Litteratur (Wünschelruthe Nro. 11)

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Titel: Litteratur
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aus: Wünschelruthe - Ein Zeitblatt. Nr. 11, S. 43-44
Herausgeber: Heinrich Straube und Johann Peter von Hornthal
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Vandenhoeck und Ruprecht
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Erscheinungsort: Göttingen
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Litteratur.

Predigten des alten Herrn Magister Mathesius über die Historien von des ehrwürdigen, in Gott seligen, theuern Manns Gottes, Doctor Martin Luthers Anfang, Lehre, Leben und Sterben. Mit einer Vorrede herausgegeben von Ludwig Achim von Arnim. Mit den Bildnißen Luthers und Melanchthons. Berlin b. Maurer 1817 in 4.

Melanchthons Erzählung von Luthers Leben, um das sich der seel. Villers noch verdient gemacht, ist bekannt und behält seinen Werth, doch hier wird ein ganz anderes Bild von Luthers Dasein und Wirken uns vor die Augen gerückt. Mit welcher Lebendigkeit und Kraft, zugleich mit welcher Eigentümlichkeit ist es gezeichnet! Nicht bloß, was Luther für die Welt gethan und was sich in einer gelehrten Schrift zu erzählen ziemt, hören wir an; wir sehen ihn auch, wie er mit sich und seinen heimlichsten Gedanken gestanden, mit seinen Freunden, mit Weib und Kindern, wie er freundlich und demüthig, stark und wahrhaftig gewesen, in jedem, was er berührt, selbst im kleinsten, das ihm nahe kam, eine edle Spur hinterlassen und wie ihn die inne wohnende Tugend seines Herzens unbewußt dazu lenkte. Wo er ganz frei ist, da erscheint er immer am herrlichsten. Es ist eine Beschreibung, wie sie wohl in Albrecht Dürers Bildern vorkommt, die ganze Umgebung, jedes Geräth, der dunkelfaltige Bettvorhang, die Ordnung und Reinlichkeit der Stühle und Bänke, die aufgeschlagenen Bücher kündigen uns die würdige und liebreiche Natur des Menschen an, der sinnend da sitzt, während durch die runden Fensterscheiben gnädig des Herrn Sonne einleuchtet. In dieser Schrift ist der Geist des Protestantismus, wie in keinem Lehrbuche ausgedrückt: das Vertrauen des Christen auf den lebendigen Gott und sein gegebenes Wort, die Freiheit vor Menschensatzungen und die unbestechliche Wahrheit gegen alle Welt. Es kann erschrecken, wenn man liest, wie Zweifel ihn mitten im Vortrage gequält, aber sein freies Bekenntniß bei gleicher Qual eines andern kommt doch von jenem Geist, der ihn zur Wahrheit und Beruhigung geführt und der ihm den schönen, vertrauensvollen Tod verliehen, dessen Erzählung besonders rührend und ergreifend ist. Jedem der sich in diesem Glauben stärken will, empfehlen wir das Buch von ganzem Herzen. Dem Herausgeber danken wir für die Erfrischung desselben so wie für die geistreiche Einleitung.

G.
Ernst, Herzog von Schwaben, Trauerspiel von Ludwig Uhland 1817.

Wir haben hier die erste bedeutendere Arbeit eines Dichters vor uns, von dem die Erwartung viel fordert; seine Gedichte sind so zart und doch oft von solcher Kraft, daß er sich zu hüten hat vor Mittelmäßigkeit. Dieß Buch wird ihm wohl nicht schaden, dazu ist es zu bedeutend in der Idee, der Anlage und auch der Ausführung einzelner Scenen, z. B. der zwischen Gisela und Adalbert, aber ihn sehr hoch [44] stellen wird es auch noch nicht, denn es fehlt die Vollendung, die wir bei seinen Gedichten finden. Und hier bei den lyrischen Gedichten wußten wir keine höhere Forderung an ihn zu machen, wohl aber bei den dramatischen, nachdem wir uns grade bei diesem Buche überzeugt, daß er mehr vermöge. Der Stoff ist mehr historisch ernst, als poetisch tragisch; es fehlt ihm an Gemüth, welches der Dichter durch die Freundschaft zu Werner v. K. (denn der Liebe zu der Tochter Hugos fehlt die Gestalt), die der eigentliche Hebepunkt des Ganzen ist, hervorzurufen sucht, aber nicht ganz mit Glück. Es ist uns seltsam gewesen, daß Uhland, der so gemüthvoll, diesen Stoff gewählt; ist es geschehen um grade daran sich zu üben und zu stärken, so halten wir es für ein gutes Zeichen. Der größte Fehler ist wohl, daß viele Personen keine rechte Gestalt haben; daß Kaiser Conrad sie nicht hat, läßt sich wohl grade daraus entschuldigen, daß ihm als Kaiser keiner ganz nahe tritt; aber besonders Herzog Ernst lebt nicht recht, und wenn auch sein Leben verfehlt und er vom Schicksal verworfen wird, so mußte doch ein Charakter in ihm austreten, sonst ist er der Tragödie unwerth. Nur die Gisela ist vortrefflich. Die Verse sind fließend, die Sprache anmuthig.

