Im Kreislauf des Jahres (1902)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Rudolf Lavant
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Im Kreislauf des Jahres.
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber: Illustrierter Neue Welt-Kalender
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1902
Verlag: Auer/Hamburg und J.H.W. Dietz/Stuttgart (in Kommission)
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scan
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Im Kreislauf des Jahres (1902).jpg
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]

[25]

Im Kreislauf des Jahres.

Blüthenschnee auf allen Zweigen,
Um die Hecken Veilchenduft,
Und die lieben Lerchen steigen
Tirilirend in die Luft.

5
Heimgekehrte Schwalben fliegen

Zwitschernd um ihr altes Nest,
Und die ersten Falter wiegen
Träumend sich im lauen West.
Ist es nicht, als wolle mahnen

10
Dich der Lenz in Kampf und Streit

An das sorglos-frohe Ahnen
Deiner ersten Kinderzeit?

Graue Wetterwolken ballen
Sich zusammen dumpf und schwer,

15
Und die Roggenfelder wallen

Wie ein silbergraues Meer.
Vor der Sense sinkt der feuchten
Wiesen bunte Blumenpracht,
Und ein hastig Wetterleuchten

20
Wandelt zuckend durch die Nacht.

Ist es nicht, als mahne leise
Dich des Sommers Gluth und Kraft
An der Jugend rasche Weise,
An die kecke Leidenschaft?

25
Welkes Laub und leises Bangen

Bei der Wandervögel Flucht,
Und es röthen sich die Wangen
Mancher ausgereiften Frucht.
Matter werden alle Stimmen,

30
Ernster, müder wird ihr Ton;

Ueber Stoppelfluren schwimmen
Die Marienfäden schon.
Ist Dir nicht des Herbstes Kühle
Eine Mahnung an die Zeit

35
Still verebbender Gefühle,

Wachsender Besonnenheit?

Berg und Thal und Wald und Hecke,
Die kein Leben mehr erfüllt,
Hat in weiße, weiche Decke

40
Ueber Nacht der Schnee gehüllt.

Alles, Alles ist begraben,
Was so warm gegrüßt und traut,
Und der Hungerschrei des Raben
Ist der Landschaft letzter Laut.

45
Wenn des Winters Sterne blinken,

Bunten, aber kalten Lichts,
Mahnen sie Dich an’s Versinken
In das große, stille Nichts?
                                                  R.L.