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MKL1888:Shawls

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Shawls“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Shawls“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 14 (1889), Seite 917–918
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Shawls. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 14, Seite 917–918. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Shawls (Version vom 06.04.2026)

[917] Shawls (spr. schahls), große quadratische oder länglich viereckige (Longshawls) Tücher, welche ursprünglich nur in Indien hergestellt und von dort in den europäischen Handel gebracht wurden. Noch gegenwärtig sind echte indische S. sehr beliebt, und besonders für den Pariser Markt werden kostbare Stücke auf Bestellung gearbeitet. Die feinsten S. kommen aus Kaschmir, wo man das Garn dazu aus dem feinen Unterhaar der Kaschmirziege und zwar immer nur in Längen gleich der Shawlbreite durch Spinnen mit der Handspindel erzeugt und auf das prächtigste färbt. Kett- und Schußgarn für den Grund bleiben weiß. Die Weberei ist broschierte Arbeit und daher das Muster auf beiden Seiten sichtbar, während die europäischen Nachahmungen (lancierte Arbeit) eine Rechts- und eine Linksseite haben und nur im Doppelshawlgewebe beidseitig sind. Die indischen Weber verfertigen stets zwei gleiche S. miteinander und zwar Mittelstücke, Eckstücke und Bordüren einzeln, so daß schließlich die Stücke zusammengenäht werden müssen. An manchen S. arbeiten mehrere Personen vier Jahre, und die Preise schwanken daher auch zwischen 1000 und 6000 Mk. Seit Anfang dieses Jahrhunderts ahmt man die indischen S. (gewöhnlich türkische genannt) in Europa nach, bezieht zu den feinsten (Paris, Lyon, Nîmes, Norwich, Paisley, Edinburg) echte Kaschmirwolle, produziert aber im übrigen aus verschiedenem Material sehr mannigfache [918] Ware und zwar bunt gewebte (auf dem Jacquardstuhl), bedruckte oder gestickte. Außer bei den Stücken aus reiner Kaschmirwolle (Pariser, Ternauxshawls) macht man den Grund aus gezwirnter Florettseide, den Mustereinschuß aus Kaschmir oder beide ganz aus feiner Wolle (Lyoner S.), oder der Grund besteht aus Florettseide und Baumwolle, der Figureneinschuß aus Wolle (Wiener, englische, schottische, Nîmeser, Elberfelder, Berliner S. etc.). Gestickte S. werden aus glatten Geweben hergestellt, in die man in Wolle oder Seide Muster, Bordüren, Eckstücke einstickt; auch bunt gewebte S. werden oft noch durch Stickerei verschönert.