tn.
Gustav Adolf. Trauersp. in 5 Aufz. v. Eduard Gehe. Leipzig. 1818.

Ein schönes Talent muß in diesem Gedichte billig anerkannt werden. Einzelne Stellen, (z. B. S. 12-14,) sind hochpoetisch; aber nicht über das Ganze ist diese begeisterte Glut hingegossen. Gustav wird gar oft zu weich, seiner Zeit und sich - dem rauhen frommen Kriegsmann - ungetreu in Wort und Haltung. Sehr störend und ermüdend ist, daß er im 4. Akt von seinem Tode lange, lange und ganz überzeugt redet, und dann doch immer ihn nur ahnen soll. Selma erinnert gar sehr an Luthers Famulus in Werners Weihe der Kraft. Die jeden Augenblick wiederkehrende Erscheinung des Greises hebt alle Wirkung auf, die der Dichter von ihr verlangt. Ueberhaupt ist dieß Spielen mit dem Wunderbaren, dieß Hereinnöthigen des Geisterlebens, wie es auch Mode geworden sey, sehr zu beklagen. Früher hat die Philisterei des werthen Verstandes alles verworfen, was nicht mit einem anatomischen Messer ihm vorgeschnitten werden konnte; jetzt soll das Heilige, Unsichtbare im Leben alltäglich zu sehen seyn. Der wahre Glaube aber braucht nicht zu sehen und zu betasten, er fühlt und ahnt die Hand des Herren überall, ohne daß ihm zu jeder Stunde ein Wahnsinniger zurufen muß: Gib acht, jetzt winkt der Herr. - - Bernhard v. Weimar und Albert sind gut gehalten, die übrigen ziemlich nach einer Form gemacht, und namentlich die Generale haben nicht viel mehr zu thun, als ihre Schwerter zu ziehen, sich zu umarmen, und mitsammen zu weinen. - Bei all dem aber wird die Darstellung auf der Bühne Glück machen (im guten Sinn des Wortes), und verdient es, denn im Ganzen herrscht ein guter, frommer Geist, und ein redliches Streben, die das bischen Staub, so aus dem neuesten dramatischen Spuk- Mord- und Hirnbrandlärmen ihnen angeflogen, leicht abschütteln werden. - Sprache und Versbau sind wohltönend; das Kupfer ist unbedeutend.

Joh. v. d. Babenburg.
Die Karfunkel-Weihe. Romantisches Trauerspiel von Till Ballistarius; 1818. 8.

Der Verf. würde uns durch die große Selbstzufriedenheit, womit er über vortreffliche und schlechte, längst bekannte und noch kaum genannte, ewig feststehende und schon ohne ihn gesunkene Schriften sorglos neben- und durcheinander loszieht, wie durch seine unendlich geringe Bekanntschaft mit dem eigentlichen Gange der Litteratur in Deutschland während der letzten zwanzig Jahre, ein mitleidiges Lächeln über seine unschuldige Einfalt abgewinnen, wenn es nicht durch den Ekel überwogen würde, den uns seine gewaltig gemeinen Darstellungen verursachen müssen, besonders weil er zu ihnen Werke mißbraucht die er nicht verstand. Sonst könnte er sich, wenn er noch jung und rüstig ist, in spätem Alter wohl einmal zur Höhe Kotzebues in seinem hyperboreischen Esel emporschwingen. Daß Göthe nicht zu citiren vergessen worden, versteht sich jetzt nach der Erscheinung des zweiten Hefts über Kunst und Alterthum am Rhein und Mayn von selbst; die Namen der Könige ihres Zeitalters hatten immer das Schicksal von den Sklaven desselben gemißbraucht zu werden. Wir geben weder eine Uebersicht dieser Tragödie, noch Proben von des Verf.’s Witze, um unsern Lesern den Widerwillen zu ersparen.