Lutherbibel/Johannesevangelium (1546)

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Euangelium S. Johannis.


I.[Bearbeiten]

Im anfang war das Wort, vnd das Wort war bey Gott, vnd Gott war das Wort, [2]das selbige war im anfang bey Gott. [3]Alle ding sind durch das selbige gemacht, vnd on dasselbige ist nichts gemacht, was gemacht ist. [4]Jn jm war das Leben, vnd das leben war das Liecht der Menschen, [5]vnd das liecht scheinet in der finsternis, vnd die Finsternis habens nicht begriffen.

[6]Es ward ein Mensch von Gott gesand, der hies Johannes. [7]Derselbige kam zum zeugnis, das er von dem Liecht zeugete, auff das sie alle durch jn gleubten. [8]Er war nicht das Liecht, sondern das er zeugete von dem Liecht. [9]Das war das warhafftige Liecht, welchesa alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt komen. [10]Es war in der welt, vnd die Welt ist durch dasselbige gemacht, vnd die Welt kandte es nicht.

[11]ER kam in sein eigenthum, Vnd die seinen namen jn nicht auff. [12]Wie viel jn aber auffnamen, denen gab er macht, Gottes kinder zu werden, die an seinen Namen gleuben, [13]welche nicht von dem Gebluet, noch von dem willen des Fleisches, noch von dem willen eines Mannes, Sondern von Gott geborn sind. [14]Vnd das Wort ward Fleisch, vnd wonet vnter vns, vnd wir sahen seine Herrligkeit, eine herrligkeit, als des eingeboren Sons vom Vater, voller Gnade vnd warheit.

[15]Johannes zeuget von jm, rueffet vnd spricht, Dieser war es, von dem ich gesagt hab, Nach mir wird komen, der vor mir gewesen ist, denn er war ehe denn ich. [16]Vnd von seiner Fuelle haben wir alle genomen,b Gnade vmb gnade, [17]Denn das Gesetz ist durch Mosen geben, Die Gnade vnd Warheit ist durch Jhesum Christ worden. [18]Niemand hat Gott je gesehen, der eingeborne Son, der ins vaters schos ist, der hats vns verkuendigt.


[19]Vnd dis ist das zeugnis Johannis, da die Jueden sandten von Jerusalem Priester vnd Leuiten, das sie jn fragten, Wer bistu? [20]Vnd er bekandte vnd leugnet nicht, vnd er bekandte, Jch bin nicht Christus. [21]Vnd sie fragten jn, Was denn? Bistu Elias? Er sprach, Jch bins nicht. Bistu ein Prophet? Vnd er antwortet, Nein. [22]Da sprachen sie zu jm, Was bistu denn? das wir antwort geben, denen, die vns gesand haben. Was sagestu von dir selbs? [23]Er sprach, Jch bin eine stimme eines Ruffers in der wuesten, Richtet den weg des HERRN, wie der Prophet Esaias gesagt hat.

[24]VNd die gesand waren, die waren von den Phariseern. [25]Vnd fragten jn, vnd sprachen zu jm, Warumb teuffestu denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? [26]Johannes antwortet jnen, vnd sprach, Jch teuffe mit wasser, Aber er ist mitten vnter euch getretten, den jr nicht kennet. [27] Der ists, der nach mir komen wird, welcher vor mir gewesen ist, Des ich nicht werd bin, das ich seine Schuchriemen auffloese. [28]Dis geschach zu Betharaba jenseid des Jordans, da Johannes teuffet.

[29]Des andern tages, sihet Johannes Jhesum zu jm komen, vnd spricht, Sihe, das ist Gottes lamb, welches der Welt suende tregt. [30]Dieser ists, von dem ich euch gesagt habe, Nach mir kompt ein Man, welcher vor mir gewesen ist, denn er war ehe denn ich, [31]vnd ich kandte jn nicht, Sondern auff das er offenbar wuerde in Jsrael, darumb bin ich komen zu teuffen mit Wasser.

[32]VNd Johannes zeugete, vnd sprach, Jch sahe das der Geist er ab fuhr wie eine Taube, vom himel, vnd bleib auff jm, [33]vnd ich kandte jn nicht. Aber der mich sandte zu teuffen mit wasser, derselbige sprach zu mir, Vber welchem du sehen wirst den Geist erab faren, vnd auff jm bleiben, derselbige ists, der mit dem heiligen Geist teuffet. [34]Vnd ich sahe es, vnd zeugete, Das dieser ist Gottes son.

[35]Des andern tags stund abermal Johannes, vnd zween seiner Juenger. [36]Vnd als er sahe Jhesum wandeln, sprach er, Sihe, das ist Gottes Lamb. [37]Vnd zween seiner Juenger hoereten jn reden, vnd folgeten Jhesu nach. [38]Jhesus aber wandte sich vmb, vnd sahe sie nachfolgen, vnd sprach zu jnen, Was suechet jr? Sie aber sprachen zu jm, Rabbi (das ist verdolmetscht, Meister) wo bistu zur herberge? [39]Er sprach zu jnen, Kompt vnd sehets. Sie kamen vnd sahens, vnd blieben denselbigen tag bey jm, Es war aber vmb die zehende stunde.

[40]EJner aus den zween, die von Johanne hoereten, vnd Jhesu nachfolgeten, war Andreas der bruder Simonis Petri. [41]Derselbige findet am


ersten seinen bruder Simon, vnd spricht zu jm, Wir haben den Messias funden (welches ist verdolmetscht, der Gesalbete) [42]Vnd fueret jn zu Jhesu. Da jn Jhesus sahe, sprach er, Du bist Simon Jonas son, du solt Kephas heissen, das wird verdolmetscht, ein fels.

[43]Des andern tages, wolte Jhesus wider in Galilean ziehen, vnd findet Philippum, vnd spricht zu jm, Folge mir nach. [44]Philippus aber war von Bethsaida aus der stad Andreas vnd Peters. [45]Philippus findet Nathanael, vnd spricht zu jm, Wir haben den funden, von welchem Moses im Gesetz vnd die Propheten geschrieben haben, Jhesum Josephs son von Nazareth. [46]Vnd Nathanael sprach zu jm, Was kan von Nazareth gutes komen? Philippus spricht zu jm, Kom, vnd sihe es.

[47]JHesus sahe Nathanael zu sich komen, vnd spricht von jm, Sihe, ein rechter Jsraeliter, in welchem kein falsch ist. [48]Nathanael spricht zu jm, Wo her kennestu mich? Jhesus antwortet, vnd sprach zu jm, Ehe denn dir Philippus rieff, da du vnter dem Feigenbawm warest, sahe ich dich. [49]Nathanael antwortet vnd spricht zu jm, Rabbi, du bist Gottes son, du bist der Koenig von Jsrael. [50]Jhesus antwortet, vnd sprach zu jm, Du gleubest weil ich dir gesagt habe, das ich dich gesehen habe vnter dem Feigen- bawm, du wirst noch groessers denn das sehen. [51]Vnd spricht zu jm, Warlich warlich, sage ich euch, Von nu an werdet jr den Himel offen sehen, vnd die engel Gottes hinauff vnd erab faren, auff des menschen Son.


II.[Bearbeiten]

Vnd am dritten tage ward eine Hochzeit zu Cana in Galilea, vnd die mutter Jhesu war da. [2]Jhesus aber vnd seine Juenger wurden auch auff die Hochzeit geladen. [3]Vnd da es an Wein gebracht, spricht die mutter Jhesu zu jm, Sie haben nicht wein. [4]Jhesus spricht zu jr, Weib was habe ich mit dir zu schaffen? Meine stunde ist noch nicht komen. [5]Seine mutter spricht zu den Dienern, Was er euch saget, das thut. [6]Es waren aber alda sechs steinern Wasserkruege gesetzt nach der weise der Juedischen reinigung, vnd gieng in je einen, zwey oder drey Mas.

[7]JHesus spricht zu jnen, Fuellet die wasserkruege mit wasser. Vnd sie fuelleten sie bis oben an. [8]Vnd er spricht zu jnen, Schepffet nu, und bringets dem Speisemeister. Vnd sie brachtens. [9]Als aber der Speisemeister kostet


den Wein, der wasser gewesen war, vnd wuste nicht von wannen er kam, die Diener aber wustens, die das wasser geschepfft hatten, rueffet der Speisemeister dem Breutgam, [10]vnd spricht zu jm, Jederman gibt zum ersten guten Wein, vnd wenn sie truncken worden sind, als denn den geringern, Du hast den guten Wein bisher behalten. [11]Das ist das erste Zeichen das Jhesus thet, geschehen zu Cana in Galilea, vnd offenbarte seine Herrligkeit. Vnd seine Juenger gleubten an jn.

[12]DArnach zoch er hinab gen Capernaum, Er, seine Mutter, seine Brueder, vnd seine Juenger, vnd bleib nicht lange daselbs. [13]Vnd der Jueden Osteren waren nahe, vnd Jhesus zoch hinauff gen Jerusalem, [14]Vnd fand im Tempel sitzen, die da ochsen, schaff, vnd tauben veil hatten, vnd die Wechsler. [15]Vnd er machte eine geissel aus stricken, vnd treib sie alle zum Tempel hinaus, sampt den schafen vnd ochsen, vnd verschuttet den Wechslern das geld, vnd sties die tische vmb. [16]Vnd sprach zu denen, die die tauben veil hatten, Traget das von dannen, Vnd machet nicht meines Vaters haus zum Kauffhause. [17]Seine Juenger aber gedachten dran, das geschrieben stehet, Der eiuer vmb dein Haus hat mich fressen.

[18]DA antworten nu die Jueden, vnd sprachen zu jm, Was zeigstu vns fur ein Zeichen, das du solches thun muegest? [19]Jhesus antwortet vnd sprach zu jnen, Brechet diesen Tempel, vnd am dritten tage wil ich jn auffrichten. [20]Da sprachen die Jueden, Dieser Tempel ist in sechs vnd vierzig jaren erbawet, vnd du wilt jn in dreien tagen auffrichten? [21]Er aber redet von dem Tempel seines Leibes. [22]Da er nu aufferstanden war von den Todten, gedachten seine Juenger dran, das er dis gesagt hatte, vnd gleubten der schrifft vnd der rede, die Jhesus gesagt hatte.

[23]Als er aber zu Jerusalem war, in den Ostern auff dem Fest, gleubten viel an seinen Namen, da sie die Zeichen sahen, die er thet. [24]Aber Jhesus vertrawet sich jnen nicht, Denn er kandte sie alle, [25]vnd bedurffte nicht, das jemand zeugnis gebe von einem Menschen, Denn er wueste wol was im Menschen war.


III.[Bearbeiten]

Es war aber ein Mensch, vnter den Phariseern, mit namen Nicodemus ein Oberster vnter den Jueden. [2]Der kam zu Jhesu bey der nacht, vnd sprach zu jm, Meister, wir wissen, das du bist ein Lerer von Gott komen, Denn niemand kan die Zeichen thun, die du thust, es sey denn Gott mit jm.

[3]JHesus antwortet, vnd sprach zu jm, Warlich, warlich, ich sage dir, Es sey denn, das jemand von newen geborn werde, kan er das reich Gottes nicht


sehen. [4]Nicodemus spricht zu jm, Wie kan ein Mensch geborn werden, wenn er alt ist? Kan er auch widerumb in seiner Mutterleib gehen, vnd geboren werden? [5]Jhesus antwortet, Warlich, warlich, ich sage dir, Es sey denn, das jemand geboren werde, aus dem Wasser vnd Geist, so kan er nicht in das reich Gottes komen. [6]Was vom Fleisch geboren wird, das ist fleisch, Vnd was vom Geist geborn wird, das ist Geist. [7]Las dichs nicht wundern, das ich dir gesagt habe, Jr muesset von newen geborn werden. [8]Der Wind bleset wo er wil, vnd du hoerest sein sausen wol, Aber du weist nicht von wannen er kompt, vnd wohin er feret. Also ist ein jglicher, der aus dem Geist geboren ist.

[9]NJcodemus antwortet, vnd sprach zu jm, Wie mag solchs zugehen? [10]Jhesus antwortet, vnd sprach zu jm, Bistu ein Meister in Jsrael, vnd weissest das nicht? [11]Warlich warlich, ich sage dir, Wir reden das wir wissen, vnd zeugen das wir gesehen haben, Vnd jr nemet vnser zeugnis nicht an. [12]Gleubt jr nicht, wenn ich euch von jrdischen dingen sage, Wie wuerdet jr gleuben, wenn ich euch von Himlischen dingen sagen wuerde.

[13]VNd niemand feret gen Himel, Denn der vom Himel ernider komen ist, nemlich, des menschen Son, der im Himel ist. [14]Vnd wie Moses in der wuesten eine Schlange erhoehet hat, Also mus des menschen Son erhoehet werden, [15]Auff das alle die an jn gleuben, nicht verloren werden, Sondern das ewige Leben haben.

[16]Also hat Gott die Welt geliebet, das er seinen eingebornen Son gab, Auff das alle die an jn gleuben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. [17]Denn Gott hat seinen Son nicht gesand in die Welt das er die welt richte, Sondern das die welt durch jn selig werde. Wer an jn gleubet, der wird nicht gerichtet. [18]Wer aber nicht gleubet, der ist schon gerichtet, Denn er gleubet nicht an den namen des eingebornen son Gottes.

[19]DAs ist aber das Gerichte, das das liecht in die welt komen ist, Vnd die Menschen liebeten die Finsternis mehr denn das Liecht, Denn jre werck waren boese. [20]Wer arges thut, der hasset das Liecht, vnd kompt nicht an das liecht, Auff das seine werck nicht gestraffet werden. [21]Wer aber die warheit thut, der kompt an das Liecht, das seine werck offenbar werden, Denn sie sind in Gott gethan.

[22]Darnach kam Jhesus vnd seine Juenger in das Juedischeland, vnd hatte daselbs sein wesen mit jnen, vnd teuffet. [23]Johannes aber teuffet auch noch zu Enon, nahe bey Salim, denn es war viel wassers daselbs, Vnd sie kamen dahin, vnd liessen sich teuffen, [24]Denn Johannes war noch nicht ins Gefengnis gelegt.


[25]Da erhub sich eine Frage vnter den juengern Johannis sampt den Jueden, vber die Reinigung. [26]Vnd kamen zu Johannen, vnd sprachen zu jm, Meister, der bey dir war jenseid dem Jordan, von dem du zeugetest, Sihe, der teuffet, vnd jederman kompt zu jm.

[27]Johannes antwortet, vnd sprach, Ein Mensch kan nichts nemen, es werde jm denn gegeben von Himel. [28]Jr selbs seid meine Zeugen, das ich gesagt habe, Jch sey nicht Christus, sondern fur jm her gesand. [29]Wer die Brawt hat, der ist der Breutgam, der Freund aber des Breutgams stehet vnd hoeret jm zu, vnd frewet sich hoch vber des Breutgams stimme, Dieselbige meine freude ist nu erfuellet, [30]Er mus wachsen, jch aber mus abnemen.

[31]DEr von Oben her kompt, ist vber alle, Wer von der Erden ist, der ist von der erden, vnd redet von der erden. Der vom Himel kompt der ist vber alle, [32]vnd zeuget was er gesehen vnd gehoeret hat, Vnd sein Zeugnis nimpt niemand an. [33]Wer es aber annimpt, der a versiegelts, das Gott warhafftig sey. [34]Denn welchen Gott gesand hat, der redet Gottes wort, Denn Gott gibt den Geist nicht b nach dem mass. [35]Der Vater hat den Son lieb, vnd hat jm alles in seine Hand gegeben. [36]Wer an den Son gleubet, der hat das ewige Leben, Wer dem Son nicht gleubet, der wird das Leben nicht sehen, Sondern der zorn Gottes bleibt vber jm.


IIII.[Bearbeiten]

Da nu der HErr innen ward, das fur die Phariseer komen war, wie Jhesus mehr Juenger machet, vnd teuffet, denn Johannes [2](wiewol Jhesus selber nicht teuffet, sondern seine Juenger) [3]verlies er das land Judea, vnd zoch wider in Galilean, [4]Er muste aber durch Samarian reisen.

