MKL1888:Weber (Personenname)

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Meyers Konversations-Lexikon
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Weber (Personenname). In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 16, S. 453. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Weber_(Personenname)&oldid=- (Version vom 23.04.2016)

Weber.

Naturforscher, Mediziner:

1) Ernst Heinrich, berühmter Physiolog und Anatom, geb. 24. Juni 1795 zu Wittenberg als Sohn des bekannten Theologen Michael W. daselbst, studierte in Wittenberg u. Leipzig, wurde 1818 daselbst Professor der vergleichenden und 1821 der menschlichen Anatomie, 1840 auch der Physiologie und starb daselbst 26. Jan. 1878. W. hat sich um die menschliche, die vergleichende und die mikroskopische Anatomie sowie die Entwickelungsgeschichte der Tiere und die Physiologie, besonders deren physikalische Seite (Mechanik des Gehens, Druck-, Temperatur- und Ortssinn in der Haut des Menschen etc.), große Verdienste erworben. Seine Hauptarbeiten sind: „Anatomia comparata nervi sympathici“ (Leipz. 1817), „De aure et auditu hominis et animalium“ (das. 1820), „Tractatus de motu iridis“ (das. 1821), „Wellenlehre“ (das. 1825), das Ergebnis gemeinschaftlicher Beobachtungen mit seinen Brüdern Wilhelm und Eduard, „Zusätze zur Lehre vom Bau und von der Verrichtung der Geschlechtsorgane“ (das. 1846), „Die Lehre vom Tastsinn und Gemeingefühl“ (Braunschw. 1851) und „Annotationes anatomicae et physiologicae“ (Leipz. 1851). Rosenmüllers „Lehrbuch“ und Hildebrands „Handbuch der Anatomie“ erhielten durch seine Umarbeitungen einen höhern Wert. Vgl. Ludwig, E. H. W., Gedächtnisrede (Leipz. 1878).

2) Wilhelm Eduard, Physiker, geb. 24. Okt. 1804 zu Wittenberg, Bruder des vorigen, studierte in Halle Naturwissenschaft, habilitierte sich daselbst 1827, erhielt schon im nächsten Jahr eine außerordentliche Professur und ward 1831 Professor der Physik in Göttingen. Infolge seines Protestes gegen die Aufhebung der Verfassung 1837 seines Amtes entsetzt, lebte er als Privatmann in Göttingen und auf Reisen und folgte 1843 einem Ruf an die Universität Leipzig, kehrte aber 1849 in seine frühere Stellung nach Göttingen zurück. W. war noch Student, als er mit seinem Bruder Ernst Heinrich die klassischen Untersuchungen über „Die Wellenlehre“ (Leipz. 1825) herausgab. Webers weitere Arbeiten betrafen zunächst Probleme der Akustik und damit zusammenhängend solche der Elastizität fester Körper; hervorragend unter denselben ist seine „Theorie der Zungenpfeifen“. In Göttingen unternahm er mit Gauß Untersuchungen über den Erdmagnetismus und gab mit demselben die „Resultate aus den Beobachtungen des Magnetischen Vereins von 1836 bis 1841“ (Leipz. 1836–43, 6 Bde. mit 3 Atlanten) heraus. Dieselben enthalten eine große Zahl von Arbeiten Webers über Beobachtungsmethoden und neue Apparate, über Magnetismus, über Induktion durch den Erdmagnetismus und die unipolare Induktion. In den Beobachtungen für 1840 führte W. zum erstenmal das absolute elektromagnetische Strommaß ein und gab dessen Vergleichung mit dem gebräuchlichen chemischen Strommaß. Eine Frucht der gemeinsamen Arbeit von Gauß und W. war auch der erste schon 1833 ausgeführte und zur Korrespondenz zwischen der Sternwarte und dem physikalischen Laboratorium benutzte elektrische Telegraph. 1846 erschien dann die erste der großen Abhandlungen: „Elektrodynamische Maßbestimmungen“, in welcher er durch exakte Messungen das Fundamentalgesetz der Elektrodynamik prüfte, sein elektrisches Grundgesetz aufstellte und aus demselben die Gesetze der Induktion ableitete. In der zweiten Abhandlung mit dem Zusatz „insbesondere Widerstandsmessungen“ führte er das System der absoluten Maße der Stromstärke, der elektromotorischen Kraft durch und gab Methoden zur Messung des Widerstandes in absolutem Maß. Diese Weberschen absoluten Strommaße hat der Pariser Elektrikerkongreß 1881 auch für die elektrotechnische Praxis adoptiert. In der dritten Abhandlung entwickelte W. die Theorie des Magnetismus und Diamagnetismus, in der vierten, gemeinschaftlich mit R. Kohlrausch gearbeiteten, wurde die Vergleichung der absoluten elektromagnetischen und mechanischen Strommaße durchgeführt. Die fünfte (Leipz. 1864) beschäftigte sich mit dem Problem der elektrischen Schwingungen. In den 1871 und 1877 erschienenen Abhandlungen beteiligte sich W. an der von Helmholtz hervorgerufenen Diskussion über das Webersche elektrische Grundgesetz, indem er die Einwürfe, welche Helmholtz gegen dasselbe, speziell gegen die Unvereinbarkeit desselben mit dem Prinzip von der Erhaltung der Energie, erhob, widerlegte. Andre Arbeiten Webers betreffen die „Anwendung der magnetischen Induktion auf Messung der Inklination mit dem Magnetometer“ (Gött. 1853) und „Galvanometrie“ (das. 1862). Im Verein mit seinem jüngern Bruder, Eduard Friedrich (s. W. 3), gab er die wichtigen Untersuchungen über die „Mechanik der menschlichen Gehwerkzeuge“ heraus. 1887 wurde er zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt.

