Geschichte von Kloster Heilsbronn/Wie das Innere der Kirche in den Jahren 1709–1771 umgestaltet und verunstaltet wurde

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« Wie das Innere der Kirche zur Zeit der Klosterauflösung war Geschichte von Kloster Heilsbronn
Restauration der Kirche in den Jahren 1851-1866 »
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[272]
B. Wie das Innere der Kirche in den Jahren 1709 bis 1771 umgestaltet und verunstaltet wurde.[1]

Der östliche Ausbau der Kirche von 1284 und der südliche von 1434 hatten steinerne Deckgewölbe, das Schiff und die Ritterkapelle aber flache Decken. Um Gleichförmigkeit herzustellen, wurden während der ersten Fürstenschulperiode über dem Schiff und der Ritterkapelle Brettergewölbe angebracht. Daß diese Umgestaltung vom Übel war, wird nachher berichtet werden. Altäre, Bilder etc. blieben nach der Klosterauflösung meist an ihrer ursprünglichen Stelle; Kanzel, Stühle etc. etc. aber wurden anders gestellt, wie man es eben für den protestantischen Ritus und die Fürstenschule für zweckdienlich hielt. Tilly’sche Reiter erbrachen und beraubten zwei Grüfte, rohe Fürstenschüler beschädigten viele Kunstgegenstände; weitere Beschädigungen oder Umgestaltungen erlitt die Kirche im Innern nicht. Aber Vieles in und an ihr [273] wurde schadhaft, da die in Folge des Krieges völlig erschöpfte Klosteramtskasse nichts mehr in Bau und Besserung erhalten konnte. Der Markgraf von Bayreuth nahm 1706 an Ort und Stelle Einsicht von dem ruinosen Zustand der Kirche. „Der Regen dringt durch Dächer und Gewölbe; das Brettergewölbe ist dem Einsturz nahe, das Monument von Joachim Ernst zertrümmert, die Pflasterung durchaus schadhaft, in manchem Fenster nicht der sechste Theil Scheiben vorhanden, da die undisziplinirte Fürstenschuljugend nach dem nahestehenden Birnbaum wirft; die hölzernen Grabmäler sind sehr verfault und zerbrochen, die Wappen theils ganz ausgelöscht,“ dieß war der konstatirte Befund, und Abhilfe dringend nöthig. Es wurden Vollzugsbefehle ertheilt, Kostenanschläge gefertigt und Gelder angewiesen; aber Onolzbach und Bayreuth und die beiderseitigen Baumeister certirten noch lange, bis endlich i. J. 1710 die Sache in Angriff genommen wurde. Gabriel de Gabrielli, der mit der Ausführung betraute Baumeister, erhielt unbeschränkte Vollmacht. Die Restauration der Malereien auf den Wappen und Todtenschilden wurde dem Maler K. F. Schulz von Fürth übertragen.