[5]Da kam er in eine stad Samaria, die heisset Sichar, nahe bey dem Doerfflin, das Jacob seinem son Joseph gab. [6]Es war aber daselbs Jacobs brun. Da nu Jhesus muede war von der Reise, satzte er sich also auff den brun, vnd es war vmb die sechste stunde.

[7]DA kompt ein Weib von Samaria wasser zu schepffen. Jhesus spricht zu jr, Gib mir trincken. [8]Denn seine Juenger waren in die Stad gegangen, das sie speise keufften. [9]Spricht nu das Samaritisch weib zu jm, Wie bittestu von mir trincken, so du ein Juede bist, vnd ich ein Samaritisch weib? Denn


die Jueden haben keine gemeinschafft mit den Samaritern. [10]Jhesus antwortet, vnd sprach zu jr, Wenn du erkennetest die gabe Gottes, vnd wer der ist, der zu dir saget, Gib mir trincken, Du betest jn, vnd er gebe dir lebendiges Wasser. [11]Spricht zu jm das weib, Herr, hastu doch nichts, da mit du schepffest, vnd der Brun ist tieff, Wo her hastu denn lebendig wasser? [12]Bistu mehr denn vnser vater Jacob, der vns diesen Brun gegeben hat? vnd er hat draus getruncken, vnd seine Kinder vnd sein Vieh.

[13]JHesus antwortet, vnd sprach zu jr, [14]Wer dis wassers trincket, den wird wider duersten. Wer aber des wassers trincken wird, das ich jm gebe, den wird ewiglich nicht duersten, Sondern das wasser, das ich jm geben werde, das wird in jm ein Brun des wassers werden, das in das ewige Leben quillet.

[15]SPricht das weib zu jm, Herr, gib mir dasselbige wasser, auff das mich nicht duerste, das ich nicht her komen muesse zu schepffen. [16]Jhesus spricht zu jr, Gehe hin, ruffe deinem Manne, vnd kom her. [17]Das weib antwortet, vnd sprach zu jm, Jch habe keinen man. Jhesus spricht zu jr, Du hast recht gesagt, jch habe keinen man, [18]Funff menner hastu gehabt, vnd den du nu hast, der ist nicht dein man, Da hastu recht gesagt.

[19]DAs weib spricht zu jm, Herr, ich sehe, das du ein Prophet bist. [20]Vnser Veter haben auff diesem Berge angebetet, vnd jr saget, zu Jerusalem sey die Stete, da man anbeten solle. [21]Jhesus spricht zu jr, Weib, gleube mir, es kompt die zeit, das jr weder auff diesem Berge, noch zu Jerusalem werdet den Vater anbeten. [22]Jr wisset nicht, was jr anbetet, Wir wissen aber, was wir anbeten, Denn das Heil kompt von den Jueden. [23]Aber es kompt die zeit, vnd ist schon jtzt, Das die warhafftigen Anbeter werden den Vater anbeten, im Geist vnd in der warheit, Denn der Vater wil auch haben, die jn also anbeten. [24]Gott ist ein Geist, vnd die jn anbeten, die muessen jn im Geist vnd in der warheit anbeten.

[25]SPricht das weib zu jm, Jch weis, das Messias kompt, der da Christus heisst, Wenn derselbige komen wird, so wird ers vns alles verkuendigen. [26]Jhesus spricht zu jr, Jch bins, der mit dir redet. [27]Vnd vber dem kamen seine Juenger, vnd es nam sie wunder, das er mit dem Weibe redet. Doch sprach niemand, was fragestu, oder was redestu mit jr? [28]Da lies das Weib jren krug stehen, vnd gieng hin in die Stad, vnd spricht zu den Leuten, [29]Komet, sehet einen Menschen, der mir gesagt hat, alles was ich gethan habe, Ob er nicht Christus sey? [30]Da giengen sie aus der Stad, vnd kamen zu jm.

[31]Jn des aber ermaneten jn die Juenger, vnd sprachen, Rabbi, iss. [32]Er aber sprach zu jnen, Jch habe a eine Speise zu essen, da wisset jr nicht


von. [33]Da sprachen die Juenger vnternander, Hat jm jemand zu essen gebracht? [34]Jhesus spricht zu jnen, Meine Speise ist die, das ich thu den Willen des der mich gesand hat, vnd volende seine werck. [35]Saget jr nicht selber, Es sind noch vier monden, so kompt die Erndte? Sihe, ich sage euch, hebet ewre augen auff, vnd sehet in das Feld, denn es ist schon weis zur Erndte. [36]Vnd wer da schneit der empfehet Lohn, vnd samlet Frucht zum ewigen Leben, Auff das sich mit einander frewen, der da seet vnd der da schneit. [37]Denn hie ist der Spruch war, Dieser seet, der ander schneit. [38]Jch habe euch gesand zu schneiten, das jr nicht habt geerbeitet, Ander haben geerbeitet, vnd jr seid in jre Erbeit komen.

[39]Es gleubten aber an jn viel der Samariter, aus der selbigen Stad, vmb des Weibes rede willen, welchs da zeugete, Er hat mir gesagt, alles was ich gethan habe. [40]Als nu die Samariter zu jm kamen, baten sie jn, das er bey jnen bliebe, Vnd er bleib zween tage da. [41]Vnd viel mehr gleubeten vmb seines Worts willen, [42]vnd sprachen zum weibe, Wir gleuben nu fort nicht vmb deiner Rede willen, Wir haben selber gehoeret vnd erkennet, Das dieser ist warlich Christus, der welt Heiland.

[43]Aber nach zween tagen, zoch er aus von dannen, vnd zoch in Galilean, [44]Denn er selber Jhesus zeugete, das ein Prophet da heim nichts gilt. [45]Da er nu in Galilean kam, namen jn die Galileer auff, die gesehen hatten, alles was er zu Jerusalem auffs Fest gethan hatte, Denn sie waren auch zum Fest komen. [46]Vnd Jhesus kam abermal gen Cana in Galilea, da er das wasser hatte zu wein gemacht.

[47]Vnd es war ein Koenigischer, des Son lag kranck zu Capernaum. Dieser hoeret, das Jhesus kam aus Judea in Galilean, vnd gieng hin zu jm, vnd bat jn, das er hinab keme vnd huelffe seinem Son, Denn er war tod kranck. [48]Vnd Jhesus sprach zu jm, Wenn jr nicht zeichen vnd wunder sehet, so gleubet jr nicht. [49]Der Koenigische sprach zu jm, HErr, kom hinab, ehe denn mein Kind stirbt. [50]Jhesus spricht zu jm, Gehe hin, dein Son lebet. Der Mensch gleubete dem wort, das Jhesus zu jm saget, vnd gieng hin.

[51]VND in dem er hin ab gieng, begegneten jm seine Knechte, verkuendigeten jm, vnd sprachen, dein Kind lebet. [52]Da forschet er von jnen die stunde, in welcher es besser mit jm worden war. Vnd sie sprachen zu jm, Gestern vmb die siebende stunde verlies jn das Fieber. [53]Da mercket der Vater, das vmb die stunde were, in welcher Jhesus zu jm gesagt hatte, dein Son lebet, Vnd er gleubet mit seinem gantzen Hause. [54]Das ist nu das ander Zeichen, das Jhesus thet, da er aus Judea in Galilean kam.


V.[Bearbeiten]

Darnach war ein Fest der Jueden, vnd Jhesus zoch hin auff gen Jerusalem. [2]Es ist aber zu Jerusalem bey dem Schafhause ein teich der heisset auff Ebreisch Bethhesda, vnd hat fuenff Halle, [3]in welchen lagen viel Krancken, Blinden, Lamen, Duerren, die warteten, wenn sich das Wasser beweget, [4]Denn ein Engel fuhr erab zu seiner zeit in den Teich, vnd beweget das wasser. Welcher nu der erste, nach dem das wasser beweget war, hin ein steig, der ward gesund, mit welcherley Seuche er behafftet war.

[5]Es war aber ein Mensch daselbs, acht vnd dreyssig jar kranck gelegen. [6]Da Jhesus denselbigen sahe ligen, vnd vernam, das er so lang gelegen war, spricht er zu jm, Wiltu gesund werden? [7]Der Krancke antwortet jm, Herr, ich habe keinen Menschen, wenn das wasser sich beweget, der mich in den teich lasse, Vnd wenn ich kome, so steiget ein ander fur mir hin ein. [8]Jhesus spricht zu jm, Stehe auff, nim dein bette, vnd gehe hin. [9]Vnd also ward der Mensch gesund, vnd nam sein bette, vnd gieng hin. Es war aber desselbigen tages der Sabbath.

[10]DA sprachen die Jueden zu dem der gesund war worden, Es ist heute Sabbath, Es zimpt dir nicht das bette zu tragen. [11]Er antwortet jnen, Der mich gesund machet, der sprach zu mir, Nim dein bette vnd gehe hin. [12]Da fragten sie jn, Wer ist der Mensch, der zu dir gesagt hat, Nim dein bette, vnd gehe hin? [13]Der aber gesund war worden, wuste nicht wer er war, Denn Jhesus war gewichen, da so viel Volcks an dem ort war.

[14]DArnach fand jn Jhesus im Tempel, vnd sprach zu jm, Sihe zu, du bist gesund worden, Suendige fort nicht mehr, das dir nicht etwas ergers widerfare. [15]Der Mensch gieng hin, vnd verkuendigets den Jueden, es sey Jhesus, der jn gesund gemacht habe. [16]Darumb verfolgeten die Jueden Jhesum, vnd suchten jn zu toedten, das er solchs gethan hatte auff den Sabbath. [17]Jhesus aber antwortet jnen, Mein Vater wircket bis her, vnd ich wircke auch. [18]Darumb trachteten jm die Jueden nu viel mehr nach, das sie jn toedten, Das er nicht allein den Sabbath brach, sondern saget auch, Gott sey sein Vater, vnd machet sich selbs Gotte gleich.

[19]Da antwortet Jhesus, vnd sprach zu jnen, Warlich, warlich, ich sage euch, Der Son kan nichts von jm selber thun, denn was er sihet den Vater


thun, Denn was derselbige thut, das thut gleich auch der Son. [20]Der Vater aber hat den Son lieb, vnd zeiget jm alles was er thut, vnd wird jm noch groesser Werck zeigen, das jr euch verwundern werdet. [21]Denn wie der Vater die Todten aufferweckt, vnd machet sie lebendig, Also auch der Son machet lebendig welche er wil. [22]Denn der Vater richtet niemand, sondern alles gerichte hat er dem Son gegeben, [23]Auff das sie alle den Son ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Son nicht ehret, Der ehret den Vater nicht, der jn gesand hat. [24]Warlich, warlich, sage ich euch, Wer mein Wort hoeret, vnd gleubet Dem, der mich gesand hat der hat das ewige Leben, Vnd kompt nicht in das gerichte, Sondern er ist vom Tode zum Leben hin durch gedrungen. [25]WArlich, warlich, ich sage euch, Es kompt die stunde, vnd ist schon jtzt, das die Todten werden die stimme des sons Gottes hoeren, vnd die sie hoeren werden, die werden leben. [26]Denn wie der Vater das Leben hat in jm selber, Also hat er dem Son gegeben, das Leben zu haben in jm selber, [27]vnd hat jm macht gegeben, auch das Gerichte zu halten, darumb, das er a des menschen Son ist. [28]Verwundert euch des nicht, Denn es kompt die stunde, in welcher alle die in den Grebern sind, werden seine Stimme hoeren, [29]Vnd werden erfuer gehen, die da Guts gethan haben, zur aufferstehung des Lebens, Die aber Vbels gethan haben, zur aufferstehung des Gerichts.

[30]JCh kan nichts von mir selber thun. Wie ich hoere, so richte ich, vnd mein Gerichte ist recht, Denn ich suche nicht meinen willen, sondern des Vaters willen, der mich gesand hat. [31]So ich von mir selbs zeuge, so ist mein zeugnis nicht war. [32]Ein ander ists, der von mir zeuget, vnd ich weis, das das Zeugnis war ist, das er von mir zeuget.

[33]JR schicktet zu Johanne, vnd er zeugete von der warheit. [34]Jch aber neme nicht zeugnis von Menschen, Sondern solchs sage ich, auff das jr selig werdet. [35]Er war ein brennend vnd scheinend Liecht, Jr aber woltet eine kleine weile froelich sein von seinem Liechte. [36]Jch aber habe ein groesser zeugnis, denn Johannis zeugnis. Denn die Wercke die mir der Vater gegeben hat, das ich sie volende, dieselbigen werck, die ich thu, zeugen von mir, das mich der Vater gesand habe. [37]Vnd der Vater der mich gesand hat, derselbige hat von mir gezeuget. Jr habt nie, weder seine stimme gehoeret, noch seine Gestalt gesehen, [38]Vnd sein Wort habt jr nicht in euch wonend, Denn jr gleubet dem nicht, den er gesand hat.

[39]SVchet in der schrifft, Denn jr meinet, jr habt das ewige Leben drinnen, Vnd sie ists, die von mir zeuget, [40]Vnd jr wolt nicht zu mir komen, das jr


das Leben haben moechtet. [41]Jch neme nicht ehre von Menschen, [42]Aber ich kenne euch, das jr nicht Gottes liebe in euch habt. [43]Jch bin komen in meines Vaters namen, vnd jr nemet mich nicht an. So ein ander wird in seinem eigen namen komen, den werdet jr annemen. [44]Wie koennet jr gleuben, die jr ehre von einander nemet? vnd die Ehre die von Gott allein ist suchet jr nicht.

[45]JR solt nicht meinen, das ich euch fur dem Vater verklagen werde, Es ist einer, der euch verklaget, der Moses, auff welchen jr hoffet. [46]Wenn jr Mosi gleubtet, so gleubtet jr auch mir, Denn er hat von mir geschrieben. [47]So jr aber seinen Schrifften nicht gleubet, wie werdet jr meinen worten gleuben?


VI.[Bearbeiten]

Darnach fuhr Jhesus weg vber das Meer an der stad Tiberias in Galilea, [2]vnd es zoch jm viel Volcks nach, darumb das sie die Zeichen sahen, die er an den Krancken thet. [3]Jhesus aber gieng hin auff, auff einen Berg, vnd satzte sich daselbs mit seinen Juengern. [4]Es war aber nahe die Ostern der Jueden fest.

[5]Da hub Jhesus seine augen auff, vnd sihet, das viel Volcks zu jm kompt, vnd spricht zu Philippo, Wo keuffen wir brot, das diese essen? [6]Das saget er aber jn zuuersuchen, Denn er wuste wol, was er thun wolte. [7]Philippus antwortet jm, Zwey hundert pfennige werd brots ist nicht gnug vnter sie, das ein jglicher ein wenig neme. [8]Spricht zu jm einer seiner juenger, Andreas der bruder Simonis Petri, [9]Es ist ein Knabe hie, der hat funff gersten Brot, vnnd zween Fische, Aber was ist das vnter so viele? [10]Jhesus aber sprach, Schaffet das sich das Volck lagere. Es war aber viel gras an dem ort. Da lagerten sich bey fuenff tausent Man. [11]Jhesus aber nam die Brot, dancket, vnd gab sie den Juengern, Die juenger aber denen, die sich gelagert hatten. Desselbigen gleichen auch von den Fischen, wie viel er wolte.

[12]DA sie aber sat waren, sprach er zu seinen Juengern, Samlet die vbrigen Brocken, das nichts vmbkome. [13]Da samleten sie, vnd fuelleten zwelff Koerbe mit brocken, von den fuenff gersten Brot, die vberblieben, denen, die gespeiset worden. [14]Da nu die Menschen das Zeichen sahen, das Jhesus that, sprachen sie, Das ist warlich der Prophet, der in die Welt komen sol. [15]Da Jhesus


nu mercket, das sie komen wuerden, vnd jn haschen, das sie jn zum Koenige machten, entweich er abermal, auff den Berg, er selbs alleine.

