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MKL1888:Arātos

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Arātos“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Arātos“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 1 (1885), Seite 743
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Arātos. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 1, Seite 743. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Ar%C4%81tos (Version vom 02.07.2025)

[743] Arātos, 1) A. aus Sikyon, Strateg des Achäischen Bundes (s. d.), geboren um 272 v. Chr. zu Sikyon, ward nach der Ermordung seines Vaters Kleinias durch den Tyrannen Abantidas, der auch ihm nach dem Leben trachtete, vom siebenten Jahr an in Argos erzogen. 20 Jahre alt, vereinigte er sich mit andern Flüchtlingen aus Sikyon, um seine Vaterstadt von dem Tyrannen Nikokles zu befreien. Der Plan gelang: A. erstieg mit seiner Schar die Mauern und befreite ohne Blutvergießen die Stadt, die er, um ihrer Freiheit einen Halt zu geben, dem Bunde der Achäer zuführte (251). In geschickter Weise ordnete er die innern Verhältnisse seiner Vaterstadt, und als er 245 zum Strategen des Bundes erwählt wurde, begann die Blütezeit desselben. Als A. später im Kampf gegen Spartaner und Ätolier unglücklich war, trug er, um die Herrschaft im Peloponnes nicht den Spartanern zu überlassen, kein Bedenken, 223 den Antigonos Doson zur Hilfe gegen die Spartaner herbeizurufen und so den Bund unter makedonische Herrschaft zu bringen. A. starb 213 an Gift, welches ihm Philipp III. von Makedonien hatte beibringen lassen. Die Achäer feierten sein Andenken gleich dem eines Heros. Auch in der Litteraturgeschichte machte sich A. einen Namen als Verfasser von (verlornen) „Denkwürdigkeiten“, die in mehr als 30 Büchern die Geschichte seiner Zeit und seines Lebens enthielten, von Polybios wegen ihrer Klarheit und Wahrheitsliebe sehr gerühmt werden und die Hauptquelle der Plutarchischen Biographien des A., Agis u. Kleomenes bildeten.

2) A. aus Soloi in Kilikien, Arzt und gefeierter Dichter, um 270 v. Chr., aus edlem Geschlecht, Zeitgenosse des Kallimachos und Theokrit, lebte meist am Hof des Antigonos Gonatas von Makedonien, auf dessen Veranlassung er sein astronomisches Gedicht „Phaenomena et prognostica“, über Sternerscheinungen und Wetterzeichen, ohne eigne Kenntnis zu besitzen, nach den Werken des Eudoxos und Theophrastos abfaßte. Obwohl der Originalität und des poetischen Schwunges entbehrend, fand das in einfachem, erhabenem Ton gehaltene und in bündiger, klarer Sprache und korrekten Versen geschriebene Gedicht im Altertum bei Dichtern wie Kallimachos und selbst bei Fachkennern wie Hipparch die größte Anerkennung. Auch die Römer lasen und übersetzten es mit Vorliebe, so Cicero, Cäsar Germanicus und Avienus. Von den zahlreichen griechischen Kommentaren besitzen wir noch die des Hipparch (s. d.), die Einleitung des Achilleus Tatios und zwei Erklärungsschriften unbekannter Verfasser. Neuere Ausgaben besitzen wir von J. H. Voß (Heidelb. 1824, mit Übersetzung), Buttmann (Berl. 1826), Bekker (das. 1828) und von Köchly (in den „Poetae bucolici et didactici“, Bd. 2, Par. 1851).