Garibaldi in Palermo

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Titel: Garibaldi in Palermo
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aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 492-494
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Garibaldi in Palermo.
Aus zwei Briefen eines deutschen Malers im Garibaldi’schen Freicorps.

Ja, auch ich habe mich den Garibaldi’schen Streitern angeschlossen und längst Pinsel und Palette und die öligen Farben-Päckchen im alten, verfallenen Rom weggeworfen. Ich kenne wenigstens 150 Deutsche aus allen möglichen Ständen und Gegenden, die sich neben Russen und Engländern, Franzosen und Ungarn, Polen und Griechen als italienische Freischaaren unter dem bezauberten und bezaubernden Commando-Stabe unseres Oberhauptes geltend zu machen suchen. Die schweizerischen Söldner, die die Ersten waren, die Fahnen ihres „Brodherrn“ zu verlassen und zu uns zu fliehen, zähle ich gar nicht mit. Sie werden aber mit uns fechten, d. h. gegen Schweizer, gegen Landsleute, die „drüben“ blieben. Schweizer im Lager der Legitimität und Schweizer im Lager der Revolution, Beide gegen gleich baare Bezahlung – eine hübsche Moral, die darin liegt! Die Fürsten können daraus sehen, daß Freiheit mit denselben Mitteln gefördert werden kann, mit denen diese Bourbonen bis dahin den vollendetsten Despotismus, die Inquisition und Gerichtsverfahren mit der raffinirtesten Tortur aufrecht erhielten. Auch der stupideste, religiöse Fanatismus, der Wunderglaube und alle die Früchte der polizeilichen Priesterherrschaft, unter der die Sicilianer zu treuen Unterthanen ihres göttlichen Königs erzogen wurden, alle diese Mittel des Despotismus haben sich jetzt gegen ihn bewaffnet. Jetzt ist ihnen Garibaldi der Heilige. Sie schwören darauf, daß mit seiner Ankunft auf Sicilien die heilige Mutter Gottes und Jungfrau vom Himmel herabstieg und ihn unverwundbarer machte, wie einst eine heidnische Göttin den Achilles, der wenigstens seine schwache Ferse behielt. Die Sicilianer würden den als Ketzer behandeln, der von einer Achilles-Ferse Garibaldi’s spräche. Und doch hat er eine: er ist ein tüchtiger Haudegen von Stahl und Eisen, von diamantener muthiger Ausdauer, aber wegen der Ehrlichkeit und Gradheit seines Wesens schwach als Diplomat. Ja, so weit sind wir in der Diplomatie gekommen, daß die herrlichsten Mannestugenden in ihrem Kreise zur Schwäche, zum Verbrechen werden.