[16]Am abend aber, giengen die Juenger hinab an das Meer, [17]vnd traten in das Schiff, vnd kamen vber das Meer, gen Capernaum, Vnd es war schon finster worden, vnd Jhesus war nicht zu jnen komen. [18]Vnd das Meer erhub sich von einem grossen winde. [19]Da sie nu gerudert hatten bey funff vnd zwenzig oder dreissig Feldwegs, sahen sie Jhesum auff dem meere daher gehen, vnd nahe bey das schiff komen, Vnd sie furchten sich. [20]Er aber sprach zu jnen, Jch bins, Fuerchtet euch nicht. [21]Da wolten sie jn in das Schiff nemen, vnd also bald war das schiff am lande, da sie hin furen.

[22]Des andern tages, sahe das Volck, das disseid des meers stund, das kein ander schiff daselbs war, denn das einige, darein seine Juenger getretten waren, vnd das Jhesus nicht mit seinen Juengern in das schiff getretten war, sondern alleine seine Juenger waren weg gefaren. [23]Es kamen aber ander schiffe von Tiberias nahe bey der Stete, da sie das Brot gessen hatten, durch des HErrn dancksagunge. [24]Da nu das Volck sahe, das Jhesus nicht da war, noch seine Juenger, traten sie auch in die schiffe, vnd kamen gen Capernaum vnd suchten Jhesum.

[25]VND da sie jn funden jenseid des meers, sprachen sie zu jm, Rabbi, wenn bistu her komen? [26]Jhesus antwortet jnen, vnd sprach, Warlich, war- lich ich sage euch, Jr suchet mich, nicht darumb, das jr Zeichen gesehen habt, Sondern das jr von dem Brot gessen habt, vnd seid sat worden. [27]Wircket speise, nicht die vergenglich ist, sondern die da bleibet in das ewige Leben, welche euch des menschen Son geben wird, Denn denselbigen hat Gott der Vater versiegelt.

[28]DA sprachen sie zu jm, Was sollen wir thun, das wir Gottes wercke wircken? [29]Jhesus antwortet, vnd sprach zu jnen, Das ist Gottes werck, das jr an Den gleubet, den Er gesand hat. [30]Da sprachen sie zu jm, Was thustu fur ein Zeichen, auff das wir sehen vnd gleuben dir? Was wirckestu? [31]Vnser Veter haben Manna gessen in der Wuesten, wie geschrieben stehet, Er gab jnen brot vom Himel zu essen. [32]Da sprach Jhesus zu jnen, Warlich, warlich, ich sage euch, Moses hat euch nicht brot vom Himel gegeben, Sondern mein Vater gibt euch das rechte brot vom Himel. [33]Denn dis ist das brot Gottes, das vom Himel kompt, vnd gibt der Welt das Leben.

[34]DA sprachen sie zu jm, HErr, gib vns alle wege solch brot. [35]Jhesus aber sprach zu jnen, Jch bin das brot des Lebens, Wer zu mir kompt, den


wird nicht hungern, vnd wer an mich gleubet, den wird nimer mehr duersten. [36]Aber ich habs euch gesagt, das jr mich gesehen habt, vnd gleubet doch nicht. [37]Alles was mir mein Vater gibt, das kompt zu mir, vnd wer zu mir kompt, den werde ich nicht hin aus stossen. [38]Denn ich bin vom Himel komen, nicht das ich meinen willen thu, sondern des, der mich gesand hat. [39]Das ist aber der wille des Vaters, der mich gesand hat, Das ich nichts verliere von allem, das er mir gegeben hat, sondern das ichs aufferwecke am Juengstentage. [40]Das ist aber der wille des der mich gesand hat, das, wer den Son sihet, vnd glenbet an jn, habe das ewige Leben, Vnd ich werde jn aufferwecken am Juengstentage.

[41]Da murreten die Jueden darueber, das er sagte, Jch bin das Brot, das vom Himel komen ist. [42]Vnd sprachen, Jst dieser nicht Jhesus Josephs son, des Vater vnd Mutter wir kennen? Wie spricht er denn, Jch bin vom Himel komen? [43]Jhesus antwortet, vnd sprach zu jnen, Murret nicht vnternander. [44]Es kan niemand zu mir komen, es sey denn, das jn ziehe der Vater, der mich gesand hat, vnd ich werde jn aufferwecken am Juengstentage. [45]Es stehet geschrieben in den Propheten, Sie werden alle von Gott geleret sein. Wer es nu hoeret vom Vater, vnd lernets der kompt zu mir. [46]Nicht, das jemand den Vater habe gesehen, on der vom Vater ist, der hat den Vater gesehen.

[47]WArlich, warlich, ich sage euch, Wer an mich gleubet, der hat das ewige Leben. [48]Jch bin das brot des Lebens. [49]Ewer Veter haben Manna gessen in der wuesten, vnd sind gestorben. [50]Dis ist das Brot das vom Himel kompt, auff das, wer dauon isset, nicht sterbe. [51]Jch bin das lebendige Brot, vom himel komen, Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in ewigkeit. Vnd das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welchs ich geben werde, fur das Leben der welt.

[52]DA zancketen die Jueden vnternander, vnd sprachen, Wie kan dieser vns sein Fleisch zu essen geben? [53]Jhesus sprach zu jnen, Warlich, warlich, sage ich euch, Werdet jr nicht essen das Fleisch des menschen Sons, vnd trincken sein Blut, so habt jr kein Leben in euch. [54]Wer mein Fleisch isset, vnd trincket mein Blut, der hat das ewige Leben, vnd ich werde jn am Juengstentage aufferwecken. [55]Denn mein Fleisch ist die rechte speise, vnd mein Blut ist der rechte tranck. [56]Wer mein Fleisch isset, vnd trincket mein Blut, der bleibt in mir, vnd ich in jm. [57]Wie mich gesand hat der lebendige Vater, vnd ich lebe vmb des Vaters willen. Also wer mich isset, derselbige wird auch leben vmb meinen willen. [58]Dis ist das Brot, das vom himel komen ist. Nicht wie


ewer Veter haben Manna gessen, vnd sind gestorben, Wer dis Brot isset, der wird leben in ewigkeit.

[59]SOlchs saget er in der Schule da er lerete, zu Capernaum. [60]Viel nu seiner Juenger, die das hoereten, sprachen, Das ist eine harte Rede, wer kan sie hoeren? [61]Da Jhesus aber bey sich selbs mercket, das seine Juenger darueber murreten, sprach er zu jnen, Ergert euch das? [62]Wie, wenn jr denn sehen werdet des menschen Son auff faren dahin, da er vor war? [63]Der Geist ists, der da lebendig macht, Das fleisch ist kein nuetze. Die wort die ich rede, die sind Geist vnd sind Leben. [64]Aber es sind etliche vnter euch, die gleuben nicht. Denn Jhesus wuste von anfang wol, welche nicht gleubend waren, vnd welcher jn verrhaten wuerde. [65]Vnd er sprach. Darumb hab ich euch gesaget, Niemand kan zu mir komen, es sey jm denn von meinem Vater gegeben.

[66]VOn dem an giengen seiner Juenger viel hinder sich, vnd wandelten fort nicht mehr mit jm. [67]Da sprach Jhesus zu den zwelffen, Wolt jr auch weg gehen? [68]Da antwortet jm Simon Petrus, HErr, wo hin sollen wir gehen? Du hast Wort des ewigen Lebens. [69]Vnd wir haben gegleubet vnd erkand, Das du bist Christus, der Son des Lebendigen Gottes. [70]Jhesus antwortet jm, Hab ich nicht euch zwelffe erwelet, Vnd ewer einer ist ein Teufel? [71]Er redet aber von dem Juda Simon Jscharioth, der selbige verrhiet jn hernach, vnd war der zwelffen einer.


VII.[Bearbeiten]

Darnach zoch Jhesus vmbher in Galilea, Denn er wolte nicht in Judea vmbher ziehen, Darumb, das jm die Jueden nach dem Leben stelleten. [2]Es war aber nahe der Jueden Fest der Laubrust. [3]Da sprachen seine Brueder zu jm, Mache dich auff von dannen, vnd gehe in Judean, auff das auch deine Juenger sehen, die werck die du thust. [4]Niemand thut etwas im verborgen, vnd wil doch frey offenbar sein, Thustu solchs, so offenbare dich fur der Welt. [5]Denn auch seine Brueder gleubten nicht an jn.

[6]DA spricht Jhesus zu jnen, Meine zeit ist noch nicht hie, Ewer zeit aber ist allewege. [7]Die welt kan euch nicht hassen, Mich aber hasset sie, Denn ich zeuge von jr, Das jre werck boese sind. [8]Gehet jr hin auff, auff· dieses Fest, Jch wil noch nicht hinauff gehen auff dieses Fest, denn meine zeit ist noch nicht erfuellet. [9]Da er aber das zu jnen gesaget, bleib er in Galilea. [10]Als aber


seine Brueder waren hin auff gegangen, da gieng er auch hin auff zu dem Fest, nicht offenbarlich, sondern gleich heimlich. [11]Da suchten jn die Jueden am Fest, vnd sprachen, Wo ist der? [12]Vnd es war ein gros gemuemel von jm vnter dem volck. Etliche sprachen, Er ist frum, Die andern aber sprachen, Nein, sondern er verfueret das Volck. [13]Niemand aber redet frey von jm, vmb der furcht willen fur den Jueden.

[14]Aber mitten im Fest, gieng Jhesus hin auff in den Tempel vnd leret. [15]Vnd die Jueden verwunderten sich, vnd sprachen, Wie kan dieser die Schrifft, so er sie doch nicht gelernet hat? [16]Jhesus antwortet jnen, vnd sprach, Meine Lere ist nicht mein, sondern des der mich gesand hat. [17]So jemand wil des willen thun, der wird innen werden, ob diese Lere von Gott sey, oder ob ich von mir selbs rede. [18]Wer von jm selbs redet, Der suchet seine eigen ehre, Wer aber suchet die Ehre des, der jn gesand hat, der ist warhafftig, vnd ist keine vngerechtigkeit an jm.

[19]HAt euch nicht Moses das Gesetze gegeben, vnd niemand vnter euch a thut das Gesetze? Warumb suchet jr mich zu toedten? [20]Das Volck antwortet, vnd sprach, Du hast den Teufel, wer suchet dich zu toedten? [21]Jhesus antwortet, vnd sprach, Ein einiges werck hab ich gethan, vnd jr wundert euch alle. [22]Moses hat euch darumb gegeben die Beschneitung, nicht das sie von Mose kompt, sondern von den Vetern, noch beschneitet jr den Menschen am Sabbath. [23]So ein Mensch die beschneitung annimpt am b Sabbath, auff das nicht das gesetze Mose gebrochen werde, Zuer- net jr denn vber mich, das ich den gantzen Menschen habe am Sabbath gesund gemacht? [24]Richtet nicht nach dem ansehen, sondern richtet ein recht gerichte.

[25]Da sprachen etliche von Jerusalem, Jst das nicht der, den sie suchten zu toedten? [26]Vnd sihe zu, er redet frey, vnd sie sagen jm nichts. Erkennen vnser Obersten nu gewis, das er gewis Christus sey? [27]Doch wir wissen von wannen dieser ist, Wenn aber Christus komen wird, so wird niemand wissen von wannen er ist.

[28]DA rieff Jhesus im Tempel, leret vnd sprach, Ja jr kennet mich, vnd wisset von wannen ich bin, Vnd von mir selbs bin ich nicht komen, sondern es ist ein Warhafftiger, der mich gesand hat, welchen jr nicht kennet. [29]Jch kenne jn aber, denn ich bin von jm, vnd er hat mich gesand. [30]Da suchten sie jn zu greiffen, Aber niemand leget die hand an jn, Denn seine stunde war


noch nicht komen. [31]Aber viel vom Volck gleubten an jn, vnd sprachen, Wenn Christus komen wird, wird er auch mehr Zeichen thun, denn dieser thut?

[32]Vnd es kam fur die Phariseer, das das Volck solchs von jm mummelte. Da sandten die Phariseer vnd Hohenpriester Knechte aus, das sie jn grieffen. [33]Da sprach Jhesus zu jnen, Jch bin noch eine kleine zeit bey euch, vnd denn gehe ich hin zu dem, der mich gesand hat. [34]Jr werdet mich suchen, vnd nicht finden, vnd da ich bin, koennet jr nicht hin komen. [35]Da sprachen die Jueden vnternander, Wo wil dieser hin gehen, das wir jn nicht finden sollen? Wil er vnter die Griechen gehen die hin vnd her zerstrewet ligen, vnd die Griechen leren? [36]Was ist das fur eine rede,das er saget, Jr werdet mich suchen, vnd nicht finden, vnd, Wo ich bin, da koennet jr nicht hin komen?

[37]Aber am letzten tage des Festes, der am herrlichsten war, trat Jhesus auff, rieff vnd sprach, Wen da duerstet, der kome zu mir, vnd trincke. [38]Wer an mich gleubet, wie die Schrifft saget, von des Leibe werden stroeme des lebendigen Wassers fliessen. [39]Das saget er aber von dem Geist, welchen empfahen solten, die an jn gleubten, Denn der heilige Geist war noch nicht da, denn Jhesus war noch nicht verkleret. [40]Viel nu vom volck, die diese rede hoereten, sprachen, Dieser ist ein rechter Prophet. [41]Die andern sprachen, Er ist Christus. Etliche aber sprachen, Sol Christus aus Galilea komen? [42]spricht nicht die Schrifft, von dem samen Dauid, vnd aus dem flecken Bethlehem, da Dauid war, solle Christus komen? [43]Also ward eine zwitracht vnter dem volck vber jm. [44]Es wolten aber etliche jn greiffen, Aber niemand leget die hand an jn.

[45]Dje Knechte kamen zu den Hohenpriestern vnd Phariseern, vnd sie sprachen zu jnen, Warumb habt ir jn nicht gebracht? [46]Die Knechte antworten, Es hat nie kein Mensch also geredt, wie dieser Mensch. [47]Da antworten jnen die Phariseer, Seid jr auch verfueret? [48]Gleubet auch jrgend ein Oberster oder Phariseer an jn? [49]Sondern das Volck, das nichts vom Gesetz weis, ist verflucht. [50]Spricht zu jnen Nicodemus, der bey der nacht zu jm kam, welcher einer vnter jnen war, [51]Richtet vnser Gesetz auch einen Menschen, ehe man jn verhoeret, vnd erkenne, was er thut? [52]Sie antworten vnd sprachen zu jm, Bistu auch ein Galileer? Forsche vnd sihe, Aus Galilea stehet kein Prophet auff. [53]Vnd ein jglicher gieng also heim.


VIII.[Bearbeiten]

Jhesus aber gieng an den Oleberg, [2]Vnd fruee morgens kam er wider in den Tempel, vnd alles Volck kam zu jm, vnd er satzte sich, vnd leret sie.

[3]Aber die Schrifftgelerten vnd Phariseer brachten ein Weib zu jm, im Ehebruch begriffen, vnd stelleten sie ins mittel dar, [4]vnd sprachen zu jm, Meister, dis Weib ist begriffen auff frischer that im Ehebruch. [5]Moses aber hat vns im Gesetz geboten, solche zu steinigen. Was sagestu? [6]Das sprachen sie aber, jn zuuersuchen, Auff das sie eine sache zu jm hetten.

ABer Jhesus buecket sich nider, vnd schreib mit dem Finger auff die erden. [7]Als sie nu anhielten jn zu fragen, richtet er sich auff, vnd sprach zu jnen, Wer vnter euch on sunde ist, der werffe den ersten stein auff sie. [8]Vnd buecket sich wider nider, vnd schreib auff die erden. [9]Da sie aber das hoereten, giengen sie hinaus, einer nach dem andern, von den Eltesten an, vnd Jhesus ward gelassen alleine, vnd das Weib im mittel stehend. [10]Jhesus aber richtet sich auff, vnd da er niemand sahe, denn das weib, sprach er zu jr, Weib, wo sind sie, deine Verkleger? Hat dich niemand verdampt? [11]Sie aber sprach, HErr, niemand. Jhesus aber sprach, So verdamne ich dich auch nicht. Gehe hin, vnd sundige fort nicht mehr.

