Johannes Huß (Badisches Sagen-Buch)

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Autor: Wilhelm Nicolaus Freudentheil
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Titel: Johannes Huß
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aus: Badisches Sagen-Buch I, S. 29–33
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[29]
Johannes Huß.
(1415.)

Erscheinst du mir aus Edens milder Zone,
Wo nicht der Bann dem frommen Denker droht,
O Huß, geschmückt mit einer Lorbeerkrone,
Wie kein Granikus[1] sie dem Helden bot?

5
Bewährter Kämpfer an der Wahrheit Throne,

Du warst dem Ruf getreu bis in den Tod,

[30]

Warst Sieger, als dich blinde Wuth verdammte,
Dein Schutzherr log, die Opferstätte flammte.

Die Fackel, die am Jordan einst in Nächten

10
So herrlich strahlte, war verlöscht, entweiht,

War Feuerbrand in wilder Priester Rechten,
Nicht mehr Verkünderin der bessern Zeit;
Vor Götzen lag der Freie, gleich den Knechten,
Von Todesschuld durch schnödes Erz[2] befreit;

15
Des Geistes Augen hüllten dichte Binden,

Sie willig tragen, hieß – den Himmel finden.

Du trugst sie nicht. Zu längst verlassnen Quellen
Erforschtest du die fremdgewordne Bahn,
Halfst, kühnen Muthes, dichte Schatten fällen,

20
Entlarvtest den Betrug im Lateran.

Und sieh! die Waldgebirge Böhmens hellen
Mit neuem Schimmer sich! Es flieht der Wahn,
Die Tugend jauchzt, und tief in seinem Staube
Erliegt, von dir bekämpft, der Aberglaube.

25
Doch weh! Constantia’s Prälaten sitzen

Dort zu Gericht. Wirst du den Kampf bestehn,
Wie deiner heimathlichen Berge Spitzen,
Wenn Donner rollen und Orkane wehn?
Wer rettet, wer? Des Bannfluchs Strahlen blitzen

30
Die Kirche heißt den Ketzer untergehn. –

Er lacht des Kerkerthums, der wilden Rache,
Verficht sein Heiligthum auf treuer Wache.

Laßt Tausende sich wider ihn verbünden!
Nicht schreckt ihn ihrer Legionen Zahl.

35
Den Widerruf belohnen reiche Pfründen,

Der Treue harrt des Scheiterhaufens Pfahl.
Er wankt nicht. In des Thurmes feuchten Gründen
Erkrankend, freut der Dulder sich der Wahl,
Wie sein Messias einst auf Salem’s Hügeln,

40
Mit edlem Blut das Wort des Herrn zu siegeln.


„Was rotten,“ – ruft er – „Papst und Cardinäle
Sich gegen mich, entbrannt von Rachbegier?

[31]

Mein Siegesfest beginnt! Die müde Seele
Des Dulders schwingt, Erhabner, sich zu Dir!

45
Gewollt hab’ ich das Gute. Meine Fehle

Vergieb Du, milder als die Priester, mir!
O stärke mich zu meinem letzten Gange,
Daß ich, von Dir zu zeugen, nicht erbange!

„Ein hohes Amt hast Du für mich erkoren;

50
O Wonne mir! Dein Herold darf ich seyn!

Ob Hölle selbst sich gegen mich verschworen,
Ich zage nicht, bin, Vater, bin ja Dein!
Der Sämann sinkt, die Saat bleibt unverloren,
Was er nicht erndtet, Herr, wirst Du verleih’n!

55
Drum mögen Flammen diesen Leib verschlingen,

Ein Schwan wird einst auf Hußens Asche singen!

„O immer preist, ihr fernen Riesenberge,
Von euren Höh’n den Herrn mein Lobgebet;
In heilgem Boden ruhen Riesensärge,

60
Wenn in die Winde Hußens Staub verweht.

Gen Himmel thürmt den Holzstoß! Auf, o Scherge!
Mein Seraph winkt, der vor Jehova steht!
Ich komm’, ich komme, will mein Opfer spenden,
Was ich vor Gott begann, vor Gott vollenden!“

65
Und sieh, errungen ist sein Siegsgepränge;

Die Stunde schlägt, der Todeszug beginnt.
Durch alle Gassen fluthet roh die Menge,
Kein Seufzer schallt und keine Thräne rinnt.
Gefesselt wandelt Huß und Lobgesänge

70
Beflügeln seine Seele hochgesinnt.

Der Heimath nahe fleht er für die Horden,
Die, Gott zu ehren, seinen Herold morden.

