Leipzig (Ringelnatz)

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Textdaten
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Autor: Joachim Ringelnatz
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Titel: Leipzig
Untertitel:
aus: Reisebriefe eines Artisten, S. 30
Herausgeber:
Auflage: 5.–9. Tausend
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1928 (EA 1927)
Verlag: Ernst Rowohlt
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Erscheinungsort: Berlin
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
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 LEIPZIG

Die Berge sind so schön, so erhaben! –
Aber es gibt hier keine. –
Wo hier zwei Menschen sind, ist keiner alleine. –
Über manche Leute, die jemand begraben,

5
Lache ich beinahe mich selber zu Tode. –

Fast alle Sachsen sind sächsisch. Sie zeigen sogar,
Daß die Pariser und die Londoner Mode
Vor zwei Jahren eigentlich auch sächsisch war.
Bei deiner Großmutter bin ich gewesen.

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Es tut einem weh:

Sie nagelt – die Siebzigjährige – Stiele an Besen,
Und trinkt – weil das jetzt am billigsten – Blutreinigungstee.
Sie hat eine alte Kommode, wertvolles, frühes Barock.
Ich klärte sie auf. Und denke dir:

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Sie – unabwehrbar – schenkte sie mir,

Trug sie persönlich mir heimlich nachts ins Hotel in den dritten Stock.
Was nun mit ihr, was mit der Kommode machen?? –

Genug für heute. Ich bin so müde gefragt.
Es ist doch billig, über die Sachsen zu lachen.

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Der müßte selber ein

(und würde kein) Sachse sein,
Der einmal recht ihre Vorzüge sagt.