Frühlingslieder

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Textdaten
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Autor: Ludwig Uhland
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Titel: Frühlingslieder
Untertitel:
aus: Gedichte von Ludwig Uhland, Seite 54–57
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1815
Verlag: J. G. Cotta’sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Stuttgart und Tübingen
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Quelle: MDZ München = Commons.
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Frühlingslieder.


1. Frühlingsahnung.

O sanfter, süßer Hauch!
Schon weckest du wieder
Mir Frühlingslieder,
Bald blühen die Veilchen auch.

2. Frühlingsglaube.

5
Die linden Lüfte sind erwacht,

Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sey nicht bang!

10
Nun muß sich Alles, Alles wenden.


Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Thal.

15
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!

Nun muß sich Alles, Alles wenden.

[55]
3. Frühlingsruhe.

O legt mich nicht in’s dunkle Grab,
Nicht unter die grüne Erd’ hinab!
Soll ich begraben seyn,

20
Lieg’ ich in’s tiefe Gras hinein.


In Gras und Blumen lieg’ ich gern,
Wenn eine Flöte tönt von fern,
Und wenn hoch obenhin
Die hellen Frühlingswolken ziehn.

4. Frühlingsfeier.

25
Süßer, goldner Frühlingstag!

Inniges Entzücken!
Wenn mir je ein Lied gelang,
Sollt’ es heut nicht glücken?

Doch warum in dieser Zeit

30
An die Arbeit treten?

Frühling ist ein hohes Fest:
Laßt mich ruhn und beten!

[56]
5. Lob des Frühlings.

Saatengrün, Veilchenduft,
Lerchenwirbel, Amselschlag,

35
Sonnenregen, linde Luft!


Wenn ich solche Worte singe,
Braucht es dann noch großer Dinge,
Dich zu preisen, Frühlingstag?

[57]
6. Frühlingslied des Recensenten.

Frühling ist’s, ich lass’ es gelten,

40
Und mich freut’s, ich muß gestehen,

Daß man kann spazieren gehen,
Ohne just sich zu erkälten.

Störche kommen an und Schwalben,
Nicht zu frühe, nicht zu frühe!

45
Blühe nur, mein Bäumchen, blühe!

Meinethalben, meinethalben!

Ja! ich fühl’ ein wenig Wonne,
Denn die Lerche singt erträglich,
Philomele nicht alltäglich,

50
Nicht so übel scheint die Sonne.


Daß es Keinen überrasche,
Mich im grünen Feld zu sehen!
Nicht verschmäh’ ich auszugehen,
Kleistens Frühling in der Tasche.