Wie göttlich er aber hier verehrt wird, zeigte sich niemals glänzender, rührender, volksthümlicher, als am 2. Juli, dem Feste der heiligen Rosalia, der Schutzpatronin Palermo’s. Ihre Klosterkirche [493] steht auf dem 2000 Fuß hohen Monte Pellegrino am Nordwestende des Hafens, unzugänglich für gewöhnliche Beine und Nerven, da der Weg sich an der steilen, zackigen Felsenmasse in furchtbaren Zickzacks über gebrechliche, morsche Brücken und wankende Bogen, auf schmalen Stegen an Abgründen entlang, in scharfen Kanten und Biegungen hinaufwindet. Und dennoch hatte sich der Kegel oben und die Kirche schon bei guter Zeit am Morgen mit Andächtigen gefüllt, und immer noch strömten Wallfahrer hinauf, um vor dem Bild der Heiligen zu knieen und für Garibaldi zu danken, für Garibaldi zu bitten, Garibaldi leben zu lassen, den Namen Garibaldi weit hinaus in den sonnigen, blauen Himmel, über das lachende, strahlende, unendliche Meer hinzujauchzen. Die Hauptfeierlichkeiten fanden unten statt: Processionen durch die Straßen und Gottesdienst in der Santa-Rosalia-Domkirche. Ich habe nichts davon gesehen, da ich meinen Urlaub dazu benutzte, den ganzen Tag auf den lichten, sonnigen, himmlischen Höhen des Monte Pellegrino zuzubringen, frei zu athmen, mich der schönen, überirdischen und doch irdischen Seligkeit dieser Luft, dieses Lichtes, dieser Aussicht zu freuen, an die dunkele, ferne Heimath zu denken, von Freiheit zu träumen, auf Freiheit, auf glückliche Völker zu hoffen und der Todtengebeine, der in Ketten lebendig Halbverweseten, der von Ketten bis auf die Knochen durchgeriebenen, eiternden Glieder, der furchtbaren Schatten und Schreckensgestalten zu vergessen, die nach unserm Einzuge tausendweise aus dem Kerker wankten. Zwanzigtausend Gekerkerte und Gekettete wankten durch die geöffneten Gefängnißthore. Wie Viele waren verhungert, zu Tode gemartert worden, um über- und unterirdische Räume mit Gebeinen zu füllen! Ueberall in versteckten Winkeln und Löchern Menschengebeine, Todtengerippe zwischen Mauern, unter den Fußböden unterirdischer Kerkerlöcher, in den Höfen – Gott, und deshalb, weil sie den größten Tyrannen, der je einen Thron einnahm, nicht als von Gott bestellten Landesvater liebten oder wenigstens in dem Verdacht gestanden hatten, ihn nicht zu lieben! Und bis zu Garibaldi, wie wirthschaftete die Polizei für den 21jährigen Jüngling des neapolitanischen Thrones?

Jedes Polizei-Revier hatte seine Tortur-Bureaux. Sie wurden in Sicilien unter Direction des Oberbüttels Maniscalco, in Neapel unter Ajossa für die Ehre dieses Thrones verwaltet. Sie ließen zunächst jeden Tag tausende von Hieben austheilen, wobei oft Knochen zerschlagen und Fleisch aus dem Körper gerissen wurden. Aber so gnädig kamen nur die absolut Unschuldigen weg. Alle Unschuldigen, an deren Unschuld man nicht glaubte und die nichts zu gestehen hatten, wurden durch verschiedene Instrumente ermahnt, zu bekennen, zu gestehen. Wenn man ihnen den Kopf zwischen die Beine band und sie so liegen ließ, bis sie aussagten, was man ihnen schuld gab, waren sie verhältnißmäßig noch glücklich gegen die, die auf einen eisernen Rost gebnnden wurden, unter welchem man Feuer anmachte, in welches Feuer manchmal auch Schwefel geworfen ward. Dieses Rösten war eine besondere Liebhaberei des Polizei-Directors Pontillo. (Ich höre eben, daß ihn das Volk verbrannt hat, aber ohne Rost und Schwefel.) Andere bedienten sich gern des von Luigi Maniscalco (einem Vetter des Oberbüttels von Sicilien) erfundenen „Engelsinstruments“. Es ist sehr einfach, aber diabolisch in höchster Vollendung: ein dicker eiserner Ring, inwendig sehr breit, auf einer Seite mit einem Kolben an einer Schraube versehen. Man steckt einen Arm oder ein Bein des Angeklagten in den Ring und dreht die Schraube, welche den Kolben gegen das Glied drückt, bis es zerquetscht ist. Die einfachen Daumenschrauben mittelalterlichen Angedenkens wurden auch sehr häufig gebraucht, aber die eifrigen Diener seiner apostolischen Majestät zogen immer das imposantere Engelsinstrument vor.

