Geschichte von Kloster Heilsbronn/Ammerndorf

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[142]
8. Ammerndorf,

„Amelratdorf“. Das Kloster erhielt zur Zeit seiner Stiftung dort keinen Besitz, erwarb aber nach und nach das ganze Pfarrdorf, zwei leonrodische Anwesen ausgenommen. Das Eindrängen des Klosters mit seinen Privilegien führte auch dort, wie überall, zu Prozessen, z. B. mit den daselbst bereits begüterten Dorfherren: den Burggrafen von Nürnberg, dem deutschen Orden und mit andern Adeligen. Besonders heftig stritten die beiden Burggrafen Konrad II. († 1261) und sein Sohn Friedrich III. († 1297) gegen den 9. Abt Edelwinus, wie oben bei diesem Abt berichtet worden ist, unterlagen aber und mußten in Folge richterlicher Entscheidung bezüglich der heilsbronnischen Güter und Unterthanen in Ammerndorf anerkennen, kein Recht und keine Territorialherrschaft zu haben, auch angeloben, künftig mit dem Kloster in Freundschaft zu leben und es nicht mehr zu hindern, seinen Besitz zu erweitern. Der energische Abt erhielt daher von ihnen folgende Erklärung:[1] In nomine Domini. Amen. [143] Conradus et Fridericus, Dei gratia Burggravii in Nurembergh. Ad notitiam tam modernorum quam futurorum per praesens scriptum cupimus pervenire, quod propter amorem Dei et venerabilis Edelwini abbatis et conventus halsprunnensis licenciavimus universis ministerialibus et ceteris hominibus nostris, ut libere conferant eidem monasterio elemosinas suas de mobilibus et immobilibus bonis suis, ipsis ministerialibus et hominibus nostris in extremis infirmitatibus vitae suae laborantibus nulla obstante in posterum heredum nostrorum contradictione, ita tamen, quod ipsa collatio facta simpliciter careat omni fraude. Praeterea cum praelibato abbate et conventu concordare ac ipsos delectionis intimae brachiis convovere cupientes, omni jure nostro atque dominio, quod nos in bonis eorundem ac hominibus ipsorum in Amelradorf habere credebamus, totaliter renunciavimus, nihil prorsus et nos et heredes nostri juris et potestatis in illis deinceps et in aliis bonis suis, quae jam pessident, habituri. Porro in signum perennis amiciciae inter nos et memoratum coenobium conservandae, dedimus saepefato abbati et conventui curiam nostram in Nuisese (Hirschneuses) cum omni jure suo perpetuo possidendam. Hanc igitur ad praelibatorum confirmationem perpetuendam praesentem paginam testibus adhibitis exinde conscribi et sigillorum nostrorum jussimus munimine roborari. Acta sunt haec anno 1246 kalen. Maji. Als Zeugen sind in dieser in den Beitr. S. 65 gedachten Urkunde beigeschrieben: drei Mönche und zwei Laienbrüder von Heilsbronn und drei Milites. 23 Jahre später (1269) schenkte der Burggraf Friedrich III. dem Kloster noch andere Güter bei Linden und Oberndorf „als Ersatz für Schädigungen, welche er dem Kloster Heilsbronn zugefügt hatte“, laut seiner in den Beitr. S. 65 mitgetheilten Erklärung, inhaltlich welcher er seine Schuld bekennt und seine Hoffnung auf Gottes Gnade ausspricht.