3) Eduard Friedrich, Physiolog, Bruder der vorigen, geb. 10. März 1806 zu Wittenberg, studierte in Leipzig und Halle, praktizierte dann in Halle als Assistenzarzt an der Klinik von Krukenberg, in Naumburg und Göttingen, wo er mit seinem Bruder Eduard die „Mechanik der menschlichen Gehwerkzeuge“ (Göttingen 1836) bearbeitete, und folgte 1835 einem Ruf als Prosektor nach Leipzig, wo er 18. Mai 1871 starb. Durch seine Abhandlung „Muskelbewegung“ in Wagners „Handwörterbuch der Physiologie“ eröffnete er in diesem Teil der Wissenschaft neue Bahnen.

4) Karl Otto, Mediziner, geb. 29. Dez. 1827 zu Frankfurt a. M., studierte in Bonn, habilitierte sich 1853 als Privatdozent der Chirurgie, wurde 1857 zum außerordentlichen Professor ernannt, erhielt 1862 die außerordentliche Professur der pathologischen Anatomie, folgte 1865 einem Ruf als Professor der Chirurgie nach Heidelberg und starb 11. Juni 1867. Bahnbrechend auf dem Gebiet der chirurgischen Pathologie, schrieb er: „Die Knochengeschwülste in anatomischer und praktischer Beziehung“ (Bonn 1856); „Chirurgische Erfahrungen und Untersuchungen“ (Berl. 1859); auch mehrere Beiträge zu Pitha und Billroths „Handbuch der allgemeinen und speziellen Chirurgie“.

Geschichtschreiber.

5) Karl von, verdienter Forscher auf dem Gebiet der sächsischen Geschichte, geb. 1. Jan. 1806 zu Dresden, Sohn des Kirchenrechtslehrers Karl Gottlieb von W., studierte die Rechte, ward schon 1839 Appellationsgerichtsrat, wurde 1843 zum Ministerialrat und Geheimen Referendar beim Gesamtministerium und 1849 zum Direktor des Hauptstaatsarchivs in Dresden ernannt und widmete seine Muße Forschungen auf dem Gebiet der sächsischen Geschichte, als deren Resultate erschienen: „Maria Antonia Walpurgis, Kurfürstin von Sachsen“ (Dresd. 1857, 2 Bde.); „Aus vier Jahrhunderten“ (Leipz. 1857, 2 Bde.; neue Folge 1861, 2 Bde.); „Moritz, Graf von Sachsen, Marschall von Frankreich“ (das. 1863); „Anna, Kurfürstin zu Sachsen“ (das. 1865); seit 1861 gab er das „Archiv für sächsische Geschichte“ heraus. Er starb 19. Juli 1879.

6) Georg, namhafter Geschichtschreiber, geb. 10. Febr. 1808 zu Bergzabern in der Pfalz, widmete sich dem Studium der Philologie und Geschichte, ward [454] Professor an der höhern Bürgerschule zu Heidelberg, war 1848–72 Direktor derselben und starb 10. Aug. 1888. Seine Hauptwerke sind: „Geschichtliche Darstellung des Calvinismus im Verhältnis zum Staat“ (Heidelb. 1836); „Geschichte der Kirchenreformation in Großbritannien“ (neue Ausg., Leipz. 1856, 2 Bde.); „Litterarhistorisches Lesebuch“ (das. 1851, 3 Tle.); „Lehrbuch der Weltgeschichte“ (20. Aufl., Heidelb. 1888, 2 Bde.); „Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung“ (20. Aufl., Leipz. 1889); „Allgemeine Weltgeschichte mit besonderer Berücksichtigung des Geistes- und Kulturlebens der Völker“ (das. 1857–80, 15 Bde.; 2. Aufl. 1882 ff.), ein treffliches Werk; „Geschichte der deutschen Litteratur“ (11. Aufl., das. 1880); „Geschichte des Volks Israel und der Entstehung des Christentums“ (mit Holtzmann, das. 1867, 2 Bde.); „Zur Geschichte des Reformationszeitalters“ (das. 1874); „Fr. Christ. Schlosser“ (das. 1876); „Mein Leben und Bildungsgang“ (das. 1883); „Heidelberger Erinnerungen“ (Stuttg. 1886); „Geschichtsbilder aus verschiedenen Ländern und Zeitaltern“ (Leipz. 1886); „Jugendeindrücke und Erlebnisse“ (das. 1887).

Philologen etc.

7) Wilhelm Ernst, Pädagog, geb. 14. Okt. 1780 zu Weimar, studierte in Leipzig Philologie, wurde 1817 Professor der alten Litteratur zu Chur in Graubünden, 1819 Oberlehrer am Gymnasium zu Wetzlar, 1823 Prorektor und Professor zu Frankfurt a. M. und 1829 Direktor der gelehrten Schule in Bremen, wo er 26. März 1850 starb. Von seinen Arbeiten sind hervorzuheben die Übersetzungen der „Elegischen Dichter der Hellenen in ihren Überresten“ (Frankf. a. M. 1826), der „Griechischen Anthologie“ (Stuttg. 1838), von Horaz’ Satiren (das. 1852); die Biographien des Kaisers Marcus Salvius Otho (Frankf. 1815) und des Horaz (Jena 1844); „Vorlesungen zur Ästhetik, vornehmlich in Bezug auf Goethe und Schiller“ (Hannov. 1831); „Ästhetik aus dem Gesichtspunkt gebildeter Freunde des Schönen“ (Brem. 1834–36, 2 Bde.); „Goethes Faust“ (Halle 1836); „Goethes Iphigenia und Schillers Tell“ (Brem. 1839); „Schule und Leben“, Vorträge und Abhandlungen (Halle 1837); „Revision des deutschen Schulwesens“ (Frankf. 1847); „Klassische Altertumskunde“ (Stuttg. 1848).

