Heinrich Dietel in Wilkau, Kammgarnspinnerei

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Titel: Heinrich Dietel in Wilkau, Kammgarnspinnerei
Untertitel:
aus: Die Groß-Industrie des Königreichs Sachsen in Wort und Bild. Erster Theil, in: Die Groß-Industrie des Königreichs Sachsen in Wort und Bild.
Herausgeber: Eckert & Pflug, Kunstverlag
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Eckert & Pflug, Kunstverlag
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons und SLUB Dresden
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Großindustrie Sachsen T1 0074.jpg

Heinrich Dietel in Wilkau,
Kammgarnspinnerei.


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Heinrich Dietel in Wilkau,
Kammgarnspinnerei.

Die Kammgarnspinnerei von Heinrich Dietel in Wilkau gehört in allererster Linie zu jenen industriellen Etablissements, welchen der Zwickauer Kreis nicht nur die Einführung und Ausbreitung der industriellen Thätigkeit verdankt, sondern die auch auf die Hebung des volkswirtschaftlichen Lebens in wohlthätigster Weise eingewirkt haben. Nicht alle großen Industrie-Etablissements wirken in gleicher Weise auf die Hebung des Wohlstandes einer Gegend. Sofern einer großen Anzahl von Arbeitern und Beamten durch industrielle Unternehmungen ihre und ihrer Familien Existenz gewährleistet wird, sind sie alle die Grundlage, auf welche sich der Wohlstand der Bevölkerung aufbaut. Auf den individuellen Anschauungen des Leiters resp. Eigentümers eines industriellen Unternehmens beruht es jedoch, ob die Grundlage, hier der Arbeitsverdienst, der Lohn der beschäftigten Personen, eine Erweiterung erfahren soll durch freiwillige Zuwendungen, welche bestimmt sind Wohlthätigkeitszwecken in besonderen Fällen für das Arbeits- und Betriebs-Personal zu dienen. Dahin gehören z. B. Stiftung und resp. Dotierung von Kranken-, Alters- und Invaliditätskassen, Sparkassen und dergl. mehr.

Man unterschätze nicht die Wirkung, welche durch derartige Wohlfahrtseinrichtungen in Fabriken auf die ökonomische Hebung des Wohlstandes ganzer Ortschaften und Bezirke ausgeübt wird. Sie entlasten die Armenpflege der Gemeinden in hohem Grade. Es würde zu weit führen, wollten wir alle die Vorteile, welche durch die Wohlfahrtseinrichtungen der Fabriken, wenn auch meist geräuschlos, sich entwickeln und in Zukunft erst augenscheinlicher hervortreten werden, näher erörtern. Wir glaubten aber die Verpflichtung zu haben, gerade diese still und hilfebringend wirkenden Einrichtungen ans Tageslicht zu ziehen. Und dazu bieten die von dem Begründer und den späteren Inhabern der Kammgarnspinnerei von Heinrich Dietel in Wilkau geschaffenen Wohlfahrtseinrichtungen willkommene Gelegenheit.

Wir kommen im Laufe unserer Darstellung noch näher auf specielle Daten dieses Gegenstandes zurück und geben zunächst einen kurzen Abriß der Geschichte und Entwickelung der Fabrik.

Die Kammgarnspinnerei von Heinrich Dietel in Wilkau wurde im Jahre 1853 von Herrn Heinrich Dietel in Cunersdorf bei Kirchberg begründet. Ursprünglich war der Betrieb ein bescheidener und umfaßte nur Kämmerei mit Handbetrieb, später mit Heilmann’schen Kammmaschinen, fast die ersten, welche in Sachsen in Betrieb genommen wurden. Den Anfang der jetzigen Spinnerei bildeten 3000 Feinspindeln; im Jahre 1869 wurde die Fabrik von Cunersdorf nach Wilkau verlegt, wo sie sich eines von Jahr zu Jahr erweiterten Betriebes und einer ansehnlichen Vermehrung des Absatzes ihrer Fabrikate zu erfreuen hatte.