[12]Da redet Jhesus abermal zu jnen, vnd sprach, Jch bin das Liecht der Welt, wer mir nachfolget, der wird nicht wandeln im Finsternis, sondern wird das Liecht des lebens haben. [13]Da sprachen die Phariseer zu jm, Du zeugest von dir selbs, dein zeugnis ist nicht war. [14]Jhesus antwortet, vnd sprach zu jnen, So ich von mir selbs zeugen wuerde, so ist mein zeugnis war, Denn ich weis von wannen ich komen bin, vnd wo ich hin gehe. Jr aber wisset nicht, von wannen ich kome, vnd wo ich hin gehe. [15]Jr richtet nach dem fleisch, Jch richte niemands. [16]So ich aber richte, so ist mein gerichte recht, Denn ich bin nicht alleine, sondern Jch vnd der Vater der mich gesand hat. [17]Auch stehet in ewrem Gesetze geschrieben, das zweier Menschen zeugnis war sey. [18]Jch bins der ich von mir selbs zeuge, vnd der Vater der mich gesand hat, zeuget auch von mir. [19]Da sprachen sie zu jm, Wo ist dein Vater? Jhesus antwortet, Jr kennet weder mich noch meinen Vater. Wenn jr mich kennetet, so kennetet jr auch meinen Vater. [20]Diese wort redet Jhesus an dem Gotteskasten, da er leret im Tempel. Vnd niemand greiff jn, Denn seine stunde war noch nicht komen.


[21]Da sprach abermal Jhesus zu jnen, Jch gehe hin weg, vnd jr werdet mich suchen, vnd in ewer Suende sterben. Wo ich hin gehe, da koennet jr nicht hin komen. [22]Da sprachen die Jueden, wil er sich denn selbs toedten, das er spricht, Wo hin ich gehe, da kund jr nicht hin komen? [23]Vnd er sprach zu jnen, Jr seid von vnten her, Jch bin von oben herab. Jr seid von dieser welt, Jch bin nicht von dieser welt. [24]So hab ich euch gesagt, Das jr sterben werdet in ewren Suenden, Denn so jr nicht gleubet, das Jchs sey, So werdet jr sterben in ewren Suenden.

[25]DA sprachen sie zu jm, Wer bistu denn? Vnd Jhesus sprach zu jnen, Erstlich der, der ich mit euch rede. [26]Jch habe viel von euch zu reden, vnd zu richten, Aber der mich gesand hat, ist warhafftig, vnd was ich von jm gehoert habe, das rede ich fur der welt. [27]Sie vernamen aber nicht, das er jnen von dem Vater sagete. [28]Da sprach Jhesus zu jnen, Wenn jr des menschen Son erhoehen werdet, denn werdet jr erkennen das ichs sey, vnd nichts von mir selber thu, sondern, wie mich mein Vater geleret hat, so rede ich. [29]Vnd der mich gesand hat, ist mit mir. Der Vater lesset mich nicht alleine, denn ich thue allezeit was jm gefellet. [30]Da er solchs redet, gleubten viel an jn.

[31]Da sprach nu Jhesus zu den Jueden, die an jn gleubten, So jr bleiben werdet an meiner Rede, so seid jr meine rechte Juenger, [32]vnd werdet die warheit erkennen, vnd die Warheit wird euch frey machen. [33]Da antworten sie jm, wir sind Abrahams samen, sind nie kein mal jemands Knecht gewesen, Wie sprichstu denn, jr solt frey werden? [34]Jhesus antwortet jnen, vnd sprach, Warlich, warlich, jch sage euch, Wer Suende thut, der ist der sunden Knecht, [35]der knecht aber bleibet nicht ewiglich im Hause, der Son bleibet ewiglich. [36]So euch nu der Son frey machet so seid jr recht frey. [37]Jch weis wol, das jr Abrahams samen seid, Aber jr suchet mich zu toedten, denn meine Rede fehet nicht vnter euch. [38]Jch rede was ich von meinem Vater gesehen habe, So thut jr, was jr von ewrem Vater gesehen habt.

[39]SJe antworten und sprachen zu jm, Abraham ist vnser vater. Spricht Jhesus zu jnen, Wenn jr Abrahams kinder weret, so thetet jr Abrahams werck. [40]Nu aber suchet jr mich zu toedten, einen solchen Menschen, der ich euch die warheit gesagt habe, die ich von Gott gehoeret habe, Das hat Abraham nicht gethan. [41]Jr thut ewers Vaters werck. Da sprachen sie, wir sind nicht vnehelich geboren, Wir haben einen vater, Gott. [42]Jhesus sprach zu jnen, Were Gott ewer Vater, so liebetet jr mich. Denn ich bin ausgegangen vnd kome von Gott. Denn ich bin nicht von mir selber komen, sondern er hat


mich gesand. [43]Warumb kennet jr denn meine Sprache nicht? Denn jr kuend ja meine wort nicht hoeren.

[44]JR seid von dem vater dem Teufel, vnd nach ewers Vaters lust wolt jr thun. Derselbige ist ein Moerder von anfang, vnd ist nicht bestanden in der warheit, Denn die warheit ist nicht in jm. Wenn er die Luegen redet, so redet er von seinem eigen, denn er ist ein Luegener vnd ein Vater derselbigen. [45]Jch aber, weil ich die warheit sage, so gleubet jr mir nicht.

[46]Welcher vnter euch kan mich einer sunde zeihen? So ich euch aber die warheit sage, warumb gleubet jr mir nicht? [47]Wer von Gott ist, der hoeret Gottes wort. Darumb hoeret jr nicht, denn jr seid nicht von Gott. [48]Da antworten die Jueden, vnd sprachen zu jm, Sagen wir nicht recht, das du ein Samariter bist, vnd hast den Teufel? [49]Jhesus antwortet, Jch habe keinen Teufel, Sondern ich ehre meinen Vater, vnd jr vnehret mich. [50]Jch suche nicht meine Ehre, es ist aber einer, der sie suchet, vnd richtet.

[51]WArlich, warlich, sage ich euch, So jemand mein Wort wird halten, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. [52]Da sprachen die Jueden zu jm, Nu erkennen wir das du den Teufel hast. Abraham ist gestorben, vnd die Propheten, vnd du sprichst, So jemand mein wort helt, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. [53]Bistu mehr denn vnser vater Abraham? welcher gestorben ist, vnd die Propheten sind gestorben. Was machstu aus dir selbs?

[54]JHesus antwoertet, So ich mich selber ehre, so ist meine ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehret, welchen jr sprecht, er sey ewer Gott [55]vnd kennet jn nicht, Jch aber kenne jn. Vnd so ich wuerde sagen, jch kenne sein nicht, so wuerde ich ein Luegener, gleich wie jr seid. Aber ich kenne jn, vnd halte sein wort. [56]Abraham ewer Vater ward fro, das er meinen tag sehen solt, vnd er sahe jn, vnd frewet sich. [57]Da sprachen die Jueden zu jm, Du bist noch nicht funffzig jar alt, vnd hast Abraham gesehen? [58]Jhesus sprach zu jnen, Warlich, warlich, ich sage euch, Ehe denn Abraham ward, bin ich. [59]Da huben sie steine auff, das sie auff jn wuerffen. Aber Jhesus verbarg sich, vnd gieng zum Tempel hinaus.


IX.[Bearbeiten]

Vnd Jhesus gieng fur vber, vnd sahe einen der blind geboren war, [2]Vnd seine Juenger frageten jn, vnd sprachen, Meister, wer hat gesundiget? dieser, oder seine Eltern, das er ist blind geborn? [3]Jhesus antwortet, Es hat weder dieser gesundiget, noch seine Eltern, sondern das die


werck Gottes offenbar wuerden an jm. [4]Jch mus wircken die werck, des, der mich gesand hat, so lange es tag ist, Es kompt die nacht, da niemands wircken kan. [5]Dieweil ich bin in der Welt, bin ich das Liecht der Welt.

[6]Da er solches gesaget, spuetzet er auff die erden, vnd machet einen Kot aus dem Speichel, vnd schmieret den kot auff des blinden Augen, [7]vnd sprach zu jm, Gehe hin zu dem teich Siloha (das ist verdolmetscht, gesand) vnd wassche dich. Da gieng er hin, vnd wusch sich, vnd kam sehend.

[8]DJe Nachbarn vnd die jn zuuor gesehen hatten das ein Bettler war, sprachen, Jst dieser nicht, der da sass vnd bettelt? [9]Etliche sprachen, er ists, Etliche aber, er ist jm ehnlich. Er selbs aber sprach, ich bins. [10]Da sprachen sie zu jm, Wie sind deine augen auffgethan? [11]Er antwortet, vnd sprach, Der mensch, der Jhesus heisset, machet einen Kot, vnd schmieret meine Augen, vnd sprach, Gehe hin zu dem teich Siloha, vnd wassche dich. Jch gieng hin, vnd wusch mich, vnd ward sehend. [12]Da sprachen sie zu jm, wo ist derselbige? Er sprach, Jch weis nicht.

[13]Da fuereten sie jn zu den Phariseern, der weiland blind war [14](Es war aber Sabbath, da Jhesus den Kot machet, vnd seine augen oeffenet) [15]Da fragten sie jn abermal, auch die Phariseer, wie er were sehend worden? Er aber sprach zu jnen, Kot leget er mir auff die Augen, vnd ich wusch mich, vnd bin nu sehend. [16]Da sprachen etliche der Phariseer, Der Mensch ist nicht von Gott, die weil er den Sabbath nicht helt. Die andern aber sprachen, Wie kan ein sundiger Mensch solche zeichen thun? Vnd es ward eine zwitracht vnter jnen. [17]Sie sprachen wider zu dem Blinden, was sagestu von jm, das er hat deine augen auffgethan? Er aber sprach, Er ist ein Prophet.

[18]Dje Jueden gleubten nicht von jm, das er blind gewesen, vnd sehend worden were, Bis das sie rieffen den Eltern des, der sehend war worden, [19]fragten sie vnd sprachen, Jst das ewer Son, welchen jr saget, er sey blind geboren? Wie ist er denn nu sehend? [20]Seine Eltern antworten jnen, vnd sprachen, Wir wissen, das dieser vnser Son ist, vnd das er blind geboren ist, [21]Wie er aber nu sehend ist, wissen wir nicht, Oder wer jm hat seine augen auffgethan, wissen wir auch nicht. Er ist alt gnug, fraget jn, lasset jn selbs fur sich reden. [22]Solchs sagten seine Eltern, denn sie furchten sich fur den Jueden, Denn die Jueden hatten sich schon vereiniget, So jemand jn fur Christum bekennete, das derselbige in Bann gethan wuerde. [23]Darumb sprachen seine eltern, Er ist alt gnug, fraget jn.


[24]Da rieffen sie zum andern mal dem Menschen der blind gewesen war, vnd sprachen zu jm, gib Gott die ehre, Wir wissen das dieser Mensch ein Suender ist. [25]Er antwortet, vnd sprach, Jst er ein Suender, das weis ich nicht, Eines weis ich wol, das ich blind war, vnd bin nu sehend. [26]Da sprachen sie wider zu jm, Was thet er dir? wie thet er deine Augen auff? [27]Er antwortet jnen, Jch habs euch jtzt gesagt, habt jrs nicht gehoeret? was wolt jrs abermal hoeren? wolt jr auch seine Juenger werden? [28]Da fluchten sie jm, vnd sprachen, Du bist sein Juenger, wir aber sind Moses Juenger. [29]Wir wissen, das Gott mit Mose geredt hat, Diesen aber wissen wir nicht von wannen er ist.

[30]DEr Mensch antwortet, vnd sprach zu jnen, Das ist ein wuenderlich ding das jr nicht wisset, von wannen er sey, vnd er hat meine augen auffgethan. [31]Wir wissen aber, das Gott die Suender nicht hoeret, sondern so jemand Gottfuerchtig ist, vnd thut seinen willen, den hoeret er. [32]Von der Welt an ists nicht erhoeret, das jemand einem geboren Blinden die augen auffgethan habe. [33]Were dieser nicht von Gott, er kuendte nichts thun. [34]Sie antworten, vnd sprachen zu jm, Du bist gantz in suenden geboren, vnd lerest vns, vnd stiessen jn hin aus.

[35]Es kam fur Jhesum, das sie jn ausgestossen hatten, Vnd da er jn fand, sprach er zu jm, Gleubstu an den son Gottes? [36]Er antwortet, vnd sprach, HErr welcher ists? auff das ich an jn gleube. [37]Jhesus sprach zu jm, Du hast jn gesehen, vnd der mit dir redet, der ists. [38]Er aber sprach, HErr, ich gleube, Vnd betet jn an.

[39]VND Jhesus sprach, Jch bin zum gerichte auff diese Welt komen, Auff das die da nicht sehen, sehend werden, Vnd die da sehen, blind werden. [40]Vnd solches hoereten etliche der Phariseer, die bey jm waren, vnd sprachen zu jm, Sind wir denn auch blind? [41]Jhesus sprach zu jnen, weret jr blind, so hettet jr keine sunde, Nu jr aber sprecht, Wir sind sehend, bleibet ewre Suende.


X.[Bearbeiten]

Warlich, warlich, ich sage euch, Wer nicht zur Thuer hin ein gehet in den Schafftal, sondern steiget anderswo hin ein, der ist ein Dieb vnd ein Moerder. [2]Der aber zur Thuer hin eingehet, der ist ein Hirte der Schafe. [3]Demselbigen thut der Thurhueter auff, vnd die Schafe hoeren seine stimme. Vnd er ruffet seinen schafen mit namen, vnd fueret sie aus. [4]Vnd wenn er seine schafe hat ausgelassen, gehet er fur jnen hin, vnd die schafe folgen jm nach, Denn sie kennen seine stimme. [5]Einem Frembden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen von jm, Denn sie kennen der Frembden stimme nicht.


[6]Diesen Spruch saget Jhesus zu jnen, Sie vernamen aber nicht, was es war, das er zu jnen saget.

[7]DA sprach Jhesus wider zu jnen, Warlich, warlich, ich sage euch, Jch bin die Thuer zu den schafen. [8]Alle die vor mir komen sind, die sind Diebe vnd Moerder gewesen, aber die Schafe haben jnen nicht gehorchet. [9]Jch bin die Thuer, so jemand durch mich eingehet, der wird selig werden, vnd wird ein vnd aus gehen, vnd weide finden. [10]Ein Dieb kompt nicht, denn das er stele, wuerge, vnd vmbbringe. [11]Jch bin komen, das sie das Leben vnd volle genuege haben sollen.

[12]Jch bin ein guter Hirte. Ein guter Hirte lesset sein leben fur die schafe. Ein Miedling, der nicht Hirte ist, des die schafe nicht eigen sind, sihet den Wolff komen, vnd verlesset die Schafe, vnd fleucht, vnd der Wolff erhaschet vnd zerstrewet die schafe. [13]Der Miedling aber fleucht, denn er ist ein Miedling, vnd achtet der schafe nicht. [14]Jch bin ein guter Hirte, vnd erkenne die meinen, vnd bin bekand den meinen. [15]Wie mich mein Vater kennet, vnd ich kenne den Vater, vnd ich lasse mein Leben fur die schafe. [16]Vnd ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem stalle, Vnd die selben mus ich her fueren, vnd sie werden meine stimme hoeren, Vnd wird eine Herd vnd ein Hirte werden.

[17]DArumb liebet mich mein Vater, das ich mein Leben lasse, auff das ichs wider neme. [18]Niemand nimpt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber, Jch habe es macht zulassen, vnd habe es macht wider zu nemen. Solch Gebot habe ich empfangen von meinem Vater. [19]Da ward aber eine zwitracht vnter den Jueden, vber diesen worten. [20]Viel vnter jnen sprachen, Er hat den Teufel, vnd ist vnsinnig, was hoeret jr jm zu? [21]Die andern sprachen, Das sind nicht wort eines Besessenen, kan der Teufel auch der Blinden augen auffthun?

