Lebensbeschreibung von Alexander Mitscherlich

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Textdaten
Autor: Alexander Mitscherlich
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Titel: Lebensbeschreibung von Alexander Mitscherlich
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aus: Brief an Georg Krause (1849–1927)
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Entstehungsdatum: Januar 1887
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Quelle: Archiv des Deutschen Museums, München, HS 07692, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung: Lebenslauf des Chemikers Alexander Mitscherlich (1836–1918)
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[1] [Handschriftlicher Vermerk: Deutsches Museum München, Archiv HS 07692]


Lebensbeschreibung von
Alexander Mitscherlich.
geschrieben Januar 1887.


Alexander Mitscherlich wurde zu Berlin am 28 Mai 1836 als jüngster Sohn von Eilhard Mitscherlich[ws 1], welcher die Professur der Chemie an der Universität in Berlin[ws 2] damals inne hatte. Er verdankte seinen Vornamen seinem Pathen Alexander v. Humbold.[ws 3] Sein Geburtshaus Dorotheenstraße 10 war seit vielen Jahren die Wohnung und die Arbeitsstätte unserer ersten Chemiker gewesen. Er wurde ausgebildet auf dem Friedrich Wilhelm’s Gymnasium und dem Kölnischen Realgymnasium in Berlin, auf welch letzterer Anstalt er das Abiturienten Examen machte. Schon frühzeitig zeigte er großes Interesse für die Naturwissenschaften und Abneigung gegen das Studium der alten Sprachen. Er entschied sich für das Studium der Chemie und wurde allein von seinem Vater in dieser Wissenschaft, wobei das technische Gebiet bevorzugt wurde, ausgebildet. Sein Vater übte naturgemäß den größten Einfluß auf seine spätere Richtung aus. Nachdem er seine ganze Studienzeit [2] in Berlin mit Ausnahme eines Semesters in Göttingen verbracht hatte, promovirte er 1861 in Berlin, wurde darauf Vorlesungsassistent seines Vaters, dann Assistent im Laboratorium von Wöhler[ws 4] in Göttingen und bildete sich weiter während eines Semesters durch den Besuch der Laboratorien des Auslandes aus. Inzwischen wurde der Gesundheitszustand seines Vaters sehr bedenklich. Derselbe konnte die Vorlesungen über Experimentalchemie nicht weiter fortführen und wünschte, daß Alexander Mitscherlich ihn vertrete.

Mitscherlich kürzte deshalb seine Reise ab, und habilitirte sich im Frühjahr 1863 an der dortigen Universität. Er übernahm sofort die 6stündige Vorlesung über Experimentalchemie vor einem großen Zuhörerkreise und führte diese Vorlesung auch nach dem Tode seines Vaters im August 1863 mit Glück weiter fort, bis er Frühjahr 1868 als Professor nach der neu gegründeten Forstakademie in Hann. Münden[ws 5] gerufen wurde.

Bei dieser Anstalt wirkte er bis zum [3] Herbst 1883, wo er nach Freiburg im Breisgau übersiedelte, um sich ganz seiner Wissenschaft und seinen Erfindungen auf technischem Gebiete zu widmen. Seine wissenschaftliche Thätigkeit wurde nur ein einziges Mal durch den Krieg 1870/71 unterbrochen, an dem er sich freiwillig betheiligte, obgleich er sich bereits 10 Jahre bei der Landwehr befand. Seine Thätigkeit im Feldzuge wurde durch die Verleihung des eisernen Kreuzes anerkannt. Kurz nach dem Friedensschluß verheirathete er sich, aus welcher Ehe neun Kinder hervorgingen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten sind zerstreut veröffentlicht, in ihrer größeren Zahl jedoch in drei Bänden gesammelt, welche bei E. S. Mittler[ws 6] & Sohn, Berlin erschienen sind und nach folgende Gegenstände behandeln:

Verhalten der Schwefelsäure und der Salzsäure zum Alaunstein.
Verhalten der Schwefelsäure zur geglühten Thonerde und zum geglühten Eisenoxyd.
Verhalten der Schwefelsäure zum