Der ebengenannte Abt Edelwinus acquirirte vom Bisthum Würzburg das Pfarrpatronat in Ammerndorf. Allein der Bischof [144] Iring verlor aus dem Gedächtniß, daß ihm das Patronat nicht mehr zustand und verfügte über die Besetzung der Pfarrstelle. Er nahm aber 1258 seine Verfügung zurück und entschuldigte sich wegen seiner Vergeßlichkeit, als der 10. Abt Otto ihn auf sein Übersehen (cum jus patronatus ecclesiae Amelratdorf monasterio attineat) aufmerksam machte. Der Abt ließ darauf die Stelle durch einen Vikar versehen, gab diesem einen Theil der Pfarreinkünfte und verwendete den Rest zum Nutzen seines Klosters (ad subsidium praebendarum suorum fratrum). Daß Heilsbronn auch vom Bisthum Bamberg einen Güterzuwachs in Ammerndorf erhielt, beweist folgender Eintrag im Vigilienbuch beim 3. März: Est anniversarium domini Alberti de Wertheym, episcopi babenbergensis et progenitorum suorum pis. pa. de 8 talentis Amelraczdorff. 1259 verkaufte Friedrich Cronfuß an den 9. Abt Edelwinus Gefälle von einem Anwesen in Ammerndorf. Der Kaufbrief wurde vom Schultheiß Heitvolcus in Nürnberg ausgefertigt. Das Kloster prozessirte in jener Zeit lang gegen Friedrich, genannt Hovemann, über einen Hof in Ammerndorf, gewann den Prozeß laut einer von dem ebengenannten Schultheiß Heitvolcus dem Kloster zugestellten Urkunde 1301 erhielt das Kloster von Heinrich von Buttendorf und dessen Frau des Fischens Gerechtsame in der Bibert zu Amelratdorf theils durch Tausch, theils durch Kauf; es gab dafür 12 Pfund Heller und Güter in Huselin (Hausen?). Heinrich von Buttendorf hängte an den hierüber zu Halesprunnen ausgefertigten Brief sein Siegel und bestätigte, die 12 Pfund nebst den Gütern (Gefällen) in Huselin empfangen zu haben. In demselben Jahr 1301 erhielt das Kloster einen Novalzehnten in Ammerndorf. Verkäufer war Wirento, Amtmann (quondam officialis) in Roßstall, Lehensherr aber Burggraf Friedrich IV. († 1332), welcher auf Bitten des Verkäufers urkundete, daß der Abt und sein Kloster den Zehnten für 3 Pfund Heller gekauft haben. Zugleich entsagte der Burggraf seinen Ansprüchen (omni jure et dominio) an diesen Novalzehnten. Wie das Kloster nach Zank und Streit mit der Wittwe Reinbolt 2 Tgw. Wiesen [145] acquirirte, besagt ein Brief folgenden Inhalts: „Ich Elsbeth, des Reinbotten seliger (ettewanne) von Kadoltsburch eheliche Wirthin, vergihe, daß ich mich mit den geistlichen Leuten, dem Abt (Gamsfelder) und der Sammung zu Halsprunne, wegen der Kriege und Mißhelligkeiten zwischen ihnen und mir um die zwei Tgw. Wiesmat zu Amelratdorf also verrichtet habe, daß sie mir geben 20 Pfund Heller. Und ich soll, dieweil ich lebe, die Wiesmat nützen und dem Kloster Zins davon geben. Wenn ich sterbe, so soll weder mein Sohn Gebhard noch sonst Jemand Recht daran haben, sondern es soll dem Kloster anfallen. Darüber zu Urkund gebe ich diesen Brief, gevestnet mit meines lieben Herrn Burggrafen Johannes († 1357) von Nürnberg Insiegel, der das um meiner Bitte willen daran gehangen. Wir auch, von Gottes Gnaden, Burggraf von Nürnberg, vergehen, daß wir unser Siegel an diesen Brief gehangen haben. Unter dem bekenne auch ich Gebhard, daß ich nach meiner Mutter Tod kein Recht an die Wiesmat habe. Dieser Brief ist gegeben 1333.