Um in der Klosterkirche ungehindert restauriren zu können, wies man vor Allem der Gemeinde ein anderes interimistisches Gottesdienstlokal an, und zwar in der damals als Brettermagazin benützten Katharinenkirche. Bisher wurde der Gemeindegottesdienst im Schiff der Kirche bei den großen Monumenten gehalten. Der Altar stand zwischen Nr. 78 und 83, die Kanzel bei Nr. 93, der Taufstein bei Nr. 90, die Orgel bei Nr. 50 auf einem Schwibbogen. Die Restauration wurde 60 Jahre lang hingezogen; daher mußte der Gottesdienst 60 Jahre lang interimistisch in der Katharinenkirche gehalten werden. Die Restauration begann mit der Reparatur der Bedachungen, Deckgewölbe und Außenmauern. Die Bauausgaben betrugen während der zwei ersten Baujahre 6000 Gulden. Gabrielli ließ die westliche Giebelmauer an der Ritterkapelle in der Mitte von oben nach unten ausbrechen und erneuern, die Giebelmauer überhaupt im Zopfstyl umgestalten und in derselben bei Nr. 1 ein Portal [274] anbringen, während vorher an dieser Stelle kein Eingang war. Bei der Restauration von 1851 an wurde diese ganze Giebelmauer bis auf den Grund abgetragen, neu aufgeführt und das Portal geschmackvoll umgestaltet. Nach Gabrielli’s Plan sollte das Gottesdienstlokal aus dem Mittelschiffe weg in das Querschiff verlegt und von den großen Monumenten ganz getrennt werden. Zu dem Ende ließ er eine neun Fuß hohe (neuerlich wieder abgetragene) Scheidemauer mit Zinnen von Nr. 62 an über Nr. 72 und 93 nach Nr. 115 ausführen. die Orgel von Nr. 50 weg nach Nr. 153, wo sie jetzt wieder steht, verbringen, die Kanzel von Nr. 93 nach Nr. 151, wo sie jetzt wieder angebracht ist. Die Orgel stand, wie eben erwähnt, auf einem Schwibbogen bei Nr. 50. Man gelangte zu derselben von zwei Seiten her, entweder vom anstoßenden Kloster her durch eine Thür neben Nr. 49, oder von der Wendeltreppe im Thürmchen aus durch eine Thür neben Nr. 25. Die transponirte Kanzel wurde vom Hofbildhauer Fischer neu gefertigt. Das projektirte Gottesdienstlokal hatte nun zwar Orgel und Kanzel, aber nicht die weiteren Requisiten, so daß von einer Benützung noch keine Rede sein konnte. Das ganze Restaurationswerk gerieth ins Stocken und konnte erst nach acht Jahren wieder aufgenommen werden; denn es ergab sich, „daß Gabrielli ganz lüderlich gearbeitet hatte“. Seine lüderliche, obgleich wohlgemeinte Arbeit bestand darin, daß er am Brettergewölbe, um dieses frei zu machen und dadurch die Kirche zu verschönern, die Schlaudern aussägen ließ. Als schlimme Folge davon ergab sich eine Ausbauchung der nördlichen Mauer um einen halben Fuß, die Verschiebung einer der runden Säulen unterhalb dieser Mauer und das Bersten eines Säulenkapitäls. Das Brettergewölbe hatte nun keine feste Unterlage mehr und drohte herabzustürzen. Man mußte daher, um weiteres Ausweichen der Mauer zu verhüten, 1724 das Brettergewölbe abtragen und wieder eine flache Decke herstellen. Die dadurch erwachsenen Kosten wollte Bayreuth nicht mittragen, da Onolzbach einzig und allein durch seinen ungeschickten Baumeister die Schuld trage. Die verwittwete Markgräfin [275] Chr. Charlotte von Onolzbach und der Markgraf von Bayreuth korrespondirten eigenhändig miteinander über die Sache. Man übertrug die Korrektur der Gabriellischen Baumängel dem Baudirektor von Zocha.

Vor dem Eintritt der gedachten Baukalamität hatte Gabrielli bereits Vieles im Innern der Kirche umgestaltet und renovirt. Der Wiederaufrichtung des Monuments von Joachim Ernst ist vorhin gedacht worden. Den Fußboden der ganzen Kirche überdeckte man 1712 mit einer Erdschichte und diese mit Solnhofer Steinen; die ursprüngliche, zum Theil mosaikartige Pflasterung und die meisten liegenden Grabsteine wurden dadurch unsichtbar, bis sie durch die Ausgrabungen i. J. 1853 wieder ans Tageslicht kamen.

Die ganze Kirche wurde 1712 weiß getüncht und Folgendes dabei abgeändert: Die über den Kapitälen der zehn runden Säulen des Mittelschiffes auf die Mauer gemalten zehn runden zollerischen Todtenschilde waren meist verblichen. Man beschloß, sie nicht zu übertünchen, aber auch nicht zu renoviren, sondern auf Holz zu kopiren und die Kopien an der Stelle der Originale aufzuhängen. Die von dem heilsbronner Schreiner Tröster gefertigten und von dem genannten Maler Schulz gemalten zehn Zollerischen Schilde zeigten folgende Rundschriften: 1. A. D. 1218 obiit Fridericus Burggravius de Nürnberg. 2. A. D. 1297 in vigilia assumtionis obiit Dns. Fridericus senior Burggravius de Nurnberg. 3. A. D. 1298 Kal. Sept. obiit Johannes filius senioris Friderici Burggravii de Nurnberg. 4. 1332 Kal. Junii obiit Dns. Fridericus junior Burggravius de Nurnberg. 5. A. D. 1334 3. Non. Apr. obiit Dns. Conradus Bruggravius de Nurnberg, filius Friderici. 6. A. D. 1375 obiit Dna. Elisabetha Burggravia de Nurnberg. 7. A. D. 1398 12. Kal. Febr. obiit Dns. Fridericus Burggravius senior de Nurnberg. 8. A. D. 1357 Non. Oct. obiit Dns. Johannes Burggravius de Nurnberg. 9. A. D. 1361 Non. Apr. obiit Dns. Albertus Burggravius de Nurnberg. 10. A. D. 1420 am Tag Barnabä Apostoli starb Burggraf [276] Hans von Nurnberg dem Gott gnad. Die Angabe auf dem ersten dieser Todtenschilde ist unrichtig, denn i. J. 1218 starb kein Burggraf Friedrich.[2] Die defekte Mauerschrift konnte schon i. J. 1711 nicht entziffert werden, noch weniger i. J. 1847 vom Schreiber dieses Buches. Es ist daher unbekannt, welchem Burggrafen dieser Todtenschild angehört. Vermuthlich war, wie in den Beitr. S. 11 bis 15 gezeigt wurde, der auf dem zweiten Todtenschild genannte, 1297 gestorbene Friedrich III. nicht der erste in Heilsbronn begrabene Burggraf; der unentzifferte Todtenschild wird daher einem früheren, gleichfalls in Heilsbronn begrabenen Burggrafen angehören. Bei der nachher zu besprechenden Restauration oder Verunstaltung der Kirche im Jahr 1771 wurden die 10 Zollerischen Schilde abgenommen, aber wieder aufgehängt, laut folgender Kreideschrift auf der Rückseite eines der Schilde: „Meister Weymer und Zeunert aufgemacht 1771.“ Am 25. Nov. 1847 wurden die 10 Schilde abermals abgenommen und von den Gebrüdern Vogtmann in Ansbach renovirt. Dabei ergab sich, daß Wappenform, Buchstaben und Ziffern nicht antik, sondern modern, in der 1711 üblichen Weise gestaltet, auch auf den Schilden keine Erhöhungen vorhanden waren. Durch die Vogtmann’sche Renovatur erhielt Alles wieder ein antikes Gepräge. Von den 10 Schilden wurden 8 wieder über den runden Säulen bei Nr. 73, 74, 75, 76, 77, 85, 88 und 92 aufgehängt, die übrigen 2 bei Nr. 98 und 101.