8) Albrecht, ausgezeichneter Sanskritist und Kenner des indischen Altertums, geb. 17. Febr. 1825 zu Breslau, Sohn des Professors der Nationalökonomie, Benedikt W. (gest. 1848 in Breslau), studierte 1842–45 in Breslau, Bonn und Berlin Sprachwissenschaften, namentlich Orientalia, machte 1846, mit einem Reisestipendium der Berliner Akademie versehen, eine wissenschaftliche Reise nach England und Paris, wo er zu Wilson und Mill, zu Burnouf, Reinaud, Mohl u. a. in Beziehungen trat, habilitierte sich 1848 an der Universität zu Berlin und wurde daselbst 1856 zum außerordentlichen, 1867 zum ordentlichen Professor der altindischen Sprache und Litteratur ernannt. Seit 1857 ist er auch Mitglied der Berliner Akademie. Viele wichtige und zum Teil sehr umfangreiche Sanskrittexte sind von W. zum erstenmal kritisch herausgegeben worden, namentlich der „Weiße Jadschurveda“ (Berl. u. Lond. 1849–59, 3 Bde.) und der „Schwarze Jadschurveda“ (Leipz. 1871–72, als 11. und 12. Bd. der „Indischen Studien“), „Tscharanawyuha, Übersicht über die Schulen der Wedas“ (Berl. 1855, im 3. Bd. der „Indischen Studien“) u. a. In seiner „Indischen Litteraturgeschichte“ (Berl. 1852, 2. vermehrte Aufl. 1876; auch ins Englische übersetzt) lieferte er ein höchst wertvolles, mit reichen Litteraturnachweisen ausgestattetes Handbuch. Sammlungen seiner kleinern Arbeiten, meist kritischen Inhalts, sind die „Indischen Skizzen“ (Berl. 1857) und die „Indischen Streifen“ (das. 1868–79, 3 Bde.); die letztern enthalten Rezensionen über fast alle bedeutenden Werke der drei letzten Dezennien aus dem Gebiet des Sanskrit und der indischen Altertumskunde. Seit 1850 gibt W. mit Unterstützung der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft die Zeitschrift „Indische Studien“ heraus (bis jetzt 17 Bde., Berl. 1850–84), die außer den oben erwähnten Ausgaben von Sanskrittexten von ihm Abhandlungen über „Die Kastenverhältnisse in den Brâhmana und Sûtra“, über das „Wedische Opferritual“, dessen bedeutendster Kenner W. ist, über die Upanischads, über das Mahâbhâshya u. a. enthält. Wichtige Beiträge zur Kenntnis des Prâkrit lieferte er in den Abhandlungen: „Über ein Fragment der Bhagavatî“ (Berl. 1866–67, in den Abhandlungen der königl. preuß. Akademie) und über das „Saptaçatakam des Hâla“ (Leipz. 1870; vollständige Ausg., das. 1881). Von seinen sonstigen in den Abhandlungen und Monatsberichten der Berliner Akademie erschienenen Abhandlungen sind namentlich die über die Nakshatras, die aus Babylon entlehnten Sternbilder des Mondes bei den Indern (1860–61) und über die Entstehung des epischen Gedichts „Râmâyana“ (Berl. 1870) hervorzuheben. Selbständige Werke Webers sind noch das „Verzeichnis der Berliner Sanskrithandschriften“ (Berl. 1853; Bd. 2, Abt. 1, 2, das. 1886 bis 1888); „Über das Catrunjaya des Mahâtmyam“ (Leipz. 1858) und die Übersetzung des Dramas „Mâlavikâ und Agriwitra“ (Berl. 1856). Zahlreiche lexikalische Beiträge, besonders aus dem Gebiet der ältesten Sanskritlitteratur, lieferte er zu dem großen Petersburger Sanskritwörterbuch.

Dichter und Schriftsteller.

9) Karl Julius, Schriftsteller, geb. 16. April 1767 zu Langenburg, studierte in Erlangen und Göttingen die Rechte, nahm dann eine Hofmeisterstelle in der französischen Schweiz an, wo er sich mit der französischen Litteratur und Philosophie vertraut machte, wurde 1792 Privatsekretär bei dem Grafen von Erbach-Schönberg, 1799 Rat der Regierungskanzlei zu König im Odenwald und trat 1802 als Hof- und Regierungsrat in Isenburgsche Dienste, um den Erbgrafen auf seinen Reisen zu begleiten. In Berlin aber entfloh dieser seinem Führer, worauf W. seinen Abschied nahm und zu Jagsthausen privatisierte. Von 1820 bis 1824 vertrat er das Oberamt Künzelsau in der württembergischen Ständeversammlung. Er starb 20. Juli 1832 in Kupferzell. Als Schriftsteller trat W. zuerst auf mit seiner „Möncherei“ (Stuttg. 1818–20, 3 Bde.), einer Geschichte des Mönchtums, die, obwohl als Geschichtswerk mit wesentlichen Mängeln behaftet, doch das Gepräge eines eigentümlichen Geistes trägt. Dasselbe gilt von seiner Arbeit „Das Ritterwesen“ (Stuttg. 1822–24, 3 Bde.). Seine gereiftesten und bekanntesten Werke (Stuttg. 1834–44, 30 Bde.) sind: „Deutschland, oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen“ (Stuttg. 1826–28, 3 Bde.; 3. Aufl., als „Reisehandbuch“ eingerichtet. 1843, 6 Bde.) und der unvollendete „Demokritos, oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen“ (das. 1832–1840, 12 Bde.; 8. Aufl. 1870 u. 1888).

