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MKL1888:Bleipflaster

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Bleipflaster“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Bleipflaster“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 3 (1886), Seite 22
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Bleipflaster. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 3, Seite 22. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Bleipflaster (Version vom 04.10.2025)

[22] Bleipflaster (Bleiglättepflaster, Emplastrum lithargyri, plumbi, Diachylon simplex), pharmazeutisches Präparat, wird durch anhaltendes Kochen gleicher Teile Olivenöl, Schmalz und Bleiglätte (Bleioxyd) bei Gegenwart von wenig Wasser erhalten. Das Bleioxyd zersetzt die Fette in Glycerin und fette Säuren und verbindet sich mit diesen letztern. Der chemische Prozeß ist also derselbe wie bei der Seifenbildung, und das B. ist ein Gemisch von stearin-, palmitin- und oleinsaurem Blei. Gutes B. muß fest, aber nicht spröde sein und in der Hand weich, aber nicht schmierig werden. Mit der Zeit verändert sich das B., besonders das gestrichene, klebt nicht mehr, wird brüchig und ist dann völlig unbrauchbar. Am besten hält es sich an einem kühlen Ort in Wachspapier gewickelt. Zum Streichen kleiner Mengen erwärmt man ein breites Tischmesser mäßig über der Spirituslampe, drückt auf das auf die Leinwand gelegte Pflasterstück und verstreicht das abschmelzende; so fährt man fort, bis alles gleichmäßig dünn verteilt ist. Zum Streichen größerer Pflaster schmelzt man das B. im Wasserbad, legt die Leinwand auf einem glatten Tisch auf eine weiche Unterlage, gießt das Pflaster breit an das Ende der Leinwand, läßt dies Ende festhalten und breitet mit einem Lineal in Einem Zug das Pflaster auf der ganzen Leinwand aus. Dabei kommt alles auf den Druck an, den man mit dem Lineal ausübt. Sicherer arbeitet man mit einer Pflasterstreichmaschine, welche besonders zum Streichen des Heftpflasters benutzt wird. Durch verschiedene Zusätze erhält man aus B. mehrere sehr gebräuchliche Pflaster: Gummi-, Zug-, Diachylonpflaster (Empl. lithargyri, plumbi, Diachylon compositum), aus 24 B., 3 gelbem Wachs, 2 Ammoniacum, 2 Galbanum, 2 Terpentin, bräunlichgelb, klebend, etwas schmierig; Seifenpflaster (Empl. saponatum), aus 72 B., 12 gelbem Wachs, 6 Seifenpulver, 1 Kampfer, weißlich, wenig klebend; weißes Mutterpflaster (Empl. lithargyri molle), aus 3 B., 2 Schmalz, 1 Talg, 1 gelbem Wachs, gelblich; Empl. galbani crocatum, aus 24 B., 8 gelbem Wachs, 24 Galbanum, 6 Terpentin, 1 Krokuspulver, weich, gelblichbraun. Heftpflaster (Empl. adhaesivum) wird aus 18 roher Ölsäure und 10 Bleiglätte im Wasserbad bereitet und mit 3 Kolophonium und 1 Talg zusammengeschmolzen. Heftpflaster ist besonders gestrichen als Sparadrap im Handel. Bleiweißpflaster (Froschlaichpflaster, Empl. cerussae, Empl. album coctum) wird aus 10 Bleiglätte, 25 Olivenöl unter Zusatz von etwas Wasser und nach erfolgter Verseifung von 18 Bleiweiß bereitet, ist weiß, schwer, hart, sehr zäh. Schwarzes Mutterpflaster (Empl. fuscum) wird aus 32 Mennige und 64 Olivenöl ohne Wasser über freiem Feuer bereitet und erhält einen Zusatz von 16 gelbem Wachs. Mit 1 Proz. Kampfer vermischt, bildet es das Hamburger, Nürnberger, Universal-Defensivpflaster (Empl. fuscum camphoratum, Empl. minii adustum, Empl. nigrum, universale, noricum). Die B. finden ausgedehnte Anwendung als Verbandmittel (namentlich das Heftpflaster), wobei man zunächst ihre klebende Eigenschaft verwertet. Nächstdem kommt in Betracht, daß sie die Luft abhalten, und daß mithin auch die Wirkung der feuchten Wärme sich geltend macht. Alle B. wirken aber etwas reizend, und namentlich das Diachylonpflaster wird wegen dieser Eigenschaft auf Geschwüren benutzt, während das Seifenpflaster mehr erweichend wirkt.