Über den Kapitälen der 10 runden Säulen hingen von 1603 an nicht nur die 10 zollerischen Todtenschilde, sondern auch die 36 Fahnen, welche bei dem von Hocker S. 155 ff. ausführlich beschriebenen Leichenbegängniß Georg Friedrichs vorgetragen worden waren. Diese im Laufe von 108 Jahren defekt gewordenen 36 Fahnen wurden 1712 ganz beseitigt, zuvor aber von dem gedachten Maler Schulz auf Holztafeln kopirt und diese über den 10 zollerischen Schilden aufgehängt. Auf den Holztafeln waren folgende 12 Wappen abgebildet: 1. Der burggräfliche Löwe [277] im goldenen Felde, der Rand weiß und roth. 2. Das zollerische viergetheilte, schwarz–weiße (silberne) Wappen. 3. Der kurbrandenburgische goldene Zepter im blauen Felde. 4. Der brandenburgische rothe Adler mit goldenen Klauen. 5. Das Regale oder die Blutfahne, ein rother Schild ohne Bild. 6. Das Wappen von Rügen, ein über Treppenstufen aufsteigender schwarzer Löwe. 7. Ein pommerischer ganz rother Greif im silbernen Felde. 8. Im silbernen Felde ein Greif: der Kopf und die linken Pfoten grün, die rechten Pfoten und die Flügel roth und grün gestreift. (Slaven und Wenden.) 9. Im silbernen Felde ein Greif: Kopf und die linken Pfoten roth, die rechten Pfoten und die Flügel roth und grün gestreift. 10. Im silbernen Felde ein Greif: roth, Vorderpfoten, Schnabel und hintere Klauen golden. (Pommern.) 11. Im blauen Felde: ein rother gekrönter Greif. (Stettin.) 12. Im goldenen Felde ein schwarzer Greif. (Cassuben?) Jedes von diesen 12 Wappen wurde dreimal abgebildet, daher belief sich die Gesammtzahl der Wappen auf 36. Diese wurden bei der neuesten Restauration nicht an ihren ursprünglichen Stellen, sondern da und dort in der Kirche aufgehängt, z. B. bei Nr. 4, 12, 13, 20, 21, 28, 36, 37, 43, 44, 132, 134. Was auf diesen Wappen ursprünglich roth war, ist durch Alter braun geworden.