[22]Es ward aber Kirchweihe zu Jerusalem, vnd war winter, [23]vnd Jhesus wandelte im Tempel in der halle Salomonis. [24]Da vmbringeten jn die Jueden, vnd sprachen zu jm, Wie lange heltestu vnser seelen auff? Bistu Christ, so sage es vns frey her aus. [25]Jhesus antwortet jnen, Jch habe es euch gesagt, vnd jr gleubet nicht. Die werck die ich thu in meines Vaters namen, die zeugen von mir. [26]Aber jr gleubet nicht, denn jr seid meiner schafe nicht, als ich euch gesagt habe. [27]Denn meine Schafe hoeren meine stimme, vnd ich kenne sie, vnd sie folgen mir, [28]Vnd ich gebe jnen das ewige Leben, vnd sie werden nimer mehr vmbkomen, vnd niemand wird sie mir aus meiner


Hand reissen, [29]Der Vater, der sie mir gegeben hat ist groesser denn alles, vnd niemand kan sie aus meines Vaters hand reissen. [30]Jch vnd der Vater sind eines.

[31]DA huben die Jueden abermal steine auff, das sie jn steinigten. [32]Jhesus antwortet jnen, Viel guter werck habe ich euch erzeiget von meinem Vater, Vmb welchs wercks vnter denselbigen steiniget jr mich? [33]Die Jueden antworten jm, vnd sprachen, Vmb des guten wercks willen steinigen wir dich nicht, Sondern vmb der Gotteslesterung willen, Vnd, das du ein Mensch bist, vnd machest dich selbs einen Gott. [34]Jhesus antwortet jnen, Stehet nicht geschrieben in ewrem Gesetz, Jch hab gesagt, jr seid Goetter? [35]So er die Goetter nennet, zu welchen das wort Gottes geschach, vnd die schrifft kan doch nicht gebrochen werden, [36]Sprecht jr denn zu dem den der Vater geheiliget vnd in die welt gesand hat, Du lesterst Gott? darumb, das ich sage, Jch bin Gottes son? [37]Thu ich nicht die werck meines Vaters, so gleubet mir nicht, [38]Thu ich sie aber, gleubet doch den wercken, wolt jr mir nicht gleuben, Auff das jr erkennet vnd gleubet, das der Vater in mir ist, vnd ich in jm.

[39]SJe suchten aber mal jn zu greiffen, Aber er entgieng jnen, aus jren henden, [40]vnd zoch hin wider jenseid des Jordans, an den ort, da Johannes vorhin getaufft hatte, vnd bleib alda. [41]Vnd viel kamen zu jm, vnd sprachen, Johannes thet kein Zeichen. Aber alles was Johannes von diesem gesagt hat, das ist war, [42]Vnd gleubten alda viel an jn.


XI.[Bearbeiten]

Es lag aber einer kranck, mit namen Lazarus, von Bethania, in dem flecken Maria vnd jrer schwestern Martha. [2]Maria aber war, die den HErrn gesalbet hatte mit salben, vnd seine Fuesse getruecket mit jrem har, derselbigen bruder Lazarus lag kranck. [3]Da sandten seine Schwestern zu jm, vnd liessen jm sagen, HErr, sihe, den du lieb hast, der ligt kranck. [4]Da Jhesus das hoeret, sprach er, Die kranckheit ist nicht zum tode, sondern zur ehre Gottes, das der son Gottes da durch geehret werde. [5]Jhesus aber hatte Martham lieb, vnd jre Schwester vnd Lazarum. [6]Als er nu hoeret, das er kranck war, bleib er zween tage an dem ort, da er war.

[7]DArnach spricht er zu seinen Juengern, lasst vns wider in Judeam ziehen. [8]Seine Juenger sprachen zu jm, Meister, jenes mal wolten die Jueden


dich steinigen, vnd du wilt wider da hin ziehen? [9]Jhesus antwortet, Sind nicht des tages zwelff stunden? Wer des tages wandelt, der stoesset sich nicht, denn er sihet das Liecht dieser welt. [10]Wer aber des nachts wandelt, Der stoesset sich, denn es ist kein liecht in jm.

[11]SOlchs saget er, vnd darnach spricht er zu jnen, Lazarus vnser Freund schlefft, aber ich gehe hin, das ich jn auffwecke. [12]Da sprachen seine Juenger, HErr, schlefft er, so wirds besser mit jm. [13]Jhesus aber saget von seinem tode, Sie meineten aber, er redet vom leiblichen schlaff. [14]Da sagts jnen Jhesus frey heraus, Lazarus ist gestorben, [15]vnd ich bin fro vmb ewren willen, das ich nicht da gewesen bin, auff das jr gleubet, Aber lasset vns zu jm ziehen. [16]Da sprach Thomas, der genennet ist zwilling, zu den Juengern, Lasst vns mit ziehen, das wir mit jm sterben.

[17]Da kam Jhesus, vnd fand jn, das er schon vier tage im grabe gelegen war. [18]Bethania aber war nahe bey Jerusalem, bey funffzehen Feldweges. [19]Vnd viel Jueden waren zu Martha vnd Maria komen, sie zu troesten vber jrem Bruder. [20]Als Martha nu hoeret, das Jhesus kompt gehet sie jm entgegen, Maria aber bleib da heime sitzen. [21]Da sprach Martha zu Jhesu, HErr, werestu hie gewesen, mein Bruder were nicht gestorben. [22]Aber ich weis auch noch, das, was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben. [23]Jhesus spricht zu jr, Dein Bruder sol aufferstehen. [24]Martha spricht zu jm, Jch weis wol, das er aufferstehen wird in der aufferstehung am Juengsten tage. [25]Jhesus spricht zu jr, Jch bin die Aufferstehung vnd das Leben, wer an Mich gleubet, der wird leben, ob er gleich stuerbe, [26]Vnd wer da lebet vnd gleubet an mich, der wird nimer mehr sterben. Gleu- bestu das? [27]Sie spricht zu jm, HERR, ja, ich gleube, das du bist Christus, der son Gottes, der in die Welt komen ist.

[28]Vnd da sie das gesagt hatte, gieng sie hin, vnd rieff jrer schwester Maria heimlich, vnd sprach, der Meister ist da, vnd ruffet dir. [29]Dieselbige als sie das hoeret, stund sie eilend auff, vnd kam zu jm. [30]Denn Jhesus war noch nicht in den Flecken komen, Sondern war noch an dem ort da jm Martha war entgegen komen. [31]Die Jueden, die bey jr im Hause waren vnd troesteten sie, da sie sahen Mariam, das sie eilend auffstund vnd hin aus gieng, folgeten sie jr nach, vnd sprachen, Sie gehet hin zum grabe, das sie daselbs weine.

[32]ALs nu Maria kam da Jhesus war, vnd sahe jn, fiel sie zu seinen fuessen, vnd sprach zu jm, HERR, werestu hie gewesen, mein Bruder were nicht gestorben. [33]Als Jhesus sie sahe weinen, vnd die Jueden auch weinen, die


mit jr kamen, ergrimmet er im Geist, vnd betruebt sich selbs, [34]vnd sprach, Wo habt jr jn hin gelegt? Sie sprachen zu jm, HErr, kom vnd sihe es. [35]Vnd Jhesu giengen die augen vber. [36]Da sprachen die Jueden, Sihe, wie hat er jn so lieb gehabt. [37]Etliche aber vnter jnen sprachen, Kundte, der dem Blinden die augen auffgethan hat, nicht verschaffen, das auch dieser nicht stuerbe? [38]Jhesus aber ergrimmet abermal in jm selbs, vnd kam zum grabe, Es war aber eine Klufft, vnd ein stein darauff gelegt.

[39]JHesus sprach, Hebt den stein abe. Spricht zu jm Martha, die schwester des Verstorben, HErr, er stinckt schon, denn er ist vier tage gelegen. [40]Jhesus spricht zu jr, Hab ich dir nicht gesagt, so du gleuben wuerdest, du soltest die herrligkeit Gottes sehen. [41]Da huben sie den stein abe, da der Verstorbene lag. Jhesus aber hub seine augen empor, vnd sprach, Vater, ich dancke dir, das du mich erhoeret hast. [42]Doch ich weis, das du mich alle zeit hoerest, sondern vmb des Volcks willen, das vmb her stehet, sage ichs, das sie gleuben, du habest mich gesand.

[43]DA er das gesagt hatte, rieff er mit lauter stimme, Lazare kom her aus. [44]Vnd der Verstorbene kam her aus, gebunden mit Grabtuechern an fuessen vnd henden, vnd sein angesicht verhuellet mit einem Schweistuch. Jhesus spricht zu jnen, Loeset jn auff, vnd lasset jn gehen. [45]Viel nu der Jueden, die zu Maria komen waren, vnd sahen was Jhesus thet, gleubten an jn. [46]Etliche aber von jnen giengen hin zu den Phariseern, vnd sagten jnen, was Jhesus gethan hatte.

[47]Da versamleten die Hohenpriester vnd die Phariseer einen Rat, vnd sprachen, Was thun wir? dieser Mensch thut viel zeichen. [48]Lassen wir jn also, so werden sie alle an jn gleuben. So komen denn die Roemer, vnd nemen vns Land vnd Leute. [49]Einer aber vnter jnen, Caiphas, der desselben jars Hoherpriester war, sprach zu jnen, Jr wisset nichts, [50]bedencket auch nichts. Es ist vns besser, ein Mensch sterbe fur das Volck, denn das gantze Volck verderbe. [51]Solchs aber redet er nicht von sich selbs, sondern dieweil er desselbigen jars Hoherpriester war, weissaget er, Denn Jhesus solte sterben fur das Volck, [52]vnd nicht fur das Volck alleine, Sondern, das er die kinder Gottes, die zustrewet waren, zusamen brechte. [53]Von dem tage an ratschlugen sie, wie sie in toedten.

[54]Jhesus aber wandelte nicht mehr frey vnter den Jueden, sondern gieng von dannen, in eine Gegend, nahe bey der wuesten, in eine stad, genant Ephrem vnd hatte sein wesen daselbs mit seinen Juengern. [55]Es war aber nahe die Ostern der Jueden, Vnd es giengen viel hinauff gen Jerusalem, aus der Gegend, vor den Ostern, das sie sich reinigeten. [56]Da stunden sie vnd fragten nach Jhesu, vnd redten mit einander im Tempel, Was duencket euch,


das er nicht kompt auff das Fest? [57]Es hatten aber die Hohenpriester vnd Phariseer lassen ein gebot ausgehen, So jemand wueste, wo er were, das ers anzeiget, das sie jn griffen.


XII.[Bearbeiten]

Sechs tage vor den Ostern kam Jhesus gen Bethania, da Lazarus war der verstorbene, welchen Jhesus aufferwecket hatte von den todten. [2]Daselbs machten sie jm ein abendmal vnd Martha dienete, Lazarus aber war der einer die mit jm zu tische sassen

[3]DA nam Maria ein pfund Salben, von vngefelschter koestlicher Narden, vnd salbete die fuesse Jhesu, vnd truecket mit jrem hare seine fuesse, das haus aber ward vol vom geruch der Salben. [4]Da sprach seiner Juenger einer, Judas Simonis son Jscariothes, der jn hernach verrhiet, [5]Warumb ist diese Salbe nicht verkaufft vmb dreyhundert grosschen, vnd den Armen gegeben? [6]Das saget er aber nicht, das er nach den Armen fraget, sondern er war ein Dieb, vnd hatte den Beutel, vnd trug was gegeben ward. [7]Da sprach Jhesus, Las sie mit frieden, solchs hat sie behalten, zum tage meiner Begrebnis. [8]Denn Armen habt jr allezeit bey euch, Mich aber habt jr nicht alle zeit.

[9]Da erfur viel volcks der Jueden, das er daselbs war, vnd kamen, nicht vmb Jhesus willen allein, sondern das sie auch Lazarum sehen, welchen er von den todten erweckt hatte. [10]Aber die Hohenpriester trachten darnach, das sie auch Lazarum toedten, [11]Denn vmb seinen willen giengen viel Jueden hin, vnd gleubten an Jhesum.

[12]Des andern tages, viel Volcks das auffs Fest komen war, da es hoeret, das Jhesus kompt gen Jerusalem, [13]namen sie Palmen zweige, vnd giengen hinaus jm entgegen, vnd schrien, Hosianna, Gelobet sey, der da kompt in dem namen des HErrn, ein Koenig von Jsrael. [14]Jhesus aber vberkam ein Eselin, vnd reit drauff, Wie denn geschrieben stehet, [15]Fuerchte dich nicht du tochter Zion, Sihe, dein Koenig kompt reitende auff einem Eselsfuellen. [16]Solchs aber verstunden seine Juenger zuuor nicht, sondern da Jhesus verkleret ward, da dachten sie dran, das solchs war von jm geschrieben, vnd solches jm gethan hatten.

[17]DAs Volck aber das mit jm war, da er Lazarum aus dem grabe rieff, vnd von den Todten aufferwecket, rhuemete die that. [18]Darumb gieng jm auch


das Volck entgegen, das sie hoereten, er hette solches Zeichen gethan. [19]Die Phariseer aber sprachen vnternander, Jr sehet, das jr nichts ausrichtet, sihe, alle Welt leufft jm nach.

[20]Es waren aber etliche Griechen vnter denen, die hinauff komen waren, das sie anbeteten auff das Fest. [21]Die tratten zu Philippo, der von Bethsaida aus Galilea war, baten jn, vnd sprachen, Herr, wir wolten Jhesum gerne sehen. [22]Philippus kompt vnd sagets Andreas, vnd Philippus vnd Andreas sagtens weiter Jhesu. [23]Jhesus aber antwortet jnen, vnd sprach, Die zeit ist komen, das des menschen Son verkleret werde.

[24]WArlich, warlich, jch sage euch, Es sey denn, das das Weitzenkorn in die erden falle, vnd ersterbe, so bleibts alleine. Wo es aber erstirbet, so bringets viel Fruechte. [25]Wer sein Leben lieb hat, der wirds verlieren. Vnd wer sein Leben auff dieser Welt hasset, der wirds erhalten zum ewigen leben. [26]Wer mir dienen wil, der folge mir nach, Vnd wo ich bin, da sol mein Diener auch sein. Vnd wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

[27]JTzt ist meine Seele betruebet. Vnd was sol ich sagen? Vater hilff mir aus dieser stunde. Doch darumb bin ich in diese stunde komen. [28]Vater verklere deinen Namen. Da kam eine stimme vom himel, Jch hab jn verkleret, vnd wil jn abermal verkleren. [29]Da sprach das volck das da bey stunde, vnd zuhoeret, es donnerte. Die andern sprachen, es redte ein Engel mit jm. [30]Jhesus antwortet vnd sprach, Diese stimme ist nicht vmb meinen willen geschehen, sondern vmb ewren willen.

[31]JTzt gehet das gerichte vber die Welt, Nu wird der Fuerst dieser welt ausgestossen werden. [32]Vnd ich, wenn ich erhoehet werde, von der erden, so wil ich sie alle zu mir zihen. [33]Das saget er aber, zu deuten, welchs todes er sterben wuerde. [34]Da antwortet jm das volck, Wir haben gehoeret im Gesetz, das Christus ewiglich bleibe, vnd wie sagestu denn, Des menschen Son mus erhoehet werden? wer ist dieser menschen Son? [35]Da sprach Jhesus zu jnen, Es ist das Liecht noch eine kleine zeit bey euch. Wandelt dieweil jr das Liecht habt, das euch die Finsternisse nicht vberfallen. Wer im finsternis wandelt, der weis nicht wo er hin gehet. [36]Gleubet an das Liecht die weil jrs habt, Auff das jr des liechtes Kinder seid.

[37]Solchs redet Jhesus, vnd gieng weg, vnd verbarg sich fur jnen. Vnd ob er wol solche Zeichen fur jnen thet, gleubten sie doch nicht an jn, [38]Auff das erfuellet wuerde der Spruch des propheten Jsaia, den er saget, HErr, wer gleubet vnserm predigen, vnd wem ist der arm des HErrn offenbaret? [39]Darumb kondten sie nicht gleuben, denn Jsaias saget abermal,


[40]Er hat jre augen verblendet, vnd jr hertz verstocket, das sie mit den augen nicht sehen, noch mit dem hertzen vernemen, vnd sich bekeren, vnd ich jnen huelffe. [41]Solchs saget Jsaias, da er seine Herrligkeit sahe, vnd redete von jm. [42]Doch der Obersten gleubten viel an jn, aber vmb der Phariseer willen bekandten sie es nicht, das sie nicht in den Bann gethan wuerden. [43]Denn sie hatten lieber die ehre bey den Menschen, denn die ehre bey Gott.