“ Ein Streit des deutschen Ordens gegen das Kloster über die Fischerei in dem bei Ammerndorf in die Bibert fließenden „Herpfrichesbach“ wurde 1338 durch Schiedsmänner zu Gunsten des Klosters entschieden und diesem hierüber eine vom Hauskomthur Seyfried von Boxberg zu Nürnberg ausgestellte Urkunde zugestellt. Um 1387 erhielt das Kloster, wie oben beim 19. Abt Arnold berichtet wurde, vom Erzbischof Heinrich von Anavarsen Gefälle von Gütern in Ammerndorf. 1409 trat der nürnberger Patrizier Konrad Baumgärtner drei Güter in Ammerndorf an das Kloster ab und erhielt dafür von ihm ein Gut in Vincenzenbronn. Die über diesen Tausch dem Kloster zugefertigte Urkunde wurde vom Ritter Stephan von Absperg, Schultheiß zu Nürnberg und seinen Schöffen ausgestellt. 1410 verkaufte Peter von Weitersdorf, wie oben beim 19. Abt Arnold berichtet wurde, Güter in Ammerndorf an den 20. Abt Stromer. 1453 verlieh der 22. Abt Kötzler einen heilsbronnischen Hof daselbst an Hans Ulmer, Landschreiber beim Landgericht des Burggrafthums. 1476 verkaufte der Bürger Sebald Gronland von Nürnberg zwei Güter [146] und eine Wiese zu Ammerndorf für 550 fl. an den 23. Abt Wegel. Der Kaufbrief wurde von Sigmund von Eglofstein, Ritter und Schultheiß zu Nürnberg und seinen Schöffen ausgefertigt. Der Abt ließ den Brief in Onolzbach vom Lehensherrn der Güter, Kurfürst Albrecht Achilles, durch einen Eigenbrief bestätigen. Nach diesen Acquisitionen war nun in Ammerndorf alles heilsbronnisch, zwei Anwesen ausgenommen. Der 24. Abt Haunolt bat 1497 in einem lateinischen Briefe den Bischof Lorenz von Würzburg um Genehmigung eines Stellentausches zwischen dem Pfarrer Konrad Schenkel in Ammerndorf und einem Vikar des Stifts Spalt.

Zur Zeit des Reformationsanfangs regierte der 26. Abt Wenk, wie oben berichtet, ein Gegner der Reformation und daher nicht geneigt, einem lutherischgesinnten Geistlichen die Pfarrstelle in Ammerndorf zu verleihen. Im September 1527 schloß er in Onolzbach einen Vertrag über die hohe und niedere Jurisdiktion in Ammerndorf mit den beiden Markgrafen, d. h. mit den Räthen derselben; denn Kasimir war bereits in den Krieg gezogen, aus dem er als Leiche zurückkehrte, und Georg weilte außer Landes. Dem Vertrag zufolge sollte die hohe Obrigkeit den Markgrafen, die niedere dem Abt zustehen, ausgenommen Markt- und Kirchweihtage, an welchen auch die niedere Obrigkeit den Markgrafen zustehen sollte. Über die Zustände in Ammerndorf im Reformationsjahrhundert siehe oben Absch. VI, 5. Der letzte dortige Pfarrer in diesem Jahrhundert war Kon. Mair, welcher 1604 starb, „nachdem er durch sein Weib in alles Verderben gerathen war“. Ihm folgte Magister Joh. Ziegler, zuverlässig kein Antiquitätensammler, da er 1613 an den Titularabt Meelführer in Heilsbronn schrieb: „Hierbei überschicke ich das alte Pergament aus unserer Kirche, 27 Pfund an Gewicht, massen Ew. Ehrwürden und Herr Verwalter es zu Nutz der Kirche zu verkaufen bewilligt haben. Im kleinsten Buch sind etliche Bund ausgeschnitten. Die papierenen Bücher in Folio sollten auch zu Geld gemacht werden. Der Buchbinder in Schwobach kauft ein Pfund Pergament zu sechs Batzen, auch einen halben Gulden, nachdem es groß oder stark ist.“