10) Beda, historischer und asketischer Schriftsteller und Dichter, geb. 26. Okt. 1798 zu Lienz im Pusterthal, besuchte das Gymnasium zu Bozen, studierte zu Innsbruck und, nachdem er im Stift Marienberg im Vintschgau in den Benediktinerorden getreten, noch [455] in den Seminaren zu Brixen und Trient. Nach empfangener Priesterweihe ward er 1825 als Professor am Gymnasium zu Meran angestellt; 1848 für Meran in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt, stand er zur Gagernschen Partei. Im August 1849 ward er Domkapitular der Limburger Diözese und Pfarrer der katholischen Gemeinde zu Frankfurt, wo er 28. Febr. 1858 starb. Bedeutendes lyrisches Talent bekunden seine „Lieder aus Tirol“ (Stuttg. 1842). Sein Hauptwerk ist „Das Land Tirol“ (Innsbr. 1838, 3 Bde.), von welchem als „Handbuch für Reisende in Tirol“ (das. 1842, 2. Aufl. 1853) ein Auszug erschien; der tirolischen Geschichte gehören „Oswald von Wolkenstein und Friedrich mit der leeren Tasche“ (das. 1850) und „Andreas Hofer und das Jahr 1809“ (das. 1852) an. Noch sind das Trauerspiel „Spartacus“ (Wien 1846), „Johanna Maria vom Kreuze und ihre Zeit“ (Regensb. 1846, 3. Aufl. 1877), „Charakterbilder“ (Frankf. 1853) und „Kartons aus dem deutschen Kirchenleben“ (Mainz 1858) zu erwähnen. Auch gab er die „Gedichte Oswalds von Wolkenstein“ (Innsbr. 1847) heraus. Von seinen asketischen Schriften fanden namentlich die „Blüten heiliger Liebe und Andacht“ (Innsbr. 1845) Verbreitung. Vgl. Brühl, Beda W. (Regensb. 1858).

11) Friedrich Wilhelm, Dichter, geb. 26. Dez. 1813 zu Alshausen in Westfalen, studierte zu Greifswald und Breslau erst Philologie, dann Medizin, ließ sich, nachdem er längere Reisen in Deutschland, Frankreich und Italien gemacht hatte, 1841 in dem Kurort Driburg und 1856 als Brunnenarzt im Bad Lippspringe nieder. Seit 1867 privatisiert er zu Thienhausen bei Steinheim in Westfalen. Außer verschiedenen Übersetzungen (z. B. Tennysons „Enoch Arden“, „Maud“; „Schwedische Lieder“ mit Klavierbegleitung) veröffentlichte er das den Kampf des sächsischen Heidentums gegen das Christentum schildernde Epos „Dreizehnlinden“ (Paderb. 1878, 42. Aufl. 1889), eine Dichtung von vollendeter Form und ebenso vorzüglichem Inhalt, welche einen außerordentlichen Erfolg erlebte, sowie einen Band „Gedichte“ (das. 1881, 11. Aufl. 1888) und „Marienblumen“ (Köln 1885). W. huldigt in diesen Werken tief religiösen Anschauungen, ohne sich in Konfessionalismus zu verlieren, obwohl er vielfach von ultramontaner Seite als Parteidichter auf den Schild gehoben wird. Seit 1861 gehört W. als Mitglied des Zentrums dem preußischen Abgeordnetenhaus an. Vgl. Keiter, Friedr. Wilh. W. (Paderb. 1887).

12) Veit, Schriftsteller, s. Wächter 2).

Maler und Kupferstecher.

13) Friedrich, Kupferstecher, geb. 1813 zu Liestal bei Basel, erlernte seine Kunst seit 1835 bei Amsler in München und ließ sich dann in Paris nieder, wo er sich durch eignes Studium weiterbildete und zunächst mehrere Porträte stach, z. B. Lais Corinthiaca und Bonifacius Amerbach nach Holbein, Holbein nach dem Selbstporträt, die Kaiserin Eugenie nach Winterhalter, Napoleon mit seinem Sohn in seinem Kabinett nach Steuben, la bella Visconti nach Raffael, dann aber auch nach ältern Meistern historische und andre Bilder, z. B. die Vierge au linge nach Raffael im Louvre, die Madonna von Lugano nach Luini, die himmlische und irdische Liebe nach Tizian und die Italienerin am Brunnen nach de Keyser. Seine Stiche sind durch treffliche Modellierung, treue Wiedergabe des Gesichtsausdrucks und geschickte Behandlung der Stoffe ausgezeichnet. Er starb 17. Febr. 1882 in Basel.

14) August, Maler, geb. 10. Jan. 1817 zu Frankfurt a. M., wo er bei dem Maler Rosenkranz seine Studien als Landschaftsmaler begann, die er dann bei dem Hofmaler Schilbach in Darmstadt fortsetzte. Von 1836 bis 1838 war er Schüler des Städelschen Instituts in Frankfurt. Im Herbst 1838 zog er nach Düsseldorf, wo er noch ein Jahr die Akademie besuchte, später aber selbst viele Schüler bildete und 9. Sept. 1873 starb. Webers Landschaften gehören der stilistischen Richtung an, ihr Hauptreiz beruht in der Schönheit der Linien und Formen, einer möglichst abgerundeten Komposition und einer poetischen Stimmung der Farbe. Er hat eine große Zahl poetischer Bilder geschaffen, unter denen Mondschein- und Abendlandschaften den größten Beifall fanden. Auch in Zeichnungen und Aquarellen leistete er Vorzügliches. Ebenso hat er sich in der Lithographie mit Glück versucht. Er war königlicher Professor.

15) Theodor, Maler, geb. 11. Mai 1838 zu Leipzig, trat 15jährig in das Atelier des Marinemalers Krause in Berlin, siedelte 1856 nach Paris über, studierte dort bei Isabey, debütierte im Salon 1861 mit zwei Gemälden: Städteansicht und Schiffbruch, und blieb bis zum Krieg von 1870 in Paris, von wo er sich nach London begab. 1874 ließ er sich in Brüssel nieder, nahm aber 1883 seinen Wohnsitz wieder in Paris. Im Gegensatz zu dem skizzenhaften Realismus legt W. in seinen Marinen und Landschaften das Hauptgewicht auf solide Malweise und korrekte Zeichnung. Seine Hauptwerke sind: die Ebbe in Ostende, das belgische Postschiff zwischen Ostende und Dover, die Ausfahrt der Fischer in Ostende, die Ankunft des französischen Postdampfers zu Dover, im Hafen zu Vlissingen, Schiffbruch in der Bucht von Douarnenez, Ansicht aus Tréport, Schiffbruch bei Dieppe, das Schloß der heil. Elisabeth zu Jersey, die letzte Woge, die Ufer der Seine bei Bougival, die Felsen von Leide im Busen von Douarnenez, Krabbenfischer an den Küsten der Bretagne bei Roscoff, Heringsfischerei im Kanal, Schiffbruch der englischen Brigg Euphemia bei Tréport (im Museum zu Avignon), das Rettungsboot, die Küste von Blankenberghe und die Einfahrt in den Hafen von Blankenberghe.