[44]Jhesus aber rieff, vnd sprach, Wer an mich gleubet, der gleubet nicht an mich, sondern an den, der mich gesand hat. [45]Vnd wer mich sihet, der sihet den, der mich gesand hat. [46]Jch bin komen in die welt ein Liecht, auff das, wer an mich gleubet, nicht im finsternis bleibe. [47]Vnd wer meine wort hoeret, Vnd gleubet nicht, den werde ich nicht richten, Denn ich bin nicht komen, das ich die Welt richte, sondern das ich die Welt selig mache. [48]Wer mich verachtet, vnd nimpt meine wort nicht auff, Der hat schon der jn richtet, das wort, welches ich geredt habe, das wird jn richten am Juengsten tage. [49]Denn ich habe nicht von mir selber geredt, sondern der Vater der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich thun vnd reden sol. [50]Vnd ich weis, das sein Gebot ist das ewige Leben. Darumb das ich rede, das rede ich also, wie mir der Vater gesagt hat.


XIII.[Bearbeiten]

Vor dem Fest aber der Ostern, da Jhesus erkennet das seine zeit komen war, das er aus dieser Welt gienge zum Vater, wie er hatte geliebet die seinen, die in der welt waren, so liebet er sie ans ende. [2]Vnd nach dem Abendessen, da schon der Teufel hatte dem Juda Simonis Jscharioth ins hertz gegeben, das er jn verrhiete, [3]wuste Jhesus, das jm der Vater hatte alles in seine Hende gegeben, vnd das er von Gott komen war, vnd zu Gott gieng, [4]stund er vom Abendmal auff, leget seine Kleider ab, vnd nam einen schurtz, vnd vmbgurtet sich. [5]Darnach gos er wasser in ein Becken, hub an den Juengern die fuesse zu wasschen, vnd trucknet sie mit dem schurtze, damit er vmbgurtet war.

[6]Da kam er zu Simon Petro. Vnd derselbige sprach zu jm, HErr, Soeltestu mir meine fuesse wasschen? [7]Jhesus antwortet, vnd sprach zu jm, Was ich thu, das weissestu jtzt nicht, du wirsts aber hernach erfaren. [8]Da sprach Petrus zu jm, Nimer mehr soltu mir die fuesse wasschen. Jhesus antwortet jm, Werde ich dich nicht wasschen, so hastu kein teil mit mir. [9]Spricht zu jm Simon Petrus, HErr nicht die fuesse alleine, sondern auch die hende vnd


das heubt. [10]Spricht Jhesus zu jm, Wer gewasschen ist, der darff nicht, denn die fuesse wasschen, sondern er ist gantz rein. Vnd jr seid rein, Aber nicht alle. [11]Denn er wuste seinen Verrheter wol, darumb sprach er, Jr seid nicht alle rein.

[12]DA er nu jre fuesse gewasschen hatte, nam er seine Kleider, vnd satzte sich wider nider, vnd sprach abermal zu jnen, Wisset jr, was ich euch gethan habe? [13]Jr heisset mich Meister vnd HErr, vnd saget recht dran, Denn ich bins auch. [14]So nu ich ewer HErr vnd Meister, euch die fuesse gewasschen habe, So solt jr auch euch vnternander die fuesse wasschen. [15]Ein Beyspiel habe ich euch gegeben, das jr thut, wie ich euch gethan habe. [16]Warlich, warlich, ich euch sage, Der Knecht ist nicht groesser denn sein Herr, noch der Apostel groesser, denn der jn gesand hat.

[17]SO jr solchs wisset, selig seid jr, so jrs thut. [18]Nicht sage ich von euch allen, Jch weis welche ich erwelet habe. Sondern das die schrifft erfuellet werde, Der mein Brot isset, der trit mich mit fuessen. [19]Jtzt sage ichs euch, ehe denn es geschicht, auff das wenn es geschehen ist, das jr gleubet, das ichs bin. [20]Warlich, warlich, ich sage euch, Wer auffnimpt so ich jemand senden werde, der nimpt mich auff. Wer aber mich auffnimpt, der nimpt den auff der mich gesand hat.

[21]Da solchs Jhesus gesagt hatte, ward er betruebet im Geist, vnd zeugete, vnd sprach, Warlich, warlich, ich sage euch, Einer vnter euch wird mich verrhaten. [22]Da sahen sich die Juenger vnternander an, vnd ward jnen bange, von welchem er redete. [23]Es war aber einer vnter seinen Juengern, der zu tische sass an der brust Jhesu, welchen Jhesus lieb hatte. [24]Dem wincket Simon Petrus, das er forschen solte, Wer es were, von dem er saget? [25]Denn der selbige lag an der brust Jhesu, vnd sprach zu jm, HErr, wer ists? [26]Jhesus antwortet, der ists, dem ich den bissen eintauche vnd gebe. Vnd er tauchte den bissen ein, vnd gab jn Juda Simonis Jscharioth. [27]Vnd nach dem bissen, fuhr der Satan in jn.

DA sprach Jhesus zu jm, Was du thust, das thu balde. [28]Dasselbige aber wuste niemand vber dem tische, wo zu ers jm sagete. [29]Etliche meineten, dieweil Judas den Beutel hatte, Jhesus spreche zu jm, keuffe, was vns not ist, auff das Fest, oder das er den Armen etwas gebe. [30]Da er nu den bissen genomen hatte, gieng er so balde hin aus. Vnd es war nacht. [31]Da er aber hinaus gegangen war, spricht Jhesus, Nu ist des menschen Son verkleret,


vnd Gott ist verkleret in jm. [32]Jst Gott verkleret in jm, so wird jn Gott auch verkleren in jm selbs, vnd wird jn bald verkleren.

[33]Ljeben Kindlin, ich bin noch eine kleine weile bey euch. Jr werdet mich suchen, vnd wie ich zu den Jueden saget, Wo ich hin gehe, da kuend jr nicht hin komen. [34]Vnd sage euch nu, Ein new Gebot gebe ich euch, das jr euch vnternander liebet, wie ich euch geliebet habe, auff das auch jr einander lieb habet. [35]Da bey wird jederman erkennen, das jr meine Juenger seid, so jr liebe vnternander habt. [36]Spricht Simon Petrus zu jm, HErr, wo gehestu hin? Jhesus antwortet jm, Da ich hin gehe, kanstu mir dis mal nicht folgen, aber du wirst mir hernach mals folgen. [37]Petrus spricht zu jm, HERR, warumb kan ich dir dis mal nicht folgen? Jch wil mein Leben fur dich lassen. [38]Jhesus antwortet jm, Soltestu dein leben fur mich lassen? Warlich, warlich, ich sage dir, Der Han wird nicht krehen, bistu mich drey mal habest verleugnet.


XIIII.[Bearbeiten]

Vnd er sprach zu seinen Juengern, Ewer hertz erschrecke nicht. Gleubet jr an Gott, so gleubet jr auch an mich. [2]Jn meines Vaters hause sind viel wonungen. Wens nicht so were, so wolt ich zu euch sagen, Jch gehe hin, euch die Stete zubereiten. [3]Vnd ob ich hin gienge euch die Stete zu bereiten, wil ich doch wider komen, vnd euch zu mir nemen, auff das jr seid wo ich bin, [4]vnd wo ich hin gehe, das wisset jr, vnd den weg wisset jr auch.

[5]SPricht zu jm Thomas, HErr, wir wissen nicht wo du hin gehest, vnd wie koennen wir den weg wissen? [6]Jhesus spricht zu jm, Jch bin der Weg, vnd die Warheit, vnd das Leben. Niemand kompt zum Vater, denn durch mich. [7]Wenn jr mich kennetet, so kennetet jr auch meinen Vater. Vnd von nu an kennet jr jn, vnd habt jn gesehen.

[7]SPricht zu jm Philippus, HERR, zeige vns den Vater, so genueget vns. [9]Jhesus spricht zu jm, So lang bin ich bey euch, vnd du kennest mich nicht? Philippe, wer Mich sihet, der sihet den Vater, wie sprichstu denn, Zeige vns den Vater? [10]Gleubestu nicht, das ich im Vater, vnd der Vater in mir ist? Die wort die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbs.


Der Vater aber der in mir wonet, derselbige thut die Werck. [11]Gleubet mir, das ich im Vater, vnd der Vater in mir ist. Wo nicht so gleubet mir doch vmb der werck willen.

[12]WArlich, warlich, ich sage euch, Wer an mich gleubet, der wird die werck auch thun, die ich thu, vnd wird groessere denn diese thun, Denn ich gehe zum Vater. [13]Vnd was jr bitten werdet in meinem Namen, das wil Jch thun, Auff das der Vater geehret werde in dem Sone. [14]Was jr bitten werdet in meinem Namen, das wil ich thun.

[15]Ljebet jr mich, so haltet meine Gebot. [16]Vnd ich wil den Vater bitten, vnd er sol euch einen andern Troester geben, das er bey euch bleibe ewiglich, [17]den Geist der warheit, welchen die Welt nicht kan empfahen, Denn sie sihet jn nicht, vnd kennet jn nicht. Jr aber kennet jn, denn er bleibt bey euch, vnd wird in euch sein. [18]Jch wil euch nicht Waisen lassen, ich kome zu euch. [19]Es ist noch vmb ein kleines, so wird mich die Welt nicht mehr sehen, Jr aber solt mich sehen, Denn ich lebe, vnd jr solt auch leben. [20]An dem selbigen tage werdet jr erkennen, das ich in meinem Vater bin, vnd jr in mir, vnd ich in euch.

[21]WEr meine Gebot hat, vnd helt sie, der ists, der mich liebet. Wer mich aber liebet, der wird von meinem Vater geliebet werden, vnd ich werde jn lieben, vnd mich jm offenbaren. [22]Spricht zu jm Judas, nicht der Jscharioth, HErr, was ists, das du vns wilt dich offenbaren, vnd nicht der welt? [23]Jhesus antwortet, vnd sprach zu jm, Wer mich liebet, der wird meine wort halten, vnd mein Vater wird jn lieben, vnd wir werden zu jm komen, vnd Wonung bey jm machen. [24]Wer aber mich nicht liebet, Der helt meine wort nicht. Vnd das wort das jr hoeret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesand hat.

[25]Solchs hab ich zu euch geredt, weil ich bey euch gewesen bin. [26]Aber der Troester der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der selbige wirds euch alles leren, vnd euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe.

[27]DEn Friede lasse ich euch, meinen Friede gebe ich euch. Nicht gebe ich euch wie die welt gibt. Ewer hertze erschrecke nicht, vnd fuerchte sich nicht. [28]Jr habt gehoeret, das ich euch gesagt habe, Jch gehe hin, vnd kome wider zu euch. Hettet jr mich lieb, so wurdet jr euch frewen, das ich gesagt habe, Jch gehe


zum Vater, denn der Vater ist groesser denn ich. [29]Vnd nu hab ichs euch gesaget, ehe denn es geschicht, auff das, wenn es nu geschehen wird, das jr gleubet.

[30]JCh werde fort mehr nicht viel mit euch reden. Denn es kompt der Fuerst dieser Welt, vnd hat nichts an mir. [31]Aber das die welt erkenne, das ich den Vater liebe, vnd ich also thue, wie mir der Vater geboten hat. Stehet auff, vnd lasset vns von hinnen gehen.


XV.[Bearbeiten]

Jch bin ein rechter Weinstock, vnd mein Vater ein Weingartner. [2]Einen jglichen Reben an mir, der nicht frucht bringet, wird er wegnemen, vnd einen jglichen der da frucht bringet, wird er reinigen, das er mehr frucht bringe. [3]Jr seid jtzt rein, vmb des Worts willen, das ich zu euch geredt habe. [4]Bleibet in mir, vnd ich in euch. Gleich wie der Rebe kan keine frucht bringen von jm selber, er bleibe denn am Weinstock, Also auch jr nicht, jr bleibet denn an mir.

[5]JCh bin der Weinstock, jr seid die Reben. Wer in mir bleibet, vnd ich in jm, der bringet viel frucht, Denn on mich kuend jr nichts thun. [6]Wer nicht in mir bleibet, Der wird weggeworffen, wie ein Rebe, vnd verdorret, vnd man samlet sie, vnd wirfft sie ins fewer, vnd mus brennen. [7]So jr in mir bleibet, vnd meine wort in euch bleiben, werdet jr bitten was jr wolt, vnd es wird euch widerfaren. [8]Darinnen wird mein Vater geehret, das jr viel Frucht bringet, vnd werdet meine Juenger.

[9]Gleich wie mich mein Vater liebet, also liebe ich euch auch. Bleibet in meiner liebe. [10]So jr mein Gebot haltet, so bleibet jr in meiner liebe, gleich wie ich meines Vaters gebot halte, vnd bliebe in seiner liebe. [11]Solchs rede ich zu euch, auff das meine Freude in euch bleibe, vnd ewer freude volkomen werde. [12]Das ist mein Gebot, das jr euch vnternander liebet, gleich wie ich euch liebe. [13]Niemand hat groesser liebe denn die, das er sein leben lesset, fur seine Freunde. [14]Jr seid meine Freunde, so jr thut was ich euch gebiete. [15]Jch sage hin furt nicht, das jr Knechte seid, denn ein Knecht weis nicht, was sein Herr thut. Euch aber habe ich gesagt, das jr Freunde seid, denn alles was ich habe von meinem Vater gehoeret, hab ich euch kund gethan.


[16]JR habt mich nicht erwelet, sondern ich habe euch erwelet, vnd gesetzt, Das jr hin gehet vnd Frucht bringet, vnd ewre frucht bleibe, Auff das, so jr den Vater bittet in meinem Namen, das ers euch gebe.

[17]Das gebiet ich euch, das jr euch vnternander liebet. [18]So euch die welt hasset, so wisset, das sie mich vor euch gehasset hat. [19]Weret jr von der welt, So hette die welt das jre lieb. Dieweil jr aber nicht von der welt seid, sondern ich habe euch von der welt erwelet, Darumb hasset euch die welt. [20]Gedencket an mein wort, das ich euch gesagt habe, Der Knecht ist nicht groesser denn sein Herr. Haben sie mich verfolget, Sie werden euch auch verfolgen. Haben sie mein wort gehalten, So werden sie ewers auch halten.

[21]ABer das alles werden sie euch thun, vmb meines Namen willen, Denn sie kennen Den nicht, der mich gesand hat. [22]Wenn ich nicht komen were, vnd hette es jnen gesaget, so hetten sie keine sunde. Nu aber koennen sie nichts furwenden, jre suende zu entschueldigen. [23]Wer mich hasset, Der hasset auch meinen Vater. [24]Hette ich nicht die werck gethan vnter jnen, die kein ander gethan hat, so hetten sie keine suende. Nu aber haben sie es gesehen, Vnd hassen doch beide mich vnd meinen Vater. [25]Doch das erfuellet werde der spruch in jrem Gesetze geschrieben, Sie hassen mich on vrsache.

[26]WEnn aber der Troester komen wird, welchen ich euch senden werde vom Vater, der Geist der warheit, der vom Vater ausgehet, der wird zeugen von mir. [27]Vnd jr werdet auch zeugen, denn jr seid von anfang bey mir gewesen.


XVI.[Bearbeiten]

[1]Solchs hab ich zu euch geredt, das jr euch nicht ergert. [2]Sie werden euch in den Bann thun. Es kompt aber die zeit, das, wer euch toedtet, wird meinen, er thu Gott einen dienst dran. [3]Vnd solchs werden sie euch darumb thun, das sie wider meinen Vater noch mich erkennen. [4]Aber solchs habe ich zu euch geredt, auff das, wenn die zeit komen wird, das jr dran gedencket, das ichs euch gesagt habe. Solchs aber habe ich euch von anfang nicht gesagt, denn ich war bey euch.

