MKL1888:Albert (Nachname)

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Meyers Konversations-Lexikon
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Originalseite(n)
290, 291

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Empfohlene Zitierweise
Albert (Nachname). In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 1, S. 290. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Albert_(Nachname)&oldid=- (Version vom 18.07.2016)

Albert, 1) (Alberti) Heinrich, Liederdichter und Komponist, geb. 28. Juni 1604 zu Lobenstein im Vogtland, studierte in Leipzig die Rechte, dann Musik unter seinem Oheim Schütz in Dresden, ging 1626 nach Königsberg i. Pr., wo er 1631 Organist an der Domkirche wurde, und starb dort 6. Okt. 1651 (nicht 1668). Seine Gedichte, die er alle selbst in Musik gesetzt hat, sind zum größten Teil Kirchenlieder, von denen manche (z. B. „Gott des Himmels und der Erden“, „Zum Sterben ich bereitet bin“, „Einen guten Kampf hab’ ich“) noch jetzt im Gebrauch sind; seine wenig zahlreichen weltlichen Lieder zeichnen sich durch Innigkeit und Anmut aus. Dieselben erschienen (mit einigen seiner Freunde Dach und Roberthin) gesammelt in seinem berühmten „Poetisch-musikalischen Lustwäldlein“ (1642–48 u. öfter), eine Auswahl, mit den Musikbeilagen, in den „Neudrucken deutscher Litteraturwerke“ (hrsg. von Eitner, Halle 1883–84). Dem Einfluß des Musikers A. war vor allem die lyrische Frische und volkstümliche Leichtigkeit der Gedichte der Königsberger Poetengruppe des 17. Jahrh. zuzuschreiben.

2) Alexandre Martin, genannt A., franz. Sozialist, geb. 27. April 1815 zu Bury (Oise) als Sohn eines Bauern, war Mechaniker und arbeitete in Paris, wo er 1840 auch ein populäres Blatt, „L’Atelier“, gründete. An der Februarrevolution 1848 nahm er eifrigen Anteil und ward infolge seiner Bekanntschaft mit Louis Blanc als Vertreter des Arbeiterstands zum Mitglied der provisorischen Regierung ernannt, wurde mit diesem 4. März Präsident der Kommission für Errichtung von Nationalwerkstätten und im April in die Nationalversammlung gewählt. Wegen seiner Teilnahme am Attentat vom 15. Mai an demselben Tag mit Barbès auf dem Stadthaus verhaftet, wurde er zu längerer Gefangenschaft verurteilt und geriet in Vergessenheit. Während der Belagerung von Paris 1870 war er Mitglied der Barrikadenkommission und, nachdem er bei den Wahlen vom 8. Febr. 1871 durchgefallen war, bei dem Aufstand der Pariser Kommune beteiligt, ohne aber eine irgendwie hervorragende Rolle zu spielen.

3) Joseph, Photograph, geb. 5. März 1825 zu München, besuchte die polytechnische Schule, dann die Akademie daselbst, gründete 1850 ein photographisches Atelier in Augsburg, aus welchem treffliche Arbeiten besonders im Porträtfach hervorgingen, und siedelte 1858 nach München über. Er wandte die Photographie zuerst zu Vervielfältigung von Handzeichnungen und Kupferstichen an. Seine Hauptwerke sind die Goetheschen Frauengestalten nach Zeichnungen von Kaulbach, die Reformatoren und die Zerstörung [291] Jerusalems nach demselben, Schwinds Märchen von den sieben Raben, Rethels Hannibalzug u. a. Auch lieferte er photographische Nachbildungen von Werken der Münchener Pinakothek. Über die nach ihm benannte „Albertotypie“ vgl. Photographie.

4) Eugen d’, Pianist, geb. 10. April 1864 zu Glasgow als Sohn eines französischen Musikers und einer deutschen Mutter, erhielt den ersten Musikunterricht von seinem Vater, sodann vorübergehend von Ernst Pauer in London. Im J. 1880 „entdeckte“ ihn Hans Richter, nahm ihn als seinen Schüler mit nach Wien und schickte ihn bereits 1881 zu Liszt. Noch in demselben Jahr begann A. seine pianistische Ruhmeslaufbahn; er spielte mit sensationellen Erfolgen in Wien, Weimar, Berlin, wo ihn die Kritik einhellig als Tausig redivivus bezeichnete, Leipzig etc. Ein Klavierkonzert und eine fünfsätzige Suite eigner Komposition, welche er in seinen Konzerten zu Gehör brachte, erwecken auch Hoffnungen für den Komponisten d’A.


Ergänzungen und Nachträge
Band 17 (1890), Seite 19
korrigiert

[19] Albert, 3) Joseph, Photograph, starb 5. Mai 1886 in München.

* 5) Eduard, Chirurg, geboren im Januar 1841 zu Senftenberg in Böhmen, studierte zu Wien, promovierte 1867, wurde 1873 Professor der Chirurgie in Innsbruck, 1881 in Wien. Er arbeitete besonders über Diagnostik, Mechanik der Gelenke und operative Chirurgie und schrieb: „Beiträge zur Geschichte der Chirurgie“ (Wien 1878); „Lehrbuch der Chirurgie“ (3. Aufl., das. 1884–85, 4 Bde.); „Diagnostik der chirurgischen Krankheiten“ (4. Aufl., das. 1887); „Beiträge zur operativen Chirurgie“ (das. 1878–80, 2 Hefte).


Jahres-Supplement 1890–1891
Band 18 (1891), Seite 12
korrigiert

[12] Albert (spr. -bä́r), Paul, franz. Litterarhistoriker, geb. 14. Dez. 1827, besuchte das Lycée Louis le Grand und die Normalschule zu Paris, bekleidete dann Stellen an der Fakultät der Wissenschaften zu Poitiers und an der Normalschule zu Paris und wurde 1878 Professor der französischen Litteratur als Loménies Nachfolger am Collège de France. Er starb 21. Juni 1880. A. schrieb: „Saint Jean Chrysostome considéré comme orateur populaire“ (1858); „La Poésie“, Vorlesungen (1869, 8. Aufl. 1887), mit dem Gegenstück „La Prose“ (1870); „Histoire de la littérature romaine“ (1871, 2 Bde.); „La littérature française“ (1872–82, 5 Bde., wiederholt aufgelegt); „Poètes et poésies“ (1881); „Variétés morales et littéraires“ (1881). A. war auch fleißiger Mitarbeiter am „Temps“.