Musiker.

16) Bernhard Anselm, Komponist, geb. 18. April 1766 zu Mannheim, erhielt seine Ausbildung dort durch den Abt Vogler, dirigierte 1787–90 das Großmannsche Theaterorchester zu Hannover und schloß sich dann wieder an Vogler an, den er auf dessen Reisen durch Deutschland, Holland und Skandinavien begleitete; um 1793 aber folgte er einem Ruf als Kapellmeister des Nationaltheaters nach Berlin, wo er 23. März 1821 starb. Seinen Kompositionen, die meist aus einzelnen Musikstücken zu Schauspielen, z. B. zu Schillers „Tell“, „Braut von Messina“ und „Jungfrau von Orléans“, zu Goethes „Epimenides“, sodann aus einigen Opern („Deodata“, „Hermann und Thusnelda“) bestehen, sind gefällige Melodik, formelle Klarheit und Abgerundetheit sowie wirksame Orchestration eigen; jedoch zeigen sie weder besondern Phantasieschwung noch große Originalität und waren bald nach dem Tod ihres Autors wieder vergessen. Am bekanntesten wurden seine Gesänge mit Klavierbegleitung und seine melodramatische Komposition von Schillers „Gang nach dem Eisenhammer“.

17) Gottfried, Musiktheoretiker, geb. 1. März 1779 zu Freinsheim in Rheinbayern, studierte zu Heidelberg und Göttingen die Rechte, ward 1804 Fiskal-Prokurator zu Mannheim, daneben Direktor der Kirchenmusik und des musikalischen Konservatoriums, 1814 Tribunalrichter in Mainz, 1818 Hofgerichtsrat [456] und Generaladvokat des Kassationshofs zu Darmstadt und 1832 Generalstaatsprokurator. Er starb 12. Sept. 1839 in Kreuznach. Obwohl er schon als Jüngling in der Komposition sowie im Klavier-, Flöten- und Violoncellspiel Hervorragendes leistete, widmete er sich doch später vorwiegend der Musiktheorie und hat sich durch seine Arbeiten auf diesem Gebiet: „Versuch einer geordneten Theorie der Tonsetzkunst“ (Mainz 1817; 3. Aufl., das. 1830–32, 2 Bde.), in der „Allgemeinen Musiklehre“ (3. Aufl., das. 1831) sowie in der 1824 von ihm begründeten Musikzeitung „Cäcilia“ einen geachteten Namen erworben. Unter seinen Kompositionen, welche sich durch Streben nach Einfachheit und ausdrucksvoller Deklamation auszeichnen, befinden sich drei Messen, ein Tedeum (1812), eine Missa funebris, den Manen der Sieger bei Leipzig von 1813 gewidmet, und eine große Zahl ein- und mehrstimmiger Gesänge.