Die Richtstatt winkt, umkreist von tausend Speeren,
Und aufgeschichtet harren Pech und Kien,

75
Die Hülle des Gerechten zu verzehren,

Und Aller Augen starren wild auf ihn.
Mit Teufeln mögen sie sein Haupt entehren,
Sein Ohr vernimmt des Himmels Harmonie’n!

[32]

An Henkers Hand ersteigt mit festen Schritten

80
Er seinen Thron, durch heil’gen Kampf erstritten.


Entblößt, mit Strängen an den Pfahl geschlossen,
Besteht er glorreich noch den letzten Streit.
Ihn mahnt ein Ritterpaar auf hohen Rossen:
„Bereu’ den Wahn am Thor der Ewigkeit!“

85
Er wankt nicht, ist vom Fackelrauch umflossen,

Für seinen Gott zu sterben froh bereit;
Ein Bäuerlein wankt her mit schwerem Stamme,[3]
Daß heller, höher Hußen’s Glutbett flamme.

Der lächelt; „Heil’ge Einfalt!“ ruft der Hohe;

90
Der Holzstoß brennt. Er singt sein Schwanenlied,[4]

Erblickt sein Paradies, indeß das rohe,
Bethörte Volk Gehenna’s Gluten sieht.
Und höher, dichter steigen Dampf und Lohe;
Die Stimme schweigt, des Dulders Seele flieht

95
In lichten Engelreih’n auf Sonnenwegen,

Und hört entzückt des Auferstandnen Segen.

W. N. Freudentheil.

  1. [32] Granikus hieß der Fluß in Phrygien (Klein-Asien) an welchem Alexander der Große die berühmte Schlacht gewann.
  2. [32] Durch Ablaßgeld nämlich.
  3. Andere erzählen diese Scene von Hußens Freunde, Hieronymus von Prag (H. von Faulfisch) der ebenfalls zu Costnitz am 30. Mai 1416 den Feuertod starb. – Hieronymus von Prag ist besungen von Ed. Heinel, (Siehe Nro. 47 des Aehrenlesers, v. Jahr 1822). Siehe auch S. Schier’s: Joh. Huß, dramat. Gemälde in 5 Akten. Gotha, 1825.
  4. Nachdem Huß auf den Schindanger geführt worden war, um dort verbrannt zu werden, sprach er zu den Henkersknechten: „Heute bratet ihr mich, wie eine Gans, aber in hundert Jahren wird ein Schwan erscheinen, den ihr wohl ungebraten lassen werdet.“ – Und als der edle Märtyrer den Scheiterhaufen bestiegen hatte und man ihn nochmals aufforderte, durch Widerrufung seiner Irrthümer sein Leben zu retten, gab er zur Antwort: „Ich habe keine Irrthümer zu widerrufen. Zeitlebens war ich bemüht, Jesum Christum, den Weltheiland, zu predigen und dessen Lehren zu verbreiten, wie es seine Apostel gethan; und nun bin ich bereit, dieselben mit meinem Blute zu besiegeln!“ – Hierauf wurde der Holzstoß angezündet; bald loderten die Flammen über Huß zusammen, der mit erhobener Stimme dreimal zum Himmel rief: „Jesus Christus, du Sohn Gottes, du Sohn des lebendigen Gottes, erbarme dich meiner!“ – Da [33] verbarg eine dichte Rauchwolke den sterbenden Helden der umstehenden Menge, und als das Feuer nachließ, sah man seinen Körper halbverbrannt an der noch glühenden Kette hangen. Er wurde sofort auf einen neuen Holzstoß gelegt und seine verglimmende Asche hernach in den Rhein geworfen.
    (Siehe J. Bader’s „Badische Landesgeschichte“ S. 337 ff.)