[5]Nv aber gehe ich hin zu dem, der mich gesand hat, vnd niemand vnter euch fraget mich, wo gehestu hin? [6]Sondern die weil ich solches zu euch geredt habe, ist ewer hertz vol traurens worden. [7]Aber ich sage euch die warheit, Es ist euch gut, das ich hin gehe. Denn so ich nicht hin gehe, so kompt der


Troester nicht zu euch. So ich aber gehe, wil ich jn zu euch senden. [8]Vnd wenn derselbige kompt, der wird die Welt straffen, vmb die suende, vmb die gerechtigkeit, vnd vmb das gerichte. [9]Vmb die Suende, das sie nicht gleuben an mich. [10]Vmb die Gerechtigkeit aber, das ich zum Vater gehe, vnd jr mich fort nicht sehet. [11]Vmb das Gerichte, das der Fuerst dieser welt gerichtet ist.

[12]JCh habe euch noch viel zu sagen, Aber jr koennets jtzt nicht tragen. [13]Wenn aber jener, der Geist der warheit komen wird, der wird euch in alle warheit leiten. Denn er wird nicht von jm selber reden, sondern was er hoeren wird, das wird er reden, vnd was zukuenfftig ist, wird er euch verkuendigen. [14]Derselbige wird mich verkleren, Denn von dem meinen wird ers nemen, vnd euch verkundigen. [15]Alles was der Vater hat, das ist mein, darumb hab ich gesagt, Er wirds von dem meinem nemen, vnd euch verkuendigen.

[16]Vber ein kleines, so werdet jr mich nicht sehen, vnd aber vber ein kleines, so werdet jr mich sehen, denn ich gehe zum Vater. [17]Da sprachen etliche vnter seinen Juengern vnternander, Was ist das, das er saget zu vns, Vber ein kleines, so werdet jr mich nicht sehen, vnd aber vber ein kleines, so werdet jr mich sehen, vnd das ich zum Vater gehe? [18]Da sprachen sie, was ist das, das er saget, vber ein kleines? Wir wissen nicht was er redet. [19]Da mercket Jhesus, das sie jn fragen wolten, vnd sprach zu jnen, Dauon fraget jr vnternander, das ich gesagt hab, Vber ein kleines so werdet jr mich nicht sehen, vnd aber vber ein kleines so werdet jr mich sehen. [20]Warlich, warlich, ich sage euch, Jr werdet weinen vnd heulen, Aber die welt wird sich frewen. Jr aber werdet trawrig sein, Doch ewer trawrigkeit sol in freude verkeret werden.

[21]EJn weib wenn sie gebirt, so hat sie trawrigkeit, Denn jre stunde ist komen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, dencket sie nicht mehr an die angst, vmb der freude willen, das der Mensch zu der welt geboren ist. [22]Vnd jr habt auch nu trawrigkeit, Aber ich wil euch wider sehen, vnd ewer hertz sol sich frewen, vnd ewer freude sol niemand von euch nemen. [23]Vnd an dem selbigen tage werdet jr mich nichts fragen.

Warlich, warlich, ich sage euch, So jr den Vater etwas bitten werdet jn meinem Namen, so wird ers euch geben. [24]Bisher habt jr nichts gebeten, in meinem namen. Bittet, so werdet jr nemen, das ewer freude volkomen sey. [25]Solchs hab ich zu euch durch Sprichwort geredt. Es kompt aber die zeit, das ich nicht mehr durch Sprichwort mit euch reden werde, sondern euch frey heraus verkuendigen von meinem Vater. [26]An dem selbigen tage werdet jr bitten in meinem namen. Vnd ich sage euch nicht, das ich den Vater fur


euch bitten wil, [27]Denn er selbs der Vater hat euch lieb, darumb, das jr mich liebet, vnd gleubet das ich von Gott ausgegangen bin. [28]Jch bin vom Vater ausgegangen vnd komen in die welt, Widerumb verlasse ich die welt, vnd gehe zum Vater.

[29]SPrechen zu jm seine Juenger, Sihe, nu redestu frey heraus, vnd sagest kein Sprichwort. [30]Nu wissen wir, das du alle ding weissest, vnd bedarfest nicht, das dich jemand frage. Darumb gleuben wir, das du von Gott ausgegangen bist. [31]Jhesus antwortet jnen, Jtzt gleubet jr. [32]Sihe, es kompt die stunde, vnd ist schon komen, Das jr zurstrewet werdet ein jglicher in das seine, vnd mich alleine lasset, Aber ich bin nicht alleine, denn der Vater ist bey mir. [33]Solchs habe ich mit euch geredt, Das jr in mir friede habet. Jn der welt habet jr Angst, Aber seid getrost, Jch habe die welt vberwunden.


XVII.[Bearbeiten]

Solches redet Jhesus, vnd hub seine augen auff gen Himel, vnd sprach, Vater die stunde ist hie, das du deinen Son verklerest, auff das dich dein Son auch verklere. [2]Gleich wie du jm macht hast gegeben vber alles Fleisch, auff das er das ewige leben gebe, allen die du jm gegeben hast. [3]Das ist aber das ewige leben, das sie dich, das du alleine warer Gott bist, vnd den du gesand hast, Jhesum Christ, erkennen.

[4]JCh habe dich verkleret auff Erden, vnd volendet das werck, das du mir gegeben hast, das ich thun solt. [5]Vnd nu verklere mich du Vater, bey dir selbs, mit der klarheit, die ich bey dir hatte, ehe die Welt war. [6]Jch habe deinen Namen offenbaret den Menschen, die du mir von der welt gegeben hast. Sie waren dein, vnd du hast sie mir gegeben, vnd sie haben dein Wort behalten. [7]Nu wissen sie, das, alles was du mir gegeben hast, sey von dir. [8]Denn die wort die du mir gegeben hast, hab ich jnen gegeben, vnd sie habens angenomen, vnd erkand warhafftig, Das ich von dir ausgegangen bin, vnd gleuben, das du mich gesand hast.

[9]JCh bitte fur sie, vnd bitte a nicht fur die Welt, sondern fur die du mir gegeben hast, denn sie sind dein. [10]Vnd alles was mein ist, das ist dein, vnd was dein ist, das ist mein, vnd ich bin in jnen verkleret. [11]Vnd ich bin nicht mehr in der welt, Sie aber sind in der welt, vnd ich kome zu dir. Heiliger Vater, erhalt sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, das sie eines seien, gleich wie wir. [12]Die weil ich bey jnen war in der welt, erhielt ich sie in


deinem Namen. Die du mir gegeben hast, die habe ich bewaret, vnd ist keiner von jnen verloren, On das verlorne Kind, das die Schrifft erfuellet wuerde.

[13]NV aber kome ich zu dir, vnd rede solches in der welt, Auff das sie in jnen haben meine Freude volkomen. [14]Jch hab jnen gegeben dein wort, vnd die welt hasset sie, Denn sie sind nicht von der welt, wie denn auch ich nicht von der welt bin. [15]Jch bitte nicht, das du sie von der welt nemest, sondern das du sie bewarest fur dem vbel. [16]Sie sind nicht von der welt, gleich wie ich auch nicht von der welt bin. [17]Heilige sie in deiner Warheit. Dein wort ist die Warheit. [18]Gleich wie du mich gesand hast in die welt, so sende ich sie auch in die welt. [19]Jch heilige mich selbs fur sie, auff das auch sie geheiliget seien in der Warheit.

[20]Jch bitte aber nicht alleine fur sie, sondern auch fur die, so durch jr wort an mich gleuben werden, [21]Auff das sie alle eines seien, gleich wie du Vater in mir, vnd ich in dir, das auch sie in vns eines seien, Auff das die welt gleube, du habest mich gesand. [22]Vnd ich hab jnen gegeben die Herrligkeit, die du mir gegeben hast, das sie eines seien, gleich wie wir eines sind. [23]Jch in jnen, vnd du in mir, auff das sie volkomen seien, in eines, vnd die Welt erkenne, das du mich gesand hast, vnd liebest sie, gleich wie du mich liebest.

[24]VAter, ich wil, das, wo ich bin, auch die bey mir seien, die du mir gegeben hast, das sie meine Herrligkeit sehen, die du mir gegeben hast, Denn du hast mich geliebet, ehe denn die welt gegruendet ward. [25]Gerechter Vater, die welt kennet dich nicht, Jch aber kenne dich, vnd diese erkennen, das du mich gesand hast. [26]Vnd ich habe jnen deinen Namen kund gethan, vnd wil jnen kund thun, auff das die Liebe, da mit du mich liebest, sey in jnen, vnd ich in jnen.


XVIII.[Bearbeiten]

I. Garte. Da Jhesus solches geredt hatte, gieng er hinaus mit seinen Juengern vber den bach Kidron, da war ein Garte, dar ein gieng Jhesus vnd seine juenger. [2]Judas aber der jn verrhiet, wuste den ort auch, denn Jhesus versamlet sich offte daselbs mit seinen Juengern. [3]Da nu Judas zu sich hatte genomen die Schar, vnd der Hohenpriester vnd Phariseer diener, kompt er da hin, mit fackeln, lampen, vnd mit waffen.

[4]Als nu Jhesus wuste, alles was jm begegnen solte, gieng er hinaus, vnd sprach zu jnen, wen suchet jr? [5]Sie antworten jm, Jhesum von Nazareth.


Jhesus spricht zu jnen, Jch bins. Judas aber der jn verrhiet, stund auch bey jnen. [6]Als nu Jhesus zu jnen sprach, Jch bins, wichen sie zu ruecke, vnd fielen zu boden. [7]Da fraget er sie abermal, Wen suchet jr? Sie aber sprachen, Jhesum von Nazareth. [8]Jhesus antwortet, ich habs euch gesagt, das ichs sey, Suchet jr denn mich, so lasset diese gehen. [9]Auff das das wort erfuellet wuerde, welches er saget, Jch habe der keinen verloren, die du mir gegeben hast.

[10]Da hatte Simon Petrus ein Schwert, vnd zoch es aus, vnd schlug nach des Hohenpriesters knechte, vnd hieb jm sein rechte Ohr ab. Vnd der knecht hies Malchus. [11]Da sprach Jhesus zu Petro, stecke dein schwert in die scheide. Sol ich den Kelch nicht trincken, den mir mein Vater gegeben hat?

II. Jhesus gefurt zu Hannas etc. [12]Dje Schar aber vnd der Oberheubtman, vnd die diener der Jueden namen Jhesum, vnd bunden jn, [13]vnd fuereten jn auffs erste zu Hannas, der war Caiphas schweher, welcher des jars Hoherpriester war. [14]Es war aber Caiphas, der den Jueden riet, Es were gut, das ein Mensch wuerde vmbbracht fur das Volck.a

[15]Sjmon Petrus aber folgete Jhesu nach, vnd ein ander Juenger. Derselbige Juenger war dem Hohenpriester bekand, vnd gieng mit Jhesu hin ein in des Hohenpriesters pallast. [16]Petrus aber stund draussen fur der thuer. Da gieng der ander Juenger, der dem Hohenpriester bekand war, hin aus, vnd redet mit der Thurhueterin, vnd fueret Petrum hinein. [17]Da sprach die magd die Thurhueterin zu Petro, Bistu nicht auch dieses menschen Juenger einer? Er sprach, Jch bins nicht. [18]Es stunden aber die Knechte vnd Diener, vnd hatten ein kolfewr gemacht, denn es war kalt, vnd wermeten sich. Petrus aber stund bey jnen, vnd wermet sich.

[19]Aber der Hohepriester fraget Jhesum vmb seine Juenger vnd vmb seine Lere. [20]Jhesus antwortet jm, Jch habe frey offentlich geredt fur der welt. Jch habe alle zeit geleret in der Schule vnd in dem Tempel, da alle Jueden zusamen komen, vnd habe nichts im verborgen geredt. [21]Was fragstu mich darumb? Frage die darumb, die gehoeret haben, was ich zu jnen geredt habe, Sihe, dieselbigen wissen was ich gesagt habe. [22]Als er aber solches redet, gab der Diener einer, die da bey stunden, Jhesu einen backen streich, vnd sprach, Soltu dem Hohenpriester also antworten? [23]Jhesus antwortet, Hab ich vbel geredt, so beweise es, das boese sey, Habe ich aber recht geredt, was schlechstu [A] mich? [24]Vnd Hannas sandte jn gebunden zu dem hohenpriester Caiphas.


[25]SJmon Petrus aber stund vnd wermet sich. Da sprachen sie zu jm Bistu nicht seiner Juenger einer? Er verleugnet aber, vnd sprach, ich bins nicht. [26]Spricht des Hohenpriesters Knecht einer, ein gefreundter des, dem Petrus das ohr abgehawen hatte, Sahe ich dich nicht im Garten bey jm? [27]Da verleugnet Petrus abermal, vnd also balde krehet der Han.

III. Jhesus fur das Richthaus gefurt etc. [28]Da fuereten sie Jhesum von Caipha fur das Richthaus. Vnd es war fruee, vnd sie giengen nicht in das Richthaus, auff das sie nicht vnrein wuerden, sondern Ostern essen moechten. [29]Da gieng Pilatus zu jnen heraus, vnd sprach, Was bringet jr fur Klage wider diesen Menschen? [30]Sie antworten, vnd sprachen zu jm, Were dieser nicht ein Vbeltheter, wir hetten dir jn nicht vberantwortet. [31]Da sprach Pilatus zu jnen, So nemet jr jn hin, vnd richtet jn nach ewrem Gesetz. Da sprachen die Jueden zu jm, wir thueren niemand toedten, [32]Auff das erfuellet wuerde das wort Jhesu, welchs er saget, da er deutet, welchs Tods er sterben wuerde.

[33]DA gieng Pilatus wider hin ein ins Richthaus, vnd rieff Jhesu, vnd sprach zu jm, Bistu der Jueden Koenig? [34]Jhesus antwortet, Redestu das von dir selbs, oder habens dir andere von mir gesagt? [35]Pilatus antwortet, Bin ich ein Juede? Dein Volck vnd die Hohenpriester, haben dich mir vberantwortet, Was hastu gethan? [36]Jhesus antwortet, Mein Reich ist nicht von dieser welt, Were mein Reich von dieser welt, meine Diener wuerden drob kempffen, das ich den Jueden nicht vberantwortet wuerde. Aber nu ist mein Reich nicht von dannen. [37]Da sprach Pilatus zu jm, so bistu dennoch ein Koenig? Jhesus antwortet, Du sagsts, ich bin ein Koenig. Jch bin dazu geboren, vnd in die Welt komen, das ich die warheit zeugen sol. Wer aus der warheit ist, der hoeret meine stimme. [38]Spricht Pilatus zu jm, was ist warheit.

Vnd da er das gesaget, gieng er wider hinaus zu den Jueden, vnd spricht zu jnen, Jch finde keine schuld an jm. [39]Jr habt aber eine gewonheit, das ich euch einen auff Ostern los gebe, Wolt jr nu, das ich euch der Jueden Koenig los gebe? [40]Da schrien sie wider alle sampt, vnd sprachen, Nicht diesen, sondern Barrabam. Barrabas aber war ein Moerder.


XIX.[Bearbeiten]

Da nam Pilatus Jhesum vnd geisselt jn. [2]Vnd die Kriegsknechte flochten eine Krone von doernen, vnd setzten sie auff sein Heubt, vnd legten jm ein Purpur Kleid an, [3]vnd sprachen, Sey gegruesset lieber jueden Koenig. Vnd gaben jm Backenstreiche. [4]Da gieng Pilatus wider heraus,


vnd sprach zu jnen, Sehet, ich fuere jn her aus zu euch, das jr erkennet, das ich keine schuld an jm finde. [5]Also gieng Jhesus heraus, vnd trug eine doernen Krone vnd Purpurkleid. Vnd er spricht zu jnen, Sehet, welch ein Mensch. [6]Da jn die Hohenpriester vnd die Diener sahen, schrien sie, vnd sprachen, Creutzige, creutzige. Pilatus spricht zu jnen, Nempt jr jn hin vnd creutziget, Denn ich finde keine schuld an jm. [7]Die Jueden antworten jm, Wir haben ein Gesetze, vnd nach dem gesetze sol er sterben, Denn er hat sich selbs zu Gottes son gemacht.