18) Karl Maria Friedrich Ernest von, Komponist, wurde 18. Dez. 1786 zu Eutin in Holstein geboren, wo sein Vater Franz Anton von W. (der Oheim von Mozarts Gattin Konstanze) Musikdirektor war. Bald nach der Geburt Karl Marias legte dieser jedoch seine Stelle nieder, um als Schauspieldirektor die Welt zu durchziehen. 1798, während eines längern Aufenthalts in Salzburg, starb die Mutter des jungen W., die der zarte und kränkliche Knabe über alles geliebt, und nun übernahm eine Schwester des Vaters mit diesem seine Erziehung. Alle schon früher angestellten Bemühungen, den Knaben zu etwas Besonderm in der Kunst heranzubilden, waren erfolglos geblieben, bis er 1796 nach Hildburghausen kam und hier den geregelten Unterricht des Kammermusikus Heuschkel genoß, von welcher Zeit an sich sein Talent in so überraschender Weise entfaltete, daß sich 1797 der Vater entschloß, den Knaben der Leitung des damals hochberühmten Kontrapunktisten Michael Haydn in Salzburg zu übergeben. Da jedoch die Strenge dieses Unterrichts dem ungeduldig strebenden Schüler keineswegs zusagte, so wurde bald darauf der Aufenthalt in Salzburg aufgegeben und nach München übergesiedelt, wo W. vom Hoforganisten Kalcher in der Komposition und von Vallesi (Wallishauser) im Gesang Unterricht erhielt; gleichzeitig beschäftigte er sich auf das eifrigste mit der damals gerade von Senefelder erfundenen Lithographie, um womöglich seine Kompositionen selbst drucken zu können, und da er, früher schon im Zeichnen und Kupferstechen geübt, eine wesentliche Verbesserung dieses Verfahrens entdeckt zu haben glaubte, bestimmte er seinen Vater, mit ihm (1800) nach Freiberg in Sachsen überzusiedeln, wo das hierzu nötige Material bequemer zu beschaffen sein würde. Das Mechanische dieser Beschäftigung wurde ihm indessen bald zuwider; er wendete sich wieder mit allem Eifer der Tonkunst zu und komponierte die Oper „Das Waldmädchen“, welche zuerst 24. Nov. 1800 in Chemnitz, bald darauf in Freiberg zur Aufführung kam, W. aber in einen Federstreit mit der Kritik verwickelte, der ihm den Aufenthalt in Freiberg verleidete. 1801 ging die Familie, um mancherlei geschäftliche Angelegenheiten zu ordnen, wieder nach Salzburg, und hier schrieb W. unter Michael Haydns Augen seine zweite Oper: „Peter Schmoll und seine Nachbarn“. Das nächstfolgende Jahr füllte eine Kunstreise nach Norddeutschland aus. Zu Anfang 1803 begab sich W. nach Augsburg, wo sein „Peter Schmoll“ gegeben wurde, und im Juni nach Wien. Hier setzte er seine theoretischen Studien unter des Abts Vogler Anleitung mit Eifer fort, bis er im November 1804 einem Ruf als Theaterkapellmeister nach Breslau folgte. Bald nach seiner Ankunft begann er die Komposition der Oper „Rübezahl“, die aber unvollendet blieb, da ihm die Zeit zu eignen Arbeiten spärlich zugemessen war, er auch in seinem Beruf mit mancherlei Intrigen und Widerwärtigkeiten zu kämpfen hatte. So wurde von dieser Arbeit nichts weiter bekannt als die Ouvertüre, welche in einer später vorgenommenen Umarbeitung unter dem Titel: „Ouvertüre zum Beherrscher der Geister“ erschien. Im Mai 1806 verließ W. diesen Wirkungskreis wieder und ging im Herbst als Kapellmeister (mit dem Titel Musikintendant) nach Karlsruhe in Schlesien an den Hof des Prinzen Eugen von Württemberg. Doch auch hier sollte seines Bleibens nicht lange sein, denn der Prinz sah sich infolge der Kriegsereignisse genötigt, im Februar 1807 Theater und Kapelle aufzulösen. W., der sich inzwischen zu einem bedeutenden Klaviervirtuosen herangebildet hatte, versuchte es nun mit einer Kunstreise; da aber auch diese unter den obwaltenden Umständen wenig Ersprießliches bot, nahm er die vom Prinzen Ludwig, dem Bruder Eugens, ihm angetragene Stelle eines Hofsekretärs bereitwillig an. Mit diesem kam er nach Stuttgart und schrieb hier die Oper „Sylvana“ (eine Umarbeitung der Oper „Das Waldmädchen“), die Kantate „Der erste Ton“ und mehrere Klavier- und Orchesterstücke. In dieser Stellung verblieb W., bis er mit seinem Vater, der, wie es scheint, ohne sein Verschulden des Unterschleifs angeklagt war, im Februar 1810 des Landes verwiesen wurde. Er ging nun zunächst nach Mannheim, dann nach Darmstadt, wo er bei Vogler zum zweitenmal Unterricht nahm (in Gemeinschaft mit Meyerbeer und Gänsbacher), führte 16. Sept. 1810 in Frankfurt a. M. die „Sylvana“ und in Darmstadt sein jüngstes Werk, die Operette „Abu Hassan“, auf und unternahm hierauf (1811) eine neue Kunstreise, die ihn zuerst nach Norddeutschland, dann in die Schweiz führte. 1812 kam er wieder nach Deutschland. Ein längerer Aufenthalt in Berlin brachte ihn mit dem Fürsten Radziwill, mit Tiedge, Brentano und dem Zoologen Lichtenstein in engern Verkehr. Im Frühjahr d. J. traf ihn die Kunde von dem in Mannheim erfolgten Dahinscheiden seines Vaters. W. verließ nun Berlin und folgte zunächst einer Einladung des Herzogs von Gotha, ging sodann auf kürzere Zeit nach Weimar, wo er mit Goethe und Wieland persönlich bekannt wurde, trat im Neujahrskonzert 1813 in Leipzig als Komponist und Klavierspieler mit ungemeinem Erfolg auf und schloß für einige Zeit sein Wanderleben, indem er, nach nicht geringen innern Kämpfen, die Leitung der neuorganisierten Oper in Prag übernahm, in welcher Stellung er auch seine materiellen Verhältnisse vollständig regeln zu können hoffte. W. wirkte hier auf das ersprießlichste; in diese Zeit fällt die Komposition von Körners Freiheitsliedern „Leier und Schwert“, das erste Werk, wodurch W. seine Popularität anbahnte. Mißhelligkeiten veranlaßten ihn indessen, schon 1816 aus seinem Prager Wirkungkreis wieder auszuscheiden. Er machte hierauf abermals eine Kunstreise, und während seines Aufenthalts in Berlin kamen die Unterhandlungen zum Abschluß, wonach er zur Gründung einer Deutschen Oper nach Dresden berufen wurde. Am 18. Jan. 1817 trat er diese neue Stellung an und löste die hiermit verbundene, durch die Gegenpartei von der Italienischen Oper, an deren Spitze der Kapellmeister Morlacchi, Polledro und der Kirchenkompositeur Schubert standen, äußerst schwierig gemachte Aufgabe aufs glänzendste, ohne jedoch anfangs an der Stätte seines [457] Wirkens diejenige Würdigung zu finden, die ihm an allen andern Orten zu teil ward. Noch 14. Nov. d. J. verheiratete er sich mit der trefflichen Opernsoubrette Karoline Brandt, die er schon in Prag kennen gelernt hatte, und gründete so nach langem unsteten Wanderleben seinen häuslichen Herd. Gleichzeitig gelangte er auch in die glänzendste Periode seines künstlerischen Schaffens: 1818 wurde die „Jubelouvertüre“ zum erstenmal aufgeführt, 14. März 1821 ging „Preciosa“ und 18. Juni d. J. (in Berlin) der „Freischütz“ zum erstenmal in Szene. Diesen Meisterwerken folgten 25. Okt. 1823 die für Wien komponierte Oper „Euryanthe“ und 12. April 1826 zu London „Oberon“. Obwohl sich W., dessen Gesundheit infolge einer Lungentuberkulose schon seit mehreren Jahren zu schwinden begann, sehr leidend fühlte, reiste er dennoch zum Einstudieren des „Oberon“ nach London. Das dortige Klima wirkte jedoch so nachteilig auf ihn, und seine Kräfte nahmen mit so reißender Schnelligkeit ab, daß er schon 5. Juni d. J. starb. Die bereits 1821 begonnene zwölfte Oper des Meisters: „Die drei Pintos“, blieb unvollendet. Dieselbe kam in einer Bearbeitung von Webers Enkel, Karl v. W., mit Musik von Mahler, 1888 in Leipzig zur Aufführung, wo auch seine Jugendoper „Sylvana“ in neuer Musikbearbeitung von Langer (Text von E. Pasqué) 1885 zum erstenmal über die Bühne ging. Webers Leiche ruhte in der Moorfieldskapelle in London, bis sie 1844 nach Dresden gebracht und in der Familiengruft auf dem katholischen Friedhof beigesetzt wurde. 1860 wurde dem Meister auf dem Dresdener Theaterplatz auch ein Denkmal (von Rietschel) errichtet.

