MKL1888:Bauer (Personenname)

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Meyers Konversations-Lexikon
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Bauer (Personenname). In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 2, S. 465. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Bauer_(Personenname)&oldid=- (Version vom 14.10.2014)

Bauer, 1) Anton, deutscher Kriminalist, geb. 16. Aug. 1772 zu Marburg, studierte daselbst, wirkte hier seit 1793 als Privatdozent und ward 1797 Professor und Beisitzer des Spruchkollegiums. 1812 in gleicher Eigenschaft nach Göttingen versetzt, wurde er vielfach mit legislativen Arbeiten beschäftigt. Er starb 1. Juni 1843. Unter dem Titel: „Grundsätze des Kriminalprozesses“ (Marburg 1805) schrieb er das [466] erste selbständige Lehrbuch dieser Wissenschaft, welches er später durchaus umgearbeitet als „Lehrbuch des Strafprozesses“ (Götting. 1835; 2. Ausg. von Morstadt, das. 1848) erscheinen ließ. Die Philosophie des Strafrechts behandelte er bereits in seinem „Lehrbuch des Naturrechts“ (Marb. 1808; 3. Ausg., Götting. 1825), sodann in den „Grundlinien des philosophischen Kriminalrechts“ (das. 1825) ausführlicher. Ein Anhänger der Feuerbachschen Abschreckungstheorie, stellte er demnächst eine eigne, die sogen. Warnungstheorie, auf und zwar in dem „Lehrbuch des Strafrechts“ (Götting. 1827, 2. Ausg. 1833) sowie in einer besondern Schrift: „Die Warnungstheorie, nebst einer Darstellung und Beurteilung aller Strafrechtstheorien“ (das. 1830). Außerdem veröffentlichte er: „Lehrbuch des Napoleonischen Zivilrechts“ (Marb. 1809, 2. Aufl. 1812); „Beiträge zur Charakteristik und Kritik des Code Napoléon“ (das. 1810); „Strafrechtsfälle“ (Götting. 1835–39, 4 Bde.); „Anleitung zur Kriminalpraxis“ (das. 1837); „Beiträge zum deutschen Privatfürstenrecht“ (das. 1839); „Abhandlungen aus dem Strafrecht und dem Strafprozeß“ (das. 1840–43, 3 Bde.); endlich einige Schriften über die Entwürfe des hannöverschen Strafgesetzbuches und der Strafprozeßordnung, an deren Abfassung und Redaktion er beteiligt war. Auch gab er mit Anmerkungen heraus die 8. Auflage von G. L. Böhmers „Principia juris feudalis“ (Götting. 1819).

2) Andreas Friedrich, Mechaniker, geb. 18. Aug. 1783 zu Stuttgart, studierte, nachdem er daselbst seinen Beruf und auch als Optiker gelernt, in Tübingen während einiger Semester Mathematik, erwarb den Grad eines Magisters und begab sich sodann zu weiterer Ausbildung Anfang dieses Jahrhunderts nach England, wo er 1807 oder 1808 zu Friedrich König (s. d.), dem Erfinder der Schnellpresse, in ein näheres freundschaftliches und geschäftliches Verhältnis trat. Nach Königs eignen Worten würde es diesem kaum gelungen sein, seine Erfindung derart zu vollenden, wie es geschehen, hätte er nicht Bauers kenntnisreichen Rat und dessen thätige Hilfe zur Seite gehabt. Als König 1817 nach Deutschland zurückkehrte, folgte ihm B. im Jahr danach auf die von König gekaufte ehemalige Prämonstratenserabtei Oberzell bei Würzburg, in deren Baulichkeiten sie eine Fabrik für Buchdruckschnellpressen unter der Firma König u. Bauer anlegten, ein Unternehmen, dessen Bestand und Gelingen sie mit unendlichen Mühen sicherten, das sich aber noch bei Lebzeiten Bauers (König war 1833 gestorben) zu hoher Blüte entwickelte. B. leitete das Etablissement nach dem Tod seines Freundes, von dessen Witwe unterstützt, und war stets bestrebt, die Schnellpressen immer mehr zu vervollkommnen, so daß er schon 1847 eine vierfache Schnellpresse konstruierte mit einer Leistungsfähigkeit von bis zu 6000 Drucken pro Stunde. Auch die Anwendung der sogen. Kreisbewegung für den Betrieb des Fundaments der Schnellpresse ist sein Werk; die erste nach diesem System gebaute kam 1840, bei Gelegenheit des 400jährigen Jubiläums der Buchdruckerkunst, nach Leipzig. B. starb 27. Febr. 1860.