[8]DA Pilatus das wort hoeret, furcht er sich noch mehr, [9]Vnd gieng wider hin ein in das Richthaus, vnd spricht zu Jhesu, Von wannen bistu? Aber Jhesus gab jm kein antwort. [10]Da sprach Pilatus zu jm, Redestu nicht mit mir? Weisstu nicht, das ich macht hab dich zu creutzigen, vnd macht habe dich los zu geben? [11]Jhesus antwortet, Du hettest keine macht vber mich, wenn sie dir nicht were von oben erab gegeben. Darumb, der mich dir vberantwortet hat, der hats groesser suende. [12]Von dem an trachtet Pilatus, wie er jn los liesse. Die Jueden aber schrien, vnd sprachen, Lesstu diesen los, so bistu des Keisers freund nicht, Denn wer sich zum Koenige machet, der ist wider den Keiser.

[13]Da Pilatus das wort hoeret, fueret er Jhesum heraus, vnd satzte sich auff den Richtstuel, an der stete, die da heisst Hochpflaster, auff Ebreisch aber Gabbatha. [14]Es war aber der ruestag in Ostern, vmb die sechste stunde, Vnd er spricht zu den Jueden, Sehet, das ist ewer Koenig. [15]Sie schrien aber, weg, weg mit dem, Creutzige jn. Spricht Pilatus zu jnen, Sol ich ewern Koenig creutzigen? Die Hohenpriester antworten, Wir haben keinen Koenig, denn den Keiser. [16]Da vberantwortet er jnen, das er gecreutziget wuerde.

IIII. Jhesus gecreutziget. Sje namen aber Jhesum, vnd fuereten jn hin. [17]Vnd er trug sein Creutz vnd gieng hin aus zur stete die da heisset Scheddelstet, welche heisst auff Ebreisch Golgatha, [18]Alda creutzigeten sie jn, Vnd mit jm zween ander, zu beiden seiten, Jhesum aber mitten inne.

[19]Pilatus aber schreib eine Vberschrifft, vnd setzte sie auff das Creutze, vnd war geschrieben, Jhesus von Nazareth der Jueden Koenig. [20]Diese vberschrifft lasen viel Jueden, denn die stete war nahe bey der Stad, da Jhesus gecreutzigt ist. Vnd es war geschrieben auff Ebreisch, Griechisch, vnd Latinische sprache. [21]Da sprachen die Hohenprister der Jueden zu Pilato, Schreib nicht der Jueden Koenig, sondern das er gesaget habe, Jch bin der Jueden Koenig. [22]Pilatus antwortet, was ich geschrieben hab, das hab ich geschrieben.

[23]Dje Kriegsknechte aber, da sie Jhesum gecreutziget hatten, namen sie seine Kleider, vnd machten vier teil, einem jglichen Krigsknechte ein teil,


dazu auch den Rock. Der rock aber war vngenehet, von oben an gewircket, durch vnd durch. [24]Da sprachen sie vnternander, lasset vns den nicht zuteilen, sondern darumb lossen, wes er sein sol. Auff das erfuellet wuerde die Schrifft, die da saget. Sie haben meine Kleider vnter sich geteilet, vnd haben vber meinen Rock das los geworffen. Solchs theten die Kriegsknechte.

[25]Es stund aber bey dem creutze Jhesu seine Mutter, vnd seiner mutter schwester, Maria Cleophas weib, vnd Maria Magdalene. [26]Da nu Jhesus seine Mutter sahe, vnd den Juenger dabey stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner mutter, Weib, sihe, das ist dein Son. [27]Darnach spricht er zu dem Juenger, sihe, das ist deine Mutter. Vnd von der stund an, nam sie der Juenger zu sich.

[28]Darnach als Jhesus wuste, das schon alles volnbracht war, das die Schrifft erfuellet wuerde, spricht er, Mich duerstet. [29]Da stund ein gefesse vol Essiges. Sie aber fuelleten einen schwam mit essig, vnd legeten jn vmb einen Jsopen, vnd hielten es jm dar zum munde. [30]Da nu Jhesus den Essig genomen hatte, sprach er, Es ist volnbracht. Vnd neiget das Heubt vnd verschied.

[31]Dje Jueden aber, dieweil es der Ruestag war, das nicht die Leichnam am creutze blieben den Sabbath vber (denn desselbigen Sabbaths tag war gros) baten sie Pilatum, das jre Gebeine gebrochen vnd sie abgenomen wuerden. [32]Da kamen die Kriegsknechte vnd brachen dem Ersten die beine, vnd dem Andern, der mit jm gecreuziget war.

[33]ALs sie aber zu Jhesu kamen, da sie sahen, das er schon gestorben war, brachen sie jm die Beine nicht, [34]Sondern der Krigsknechte einer oeffenet seine Seite mit einem spehr, Vnd als bald gieng Blut vnd Wasser her aus. [35]Vnd der das gesehen hat, der hat es bezeuget, vnd sein Zeugnis ist war. Vnd derselbige weis, das er die warheit saget, Auff das auch jr gleubet. [36]Denn solchs ist geschehen, das die schrifft erfuellet wuerde, Jr solt jm kein Bein zubrechen. [37]Vnd aber mal spricht ein ander schrifft, Sie werden sehen, in welchen sie gestochen haben.

V. Jhesus begraben. [38]Darnach bat Pilatum Joseph von Arimathia, der ein juenger Jhesu war, doch heimlich, aus furcht fur den Jueden, das er moechte abnemen den leichnam Jhesu. Vnd Pilatus erleubet es. [39]Es kam aber auch Nicodemus, der vormals bey der nacht zu Jhesu komen war, vnd brachte Myrrhen vnd Aloen vnternander, bey hundert pfunden. [40]Da namen sie den leichnam Jhesu, vnd bunden jn in leinen Tuecher mit specereien, wie die Jueden pflegen zu begraben


[41]Es war aber an der Stete, da er gecreutziget ward, ein Garte, vnd im garten ein new Grab, in welches niemand je gelegt war. [42]Daselbs hin legten sie Jhesum, vmb des ruestages willen der Jueden, die weil das grab nahe war.


XX.[Bearbeiten]

An der Sabbather einem, kompt Maria Magdalena fruee, da es noch finster war, zum Grabe, vnd sihet, das der stein vom grabe hin weg war. [2]Da leufft sie, vnd kompt zu Simon Petro vnd zu dem andern Juenger, welchen Jhesus lieb hatte, vnd spricht zu jnen, Sie haben den HErrn weggenomen aus dem grabe, vnd wir wissen nicht, wo sie jn hin gelegt haben.

[3]Da gieng Petrus vnd der ander Juenger hin aus, vnd kamen zum grabe. [4]Es lieffen aber die zween mit einander, vnd der ander Juenger lieff zuuor, schneller denn Petrus, vnd kam am ersten zum grabe, [5]Kucket hinein, vnd sihet die Leinen geleget, Er gieng aber nicht hinein. [6]Da kam Simon Petrus, jm nach, vnd gieng hinein in das grab, vnd sihet die Leinen geleget, [7]vnd das Schweistuch, das Jhesu vmb das heubt gebunden war, nicht bey die Leinen geleget, sondern beseits eingewickelt an einen sondern ort. [8]Da gieng auch der ander Juenger hinein, der am ersten zum grabe kam, vnd sahe, vnd gleubets. [9]Denn sie wusten die schrifft noch nicht, das er von den Todten aufferstehen mueste. [10]Da giengen die Juenger wider zusamen.

[11]Maria aber stund fur dem grabe, vnd weinet draussen. Als sie nu weinet, kucket sie in das grab, [12]vnd sihet zween Engel in weissen Kleidern sitzen, einen zun heubten, vnd den andern zun fuessen, da sie den Leichnam Jhesu hingelegt hatten. [13]Vnd dieselbigen sprachen zu jr, Weib, was weinestu? Sie spricht zu jnen, Sie haben meinen HErrn weggenomen, vnd ich weis nicht, wo sie jn hin gelegt haben.

[14]Vnd als sie das saget, wandte sie sich zu rucke, vnd sihet Jhesum stehen, vnd weis nicht das es Jhesus ist. [15]Spricht Jhesus zu jr, Weib, was weinestu? wen suchestu? Sie meinet es sey der Gartner, vnd spricht zu jm, Herr, hastu jn weggetragen? so sage mir, wo hastu jn hin geleget? so wil ich jn holen. [16]Spricht Jhesus zu jr, Maria. Da wandte sie sich vmb, vnd spricht zu jm, Rabuni, das heisset Meister. [17]Spricht Jhesus zu jr, ruere mich nicht an, denn ich bin noch nicht a auffgefaren zu meinem Vater. Gehe aber hin zu meinen Bruedern, vnd sage jnen, Jch fare auff zu meinem Vater, vnd zu ewerm Vater, Zu meinem Gott, vnd zu ewerm Gott. [18]Maria Magdalena kompt vnd verkuendiget den Juengern, ich hab den HErrn gesehen, vnd solchs hat er zu mir gesagt.


[19]Am abend aber desselbigen Sabbaths, da die Juenger versamlet vnd die thuer verschlossen waren, aus furcht fur den Jueden, kam Jhesus, vnd trat mitten ein, vnd spricht zu jnen, Friede sey mit euch. [20]Vnd als er das saget, zeiget er jnen die Hende, vnd seine Seite. Da wurden die Juenger fro, das sie den HErrn sahen. [21]Da sprach Jhesus abermal zu jnen. Friede sey mit euch. Gleich wie mich der Vater gesand hat, so sende ich euch. [22]Vnd da er das saget, blies er sie an, vnd spricht zu jnen, Nemet hin den heiligen Geist, [23]welchen jr die suende erlasset, den sind sie erlassen, Vnd welchen jr sie behaltet, den sind sie behalten.

[24]Thomas aber der zwelffen einer, der da heisset zwilling war nicht bey jnen, da Jhesus kam. [25]Da sagten die andern Juenger zu jm, Wir haben den HErrn gesehen Er aber sprach zu jnen, Es sey denn, das ich in seinen Henden sehe die Negelmal, vnd lege meinen finger in die Negelmal, vnd lege meine hand in seine Seiten, wil ichs nicht gleuben.

[26]Vnd vber acht tage, waren abermal seine Juenger drinnen, vnd Thomas mit jnen. Kompt Jhesus, da die thuer verschlossen waren, vnd tritt mitten ein, vnd spricht, Friede sey mit euch. [27]Darnach spricht er zu Thoma, reiche deinen Finger her, vnd sihe meine Hende, vnd reiche deine hand her, vnd lege sie in meine Seiten, vnd sey nicht vngleubig, sondern gleubig. [28]Thomas antwortet, vnd sprach zu jm, Mein HErr vnd mein Gott. [29]Spricht Jhesus zu jm, Dieweil du mich gesehen hast Thoma, so gleubestu, Selig sind, die nicht sehen, vnd doch gleuben.

[30]AVch viel andere Zeichen thet Jhesus fur seinen Juengern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. [31]Diese aber sind geschrieben, das jr gleubet, Jhesus sey Christ, der son Gottes, Vnd das jr durch den glauben das Leben habet, in seinem Namen.


XXI.[Bearbeiten]

Darnach offenbaret sich Jhesus abermal an dem meer bey Tyberias. Er offenbaret sich aber also. [2]Es war bey einander Simon Petrus vnd Thomas, der da heisset Zwilling, vnd Nathanael von Cana Galilea, vnd die soene Zebedei, vnd andere zween seiner Juenger. [3]Spricht Simon Petrus zu jnen, Jch wil hin fischen gehen. Sie sprachen zu jm, so wollen wir mit dir gehen. Sie giengen hin aus, vnd tratten in das Schiff also bald, Vnd in derselbigen nacht fiengen sie nichts.


[4]Da es aber jtzt morgen war, stund Jhesus am vfer, Aber die Juenger wusten nicht, das es Jhesus war. [5]Spricht Jhesus zu jnen, Kinder habt jr nichts zu essen? Sie antworten jm, Nein. [6]Er sprach aber zu jnen, Werffet das netze zur rechten des schiffs, so werdet jr finden. Da wurffen sie, vnd kundens nicht mehr ziehen, fur der menge der Fische. [7]Da spricht der Juenger, welchen Jhesus lieb hatte, zu Petro, Es ist der HErr. Da Simon Petrus hoeret, das der HErr war, guertet er das hembd vmb sich, denn er war nacket, vnd warff sich ins meer. [8]Die andern Juenger aber kamen auff dem schiffe, denn sie waren nicht ferne vom lande, sondern bey zwey hundert ellen, vnd zogen das netze mit den Fischen.

[9]ALs sie nu austratten auff das land, sahen sie kolen geleget, vnd Fisch drauff, vnd brot. [10]Spricht Jhesus zu jnen, Bringet her von den Fischen, die jr jtzt gefangen habt. [11]Simon Petrus steig hin ein, vnd zoch das netze auff das land vol grosser Fische, hundert vnd drey vnd funffzig. Vnd wiewol jr so viel waren, zureis doch das netze nicht. [12]Spricht Jhesus zu jnen, Kompt, vnd haltet das mal. Niemand aber vnter den Juengern thurste jn fragen, wer bistu? Denn sie wusten das der HErr war. [13]Da kompt Jhesus vnd nimpt das Brot, vnd gibts jnen, desselbigen gleichen auch Fisch. [14]Das ist nu das dritte mal, das Jhesus offenbaret ist seinen Juengern, nach dem er von den todten aufferstanden ist.

[15]Da sie nu das mal gehalten hatten, spricht Jhesus zu Simon Petro, Simon Johanna, hastu mich lieber, denn mich diese haben? Er spricht zu jm, ja HErr, du weisest, das ich dich lieb habe. Spricht er zu jm, weide meine Lemmer. [16]Spricht er aber zum andern mal zu jm, Simon Johanna, hastu mich lieb? Er spricht zu jm, ja HErr, du weissest, das ich dich lieb habe. Spricht er zu jm, weide meine schafe. [17]Spricht er zum dritten mal zu jm, Simon Johanna, hastu mich lieb? Petrus ward trawrig, das er zum dritten mal zu jm saget, hastu mich lieb, vnd sprach zu jm, HErr, du weisst alle ding, du weissest, das ich dich lieb habe. Spricht Jhesus zu jm, weide meine Schafe.

[18]Warlich warlich ich sage dir, Da du juenger warest, gurtestu dich selbs vnd wandelst wo du hin woltest. Wenn du aber alt wirst, wirstu deine hende ausstrecken, vnd ein ander wird dich guerten, vnd fueren, wo du nicht hin wilt. [19]Das saget er aber zu deuten, mit welchem tode er Gott preisen wuerde.

Da er aber das gesaget, spricht er zu jm, Folge mir nach. [20]Petrus aber wandte sich vmb, vnd sahe den Juenger folgen, welchen Jhesus lieb hatte, der auch an seiner Brust am abendessen gelegen war, vnd gesaget hatte, HErr, wer ists, der dich verrhet? [21]Da Petrus diesen sahe, spricht er zu Jhesu,


HErr, was sol aber dieser? [22]Jhesus spricht zu jm, so ich wil das er bleibe, bis ich kome, was gehet es dich an? Folge du mir nach. [23]Da gieng eine rede aus vnter den bruedern, Dieser Juenger stirbt nicht. Vnd Jhesus sprach nicht zu jm, er stirbet nicht, Sondern, so ich wil, das er bleibe, bis ich kome, was gehet es dich an? [24]Dis ist der Juenger, der von diesen dingen zeuget, vnd hat dis geschrieben, vnd wir wissen, das sein Zeugnis warhafftig ist.

[25]ES sind auch viel ander ding, die Jhesus gethan hat, welche, so sie solten eins nach dem andern geschrieben werden, achte ich, die Welt wuerde die Buecher nicht begreiffen, die zu beschreiben weren.

Siehe auch[Bearbeiten]

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