Was die Musik Webers vor allem kennzeichnet, ist ein volkstümlicher, echt deutscher Zug neben Adel der Empfindung, künstlerischem Takt sowie feinem Sinn für das dramatisch Wirksame und das Charakteristische. Von warmer Begeisterung für nationales Wesen erfüllt, wußte er die zu seiner Zeit in Blüte stehende, die gleiche Richtung verfolgende romantische Dichtung für seine musikalisch-dramatischen Zwecke mit solchem Geschick und zugleich mit solcher künstlerischer Gewissenhaftigkeit zu verwenden, daß er als der vornehmste Repräsentant der deutschen romantischen Oper gelten darf. Aber nicht nur auf dem Gebiet der dramatischen und der Orchestermusik, deren Ausdrucksfähigkeit er ihren neuen, durch die Romantik bedingten Aufgaben entsprechend gesteigert hat, sondern auch auf dem des Liedes und der Kammermusik, namentlich der Klavierkomposition, hat W. Werke von hoher Bedeutung geschaffen, unter letztern die drei Sonaten in A dur, C dur und D moll und das Konzertstück in F moll. Auch litterarisch ist W. vielfach thätig gewesen, so unter anderm in Dresden, wo er in den ersten Jahren seiner Wirksamkeit es niemals unterließ, die von ihm einstudierten neuen Werke durch einführende Zeitungsartikel vor der Aufführung dem Verständnis des Publikums näher zu bringen. Seine gesammelten Arbeiten dieser Art hat Theodor Hell (Dresd. 1828) herausgegeben. In neuester Zeit wurden sie wieder abgedruckt im 3. Bande der von Max Maria v. W. (s. Weber 19) verfaßten Biographie seines Vaters („K. M. v. W., ein Lebensbild“ Leipz. 1864–66, 3 Bde.). Sein oben genannter Enkel. Karl v. W. veröffentlichte „Reisebriefe von K. M. v. W. an seine Gattin Karoline“ (Leipz. 1886). Vgl. außerdem Jähns, K. M. v. W. in seinen Werken Chronologisch-thematisches Verzeichnis seiner sämtlichen Kompositionen (Berl. 1871); Derselbe, K. M. v. W., eine Lebensskizze (Leipz. 1873); Reißmann, K. M. v. W. (Berl. 1882).

Verschiedene.

19) Max Maria von, Eisenbahntechniker, Sohn des vorigen, geb. 25. April 1822 zu Dresden, bildete sich auf der polytechnischen Schule in Dresden und in den Werkstätten von Borsig in Berlin zum Ingenieur, arbeitete bei verschiedenen Eisenbahnen, bereiste Deutschland, Belgien, Frankreich und England, arbeitete unter Brunel und Stephenson, besuchte auch Nordafrika und den hohen Norden Europas und trat 1850 in den sächsischen Staatsdienst. Zuerst Direktor der Staatstelegraphen, wurde er 1852 technisches Mitglied der Staatseisenbahnverwaltung und später Finanzrat bei der Generaldirektion der Staatseisenbahnen. 1870 folgte er einem Ruf als vortragender Rat in das Handelsministerium zu Wien und übte bedeutenden Einfluß auf die Neugestaltung des österreichischen Eisenbahnwesens. Von 1875 an lebte er als Privatmann in Wien mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt, bis er 1878 einem Ruf ins preußische Handelsministerium folgte. Er starb 18. April 1881 in Berlin. W. verband mit technischer Tüchtigkeit auch hohe wissenschaftliche Ausbildung und administratives Talent. Anfangs bearbeitete er hauptsächlich rein technische Gegenstände und schrieb unter anderm: „Technik des Eisenbahnbetriebs“ (Leipz. 1854): „Schule des Eisenbahnwesens“ (4. Aufl., das. 1885; mehrfach übersetzt); „Telegraphen- und Signalwesen der Eisenbahnen“ (Weim. 1867); „Stabilität des Gefüges der Eisenbahngeleise“ (das. 1869), „Portfolio John Cockerills“ (Brüssel 1855). Später ging er, nachdem er zuerst auf die Bedeutung der sogen. Sekundärbahnen aufmerksam gemacht hatte („Die Praxis des Baues und Betriebs der Sekundärbahnen mit normaler und schmaler Spur“, 2. Aufl., Weim. 1873), mehr zur Behandlung allgemeiner Fragen des Eisenbahn- und Verkehrswesens über und veröffentlichte eine Reihe dahin gehöriger Arbeiten: „Populäre Erörterungen von Eisenbahn-Zeitfragen“ (Wien 1876 bis 1877, 7 Hefte); „Nationalität und Eisenbahnpolitik“ (das. 1876); „Der staatliche Einfluß auf die Entwickelung der Eisenbahnen minderer Ordnung“ (das. 1878); „Die Wasserstraßen Nordeuropas“ (Leipz. 1881) u. a. Von seinen Schriften sind noch hervorzuheben: „Ausflug nach dem französischen Nordafrika“ (Leipz. 1855); „Algerien und die Auswanderung dahin“ (das. 1854); „Aus der Welt der Arbeit“ (Berl. 1868); „Schauen und Schaffen“, Skizzen (2. Aufl., Stuttg. 1879); ein Romanzencyklus: „Rolands Gralfahrt“ (Dresd. 1854), und eine Biographie seines Vaters (s. oben). Nach seinem Tod gab M. Jähns heraus „Vom rollenden Flügelrad“, Skizzen und Bilder (mit Biographie, Berl. 1882). Vgl. Berghaus, M. M. v. W. (Berl. 1881).