[147] Während der zwei ersten Jahre des dreißigjährigen Krieges ging es dem Orte leidlich. Die erste größere Heimsuchung kam 1621, wie ein amtlicher Bericht sagt: „durch hochempfindliche Hausung der bayerischen Armee und andere Durchzüge.“ Die Heimsuchung war nicht verwüstend. Noch im folgenden Jahre 1622 erscheint Ammerndorf als ein gewerbreicher Ort, belebt durch die frequente Landstrasse nach Nürnberg, durch ein stattlich Mühlwerk, welches jährlich viele Tausend Simra Mehl nach Nürnberg lieferte. Es wurden wöchentlich zwei Getreidemärkte dort gehalten. Doch fehlte eine Brauerei, während der Bedarf von Bier durch den Krieg immer größer wurde und der Wein theuer war. Zur Befriedigung des Bedürfnisses beabsichtige einer der beiden Wirthe, Keser, der mit dem Ortspfarrer Krug stets haderte, auf seinem heilsbronnischen Wirthshause (das andere war leonrodisch) eine Brauerei zu errichten. Die Beamten in Heilsbronn stimmten dafür, die markgräflichen Beamten in Kadolzburg aber dagegen, wegen Beeinträchtigung der bereits vorhandenen Brauereien in Weinzierlein, Langenzenn, Schwabach und besonders in Kadolzburg mit seiner armen Burgerschaft von 89 Herdstätten, die ohne Zubehör von Feldern und Wiesen durch’s ganze Jahr kein Aufhebens hätten, als was vom Bierbräuhandel fällt. Kadolzburg sei eine arme Gemeinde, der man schon vor Alters den Bierbräuhandel zu ihrer Unterhaltung zugewendet und daher die Errichtung von Bräustätten in Roßstall, Zirndorf, Veitsbronn und anderwärts nicht gestattet habe. Ammerndorf sollte zufrieden sein mit seiner guten Nahrung und nicht Andere verderben wollen. Auf Grund dieser Darstellung wurde Keser mit seinem Projekt vom Markgrafen abgewiesen. Im folgenden Jahre ließ er sich durch die Beamten in Heilsbronn bewegen, seinem Pfarrer Krug Abbitte zu leisten, was dieser nach Heilsbronn anzeigte mit dem Beifügen: „Gott verhüte ferner unruhiges Wesen und vermehre bei uns Einhelligkeit und friedliche Nachbarschaft.“ Dieser Wunsch ging leider nicht in Erfüllung; die folgenden Kriegsdrangsale steigerten die Lieblosigkeit unter den Nachbarn. Noch beschränkten sich die Drangsale [148] auf Durchzüge. Im Februar und März 1628 quartierten im Orte 1000 Mann Mansfeldische Truppen, dann Schönbergische Reiter. Doch gingen die Geschäfte noch, während die heilsbronnischen Ämter Merkendorf und Waizendorf bereits völlig ausgesaugt waren. 1630 im Sommer lag eine Compagnie Gräflich-Terzkisches Fußvolk dort im Quartier. Am 4. Juli 1631 konnte noch die Heiligenrechnung, wie sonst, abgehört werden. Es ergab sich dabei ein Kassebestand von 320 fl., welcher aber wenige Tage darauf vom Kriegsvolk weggenommen wurde. Damit begannen die schwereren Drangsale. „Der Pfarrer Krug wurde vom bayerischen Kriegsvolk weggeführt, geraume Zeit bei Hunger und Kummer erbärmlich gefangen gehalten, endlich aber durch Mitleid der Offiziere entlassen.“ Darauf zog er, vom Hunger weggetrieben, mit seiner Familie nach Nürnberg. Das Zirndorfer Lager brachte großes Elend über Ammerndorf. Der Schulmeister und Schneider L. Steinmetz schrieb unterm 8. Okt. 1632 an den Verwalter in Heilsbronn: „Die Dragoner in Cadolzburg kommen alle Tage und nehmen uns das Laiblein Brot, das wir geschafft und das Metzlein Korn, das wir gemahlen haben. So thun die uns befreundeten Truppen. Unsere Uhr wollten wir nach Nürnberg fahren. Da kommen die uns befreundeten Reiter, nehmen unser Pferd und sagen: besser, sie nähmen es, als der Feind. So mußten wir unsern Karren