So weit war das Restaurationswerk unter Gabrielli’s Leitung gediehen. Darauf ruhten die Restaurationsarbeiten Jahrzehnte lang gänzlich. Vergebens beantragte der Klosterverwalter i. J. 1757: „daß die Reparation der etliche und 40 Jahre her ödgelegenen Klosterkirche doch endlich vorgenommen werden möge.“ Es geschah abermals 13 Jahre lang nichts, bis man nothgedrungen Hand ans Werk legen mußte. Der Dachstuhl an der Katharinenkirche, in welcher der Gottesdienst interimistisch seit 1710 gehalten wurde, drohte den Einsturz; daher mußte die Katharinenkirche sofort geräumt und der Gottesdienst wieder in der Klosterkirche gehalten werden, was aber in dem von Gabrielli dazu ausersehenen Querschiffe noch nicht geschehen konnte, da die hiezu erforderlichen Requisiten daselbst noch fehlten; man hielt daher den Gottesdienst vorläufig in dem gelb umgrenzten südlichen [278] Ausbau, welcher auch während der neuesten Restauration als Gottesdienstlokal benützt wurde. Der Pfarrer Heidenreich verkündete daher am 1. Juli 1770 von der Kanzel: „Die Klosterkirche ist seit der Reformation zum evangelischen Gottesdienst gebraucht worden und die ordentliche Pfarrkirche gewesen. Nachdem aber 1709 an derselben eine Reparatur angefangen worden, so wurde die Katharinenkapelle der Gemeinde einstweilen eingeräumt, welche vorher über anderthalbhundert Jahre öde gestanden war. Da nun aber der Dachstuhl baufällig worden, so haben S. F. Durchlaucht resolvirt, daß die große Kirche nunmehr wirklich soll aptirt werden. Da aber zur Verringerung der Kosten das noch taugliche Holz und Stühle dieser Kirche zur Herstellung der andern soll verbraucht werden, so ist nöthig, daß wir diese Kirche fördersamst räumen.“ Gabrielli hatte bereits die Kanzel bei Nr. 151, die Orgel bei Nr. 153 angebracht; allein Kanzel und Orgel erhielten nun eine ganz andere Stelle, da Gabrielli’s Plan verworfen, das Innere der Kirche nach dem Plane des nunmehrigen Bauinspektors Bruckner in folgender Weise umgestaltet und verunstaltet wurde:

Man zog zwei Mauern ein, von Nr. 147 nach Nr. 151 und von Nr. 145 nach Nr. 150, theilte den dadurch gebildeten Zwischenraum in zwei Stockwerke, brachte zu ebener Erde bei Nr. 148 den Altar an, darüber die Kanzel, über der Kanzel die bis an die Decke reichende Orgel, hinter der Orgel die Blasbälge, hinter dem Altar die untere, hinter der Kanzel die obere Sakristei. Dabei wurden die Balken in das Einweihungsbild bei Nr. 150, welches man bereits übertüncht hatte, schonungslos eingetrieben. Der ansbacher Hofmaler Liebhard malte i. J. 1772 das jetzt bei Nr. 155 befindliche Altarblatt: eine mittelmäßige Kopie der allbekannten Kreuzabnahme von Rubens. Eine dritte, bis an die Decke reichende Mauer wurde von Nr. 72 nach 93 eingezogen, an deren Westseite das ursprünglich bei Nr. 72 befindliche riesige Gedächtnißbild Georg Friedrichs und seiner beiden Frauen angebracht, an der Ostseite aber eine Emporkirche, zwei weitere Emporkirchen bei Nr. 133 und 153. Durch Errichtung dieser drei [279] Zwischenwände und dieser drei Emporkirchen wurde der Hauptzweck, ein für den protestantischen Gottesdienst geeignetes Lokal zu schaffen, allerdings erreicht: die Zuhörerschaft auf einen kleinen Raum zusammengedrängt, das Predigen und das Verstehen der Predigt wesentlich erleichtert, aber die Kirche war dadurch verunstaltet. Das Verunstaltungswerk wurde fortgesetzt, indem man, allem Gothischen abhold, die schönen Maßwerke oben in den Spitzbogenfenstern vermauerte und darunter Rundbögen einmörtelte, die übrigen Maßwerke aber völlig ausbrach und recht nüchterne, allerdings recht helle Fensterscheiben einsetzte. Nur an dem gemalten Fenster bei Nr. 141 blieben die obern Maßwerke unversehrt und dienten neuerlich als Modelle bei Restauration der gothischen Fenster im östlichen Chor. Die zierlichen Steinhauerarbeiten an den Säulenkapitälen, Konsolen und am Sakramenthäuschen wurden übermörtelt und übertüncht, die runden Säulenfüße durch Ansätze von Gyps viereckig gemacht, von den ursprünglichen fünf Eingangsthüren die bei Nr. 51 und 57 völlig vermauert, die bei Nr. 65 im Zopfstyl erweitert und zum Haupteingang gemacht; die bei Nr. 131 blieb in ihrer ursprünglichen Gestalt. Von den Grabdenkmälern blieben nur die unbeweglichen auf ihren Stellen; von den beweglichen wurden nur die vorhin beschriebenen zehn Zollerischen Todtenschilde auf ihre Standorte über den zehn runden Säulen zurückgebracht, ebenso einige der gleichfalls vorhin beschriebenen kurfürstlichen Wappen; alles andere Bewegliche: Votivbilder und Todtenschilde etc., wurde planlos da und dort aufgehängt, ohne Rücksichtnahme auf Zusammengehörigkeit und Chronologie. Es hieß z. B.: „Weil rechts ein langes (rundes, viereckiges) Bild hängt, so soll links auch ein langes (rundes, viereckiges) aufgehängt werden.“ Von den 26 Altären und Altarsteinen mußten einige abgetragen werden, weil man Quermauern einzog. Von den bilderreichen Altarschreinen wurden einige verschenkt, z. B. ein von Dürer gemalter Altar nach Prag an den Kaiser, ein anderer nach Neustadt, ein dritter nach Förbau. Stehen blieben die neun Altarsteine bei Nr. 90, 119, 93, 114, 103, 155, 142, 139, 137. Von diesen [280] wurden von 1853 an die bei Nr. 90, 119, 93, 114, 155 und 139 abgetragen, so daß von den ursprünglichen 26 Altarsteinen nur 3 bei Nr. 103, 142 und 138 noch vorhanden sind.