[4]

Korund.
Verhalten der Flußsäure zum Feldspath.
Aufschluß des weißen Glimmers, des Turmalins und der thonerdehaltigen Hornblende.
Verhalten der Schwefelsäure zum weisen Glimmer, zum Turmalin und zur thonerdhaltigen Hornblende.
Bestimmung des Eisenoxyd- und Eisenoxydulgehaltes in bisher durch Säuren nicht aufgeschlossenen Mineralien.
Aufschluß der wichtigsten durch Säuren noch nicht aufgeschlossenen Mineralien.
Methode der Trennung der Schwefelsäure, der Thonerde, der Kalkerde, der Magnesia, des Kali’s und des Natrons.
Verhalten einiger Verbindungen des Kaliums, des Natriums, des Kaliums und des Bariums bei hoher Temperatur.
Metallbad.
Analysen des Alaunsteines.
Die Wasserbestimmung des Alaunsteins.

[5]

Verhalten der Thonerde zum Wasser
a. Wasserbestimmung des gefällten Thonerdehydrates.
b. Wasserbestimmung des Gibbsits und des Diaspors.
c. Darstellung mehrerer Thonerdehydrahte. Rationelle Zusammensetzung des Alaunsteins. Darstellung des künstlichen Alaunsteines.
Löwigit.
Darstellung des Löwigits.
Folgerungen aus diesen Beobachtungen auf die Bildung des Alaunsteines und des Löwigites in der Natur.
Gewinnung des Alauns im Großen und Litteratur desselben.
Ueber die Zusammensetzung des Turmalins, des Glimmers, der Hornblende und des Staurolithes.
Beitrag zur Spectral-Analyse.
Ueber zwei neue Verbindungen, die durch die Einwirkung von Chlor auf Glycol entstehen.
Ueber die Spectren der Verbindungen und der einfachen Körper.

[6]

Ueber die Anwendung der Verbindungsspectren zur Entdeckung von Chlor, Brom und Jod in geringster Menge.
Neue Methoden zur Bestimmung der Zusammensetzung organischer Verbindungen.
Elementaranalyse vermittelst Quecksilberoxid.

Die Vollendung sehr umfangreicher Arbeiten über Spektralbeobachtungen, von denen nur eine hierbei gebrauchte Quecksilberventilluftpumpe in Poggendorfs Annalen[ws 7] veröffentlicht wurde, und über den Verbrennungspunkt, von welchen nur einzelne wichtige Resultate auf der Naturforscherversammlung zu Breslau 1874 und ein hierbei benutztes Thermometer zur Bestimmung der Temperaturen durch den Druck der Gasarten 1875 bei einer gleichen Versammlung zu Graz vorgetragen und in den Berichten der betreffenden Naturforscherversammlungen veröffentlicht wurden, konnte der technischen Arbeiten des Mitscherlich wegen bis jetzt noch nicht erfolgen.

[7] Auf technischem Gebiete begründete er einen neuen Industriezweig, den der Sulfitcellulosefabrikation, d. h. der Herstellung von Cellulose aus Holz durch doppelt schwefligsauren Kalk.[ws 8]

Eine größere Anzahl anderer Erfindungen auf technischem Gebiete, welche durch Patente geschützt wurden, sollen hier nicht besonders aufgeführt werden.


Anmerkungen durch Wikisource

  1. Eilhard Mitscherlich (1794–1863), damals berühmter Chemiker, u. a. Entdecker der Isomorphie
  2. Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, heute Humboldt-Universität
  3. Alexander von Humboldt (1769–1859), berühmter Naturforscher und Entdecker.
  4. Friedrich Wöhler (1800–1882)
  5. Die Königlich Preußische Forstakademie Hannoversch Münden war im selben Jahr gegründet worden.
  6. Ernst Siegfried Mittler
  7. Die Zeitschrift Annalen der Physik unter der Herausgeberschaft Johann Christian Poggendorffs (Bände 77–236, 1824–1876).
  8. Mitscherlich gilt als Mitbegründer des Sulfitverfahrens zur Papierproduktion.