mit der Uhr nach Weinzierlein ziehen; bin selbst dabei gewesen. Nun können wir den Karren mit der Uhr nicht hereinbringen, da kein einziges Pferd mehr in unserer ganzen Nachbarschaft ist. Unsere Salva guardia haben wir in’s Schulhaus gelegt, wissen aber für den Mann nicht Brot, Fleisch und Trank zu schaffen, da der Nachbarn so gar wenige sind; denn über neun gesunde Mannspersonen sind nicht mehr im Dorf, sondern etliche liegen krank, etliche sind gestorben. Unsere Salva guardia sagt: Wenn er nicht Fleisch, Wein und Brot bekomme, so gehe er wieder nach Nürnberg. Der Müller und der Schmied sind seither auch gestorben, und der junge Weerlein liegt auch krank. Für unsere Salva guardia haben wir zwei Gulden zusammengebracht und dafür aus Onolzbach Fleisch [149] und Brot holen lassen. Es sind in unserem Dorf nicht mehr denn 15 Haushalten. Von den gestorbenen Pferden haben wir etliche verbrannt, etliche liegen noch auf den Wiesen und Feldern, da kein Pferd mehr da ist, sie wegzuschleifen. Meine liebe Hausfrau ist von diesem Leben abgefordert und hab sie ehrlich zum Grab bestätigen lassen. Herr Pfarrer von Roßstall hat eine schöne Leichenpredigt gethan. Unser Herr Pfarrer (Krug) hat durch seinen Tochtermann sagen lassen, wir sollten das Pfarrhaus ausräumen und die Fenster machen lassen, er wolle auf das Erste zu uns kommen. Wir wollen nun zwei Fenster glasen lassen und ihm eine Stube zurichten. Auch haben wir etliche Weiber gebeten, das Pfarrhaus putzen zu helfen. Diese pochen und pollern aber: wer ihnen den Lohn gebe? So ist keine Lieb und Treu mehr unter den Nachbarn, sonderlich unter den Taglöhnern. Ferner fragt Herr Pfarrer: wie er seine Nahrung bei seinen Pfarrkindern haben könne, weil kein Getreide mehr vorhanden sei? Die Verstorbenen hab ich zu Grab besungen, eine Vermahnung aus dem Leichenbuch gelesen und geläutet. Der Herr (Verwalter) sei von mir fleißig gegrüßt und in den Schutz des Allerhöchsten befohlen. Dero dienstwilliger Unterthan L. Steinmetz, Schneider und Schulmeister in Ammerndorf.“

Vertragsmäßig erhielten 1637/38 kaiserliche Truppen ihre Quartiere im Fürstenthum Ansbach, aber mit dem ausdrücklichen Befehl des Königs Ferdinand, keine Gewaltthaten zu verüben. Gleichwohl wurden Gewaltthaten aller Art verübt. Die markgräfliche Regierung drang daher beim Kreistage auf Schadenersatz, namentlich auf eine Vergütung von 960 fl. an die Gemeinde Ammerndorf für den durch römisch-kaiserlicher Majestät Kriegsvolk zugefügten Schaden durch Brand, Plünderung und Wegnahme von Vieh. Im April 1642 litt der Ort theilweise durch eigene Schuld. Der Durchzug kaiserlicher Truppen war angesagt mit der Weisung, jedem Durchziehenden Fütterung und ein Stück Brot für eine Nacht zu reichen. Allein die Einwohner bewiesen sich beim ersten Durchzuge saumselig, und beim zweiten verließen sie insgesammt das Dorf, so daß die Soldaten keinen Bissen [150] Brot und keinen Menschen in den Häusern vorfanden. Die Folge war, daß die Reiter des Rittmeisters Giuseppo Russie zwei Tage lang hausten, das Mühlwehr abhieben, in der Mühle Alles zerschlugen, 10 Simra Getreide verdarben und raubten, was sie fanden. Inmitten dieser Drangsale unterließen die markgräflichen und heilsbronner Beamten nicht, ihre Konflikte bezüglich der Jurisdiktion in Ammerndorf fortzusetzen. Ammerndorf hatte vom Amt Kadolzburg Gerste entlehnt, verweigerte aber die Zurückgabe, worauf der Oberamtmann von Mußlo in Kadolzburg eine Strafandrohung nach Ammerndorf sandte unter der Adresse: „Meinen von fürstlicher Obrigkeit wegen angehörigen Amtsunterthanen.