Nachdem man 60 Jahre lang den Gottesdienst interimistisch in der Katharinenkirche gehalten hatte, um inzwischen die Klosterkirche in der berichteten Weise umzugestalten und zu verunstalten, wurde i. J. 1771 die Klosterkirche wieder bezogen und am 13. October der erste Gottesdienst in dem neugeschaffenen, eingezwängten Lokal gehalten. Die Gemeinde bestritt, in dankbarer Anerkennung der von der Klosteramtskasse gebrachten großen Opfer, die Kosten für eine Orgel, gebaut von dem in Heilsbronn ansässigen Orgelmacher Nößler, der sich nicht nur durch ein gutes Orgelwerk, sondern auch durch die Stiftung eines Kapitals von 1000 fl. um die Gemeinde verdient gemacht hat, indem er bestimmte, daß die Zinsen alljährlich an Ortsarme vertheilt werden sollen. Eine ähnliche Stiftung machte auch die Klosterverwalterswittwe Kath. Bernhold.

Von 1771 an bis 1851 veränderte sich wenig in der Kirche. Einige Todtenschilde kamen in dieser Periode abhanden, z. B. der von Buttendorf (1343), Rotenberger (1347), Bruckberg (1376), Muhr (1477). Dagegen ergab sich ein Zuwachs durch das Steffaneodenkmal, errichtet i. J. 1824 bei Nr. 141. Bis dahin stand daselbst der St. Bernhardsaltar, dessen Stein völlig abgetragen wurde, während der Schrein noch vorhanden ist. Den in den Beitr. S. 63 und 64 über dieses Denkmal mitgetheilten Notizen ist noch Folgendes beizufügen: Franz Maria, Freiherr von Carnea Steffaneo zu Tapogliano, Magnat in Ungarn, Johanniterritter, kaiserl. Geheimrath, um 1807 Erzieher am kaiserlichen Hofe zu Wien, ließ mit einem großen Kostenaufwand das Monument zum Andenken an den 1297 in Heilsbronn begrabenen Burggrafen Friedrich III. errichten, zugleich auch zur Erinnerung an das freundschaftliche Verhältniß, in welchem der Burggraf mit dem Kaiser Rudolf von Habsburg und dem Herzog Ludwig von Bayern stand. Darauf beziehen sich die drei Wappen an drei Seiten des Gedenksteins. Dieser wurde in [281] München verfertigt, das umgebende Eisengitter und die an der Mauer hängenden vier Tafeln mit erklärenden Inschriften und dem Wappen des Stifters in Nürnberg unter der Leitung des dortigen Direktors Reindel. Der Freiherr stiftete zugleich 1000 fl. mit der Bestimmung, daß die Zinsen aus diesem Kapital alljährlich am Todestag des Burggrafen (14. Aug.) an die Armen, besonders an Kinder, vertheilt werden sollen. Er starb 68 J. alt am 20. Mai 1825, bald nachdem er diese Stiftung gemacht hatte. Bei der jüngsten Restauration wurde der Gedenkstein weiter gegen Osten gerückt und das Eisengitter entfernt, um den schönen Dreikönigsaltar dort aufstellen zu können.


  1. Vgl. Stillfried S. 72.
  2. Vgl. Stillfried S. 94.
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