Franz Josef Brors - Unterbach - 006

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1. April 1900 zur Bürgermeisterei Gerresheim gehörend, bildet es seitdem
mit den genannten Orten die Bürgermeisterei Erkrath. Von letzterem
Orte ist es getrennt durch einen Gebirgszug, welcher als Ausläufer des
Sauerländischen (richtiger Süderländischen) Gebirges, gleichzeitig die
Grenze des Rheintales bildet. Wenn man vom Heiligenhäuschen aus den
Blick auf Unterbach wirft, so erblickt man hier und da ein einzelnes
Gehöft und zusammenstehende Häuser und glaubt nicht ein Dorf von
1600 Einwohner vor sich zu sehen. Der Blick fällt vornehmlich auf das
Bruch und wird begrenzt durch den Eller Forst. Ersteres könnte dem
Ort noch einmal eine Bedeutung verleihen, wenn die Pläne, die man da-
mit hat, zur Ausführung gelangen. Ueber den erwähnten Gebirgszug
führt von Vennhausen, an dem Hohlwege bei der Knuppertzbrücke beginnend,
ein Weg über Höhscheid-Rathelbeck am Heiligenhäuschen vorbei nach
Hochdahl, welcher vielen wegen seiner schönen Fernsicht bekannt ist. Dieser
Weg, (die alte Gräfrater Straße) der Grenze des Rheintales entlang,
darf wohl als eine der ältesten Straßen der Gegend bezeichnet werden,
einige wollen eine Römerstraße darin erblicken, ich glaube aber, daß
dieselbe schon vor der Zeit der Römer bestanden hat.
Im Sommer d. J. 1873 machte man in der Nähe des Heiligen-
häuschens am Stolzenhäuschen, einen größeren Münzfund. Spielende
Kinder gruben unter einer Baumwurzel aus dem Sande einen steinernen
Topf aus, der 1008 dünne Silbermünzen und 28 Goldstücke enthielt.
Dieser Fund stammte aus der Zeit des 14. Jahrhunderts. Er enthielt
Münzen der damaligen rheinischen Münzherren ; u. a. sogen. Tournosen
aus der Münzstätte Mülheim a. Rh., laut der Umschrift unter Wilhelm 1,
(1360 - 1408) Comes de Monte - Graf von Berg - also vor 1380 ge-
hoben wurde. Ferner Münzen von Köln, Trier usw. Verfasser besitzt
davon eine Goldmünze unter Reinhold 1V. von Geldern (1402-23) ge-
prägt, da er erst in diesem Jahre vom Kaiser Wenzel zum Herzog er-
prägt. Früher schon hat man in Erkrath am Fabers Berg einen ähn-
lichen Fund, einen eisernen Kessel mit Geldmünzen, gemacht ; in Unterbach
selbst sind meines Wissens keine geschichtlichen Funde gemacht worden.
Ueberschaut man vom Heiligenhäuschen aus Unterbach und dessen
nähere Umgebung, so drängt sich unwillkürlich die Frage auf, wie sah die
Gegend aus, ehe ein Mensch sich hierhin verirrte, bezw. ehe die Kultur
ihre verändernde und verbessernde Hand anlegte? Wir brauchen wohl
nicht unsere Fantasie zu sehr anzustrengen, wenn wir uns dasselbe Bild
vorzustellen haben, wie es sich jetzt dem Forscher zeigt, wenn er unbe-
wohnte Gegenden von Afrika und Amerika betritt. - Der Rhein in Ur-
zeiten am Binger Loch einen Wasserfall bildend, hatte sich allmählig durch
das Felsengestein gesägt und betrachtete das ganze Rheintal als sein
unbeschränktes Gebiet, da keine Hand ihm Schranken setzte. Bei Hoch-
wasser und großen Schneeschmelzen war das ganze Tal ein weiter See
und je nach Laune verlegte der Strom einmal seine Flutrinne nach rechts
und einmal nah links, sodaß man namentlich am Niederrhein überall die
Spuren seines vormaligen Laufes noch vorfindet, durch Rheinkiesel, Sand,
Muscheln, sowie auch vereinzelt die Knochen ausgestorbener urweltlicher
Tiere. Wenn dann später wieder Niederwasser eintrat, war das Strom-
bett häufig verändert, so daß man sich auch erklären kann, daß Neuß und
Zons früher vom Rhein bespült wurden und Haus Bürgel bei Urdenbach
sogar früher auf der linken Rheinseite lag. Bei Urdenbach ist das alte
Rheinbett noch gut zu verfolgen. Von hier aus wandte sich der Rhein
früher auf das Unterbacher Bruch zu, welches er ganz überschwemmte