20) Ernst von, Reisender, Bruder von W. 5.), geb. 7. Febr. 1830 zu Dresden, besuchte die Bergakademie in Freiberg und die Universität zu Berlin und bereiste dann Südeuropa, Nordafrika, Syrien, Palästina und Nordamerika. 1871–75 verweilte W. auf den Diamantfeldern Südafrikas. Nach seiner Rückkehr nach Europa vertrat W. eifrig die Kolonisationsfrage, begann seine Agitation gegen die Vivisektion und begründete zu deren Bekämpfung einen internationalen Verein. Er veröffentlichte: „Vier Jahre in Afrika“ (Leipz. 1878, 2 Bde.); „Die Erweiterung des deutschen Wirtschaftsgebiets und die Grundlegung zu überseeischen deutschen Staaten etc.“ (das. 1879); „Die Folterkammern der Wissenschaft“, gegen die Vivisektion (das. 1879), etc.

21) Johann Jakob, Buchhändler, geb. 3. April 1803 zu Basel, bildete sich in verschiedenen Buchhandlungen [458] der Schweiz, bei Didot in Paris und bei Breitkopf u. Härtel in Leipzig, wo er 1834 ein eignes Geschäft unter seinem Namen begründete, nachdem er seit 1830 für den Verlag von Bossange das „Pfennig-Magazin“ herausgegeben hatte. Die Hauptthätigkeit Webers richtete sich auf die damals zu einer neuen Blüte erwachende Buchillustration und zwar mit solchem Erfolg, daß sein Name, besonders durch die von ihm 1843 gegründete „Illustrierte Zeitung“, mit der Geschichte des deutschen Holzschnitts als eines seiner regsten Förderer für immer verknüpft ist. Weitere umfassende Unternehmungen waren der „Illustrierte Kalender“ (seit 1846) und die noch heute fortgesetzte Sammlung „Illustrierte Katechismen. Belehrungen aus dem Gebiet der Wissenschaften, Künste und Gewerbe“, von der bis Anfang 1878: 75 Bände vorlagen. Daneben enthält Webers Verlagskatalog eine glänzende Reihe besonders dramatischer und dramaturgischer sowie kulturhistorischer Schriften, die auch durch die sorgfältige typographische Ausstattung förderlich wirkten. Seit 1867 bekleidete er die Stellung eines Konsuls der Schweiz für Leipzig; er starb 16. März 1880.

Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl.
Ergänzungen und Nachträge
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Weberei
Band 17, Seite 819
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* Weber, 22) Robert, schweizer. Dichter und Schriftsteller, geb. 5. Aug. 1824 zu Rapperswyl, studierte in Zürich Theologie, setzte dann seine Studien in Tübingen fort, wo er die Vorlesungen des Ästhetikers Vischer hörte, wirkte darauf 12 Jahre lang als Pfarrer im Kanton Zürich und siedelte nach Bern über, wo er 1860–64 die Redaktion der „Berner Zeitung“ führte. Er gab die litterargeschichtlichen Werke: „Die poetische Nationallitteratur der deutschen Schweiz von Haller bis zur Gegenwart“ (Glarus 1866 bis 1867, 3 Bde.; Bd. 4 von Honegger), „Die Schweiz im Spiegel der Dichtung“ (Basel 1882) u. die „Schweizerische Nationalbibliothek“ (Aarau 1884 ff., bis jetzt 28 Bdchen.) heraus und gründete 1878 die Zeitschrift „Helvetia“, deren Herausgabe er in Basel jetzt noch leitet. W. veröffentlichte auch mehrere Bände Gedichte („Gedichte“, 5. Aufl., Basel 1882; „Neue Gedichte“, 1861; „Wolken“, letzte Lieder, 1871; „Die Myrtenschlacht“, (1876), „Novellen, Erzählungen u. Gedichte“ (2. Aufl. 1882, 4 Bde.) und übersetzte sämtliche poetische Bücher des Alten Testaments aus dem hebräischen Urtext.

Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl.
Jahres-Supplement 1890–1891
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Wätzoldt
Band 18, Seite 981
korrigiert

Weber, 23)[1] Rudolf, Technolog, geb. 15. Juni 1829 zu Halberstadt, studierte an der Gewerbe-Akademie zu Berlin, wurde hier Assistent von G. Magnus, promovierte in Göttingen, wurde 1858 Lehrer an der Gewerbe- und Bauakademie in Berlin und später an letzterer (der jetzigen technischen Hochschule) zum Professor der chemischen Technologie ernannt. Seit 1860 ist er Mitglied der Technischen Deputation im Handelsministerium. Er arbeitete über den Bildungsprozeß der Schwefelsäure in den Bleikammern, über die Ursachen der Mühlenbrände durch Staubentzündung (preisgekrönt vom Verein für Gewerbfleiß), über die Zusammensetzung des Glases, wobei er die Depressionserscheinungen der Thermometergläser ergründete etc. 1890 legte er seine Lehrthätigkeit nieder.

Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl.
Jahres-Supplement 1891–1892
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Band 19, Seite 977
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Weber, 2) Wilhelm Eduard, Physiker, starb 23. Juni 1891 in Göttingen. Eine Ausgabe seiner Werke veranstaltet die königl. Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen (in 6 Bänden, Berl. 1892 ff.). Vgl. Riecke, Wilhelm W. (Götting. 1892).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Nummerierung fehlt in der Vorlage