Durch keine Krisis gehemmt – die umsichtige und energische Geschäftsleitung hatte sogar die Fabrik vor den für die Industrie so ungünstigen Conjuncturen der siebenziger Jahre bewahrt – entfaltete sich die Fabrik zu immer höherer Blüte, sodaß sie heute unstreitig zu den ersten und leistungsfähigsten Fabriken ihrer Branche nicht nur in Sachsen, sondern in ganz Deutschland zählt. – Gegenwärtig beschäftigt die Fabrik 700 Arbeiter, welche an 24 Kammstühlen und 40 000 Feinspindeln sowie 7500 Zwirnspindeln thätig sind. Eine große Dampfmaschine von 1000 indic. Pferdekräften, die auf Seilbetrieb eingerichtet ist, treibt die gesamten Arbeitsmaschinen. –

[Ξ] Die Fabrik erzeugt Kammzug und Kammgarn, wozu als Rohmaterial Schafwolle zur Verarbeitung gelangt.

Das große Arbeitspersonal und die vorzüglichen maschinellen Einrichtungen der Fabrik lassen schon vermuten, daß der Umsatz, der jährlich erzielt wird, ein sehr bedeutender sein muß. In der That hat derselbe die Höhe von jährlich 8 Millionen Mark erreicht, ein Resultat, welches um so höher anzuschlagen ist, wenn man bedenkt, daß der Absatz der Fabrik sich lediglich auf Deutschland erstreckt.

Die großen Erfolge sprechen am deutlichsten für die solide Qualität der hergestellten Fabrikate. Die Eigentümer haben in Folge dessen auch davon abgesehen, Ausstellungen zu beschicken. Wir sind der Meinung, daß dieselben mit Recht an ihren Erfolgen Genüge finden und darauf verzichten, sich auf Ausstellungen Anerkennungen zu holen, die ihnen sicher zu Teil werden würden.

Dagegen hat die Königlich Sächsische Staatsregierung wiederholt die Verdienste der Fabrik-Inhaber anerkannt und zwar durch Verleihung des Verdienstkreuzes I. Klasse vom Albrechtsorden an den Begründer der Firma, den am 25. April 1883 verstorbenen Herrn Heinrich Dietel. Ein Sohn des Vorgenannten, Herr Gottlob Dietel, erhielt den Titel „Königlich Sächsischer Commerzienrat.“ Leider wurde derselbe zu frühe durch den Tod von seiner erfolgreichen geschäftlichen Thätigkeit, am 16. November 1887, abgerufen. Eine ganz besondere Auszeichnung aber wurde der Fabrik zu Teil durch den Besuch, welchen Se. Majestät König Albert dem Etablissement im Juli 1883 abstattete, bei welcher Gelegenheit Se. Majestät eingehende Kenntnis aller Fabrikeinrichtungen und des Fabrikationsbetriebes nahm und über das Gesehene Seine volle Befriedigung und hohe Anerkennung aussprach.

Die jetzigen Inhaber der Fabrik sind zwei jüngere Söhne des Begründers, die Herren Gustav und Guido Dietel.

Auf die schon Eingangs erwähnten Wohlfahrtseinrichtungen für die Arbeiter und Beamten der Fabrik zurückkommend, erwähnen wir, daß von den Geschäftsinhabern eine Alters- und Invalidenkasse begründet wurde, welche bis jetzt von denselben mit einer Summe von M. 75 000 an Kapital und Zinsen dotiert worden ist. Arbeiter und Beamte zahlen keinerlei Beiträge. Ferner wurde am 1. Januar 1880 eine Spareinrichtung für das gesamte Personal getroffen, welche von den Geschäftsinhabern mit einem Kapital von M. 12 700 ausgestattet wurde; in dieselbe sind bis jetzt M. 33 000 Spareinlagen eingezahlt worden.

Schöner als durch diese Zuwendungen konnten die Geschäftsinhaber ihren humanen Bestrebungen für das Wohl ihrer Untergebenen nicht Ausdruck geben. Dafür ist ihnen aber der wärmste Dank aller gutgesinnten Arbeiter gewiß. Sie haben sich damit ein Denkmal gesetzt, das in hunderten armer Familien unzerstörbar sein und bleiben wird.

Andererseits wird das erhabene, edle Beispiel nicht ohne Nachahmung bleiben und die freilich erst in der Zukunft liegenden günstigen Einwirkungen auf die Hebung des Nationalwohlstandes im Zwickauer Kreis werden den Namen der Firma, welche den Grund zu dieser Verbesserung gelegt hat, niemals der Vergessenheit anheimfallen lassen und unter den großen Wohlthätern des Zwickauer Kreises wird der Name Dietel noch bei späteren Geschlechtern mit Dank und wahrer Verehrung genannt werden! –