Manchmal wurden Angeklagte an Händen und Füßen zwischen zwei Mauern horizontal schwebend aufgehangen, damit ein auf den so hängenden Körper springender königlicher Beamter Arme, Schultern oder Beine aus den Gelenken reiße. Neben dem Engelsinstrumente wandte man auch in manchen Bureaux die Kopfbinde an, ein Engelsinstrument, in welches man den Kopf steckte, um die Hirnschale zu drücken oder zu zerquetschen. Mit einem andern Schrauben-Apparate, den die Cannibalen die Lorgnette nannten, drehte man durch Einschrauben zwischen dem Augapfel das Auge zum Kopfe heraus. In der Nähe des Meeres, besonders am öden Cap Zafferana, trugen die Polizeidiener fast alle Tage große Säcke in’s Wasser. In jedem Sacke steckte ein Mensch. Man wirft ihn in’s Wasser und läßt ihn darin, bis er sich nicht mehr rührt. Dann zieht man ihn heraus, sieht zu, ob er wieder zu sich kommt, und fragt den Aufathmenden, ob er bekenne. Weigert er sich, wird er wieder in den Sack gebunden und in’s Wasser geworfen, bis er wieder ganz still ist und es auch oft für immer bleibt. So wurde Giovanni Vienno in Messina, ein nobler, angesehener Bürger, von der Polizei ermordet. In Monreale fielen ein alter Vater und seine Tochter, eine verheirathete, schwangere Frau, in dem Verdacht, daß sie Patrioten seien. Den alten Mann knutete man direct todt; die Tochter aber wurde erst vollständig entkleidet und dann erst zu Tode gepeitscht. Und die Glücklichen, welche sich durch Flucht retten in sichere Gebirgsschluchten, werden sie etwa steckbrieflich verfolgt? Nein, so väterlich ist man hier nicht für den jungen Landesvater. Ueberhaupt floh niemals ein anständiger Mann mit Angehörigen, weil man sich dann der Letzteren bemächtigte. Man dachte an Casimiro Arsimano, der vorher erfuhr, daß die Polizei ihn suche. Er floh in die Gebirge. Die Polizei nimmt seine Frau und bindet sie auf den Brenn-Rost, die Polizei nimmt seine Söhne und bindet sie auf den Brenn-Rost, die Polizei nimmt seine Töchter und bindet sie auf den Brenn-Rost. Sie wurden des Verbrechens beschuldigt, den Gatten und Vater in der Flucht unterstützt zu haben und zu wissen, wo er sich verborgen halte.

Unter den Gerippen und lebendig in Ketten Halbverfaulten im großen Gefängnisse zu Palermo fand man auch zwei an eine Kette geschmiedete Unglückliche liegen, rie erst losgehauen und dann getragen werden mußten, weil Beide sich nicht mehr auf den durchgeriebenen Beinen halten konnten. Man forschte, was die Beiden verbrochen hätten. Der Eine, seit Jahren öfter in Tobwahnsinn ausbrechend, hatte dem Andern durch seine furchtbaren Zuckungen und Bewegungen die Kette lief in’s Fleisch gerieben, und er sie sich selbst. Er hatte, schon wahnsinnig, seine Geliebte ermordet. Den Andern bezeichnete die verhörte Polizei als politischen Verbrecher; aber kein Buch, kein Aktenstück gab Auskunft, wessen er beschuldigt worden war. Auch hatte er selbst nie etwas davon erfahren. Er war nie verhört worden – seit den fünf Jahren seiner Ketten, die er mit dem wahnsinnigen Mörder gemeinschaftlich getragen.

Dies ist nicht etwa ein ausgesuchter Fall. Du würdest mir nicht glauben, wenn ich Dir noch ganz andere Thatsachen und Erlebnisse erzählte. Lies Gladstone’s, des englischen Finanzministers, Buch über die neapolitanischen Gefängnisse: da findest Du’s haarklein, daß Hunderte und immer wieder Hunderte Jahre lang in Untersuchungshaft schmachteten, ohne daß sie je verhört wurden, bis selbst die Gefängnißbeamten vergessen hatten, weshalb sie im Kerker seien. Gladstone erzählt specielle Beispiele, wie sich auswärtige Gesandte eines oder des anderen so Gefangenen speciell annahmen, und sich die Polizeibehörden Mühe gaben, herauszufinden, wer ihn und weshalb verhaftet habe, ohne etwas ermitteln zu können.