3) Karoline, berühmte Schauspielerin, geb. 29. März 1807 zu Heidelberg, siedelte nach dem Tod ihres Vaters, der als Rittmeister bei Aspern fiel, 1814 nach Karlsruhe über, wo sie im Dezember 1822 die Bühne des dortigen Hoftheaters als Margarete in den „Hagestolzen“ von Iffland mit großem Erfolg betrat. Anmut, Natürlichkeit und eigentümliche Begabung machten sie rasch zum gefeierten Liebling des Publikums. 1824 wurde sie an das Königsstädtische Theater nach Berlin berufen und ein halbes Jahr danach an der dortigen Hofbühne angestellt. 1829 verließ sie die Bühne, um sich, zur Gräfin Montgomery erhoben, mit dem Prinzen Leopold von Koburg zu vermählen, von dem sie wieder geschieden wurde, als er die belgische Königskrone annahm. Zur Bühne zurückkehrend, folgte sie 1831 einem Ruf nach St. Petersburg und gastierte 1834 mit außerordentlichem Erfolg in Wien, Pest, Leipzig, Hamburg, Berlin, Lübeck etc., später in Dresden, an dessen Hoftheater sie bis 1844 mit andauerndem Beifall wirkte. Ihre Preziosa, Donna Diana, Julia in „Romeo und Julia“, Maria Stuart, Prinzessin in „Tasso“ und viele andre sowohl tragische als vorzugsweise muntere Rollen lieferten den Beweis eines wahrhaft ausgezeichneten Talents. Seit 1844 mit dem polnischen Emigranten Grafen Ladislaus von Broel-Plater vermählt, starb sie 18. Okt. 1878 auf Villa Broelberg bei Zürich. Durch eine Reihe sehr interessanter Erinnerungen: „Aus meinem Bühnenleben“ (2. Aufl., Berl. 1876, 2 Bde.) und „Komödiantenfahrten“ (das. 1875), deren Herausgabe A. Wellmer besorgte, rief sie sich vorteilhaft auch ins Gedächtnis unsrer Zeit zurück. Dagegen erregten ihre von Wellmer nach ihrem Tod unter dem Titel: „Aus dem Leben einer Verstorbenen“ (Berl. 1878–80, 4 Bde.) veröffentlichten Briefe u. nachgelassenen Memoiren („Verschollene Herzensgeschichten“) viel Ärgernis und hatten einen langwierigen Prozeß des Herausgebers mit dem Grafen Plater zur Folge.

