Mängel im Eisenbahnverkehr

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Titel: Mängel im Eisenbahnverkehr
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aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 567
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1882
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[567] Mängel im Eisenbahnverkehr. Es ist bekannt, daß unsere Eisenbahnverwaltungen unablässig bemüht sind, Verbesserungen im Personenverkehr und in der Einrichtung der Personenwagen einzuführen, sodaß wohl behauptet werden darf, das man, den localen Verhältnissen entsprechend, nirgends wohlfeiler, sicherer und bequemer reist als in Deutschland; denn daß man bei uns ganze Restaurationen und Lesecabinets wie bei den Zügen, die den amerikanischen Continent durchfahren, mitführe, wird Niemand verlangen, der unsere Verhältnisse richtig würdigt. Offene Fragen sind bei diesen Verbesserungseinrichtungen allerdings noch immer vorhanden, und dahin rechnen wir unter Anderem immer noch die über das beste Heiz- und Beleuchtungssystem. Die Sorge darüber können wir unseren Eisenbahnverwaltungen überlassen in der sicheren Hoffnung, daß auch darin bald erhebliche Fortschritte werden gemacht werden; dagegen möchten wir an dieser Stelle den Eisenbahnverwaltungen einige unschwer zu erfüllende Wünsche des Publicums an’s Herz legen, welche zwar nicht ganz neu, aber doch noch nicht genug berücksichtigt worden sind.

Zunächst: die Form der Sitzbänke! Es ist bekannt genug, daß, wenn der menschliche Körper ruhen will, weniger die Schulterblätter als das untere Ende des Rückgrats eine Unterstützung verlangt; die meisten Sitzbänke namentlich der dritten Classe haben aber eine fast gerade oder nur wenig geneigte Rückwand, während mit geringen Mehrkosten eine zweckmäßig nach unten und vorn kräftig ausgebauchte Wand, wie wir sie z. B. bei den oldenburgischen Wagen finden, herzustellen wäre. Selbst die Polsterbänke der ersten und zweiten Classe entsprechen meist auch nicht den erforderlichen Rücksichten. Wie kreuzlahm fühlt man sich nach einer langen Reise im gefüllten Coupe, in dem man verurtheilt war, lange Zeit dieselbe Stellung einzunehmen!

Ferner: die Fenster! In Betreff derselben möchten wir den Wunsch aussprechen, daß, wenn sie geschlossen sind, sie auch wirklich dicht schließen und man nicht beim Vorwärtsfahren einem unerträglich feinen Zuge ausgesetzt ist, der namentlich an stürmischen Wintertagen nicht besonders starken Naturen erhebliche Gesundheitsschädigungen bringen kann. Werden Gardinen angebracht – was doch für alle Classen zu fordern ist – so sollten dieselben ihren Zweck auch dadurch erfüllen, daß sie den lästigen Sonnenstrahlen den Eingang vollkommen wehren. Viele Verwaltungen haben zwar schon große sich überdeckende Gardinen angebracht, meist sind aber die Oesen zur Befestigung an den vorhandenen Knöpfen abgegriffen; oft genug findet man aber auch statt der Gardinen nur kleine Stückchen Zeug, die kaum eine Glasscheibe decken und bei geöffnetem Fenster ein Spielzeug des Windes sind. Alle Versuche, die Dingerchen mit Stecknadeln unter Zuhülfenahme von Taschentüchern zu befestigen, sind vergeblich: man muß sich den Tanz des flackernden Sonnenlichtes vor deinem Gesicht gefallen lassen und ohne Murren gegen das Schicksal die Augen schlichen.

Endlich: ein großer Fehler war die im Jahre 1873 von einigen Eisenbahnverwaltungen eingeführte Beschränkung der Retourbillets; es würde für die Eisenbahnen ein durchaus nicht zu unterschätzender Vortheil und für das reisende Publicum eine mit großer Freude begrüßte Annehmlichkeit sein, wenn wieder auf allen deutschen Bahnen eine mindestens dreitägige Gültigkeitsdauer der Retourbillets unter Benutzung der Schnellzüge eingeführt würde. Man wende nicht ein, daß dadurch dem Mißbrauch und Betruge Thür und Thor geöffnet werde! Es ist Sache der Eisenbahnverwaltungen, sich dagegen durch geeignete Maßnahmen zu schützen. Der Personenverkehr ist thatsächlich durch Beschränkung der Retourbillets herabgedrückt worden: denn erstens kann, sich in Folge dessen der leichtfüßige Retourverkehr nur auf ein geringeres Gebiet erstrecken, und dann erscheint Vielen für Zwecke des Vergnügens oder Geschäfts die gebotene Zeit zu kurz; man schränkt daher seine Reisen auf das äußerste Minimum ein und wählt lieber den schriftlichen Weg zur Erledigung seiner Angelegenheiten. Täuschen wir uns darüber nicht: wenige Mark Unterschied im Fahrpreise sind oft entscheidend, ob Jemand eine Reise in die Umgegend unternimmt oder nicht.

Wir wollen für heule unsern Wunschzettel, den gewiß Viele gern unterschreiben werden, schließen und hoffen, daß derselbe maßgebenden Kreisen zu Gesicht kommen und dort geneigtes Gehör finden werde.