“ Verwalter und Richter zu Heilsbronn reskribirten: „Der Flecken mit aller Vogteilichkeit steht Heilsbronn zu. Der Herr Oberamtmann scheint sich aber die Jurisdiktion anzumassen, da ihm doch nur die Fraisch zusteht.“ Im September desselben Jahres (1642), an einem Sonnabend, zeigten die Ammerndorfer in Heilsbronn an: Der Hauptmann Rudolf Dietrich aus Erfurt sei mit seinen Dragonern bei ihnen eingerückt und wolle nicht bloß durchziehen, sondern, dem Kreistagsbeschluß entgegen, Rasttage bei ihnen halten. Der Richter Zimmetshäuser von Heilsbronn begab sich sofort nach Ammerndorf, wo der Hauptmann eben (es war Sonntag) dem Gottesdienst beiwohnte, machte nach dem Gottesdienst dem Hauptmann Vorhalt unter Hinweisung auf den Kreistagsbeschluß, worauf der Hauptmann erwiderte: „Es thue ihm leid, die armen Unterthanen beschwert zu haben; er sei von den Nürnbergern so angewiesen worden; man möge ihn entschuldigen; nach dem Frühstück werde er gen Rothenburg weiter ziehen.“ Eine seltene Humanität in dieser wüsten Zeit. 1643 sollten im ganzen Fürstenthum Ansbach, sonach auch in Ammerndorf, nur bayerische Reichsvölker ihre Standquartiere erhalten, im nürnberger Gebiete nur kaiserliche. Nichtsdestoweniger quartierten sich in Ammerndorf auch kaiserlich-hatzfeldische Truppen ein. Nach erhaltener Anzeige begab sich der heilsbronnische Verwalter Krebs in’s Hauptquartier nach Ammerndorf und remonstrirte, erhielt aber vom hatzfeldischen Generalquartiermeister zur Antwort: „Er, [151] Verwalter, habe ihm nicht zu befehlen, wo er zu logiren und zu marschiren habe; doch wolle er seinen Soldaten befehlen, das Getreide für ihre Pferde nicht mehr vom Felde zu nehmen und auszudreschen.“ Auf diesen Befehl unterblieb das „Ausdreschen“. Allein noch unter den Augen des Verwalters steckten des Kommandanten eigene Knechte Sicheln in die Wand, schnitten die Ähren ab, weichten sie ein und gaben sie ihren Pferden zu fressen. So unterblieb freilich das „Ausdreschen“. Der Verwalter kehrte nach Heilsbronn zurück und lieferte ein Rind, Bier etc. nach Ammerndorf, wo die Hatzfelder sechs Tage lang lagen: bei G. Leybold des Generals Leute sammt 80 Pferden, bei Stinzendorfer 24 Mann und 30 Pferde, beim Schulmeister 4 Mann und 5 Pferde etc., ähnlich bei den übrigen Eingesessenen, namentlich bei dem Pfarrer Elias Ott. In dieser Weise war Ammerndorf fast das ganze Jahr hindurch bequartiert. Im Dezember flüchteten Viele des Orts nach Kadolzburg und Nürnberg. Krebs berichtete über seine Erlebnisse an den Markgrafen Albrecht und erhielt von diesem den Auftrag, die durch die widerrechtliche hatzfeldische Einlagerung verursachten Kosten zu verzeichnen, zur Rückvergütung bei den nächsten Reichsanlagen. 