Franz Josef Brors - Unterbach - 007

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und in mehrfachen Armen geteilt am Grafenberg vorbeifloß, auf Kaiserswerth
und Angerort zu, sodaß der Kittelbach, wie ja auch sein alter Name (Ketil) anzeigt,
jetzt noch als der Rest eines alten Stromlaufs des Rheines anzusehen ist.
Seitdem der Niederrhein unter preuß. Herrschaft gekommen, hat die
Rheinstrombauverwaltung große Arbeiten ausgeführt, wodurch dem Rheine
feste Grenzen gezogen sind, welche er so leicht nicht mehr überschreiten
wird, wenn auch wie im Jahre 1876 die Befürchtung, der Stoffeler
Damm könnte durchbrechen, nicht gering war. Inzwischen ist durch die
Rheinufervorschiebung und Aufhöhung der sogen. Golzheimer Insel die
Gefahr für Düsseldorf vorüber. Solche Werke, welche große Opfer an Geld,
sowie scharfsinnige Berechnungen erforderten, konnten unsere Vorfahren bei
der großen Zersplitterung der Länder nicht zur Ausführung bringen.
In dem Bruch findet man auch an vielen Stellen 1-2 Meter unter
der Grasfläche eine feste Kieslage, ein untrüglicher Beweis, daß man ein
altes Strombett vor sich hat. Das Bruch diente außer dem reichlichen
Graswuchs, sowie an Schilf und Rohr zur Viehhaltung, hauptsächlich zur
Torfgewinnung, welcher ein billiges Brennmaterial abgab. Bei dieser
Gelegenheit des Torfstichs kommen häufig noch halbvermoderte Baum-
stämme zum Vorschein. Auch ist das Bruch noch ein Aufenthaltsort von
allerlei sonst nicht so leicht zu findenden Pflanzen und Tieren, wie Kreuz-
ottern, Blindschleichen, Eidechsen und dergleichen. Die Vogelwelt ist auch
in ihren besonderen Arten von allerlei Sumpfvögeln vertreten und mangelt
es ihr nicht an der nötigen Nahrung. Der Jäger findet ein ergiebiges
Jagdgebiet. Für die näheren Bewohner des Bruchs war aber auch das
Sumpffieber (Friesel) eine arge Plage, von dem besonders die Kinder
heimgesucht wurden. Im Laufe der Zeit, als das Bruch immer mehr
austrocknete und besonders durch geeignete Entwässerung, wurden die
Fiebererkrankungen seltener, was für die Bewohner des Venns, welche
besonders am Bruchrande wohnten, zu einer großen Wohltat geworden.
Wann die Austrocknung, bezw. die Entwässerung, ihren Anfang ge-
nommen, dürfte wohl nicht mehr festzustellen sein. Bis zum Jahre 1800
wird wohl nicht viel dafür getan worden sein. Das Streben der Natur,
die Unebenheiten der Erdoberfläche allmählich auszugleichen, wurde unter-
stützt durch das natürliche Wachsen des Moorbodens, sowie durch von Wind
und Wetter herbeigeführten Staub und Sand, sodaß schließlich den Be-
wohnern der Gedanke kam, das bis jetzt nur wenig ausgebeutete Bruch
besser auszunutzen. Deshalb fing man an, die vorhandenen Bäche und
Wasserläufe zu vertiefen bezw. ganz neu anzulegen, um so das Grund-
wasser, sowie die vielen Quellen (Sprünge genannt) abzuführen. Der
größte Bach wurde verbreitert und ziemlich gradläufig gemacht. Es
ist dies der Bach, welcher an der Mahnerts Mühle in der Qnallerheide
entspringt und bis zur Grenze von Unterbach der Hühnerbach heißt, von
da bis zu seiner Einmündung in die Düssel bei Schloß Eller heißt er der
Eselsbach, welcher Name häufig zu scherzhaften Anspielungen auf die
Unterbacher Bewohner benutzt wurde. Der Name rührt von den Eseln
her, die hauptsächlich zum Sandtransport[1] von Hochdahl nach Düsseldorf
ihren Weg an diesem Bache vorbei über Eller zur Stadt zogen. In
früheren Zeiten waren die Wege in Unterbach sehr schlecht, auch war die
gewählte Linie wohl die kürzeste. Der Esel, ein genügsames und aus-
dauerndes Tragvieh, eignete sich am besten für den Transport. Er hatte
seinen Haltepunkt auf dem Burgplatze zu Düsseldorf, wo er wohl mit den


  1. Vielleicht kommt der Name Sandträgersweg daher, sowie der Spitz-
    name: Unterbacher Sandhase.