Luther vor dem Reichstage in Worms 1521

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Titel: Luther vor dem Reichstage in Worms 1521
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 4, S. 56
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1858
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Schwerdgeburth Luther Worms (1853).jpg
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[56] Luther vor dem Reichstage in Worms 1521. (Kupferstich von Prof. Schwerdgeburth in Weimar, nach eigener Erfindung und Zeichnung. 13 Zoll hoch, 20 Zoll breit.)

Der Cyklus von sechs Darstellungen aus Luther’s Leben von diesem Künstler ist so allgemein bekannt, ist eine Erscheinung, die im Zeitbedürfniß, im Sinn und Bewußtsein aller Protestanten so tief wurzelt, daß man nichts häufiger als Zimmerschmuck antrifft, als diese Bilder.

Das jetzt neu hinzugekommene Blatt bildet nun, der äußern Form und dem Umfang nach, den Mittelpunkt und Abschluß dieser Reihe; dem Inhalt nach stellt es den großen Moment dar, wo Luther vor dem versammelten deutschen Reich seine Lehre öffentlich bekennt und besiegelt. Der von dem Papstthum so gefürchtete Mann ist vor die Reichsversammlung beschieden, nicht um seine neue Lehre zu vertheidigen, sondern pure als Irrlehre zu widerrufen.

Da verkündet er laut die inhaltschweren Worte: „Dem Papst und Concilien glaube ich nicht, überwiesen bin ich nicht, widerrufen kann ich nicht! Hier stehe ich, ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen.“

Dem großen Moment entspricht nun auch die künstlerische Auffassung und Darstellung: Lokalitäten, Anordnung, Beleuchtung machen im Allgemeinen schon einen feierlichen Eindruck, man wird gespannt, zur unmittelbaren Theilnahme als gegenwärtig angeregt. Der kaiserliche Orator neben Luther, inmitten der Versammlung, deutet auf die als verbrecherisch angeklagten Schriften, welche auf einer niedern Bank liegen, und hat die Aufforderung zum unbedingten Widerruf ausgesprochen, auf welche Luther die oben mitgetheilte, ewig denkwürdige Antwort zu geben im Begriff ist.

Es möchte wohl schwerlich ein anderer günstigerer Moment für die Darstellung in dem ganzen Hergang zu finden sein. Gegner und Freunde Luther’s sind gleich lebhaft interessirt und gleich erwartungsvoll; die Erklärung mußte die lebhafteste Bewegung in allen Gemüthern hervorbringen, wodurch der Künstler Gelegenheit erhielt, Mannichfaltigkeit in Ausdruck und Bewegung der verschiedensten Charaktere darzustellen. Und das ist Herrn Schwerdgeburth in hohem Grade gelungen, wobei besonders zu beachten ist, daß er die Portraitähnlichkeit von einer Menge der damals gegenwärtigen Hauptpersonen in wunderbarer Weise festgehalten hat. Wer nur einigermaßen mit den oft sehr mangelhaft in Holzschnitt und Malerei dargestellten gleichzeitigen Portraits bekannt ist, wird sie hier augenblicklich in den vollendeten Miniaturbildchen wiedererkennen. Vielleicht wird das gerade bei der Hauptperson, bei Luther, nicht der Fall scheinen, da derselbe fast nur in Portraits aus seinen spätem Jahren allgemein bekannt ist. Da sich der Künstler aber mit der größten Gewissenhaftigkeit, mit der größten Strenge an die Zeit gehalten hat, so mußte er auch hier bei einem Portrait Luther’s aus diesen Jahren festhalten, deren es in Oelbildern, Kupferstichen und Holzschnitten von seinem Freund und Anhänger Lucas Cranach eine große Zahl gibt. Wer nur eins davon gesehen hat, wird auch hier die größte Aehnlichkeit finden, nur ist das durch Arbeit und Kämpfe noch schärfer Ausgeprägte etwas gemildert.

Aus letzterem Grunde ist das Blatt auch für Portraitsammler von besonderem Interesse: sie finden hier 51 bekannte Männer aus dieser für uns Deutsche so wichtigen Periode, und zwar um so ansprechender, da sie zugleich den Antheil für und gegen deutlich ausdrücken, ein Bild der ganzen aufgeregten Zeit in den Parteihäuptern erhalten. Der Verfasser dieser Zeilen hat sich lange mit dieser Periode in Beziehung auf Kunst beschäftigt, aber alle die Portraits, deren es so viele in neueren Kupferstichen, Holzschnitten und Lithographieen gibt, sind nicht so frisch, lebendig und dabei den älteren bekannten so treu geblieben.

Eine angenehme Zugabe ist es auch, daß der Künstler ein selbst auf Stein gezeichnetes Blatt mit den Köpfchen der 51 namhaften Portraits seinem Werke beigefügt hat, so wie ein anderes Erklärungsblatt in deutscher, englischer und französischer Sprache.

Die Ausführung des Stichs ist sorgsam und fleißig, besonders sind Köpfchen und Hände sehr durchgebildet. Die Anordnung der Localität und der Beleuchtung ist sehr verständig, so daß der Raum dadurch weit und vollständig ausgefüllt erscheint; alles ist voll Bewegung und Leben, ohne die Ruhe und Würde einer solchen Versammlung im mindesten zu stören.