General Dufour

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Titel: General Dufour
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 63
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1857) b 061.jpg

General Dufour.

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General Dufour.
(Mit Abbildung.)

Die Ereignisse in der Schweiz haben in der jüngsten Zeit Aller Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und je ungeduldiger man in ängstlicher Spannung der Dinge wartete, die da kommen sollten, und je lebhafter das Bedauern sich allerwärts aussprach, die eingetretene Waffenruhe von Neuem gestört zu sehen, um so wohlthuender klang in Aller Ohren die Nachricht von der friedlichen Beilegung der eingetretenen Konflikte.

Wenn nun auch diese Sache als der Geschichte überliefert betrachtet werden kann, so dürfte doch eine kurze Mittheilung über den Mann, in dessen Hände die Schweiz ihr Wohl und Wehe gelegt hatte, den Lesern der Gartenlaube angenehm sein, so wie ihnen das Portrait desselben eine willkommene Erscheinung sein wird.

Wilhelm Heinrich Dufour, eidgenössischer General, wurde 1787 zu Konstanz geboren und diente, nachdem er sich zu Genf zum tüchtigen Genieoffizier ausgebildet, unter Napoleon, zur Zeit, da Genf zum großen Kaiserreiche gehörte. Es konnte ihm hier nicht an Gelegenheit fehlen, die Kriegskunst in der Praxis kennen zu lernen, und er brauchte nicht lange Zeit, um unter den Offizieren höheren Ranges und den Rittern der Ehrenlegion genannt zu werden. Sein entschiedenes Feldherrntalent ließ ihn bald unter seinen Kameraden hervorragen, und rühmlichst wird noch der Taktik Erwähnung gethan, mit welcher er im Jahre 1815 die Stadt Grenoble befestigen und vertheidigen half. Seitdem seine Vaterstadt der Schweiz angehört, hat er nie aufgehört, dem schweizerischen Vaterlande seine Dienste zu widmen, und er that es auf ausgezeichnete Weise. Im Jahre 1827 wurde er Oberst im eidgenössischen Generalstabe, und als 1831 die Tagsatzung zur Wahrung der schweizerischen Neutralität ein Heer unter General Gugier von Prangin aufgeboten hatte, wurde er diesem als Chef des Generalstabes beigegeben. Bald darauf zum Oberstquartiermeister ernannt, leitete er die topographische Aufnahme der Schweiz, und die seitdem erschienenen Karten verdanken ihm hauptsächlich ihr Dasein.

Durch seine Verdienste um das eidgenössische Heerwesen, namentlich als Oberinstruktor des Geniekorps an der Militairschule zu Thun, hat er sich in seinem Vaterlande ein unvergängliches Denkmal gesetzt, und das hohe Vertrauen, dessen er sich als Soldat bei seinen Mitbürgern erfreuete, erhielt seine Weihe im Jahre 1847, wo er von der Tagsatzung unter dem gebräuchlichen Titel eines Generals an die Spitze des zur Bewältigung des Sonderbundes aufgebotenen 100,000 Mann starken eidgenössischen Heeres berufen wurde. Es galt damals, durch eine überwiegende Macht einem vielleicht langwierigen und blutigen Bürgerkriege vorzubeugen, dem Auslande aber zu zeigen, wie sich mit dem etwaigen Versuche einer bewaffneten Intervention kein allzu leichtes Spiel treiben lasse. Er war dieser Aufgabe gewachsen und hat sie, so viel an ihm war, gelöst; denn er trug durch seine tüchtige Führung im Sonderbundkriege nicht nur zur besseren Militairorganisation, sondern überhaupt zum Uebergange der Schweiz aus dem lockeren Staatenbunde in den Bundesstaat mittelbar wesentlich bei. In ihm vereinigen sich Theorie und Praxis. Zudem ist er ein feuriger Eidgenosse und ein edler, rechtschaffener, wohlwollender Mann, den alle Parteien hochachten. Seine Mäßigung im Glück, sein versöhnendes Vermitteln, sein theilnehmendes Entgegenkommen und die freundliche Behandlung der Besiegten haben ihm die Herzen selbst Derer gewonnen, die seiner Sache feind waren. Der moralische Eindruck des Sieges, der lediglich seinen weisen und wohlberechneten Maßregeln zuzuschreiben, ist für die große Sache ein unendlich großer gewesen; er hat die Bessern ermuthigt und die Finsterlinge bis in das innerste Mark ihres Lebens erschüttert. Seinen Feldzugsplan hielt er so geheim, daß er einst sagte: „Und wenn ihn sein Hemd wüßte, so würde er es ablegen.“

Sein humaner fester Charakter hat sich auch in dem neuern Konflikte bewährt, und seine Vorsicht und Bedachtsamkeit, womit er zu Werke geht, haben ihre gute Wirkung nicht verfehlt.

Durch Herausgabe mehrerer geschätzter militairischer Werke hat er sich einen Namen unter den militairischen Schriftstellern erworben.