Und diese Bomben, dieses Verwüsten blühender Städte, dieses ungeheure Blutvergießen 1849 und 1860! Ist’s möglich, jetzt im Jahre 1860 des Heils, der Religion der Liebe? Und im Namen und auf Befehl eines 21jährigen Jünglings! Im 21. Jahre! In diesem Alter lieben, glauben, hoffen, schwärmen andere Jünglinge für alles Schöne, Edle, Ideale, und in diesem Alter martert und mordet dieser unsäglich elende Mensch! –

Solche Cannibalismen schreib’ ich Dir aus Palermo „Felice“, der Glücklichen, schon von Herodot und Diodorus dem Sicilier vor Jahrtausenden der große Garten, das glückliche Gestade, Paradies der Erde genannt, aus Palermo mit den leuchtenden Gärten, wo „im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn“, Palermo mir dem ewig lachenden blauen Himmel über sich, den zum Westthore hereingrüßenden Bergen, deren heiße Luft durch das vom Osten hereinlachende Meer gekühlt wird, aus der Hauptstadt des süßesten, glücklichsten Nichtsthuns in offenen Kaffeehäusern, Casino’s, Barbierläden und feenhaften Aquijaoli. In ersteren streckt und dehnt sich der junge, heruntergekommene Adel und macht viel Aufwand mit seinen fünf bis zehn Tari oder Silbergroschen, die er täglich zu verzehren hat; in den Casino’s spielt und tanzt man, in den Barbierstuben, oft bloßen offenen Plätzen auf der Straße selbst, wird geklatscht und gelacht, und die Aquijaoli oder Wasser- und Limonaden-Kneipen strahlen, duften und sprudeln allen Ständen und Classen und Geschlechtern, die müde und durstig sind, für fabelhaft billige Preise himmlische Erquickung. Auf goldenen [494] Säulen ruht der Eingangs-Balken, durch welchen das in krystallener Helligkeit fontainensprudelnde Eiswasser, die Blumen, die Früchte, die bethauten Bäume schon wonnig herauskühlen auf die heiße Straße. Und wie leicht und paradiesisch unschuldig – die braunen Kinder laufen massenweise, bis auf ein Paar Badehosen, ganz nackt umher, und auch das gewöhnliche erwachsene Volk trägt nach unsern Begriffen unverschämt wenig auf den Gliedern – wie leicht und locker lebt man hier! Ich wollte, ich könnte Dir einige Genrebilder aus den beiden Hauptstraßen schicken, aus dem Cassaro und der Maqueda.

Cassaro oder Via Toledo und die Via Maqueda – diese beiden Hauptstraßen mit seltsamen Balcons – durchschneiden die Stadt rechtwinkelig und in vier ziemlich gleiche Theile. Die meisten andern Straßen sind freilich eng, krumm, winkelig, voller Wäsche und Handwerker, die alle um die Wette auf der Straße arbeiten, und dabei lachen und scherzen, als thäten sie Alles blos des Zeitvertreibes wegen. Welche Füllhörner des Glücks und Segens gießen hier Klima, Luft und Sonne, Berge und Thäler, Land und Wasser auf diese Sterblichen – und wie zerrissen, zerschossen, verrenkt, verfallen, verwittwet und verwaist sind diese Häuser und Straßen und 180,000 Bewohner! Wir haben deren Zahl um 20,000 vermehrt, und fast täglich kommen neue Schaaren zu Wasser und zu Lande an, um Garibaldi zu dienen, ihn zu vergöttern, unter seinen Fahnen Italiens Freiheit zu erkämpfen. Unzählige dieser Freiwilligen sind, wie es scheint, kaum 15–16 Jahre alt, allerdings hier ein viel reiferes Alter, als im Norden, aber doch noch kein Mannes-, kaum ein Jünglingsalter. Wir sind in und um Palermo ihrer 20,000; in den Provinzen werden eben so viel – und täglich mehr – Freiwillige einexercirt. Ich weiß nicht, wie Viele von uns auf dem Recognoscirungswege nach Messina sind; überhaupt erfahren wir wenig von den eigentlichen Plänen unseres Führers. Nur als Unzufriedenheit über Verzögerungen in Benutzung unseres Sieges, über den täglich aufgeschobenen Marsch gegen Messina laut ward, ließ er bekannt machen, daß er nichts ohne Macht auf dem Wasser thun könne, und zehn große Dampfer aus Amerika erwarte, andere in England vorbereitet würden.

