, Linn. Loxia Pyrrhula, brütet schon lange auf den Röhngebirgen, und seit 12 bis 15 Jahren auch in hiesiger Gegend auf den Haßbergen, auf jungem Nadelholz.

|  9) Das Rothkehlchen, Linn. Erithacus, brütet im niedrigen Gesträuch, und hat oft das Schicksal einen Guckguck ausbrüten und aufziehen zu müssen.

 Diese 3 Vögel, Nro. 7. 8. 9. sind sub Nro. 47 nur für Strichvögel angegeben; allein sie brüten sicher häufig in Franken.

 10) Das Backöfelein. Allem Vermuthen nach Büffons Sänger, der in der Ottoischen Übersetzung 16 B. S. 201 beschrieben ist, brütet im Wald auf der Erde in einem Nest, welches bis auf eine kleine Öffnung ganz zugebauet ist, wovon es auch seinen Namen bekommen haben mag.

 11) Der Kernbeisser, Linn. Loxia Cocothraustes, brütet in einem etwas großen Nest, in Lichten.

 12) Das Schwarzblättlein, eine Meiße. Zorns Blattenmeiße, brütet wie andere Meissen, in Höhlen.

 13) Die Schwanzmeiße, oder Pfannenstiehl. Grauschwarz und weiß, mit einem sehr langen Schwanz. Brütet nicht wie die andern Meissen in Höhlen, sondern in einem Nest, welches in Lichten stehet, und bis auf eine kleine Öffnung ganz zugebauet ist.

|  14) Das Goldhühnchen, Linn. Regulus, ein Vögelchen, noch kleiner als der Zaunkönig; so wie dieser braun, so ist jenes olivenfärbig, und hat ein goldgelbes Fleckchen, wie ein Gerstenkorn, auf dem Kopfe. Brütet in einem runden zugebauten Nest, welches nur mit einem ganz kleinen Loche versehen ist.

 15) Die Wasserschnepfe, deren es verschiedene Arten gibt. Davon brütet die 3te Art, nach der Größe von oben herunter gerechnet, die so genannte Himmelsziege, hier zu Land an feuchten Orten im alten Gras.

 Die 4te und 5te Art, das Grießhuhn und der Sandläufer, brüten aller Vermuthung nach auch in Franken, an etwas starken Flüssen.

 16) Der Eisvogel ist im I B. 6ten Heft dieses Journals S. 741 etc. schon berichtiget.

 Ohne Zweifel brüten in andern Gegenden Frankens, deren ich nicht so kundig bin, noch mehrere Arten Vögel, die noch angeführt werden könnten, und wozu hiemit andere Liebhaber der Naturgeschichte, woran es in unserm Franken wohl nicht fehlet, aufgefordert werden.

 Noch einige andere Bemerkungen und Anfragen kann ich hier nicht umgehen:

|  a) Nro. 21. Bey dem großen Neuntöder heißt es: „frißt allerhand kleine Vögel, und kann ihrer aller Stimme nachmachen.“ Ersteres ist wahr, letzteres aber falsch; er läßt nur einen einfachen Ton von sich hören; und mag dieser auch zu dem nachfolgenden Satz mit gehören, und auch nur eine Sage seyn: „man sagt, es bringe einer des Tags 9 kleine Vögel um.“

 b) Nro. 31. Bey der Ringeltaube heißt es unter andern: „und schwarzen Strichen auf den Flügeln“ und

 c) Nro. 32. „Holztaube ganz licht mit gleichen Flügeln:“ beydes ist falsch, denn weder die Ringeltaube, noch Holztaube haben schwarze Striche auf den Flügeln, wohl aber auf den Schwänzen.

 d) Nro. 41. heißt es von der Meeramsel, „sind weiß und schwarz scheckicht mit einem weissen Halsring.“ Demnach wäre von einer Farbe so viel als von der andern, welches doch nicht ist. Die Grundfarbe ist schmutzig schwarz, und die schmutzig weissen sprenglichten Tupfen sind meistens nur auf den Flügelfedern. Auch ist der gedachte weisse Halsring mehr ein weisser Brustschild, als Halsring.

|  e) Nro. 69. heißt es unter andern auch: „Ingleichen die wilden Pfauen sind Strichvögel.“ Da mir, so wie vielen andern, die ich, seitdem ich dieses gelesen, darüber befraget, kein Vogel, der Franken oder Teutschland nur überstreicht, unter dem Namen wilder Pfau bekannt ist; so wird der Hr. Einsender ersucht, sich näher zu erklären, was er unter diesem Namen eigentlich für einen Vogel verstehe? Sollte allenfalls der Namen wilder Pfau nur ein Provincialismus seyn, so würde die Anführung des Linn. oder Büff. oder Gessn. oder Hall. oder eines andern berühmten Zoologen Benennung, diesen Umstand gleich aufklären.

 Bundorf

A. G. Freyherr von Truchseß, 
Ritterrath beym Canton Baunach. 



  1. Es sind noch mehrere solche Nachträge eingesendet worden, welche nach und nach sollen mitgetheilt werden, um die noch vernachlässigte Fränkische Naturgeschichte zu berichtigen und zu erweitern. d. H.