MKL1888:Zell (Personenname)

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Meyers Konversations-Lexikon
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Seite mit dem Stichwort „Zell (Personenname)“ in Meyers Konversations-Lexikon

Originalseite(n)
855

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Zell (Personenname). In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 16, S. 855. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Zell_(Personenname)&oldid=- (Version vom 28.07.2015)

Zell, 1) Ulrich, der älteste Buchdrucker Kölns, aus Hanau gebürtig, ein Kleriker der Mainzer Diözese und jedenfalls in der Fust und Schöfferschen Offizin zu Mainz gebildet, kam vermutlich 1462 nach Köln und druckte hier, soweit es sich durch ein datiertes Buch nachweisen läßt, 1466; eine Anzahl vorhandener undatierter Drucke läßt jedoch schließen, daß er mindestens schon 2–3 Jahre vorher als Drucker thätig war. Z. soll erst nach 1507 gestorben sein; jedenfalls lebte er noch 1499, denn die „Kölnische Chronik“ von diesem Jahr sagt in der berühmten Erwähnung der Erfindung der Buchdruckerkunst, daß er in jenem Jahr noch seinem Beruf oblag. Außer andern größern von ihm gedruckten Werken ist namentlich seine (wahrscheinlich 1470 erschienene) „Biblia latina“ (2 Bde.) hervorzuheben.

2) Matthäus, erster protest. Prediger Straßburgs, geb. 1477 zu Kaisersberg, wurde 1505 Magister der freien Künste in Freiburg, 1518 Leutpriester an der Münstergemeinde in Straßburg. Schon 1522 war der „Meister Matthes“ so sehr als Neuerer verdächtig, daß ihm die Domherren die einst für seinen Landsmann Geiler erbaute Doktorkanzel verschlossen, worauf ihm die Schreiner freiwillig eine hölzerne Kanzel errichteten. Seit 1523 trat er hinter Bucer, Capito, Hedio u. a. zurück und starb 9. Jan. 1548. Vgl. Erichson, M. Zell (Straßb. 1878).

3) Karl, Philolog, geb. 8. April 1793 zu Mannheim, daselbst gebildet, studierte seit 1810 in Heidelberg, Göttingen und Breslau, ward 1814 Professor am Lyceum in Rastatt, 1821 ordentlicher Professor zu Freiburg, wo er 1830 das philologische Seminar gründete, 1836 Ministerialrat und Mitglied des Oberstudienrats in Karlsruhe und 1847 Geheimer Hofrat und Professor in Heidelberg, wo er, seit 1855 quiesziert, 24. Jan. 1874 starb. Er war 1848–53 Mitglied der Zweiten Kammer und wirkte in dem badischen Kirchen- und Schulstreit für die katholische Partei. Seine Hauptwerke sind: „Ferienschriften“ (Freiburg 1826–33, 3 Bde.; neue Folge, Heidelb. 1857) und „Handbuch der römischen Epigraphik“ (das. 1850–57, 3 Bde.). Sonst nennen wir seine Sammlung lateinischer Klassiker (Stuttg. 1827–30, 16 Bdchn.), in der er selbst Ciceros „De republica“, Horaz, Phädrus, Eutropius und Publilius Syrus besorgte, die Ausgabe von Aristoteles’ Nikomachischer Ethik (Heidelb. 1820, 2 Bde.), die Übersetzung von dessen „Organon“ (Stuttg. 1836–62, 8 Bdchn.), „Über die Iliade und das Nibelungenlied“ (Karlsr. 1843) und „Lioba und die frommen angelsächsischen Frauen“ (Freiburg 1860). Gesammelt erschienen seine „Opuscula academica“ (Freiburg 1857).