Nach den Aufregungen und Gefahren der ersten Tage haben wir immer ziemlich gute Zeit gehabt. Doch ist diese hoffentlich bald vorüber: es heißt, daß wir gegen Messina marschiren werden, d. h. über Felsen und Schluchten, die uns das Leben wohl sauer genug machen. Mehrere unserer Truppen sind gegen Catania vorgerückt, ohne welches gar kein strategischer Landweg nach Messina möglich ist. Die zehn Dampfer, welche Garibaldi in Amerika kaufen läßt, können vor August nicht hier sein. Bis jetzt haben wir acht Kriegsdampfer für Operationen von der Seeseite. – Die Sicilianer sind und werden keine Soldaten. Unser Kern besteht noch aus den Mannschaften, die mit ihm von Peschiera kamen, sahen, siegten. Unsere Uniformirung ist sehr einfach und zweckmäßig. Wenn ich Dir sage, wie ich aussehe, so hast Du ein Bild von Allen. So denke Dir mich in einer kurzen grauen Kattunjacke mit blauen und weißen Streifen, kurzen grünen Hosen und Leder-Gamaschen vom Knie an und derb gesohlten Schuhen; auf dem Kopfe sitzt ein leicht aufgedrückter, an einer Seite aufgekappter Hut mit wehenden Federn. Einige von uns haben Rifles, die meisten aber noch Musketen, die aber in den Händen echter Garibaldianer viel wirksamer wurden, als die besten Schußwaffen. Er verlangt von jedem seiner Krieger, daß er dem Feinde immer so bald als möglich mit dem Bajonnet zu Leibe gehe, in dessen Gebrauch denn auch Alle täglich tüchtig geübt werden. Von Gepäck ist bei uns keine Rede, keine Spur von Lederzeug, Tornister etc.; nichts als ein Leinwandsäckchen an der Seite mit Patronen und einem Stück Maccaroni-Teig. Jeder ist der freie Mann, stets fähig und fertig, zu schießen, und besonders zu stechen und mit dem Bajonnete einen 15–20 Fuß weiten Kreis von Lebensgefahr um sich herum zu schlagen.

Für den jungen Adel Italiens hat er desto mehr Staat machende freiwillige Husaren aufgeputzt, die nicht kämpfen, sondern blos im Stabe dienen und recognosciren. Wenn sie reiten, fliegt die rothe Schnuren-Jacke hinter ihnen her. Ihre in der Regel nicht sehr muskulösen Lenden und Schenkel stecken in grauen, schwarzgestreiften Beinkleidern. Der Helm leuchtet, unter ihm blitzen schöne, schwarze, feurige Augen.

Freilich nur Wenige können sich dieser oder auch nur unserer Uniformirung rühmen. Die Massen von Freiwilligen, die vom Meere her und aus den Bergen herbeiströmen, können vorläufig gar nicht eingekleidet werden, und ein Gewehr ist Alles, was ihnen bisher verabreicht werden konnte, wenn sie nicht schon mit einem solchen kamen. Aber der Vorrath von Musketen ist erschöpft. In England wurden für gutes, baares Geld neue bestellt, ebenso Dampfschiffe, aber in diesem Falle scheinen die Engländer unser Geld nicht haben zu wollen. Hat ihnen Palmerston besseres gegeben? Unsere ärgsten Feinde sind nicht in Neapel, sondern in London und Paris, von wo aus man die neue neapolitanische „Constitution“ gegeben hat, um den jungen „konstitutionellen König“ und seine „Engelsinstrumente“ zu schützen. Gib Acht!