Geschichte von Kloster Heilsbronn/Wie das Innere der Kirche zur Zeit der Klosterauflösung war

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Wie das Innere der Kirche in den Jahren 1709–1771 umgestaltet und verunstaltet wurde »
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A. Wie das Innere der Kirche zur Zeit der Klosterauflösung war.

Man trat in das Innere der Kirche bei Nr. 51, 57, 65, 131 und 167 durch 5 Thüren, von welchen 4 jetzt vermauert oder ganz verschwunden sind. Die drei bei Nr. 51, 57 und 65 führten aus der Kirche in das Klostergebäude und in den hintern Kreuzgang. Durch die Thür bei Nr. 167 trat man in die Kirche aus dem Treppenhaus, welches der 23. Abt Wegel i. J. 1474 erbauen ließ; sie ist jetzt völlig vermauert. Die Thür am südlichen Seitenschiff bei Nr. 131 war die einzige, welche ins Freie, hinaus in die Welt führte. Gegen Ost und Süd war keine Thür. Die ebenbezeichnete „obere Thür, Porta superior,“ war diejenige, durch welche man auswärtige Leichen einbrachte, Leichenprozessionen und dem Publikum überhaupt den Eingang gestattete. Nur bei besondern Veranlassungen ließ man das Publikum zu, z. B. i. J. 1284 nach Vollendung und Einweihung des rothumgrenzten östlichen Ausbaues. Man gestattete beiden Geschlechtern den Eintritt 9 Tage lang, wie beim 12. Abt Rudolf berichtet wurde. Weibliche Personen durften nicht einmal bei Beerdigungen in der Kirche zugegen sein. Die Burggrafen Albrecht der Schöne und Friedrich V. baten daher den Papst, bei Beerdigungen burggräflicher Leichen auch weiblichen Angehörigen den Eintritt in die Kirche zu gestatten. Der Papst Innocenz VI. entsprach der Bitte, inhaltlich einer den Burggrafen zugefertigten Bulle d. d. Avinion prid. Cal. Maji 1361, [225] worin es hieß: Nos itaque vestris supplicationibus inclinati de gratia speciali vobis concedimus, ut uxores et consanguineae diebus praefatis monasterium ingredi et eisdem divinis officiis interesse valeant. Doch sollten die Frauenspersonen im Kloster weder speisen noch übernachten. Daß aber Kaiserinnen, Fürstinnen und andere Frauen in dem nur wenige Schritte von den Klostergebäuden entfernten Burggrafenhause oft speisten und übernachteten, erhellt aus den in den Beitr. mitgetheilten Berichten.

Auf beiden Seiten des völlig abgetragenen Hochaltars, welcher bei Nr. 139 stand, befanden sich die Chorstühle für den Abt und die Mönche; die Laienbrüder hatten gesonderte Sitze. Andere Kirchenstühle waren nicht vorhanden, da die Klosterkirche nicht Volkskirche war. Ein bei Nr. 147 stehender Chorstuhl zeigt die Jahreszahl 1516.

Die Pflasterung der Kirche bestand aus gebrannten, verschiedenfarbigen, theilweise glasirten Thonsteinen, darauf Thiergestalten und andere Figuren, z. B. ein Wappen mit Blättern, ähnlich denen der Erdbeerpflanze, und mit solgender Umschrift: Armatura Johannis III. Pragensis Ecclesiae Episcopi.[1]

Von den beiden Orgeln stand eine bei Nr. 50 auf einem von Nr. 131 an gegen Nr. 51 gespannten, 1711 abgetragenen Brückenbogen. Zur Orgel führten zwei Eingänge: bei Nr. 131 von der Wendeltreppe im Thürmchen aus, und bei Nr. 51 vom Klostergebäude aus. Sie wurde 1516 erneuert. Die andere Orgel stand auf einer von Nr. 132 nach 134 laufenden, nicht mehr vorhandenen Emporkirche.

Die Kanzel erhielt ihre Stelle erst bei Nr. 90, dann bei Nr. 77, dann wieder bei Nr. 90, dann bei Nr. 151, dann bei 148 und neuerlich wieder bei Nr. 151.

Vom Vorhandensein eines Taufsteins, vom Vollzug einer Kinder- oder Proselitentaufe wird aus der Klosterzeit nichts [226] gemeldet. Nach Einführung der Reformation wurde ein Taufstein bei Nr. 90 angebracht.


Hochgräber oder Steinsarkophage 226
01. Steindenkmal des Erzbischofs Heinrich von Anavarsen, † 1390 226
02. und 3. Zwei Sarkophage bei Nr. 145 und 150 226
04. Sarkophag der 1358 und 1362 gestorbenen Grafen Emicho und Johann von Nassau bei Nr. 93 227
05. Sarkophag des 1357 gestorbenen Konrad von Heideck bei Nr. 72 227
06. Sarkophag Gottfrieds von Heideck 228
07. Die burggräflich–kurfürstliche Hauptgruft 228
08. Sarkophag der Kurfürstin Anna († 1512) 228
Die übrigen zur Zeit der Klosterauflösung und noch 30 Jahre nachher in der Kirche vorhandenen Grabdenkmale, besonders Grabsteine mit den dazu gehörigen Todtenschilden 230
Die übrigen Skripturen an verschiedenen Tafeln 242
Die zur Zeit der Klosterauflösung vorhandenen 26 Altäre 246
Die zur Zeit der Klosterauflösung vorhandenen Votiv- und Porträtbilder 254
Freskomalereien 267
Die Uhr mit dem Löwen und dem Todtengerippe 269
Das zum Gedächtniß des Markgrafen Georg Friedrich und seiner beiden Frauen im J. 1614 gefertigte großartige Öl- und Schnitzbild 269
Das Monument des Markgrafen Joachim Ernst 270
Der Welserische Todtenschild 271

  1. Vgl. Stillfried S. 219.
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