1645 zogen vom Frühling bis zum Herbst Freund und Feind, Schweden, Bayern, Hessen, Weimaraner, Franzosen, kreuz und quer im Fürstenthum umher. Am 7. April kam von Neustadt her der Hauptmann Aigmitsch mit 300 Mann „und überaus viel Huren und Kindern“ nach Ammerndorf. Laut kaiserlichem Befehl sollte den Truppen Vorspann, jedem Soldaten für eine Nacht Quartier, Brot und eine Maas Bier gegeben werden. Beigefügt war die Zusicherung, daß Niemanden etwas genommen werden würde. Dieser Zusicherung mißtrauend, flohen viele Eingesessene mit ihrer Habe nach Kadolzburg, wo man ihnen Aufnahme versprochen hatte, vorausgesetzt, daß sie sich nicht wieder, wie ehemals, störrisch betragen würden. Durch das Entweichen erbittert, zerschlugen die Truppen Fenster, Öfen und Geräthe. Im Späthherbst schlug Erzherzog Leopold, mit 1000 Pferden von Windsheim kommend, sein Hauptquartier in Ammerndorf auf. Im Juni und Juli 1646 raubten streifende [152] Parteien um Roßstall und Ammerndorf 74 Stück Vieh, darunter 47 Kühe. Im Jahr des Friedensschlusses 1648 war wegen Vergütung viel Streit mit denen, welche sich mit Vieh und sonstiger Habe von Ammerndorf nach Kadolzburg geflüchtet hatten, aber eine Vergütung nicht leisten wollten, weil sie in ihrem Heimathsorte Kontributionen leisten müßten. Die markgräfliche Entscheidung lautete: daß sie an beiden Orten zu kontribuiren schuldig seien. Der westphälische Friede war geschlossen; gleichwohl zogen abgedankte Soldaten und anderes Gesindel plündernd umher. Daher wurden die Landbewohner durch ein markgräfliches Mandat aufgefordert, beim Einfall von dergleichen Rotten sich zu bewaffnen und Sturm zu läuten. Der Verwalter Krebs erbat sich acht schwedische Sauvegardisten, welche er da und dorthin verlegte, namentlich nach Ammerndorf. Er hatte Mühe, am Jahresschluß ihrer wieder loszuwerden.

Ammerndorf hatte während des Krieges durch Feuer nicht viel gelitten und erholte sich bald. Schon am 20. April 1650 konnten Verwalter und Richter berichten: „Anjetzo ist der Ort wiederum ganz besetzt. Nur der von den Kriegsvölkern vor vielen Jahren abgebrannte Pfarrstadel muß noch gebaut werden.“ Vor dem Kriege waren dort 40 besteuerte Anwesen und unter den Bewohnern 27 Bauern und Köbler, 2 Müller, 2 Wirthe, 3 Bäcker, 2 Metzger, 1 Schmied, 1 Weber, 1 Häfner, 1 Büttner, 1 Zimmermann, 2 Schneider, 1 Weber, 13 Hausgenossen und Taglöhner. Die mitgetheilten amtlichen Aufzeichnungen beweisen, daß der Krieg nicht erweichend, sondern verhärtend auf die Gemüther der Bewohner eingewirkt hat. Wohlthuend lautet dagegen folgende Aufzeichnung: „Die beiden Wirthe haben die ganze Kriegszeit redlich in dem Orte ausgedauert und haben ratione ihrer Wirthschaften ein viel Mehreres beigetragen, als andere Inwohner.“ Dagegen zeugt von größter Herzenshärtigkeit ein amtlicher Bericht über einen, 15 Jahre nach dem Kriege in Ammerndorf lebenden Pfarrer. In dem Berichte heißt es: „Der Pfarrer paßte am 12. März 1663 Abends 5 Uhr seinen alten Schulmeister ab auf dem Kirchhofe vor der Kirchthür, redete ihn mit Schimpfreden [153] an, schlug ihn im Angesicht der Leute zu Boden, daß er zwischen die Grabsteine hineinfiel, kniete auf ihn, schlug ihm in’s Gesicht und zwei Zähne ein. Der Ortsammann zeigte es dem Verwalter und Richter zu Heilsbronn an, vor Allem dem Fraischamt in Kadolzburg, worauf der Vogt mit zwei Reitern kam, Augenschein nahm und den Pfarrer vorerst bis auf Weiteres in’s Pfarrhaus konsignirte. Zugleich baten der Dorfsamman und die Gemeinde, einen Pfarrer, der die Leute so mörderisch traktire, von ihnen zu zu entfernen.“


  1. Vgl. Stillfried S. 19.
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