Für Reisende und Jäger

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Textdaten
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Autor: Friedrich Gerstäcker
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Titel: Für Reisende und Jäger
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 38, S. 639–640
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[639] Für Reisende und Jäger. Das Leben wird uns durch immer neue Erfindungen mit jedem Jahre angenehmer gemacht, und besonders für Reisende ist in den letzten Jahrzehnten das Außerordentlichste geschehen. Ich rede dabei nicht von den zahllosen neu erfundenen „Reise Utensilien“, wie sie gewöhnlich genannt werden, denn man brauchte einen Leiterwagen, um diese alle mitzuführen, aber zwei wirklich praktische Dinge sind aufgetaucht und werden trotzdem noch viel zu wenig benutzt. Ich meine das Fleisch- und das Kaffee-Extract.

Dem Fleischextract steht seine unpraktische Verpackung entgegen, denn die einmal geöffneten Büchsen lassen sich wohl im Hausstand verwerthen, sind aber auf der Reise, zum Beispiel besonders bei warmem Wetter, gar nicht mitzuführen, ohne daß man der Gefahr ausgesetzt wäre, durch das auslaufende Fett andere Dinge zu verderben.

Die Nordamerikaner verstehen besser als wir, Allem, was sie benutzen, auch ein passendes Gehäuse zu geben, und ihre Medicinen und Droguen zum Beispiel findet man in den verschiedenen Apotheken aller Welttheile, aber nicht etwa deshalb, weil sie besser und reiner hergestellt wären als die unseren – Gott bewahre; es ist oft das Gegentheil der Fall, nein, allein deshalb, weil sie in hübschen und zierlich etikettirten Flaschen und Büchsen so verwahrt sind, daß sie auch zugleich eine Zierde jeder Apotheke werden, während man sie leicht öffnen und wieder luftdicht verschließen kann.

Ebenso müßte das Fleischextract auch in kleinen, festverschlossenen, aber [640] doch auch leicht zu öffnenden und leicht wieder zu schließenden Büchsen verwahrt sein, und jeder Reisende könnte es dann bei sich führen. Welche Wohlthat das aber besonders im Winter wäre, wo man in den verschiedenen Eisenbahnstationen das Bedürfniß nach einer Tasse Bouillon fühlt, und dort nur mit heißem Wasser, auf dem ein paar Fettflecke herumschwimmen, erquickt wird, ist kaum zu sagen.

Wer selber praktisch ist, kann sich das nun allerdings auch selber wohl zum Gebrauch herstellen, aber die Wenigsten geben sich dazu die Mühe, und die Industrie sollte sich deshalb – und gewiß mit gutem Erfolg – der Sache bemächtigen.

Ein anderer Gegenstand ist der erbärmliche Kaffee, den man nur zu häufig auf den Bahnhöfen bekommt. Bisher war man nun auf Reisen Morgens um vier oder fünf Uhr verschlafenen Kellnern mit ungekämmten Locken rettungslos preisgegeben und mußte – wenn man an Kaffee früh gewöhnt war – einen dünnen Aufguß mit zweieinhalb oder fünf Groschen bezahlen – aber auch darin haben wir eine Hülfe gefunden, und zwar hauptsächlich durch den letzten Krieg, der, neben der Erbswurst, auch eine Masse anderer Dinge in’s Leben rief, wo Ersparniß an Raum und Gewicht wesentlich wurde.

Das Kaffee-Extract von Friedr. Nienhaus in Düsseldorf läßt da kaum etwas zu wünschen übrig, besonders das praktisch in kleinen, wie Schnapsflaschen geformten Blechbüchsen versandte, die durch einen einfachen Kork fest und luftdicht verschlossen sind.

Mit einem zweckmäßig hergestellten Flacon Fleischextract und einer solchen Blechbüchse voll Kaffee-Extract kann man allen Schrecken von Bouillon und Kaffee in den verschiedenen Bahnhofs-Restaurationen trotzen, und wenn das Reisen dadurch nicht bequemer werden sollte, wird es doch erträglicher.

Jäger besonders aber, denn die heiße Herbstsuche hat wieder begonnen, mache ich auf das mit Arrak versetzte Kaffee-Extract, das ich selber erprobt, aufmerksam. Wassertrinken auf der Hühnersuche ist, wo wir von ansteckenden Krankheiten bedroht werden, gefährlich, Wein kann man nicht mitführen, er nimmt zu viel Raum ein und wird warm, Branntwein allein stillt wohl den Durst für den Augenblick, aber erschlafft die Sehnen – ein Schluck dieses Kaffee-Extracts mit Arrak aber löscht nicht allein den Durst, sondern erquickt und kräftigt auch, und Mancher wird mir diesen Fingerzeig danken.
Friedrich Gerstäcker.