4) Bruno, der verwegenste biblische Kritiker der Neuzeit, geb. 9. Sept. 1809 zu Eisenberg im Herzogtum Sachsen-Altenburg, besuchte die Berliner Universität und habilitierte sich an derselben 1834 als Lizentiat der Theologie; 1839 veröffentlichte er, nachdem er als Privatdozent an die Universität Bonn versetzt war, seine „Kritik der evangelischen Geschichte des Johannes“ (Brem. 1840) und die „Kritik der evangelischen Geschichte der Synoptiker“ (Leipz. 1841–1842, 3 Bde.; 2. Aufl. 1846). Nachdem ihm 1842 die Erlaubnis, theologische Vorlesungen zu halten, entzogen war, schrieb er in Berlin zu seiner Verteidigung: „Die gute Sache der Freiheit und meine eigne Angelegenheit“ (Zürich 1843), begründete darauf eine „Allgemeine Litteraturzeitung“ (Charlottenb. 1843 bis 1844) und lieferte mehrere kritische und historische Werke über das 18. und 19. Jahrh. In weitern theologischen Schriften: „Kritik der Evangelien“ (Berl. 1850–52, 4 Bde.), „Kritik der paulinischen Briefe“ (das. 1850–52, 3 Bde.) und „Die Apostelgeschichte“ (das. 1850), setzte er seine negative Kritik fort. Zugleich entwickelte er bis zu seinem am 13. April 1882 in Rixdorf bei Berlin erfolgten Tod eine eifrige journalistische und lexikographische Thätigkeit und veröffentlichte noch: „Philo, Strauß, Renan und das Urchristentum“ (Berl. 1874); „Christus und die Cäsaren. Der Ursprung des Christentums aus dem römischen Griechentum“ (das. 1877); „Einfluß des englischen Quäkertums auf die deutsche Kultur und auf das englisch-russische Projekt einer Weltkirche“ (das. 1878); „Zur Orientierung über die Bismarcksche Ära“ (Chemn. 1880); „Disraelis romantischer und Bismarcks sozialistischer Imperialismus“ (das. 1881). Der Tübinger Schule, deren Resultate B. namentlich durch die Preisgebung sämtlicher Paulusbriefe überbot, hat er von jeher fremd gegenübergestanden. Im Gegensatz zu Strauß, dem Verfasser des „Lebens Jesu“, aber verlegt B. die Genesis des Christentums rein und allein in das mit stoischer und alexandrinischer Philosophie gesättigte Bewußtsein der römischen Kaiserzeit und macht namentlich Seneca dafür verantwortlich.

[467] 5) Edgar, philosoph. Schriftsteller, geb. 1820 zu Charlottenburg, Bruder des vorigen, dessen hyperkritischen Standpunkt er teilte, studierte seit 1838 Theologie, dann Rechtswissenschaft in Berlin, hat ein unstetes, häufig durch Preßprozesse und Festungshaft unterbrochenes Wander- und Schriftstellerleben geführt, von dessen zum Teil längst vergessenen Produkten hier genannt sein mögen: „Der Streit der Kritik mit der Kirche und dem Staat“ (Bern 1843); „Denkwürdigkeiten zur Geschichte der neuern Zeit“ (1843 bis 1844, 12 Hefte; mit Bruno B.); „Die Geschichte der konstitutionellen Bewegungen im südlichen Deutschland während der Jahre 1831–34“ (Charlottenb. 1845, 3 Bde.); „Die Kunst der Geschichtschreibung und Herrn Dahlmanns Geschichte der französischen Revolution“ (Magdeb. 1846); „Geschichte des Luthertums“ (unter dem Namen Martin von Geismar, Leipz. 1846–47); „Über die Ehe im Sinn des Luthertums“ (das. 1847) u. a. Nach den Bewegungen von 1848 und 1849, an denen er sich wenig beteiligte, lebte er abwechselnd in Altona, Flensburg, London und Hamburg, wo er die „Kirchlichen Blätter“ (1870) sowie die „Christlich-politische Vierteljahrsschrift“ begründete. Er schrieb noch: „Das Teutsche Reich in seiner geschichtlichen Gestalt“ (Altona 1872); „Die Wahrheit über die Internationale“ (das. 1873); „Englische Freiheit“ (Leipz. 1857); „Die Rechte des Herzogtums Holstein“ (Berl. 1863); „Die Deutschen und ihre Nachbarn“ (Hamb. 1870); „Artikel V, der deutsche Gedanke und die dänische Monarchie“ (Altona 1873); „Der Freimaurerbund und das Licht“ (Hannov. 1877) u. a.

