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MKL1888:Rettich

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Rettich“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Rettich“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 13 (1889), Seite 750
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Rettich. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 13, Seite 750. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Rettich (Version vom 07.07.2025)

[750] Rettich (Raphanus L.), Gattung aus der Familie der Kruciferen, ein- oder zweijährige, aufrechte, verzweigte, kahle oder rauhhaarige Kräuter mit häufig fleischig angeschwollenen untern Stengelteilen, leierförmigen Grundblättern, end- und blattgegenständigen, deckblattlosen Blütentrauben mit weißen oder gelben, purpurn geäderten Blüten und verlängerter, stielrunder, ein- bis zweigliederiger Hülse. Sechs Arten, davon zwei in Deutschland. Der Gartenrettich (R. sativus L.), mit fiederspaltigen Blättern, bei welchen der Endlappen am größten ist, überall mit steifen Borstenhaaren besetzt, hellvioletten Blüten und gedunsenen, lederartigen, zugespitzten, walzenrunden, nicht aufspringenden Schoten mit runden, braunschwarzen Samen, stammt aus Asien und wird bei uns in mehreren Varietäten kultiviert. Der Ölrettich (R. sativus oleiferus), der Stammform am nächsten stehend, wird auch in China gebaut, verlangt einen milden, kalkhaltigen, altkräftigen Boden in warmer Lage und liefert bei uns als Sommerfrucht fast denselben Ertrag wie der Winterraps. Die Kultur erfordert mehr Umsicht als die des Rübsens, ist aber sicherer; das Öl, welches man aus den Samen gewinnt, ist nicht ganz so gut wie Rüböl, das Stroh härter als Rapsstroh, aber die Schoten sind viel nahrhafter. Der Rübenrettich (R. sativus rapiferus, R. niger), mit großer bis sehr großer, weißfleischiger, außen verschieden gefärbter, rüben- oder möhrenförmiger Knolle von scharfem Geschmack, wird in mehreren Varietäten in gartenartig zugerichtetem, etwas bindigem, aber kalk- und sandhaltigem Boden mit alter reicher Dungkraft gebaut. Man unterscheidet zweijährigen Winter- und einjährigen Sommerrettich, von denen ersterer sich den ganzen Winter hindurch hält, während letzterer schon um Weihnachten den Geschmack verliert. Die Knolle verdankt ihren scharfen Geschmack einem schwefelhaltigen ätherischen Öl. Mäßig genossen, befördert der R. die Verdauung; früher benutzte man ihn auch als Arzneimittel, und Rettichsaft mit Zucker dient noch jetzt als Volksheilmittel gegen Husten und Heiserkeit. Das Radieschen (Monatsrettich, R. sativus Radiola, R. radicula), mit kleiner, kugeliger oder rübenförmiger Knolle und purpurroter oder weißer Schale, ist einjährig und wird in mehreren Varietäten im Glashaus oder in Mistbeeten kultiviert. Rettich und Radieschen enthalten:

  Sommerrettich Ra­dieschen
schwarzer weißer
Eiweißartige Körper 1,688 2,524 1,449
Fett 0,075 0,118 0,105
Zucker 1,763 1,368 0,518
Sonstige stickstofffreie Substanzen 5,993 8,164 2,799
Cellulose 1,316 1,527 0,730
Asche 1,035 1,219 0,929
Wasser 88,130 85,080 93,470

Der Hederich (R. Raphanistrum L.), mit weißen, gelben, auch violett geäderten Blüten und zweigliederigen, in einsamige Stücke zerspringenden Schoten, findet sich als gemeines Unkraut auf Äckern und kann erfolgreich nur durch die Hederichjätemaschine bekämpft werden.

Rettich, Julie, geborne Gley, namhafte Schauspielerin, geb. 17. April 1809 zu Hamburg, debütierte 1825 auf dem Hoftheater zu Dresden und bildete sich unter Tiecks Leitung weiter aus. Ihr rasch sich entwickelndes Talent befähigte sie schon 1827 zu erfolgreichem Gastspiel am Wiener Burgtheater, für das sie 1830 gewonnen wurde, und an das sie auch nach abermaligem Engagement am Dresdener Hoftheater (1833 bis 1835) zurückkehrte, um es nicht mehr zu verlassen. Seit 1863 durch Krankheit gezwungen, der Bühne fern zu bleiben, starb sie 11. April 1866 in Wien. Eine ausgezeichnete Schauspielerin und Frau, spielte sie vorzugsweise tragische Rollen, die sie in einer ihrer hohen geistigen Bildung entsprechenden Weise auffaßte. Besonders gelangen ihr die Rollen in Stücken Halms, mit dem sie innig befreundet war. – Ein braver Schauspieler war auch ihr Gatte Karl R., geb. 3. Febr. 1805 zu Wien, der sie 1833 geheiratet hatte und mit ihr am Burgtheater wirkte. 1872 pensioniert, starb er 17. Nov. 1878 in Wien.