6) Wilhelm, Erfinder, geb. 23. Dez. 1822 zu Dillingen in Schwaben, erlernte das Drechslerhandwerk, trat in ein Chevauleger-Regiment, wurd aber wegen der Erfindung eines Hebezeugs zum Transport von Kanonen zur Artillerie versetzt und marschierte 1848 nach Schleswig-Holstein. Hier faßte er den Gedanken einer unterseeischen Schiffahrt zum Küstenschutz, und die schleswig-holsteinische Armee gab eine Tageslöhnung zum Bau eines Brandtauchers her, welcher sich aber bei einer Probefahrt 1851 in einer Tiefe von 8,8 m als zu schwach gebaut erwies. Bessere Resultate gab ein Brandtaucher, mit welchem B. 1855 viele Probefahrten zwischen Kronstadt und Petersburg anstellte. Zum kaiserlichen Submarine-Ingenieur ernannt, erhielt B. den Auftrag, eine unterseeische Korvette zu bauen und ein untergegangenes Linienschiff zu heben. Dies veranlaßte ihn zur Konstruierung seiner Taucherkammer, der Hebeballons und Hebekamele. Im J. 1858 ging B. nach Lindau am Bodensee, wo er seine Apparate für Schiffshebung und Kabellegung weiter ausbildete und den 1861 im Bodensee gesunkenen Dampfer Ludwig bei einem zweiten Hebeversuch 21. Juli 1863 glücklich barg. Bei Ausbruch des schleswig-holsteinischen Kriegs trat B. in preußische Dienste, doch zerschlug sich das Verhältnis an seinem Verlangen, die ihm zum Bau unterseeischer Kriegsfahrzeuge nötig scheinenden neuen Erfindungen, wie selbstregistrierende Lote und Kompasse, rückstoßfreie Geschütze etc., zu erproben. B. ging nach Konstanz, agitierte für die Verbindung seiner Submarineapparate mit unterseeischen Kabeln, stellte, vom Nationalverein und vom König von Bayern unterstützt, gelungene Schießversuche im Starnberger See an und durchschoß in 11,3 m Tiefe eiserne Platten. Er lebte zuletzt als Pensionär Ludwigs II. in München und starb daselbst 18. Juni 1875.

7) Klara, unter dem Pseudonym Karl Detlef bekannte Romanschriftstellerin, geb. 23. Juni 1836 zu Swinemünde, wo ihr Vater, der nachmalige Abgeordnete zur preußischen Nationalversammlung, Hafen- und Schiffahrtsdirektor war, bildete sich nach dessen Tod zur Klavierlehrerin aus, ging nach Petersburg, wo sie im Haus des Herrn v. Bismarck verkehrte, von dort in das innere Rußland, kehrte 1866 nach Deutschland zurück und veröffentlichte ihre ersten Novellen: „Unlösliche Bande“ (3. Aufl., Stuttg. 1877) und „Bis in die Steppe“ (2. Aufl., das. 1871), die ihren Stoff der Eigentümlichkeit des russischen Lebens entlehnten. 1872 machte sie eine Reise nach Italien, kehrte von da aber brustkrank zurück und starb 29. Juni 1876 in Breslau. Von ihren Erzählungen sind noch anzuführen: „Ein Dokument“ (2. Aufl., Stuttg. 1878, 4 Bde.); „Schuld und Sühne“ (2. Aufl., das. 1874, 2 Bde.); „Nora“ (3. Aufl., das. 1876, 2 Bde.); „Zwischen Vater und Sohn“ (das. 1874, 2 Bde.); „Mußte es sein?“ (2. Aufl., das. 1872, 2 Bde.); „Die geheimnisvolle Sängerin“ (das. 1876); „Benedikta“ (Berl. 1876, 3 Bde.). Aus ihrem Nachlaß erschienen „Russische Idyllen“, Novellen (2. Aufl., Bresl. 1880). Sichere Charakterzeichnung und eine reine, phrasenfreie Diktion sind ihre Vorzüge.


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Bauer, 5) Edgar, philosoph. Schriftsteller, starb 18. Aug. 1886 in Hannover.

* 8) F., Freiherr von, österreich. Reichskriegsminister, geb. 1825 zu Lemberg, besuchte die Ingenieurakademie, ward Leutnant in einem Infanterieregiment, erwarb sich als Bataillonskommandeur 1859 in Italien das Militärverdienstkreuz, befehligte 1866 bei Custozza eine Infanteriebrigade mit großer Auszeichnung, ward 1879 Feldmarschallleutnant, später Kommandant des Stabsoffizierkurses und der Schützenschule im Brucker Lager, 1881 Feldzeugmeister und kommandierender General in Wien, 16. März 1888 an Stelle des Grafen Bylandt-Rheidt Reichskriegsminister.