Melpomene/Band 1/005 Bei der Todesfeyer Seiner Erlaucht des Herrn Grafen von Erbach Warttemberg, Roth

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 25-28
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[25]

5. Bei der Todesfeyer Seiner Erlaucht des Herrn Grafen von Erbach Warttemberg, Roth.

Melod. V.

Chor. Töne traurig, dumpfe Todtenglocke!
Bei dem Sarge unsres Grafen hier.

Duet. 1. Denn in wehmuthvoller Trauer,
Und noch nie gefühltem Schauer,

Chor. Klagen bebend unsre Herzen hier.

2. Schon der Brief mit schwarzem Siegel
War für uns ein Schreckenspiegel;
Und mit Angst eröffnen wir den Brief.

3. Ach! da lesen wir mit Grauen,
Kaum ist unsrem Aug zu trauen:
Daß der edle Graf in Gott entschlief.

4. Und es eilt von Mund zu Munde
Wie der Blitz, die Schreckenskunde:
Ach! der Graf, der edle Graf ist todt!

5. Laut ertönt in aller Ohren:
Ach! es ist für uns verloren
Graf von Erbach Warttemberg und Roth.
[26]
6. Und aus schwer beklemmten Herzen
Lösen sich die stummen Schmerzen
Mit Gewalt in laute Klagen auf.

7. Und ein heisser Strom von Thränen,
Nimmt bei unsern Klagetönen
Unaufhaltsam seinen raschen Lauf.

8. O mit welchen Schmerzgefühlen,
Muß der Gräfin Herz durchwühlen
Ihres theuren Gatten früher Tod!

9. Denn wo wahrhaft edle Seelen
Sich in heil’gem Bund vermählen,
O da trennt sie schmerzlich nur der Tod.

10. Und der Kinder zarte Herzen,
Ach! wie wurden sie von Schmerzen
Bei des beßten Vaters Tod durchwühlt;

11. Dieses läßt sich nicht beschreiben,
Alle Schilderungen bleiben
Weit von dem, was sie dabei gefühlt.

12. Doch es ist ihm wohl gegangen,
Denn sein einziges Verlangen
War gestillt in einem guten Tod;

13. Und nach überstandnen Leiden
Ärndtet er des Himmels Freuden
Dort in ew’ger Seligkeit bei Gott.

14. Denn sein Wandel war voll Adel,
Und beständig ohne Tadel,
Und gemäß dem göttlichen Geboth.
[27]
15. Noch als Mann, wie in der Jugend,
Übte er die reinste Tugend
Liebte mehr als Alles seinen Gott.

16. Jeden wie sich selbst zu lieben,
Und sich stets im Wohlthun üben,
War hienieden seine höchste Lust.

17. Und im schweren Tugendstreite
Mit der Sinnlichkeit, entweihte
Nie ein böser Willen seine Brust.

18. Dieses Alles soll uns trösten:
Daß er dort bei dem Erlößten
Ewig seinen Tugendlohn empfieng;

19. Und sein Geist in jenen Höhen,
Wo wir ihn einst wieder sehen,
Ein zu grenzenlosen Freuden gieng.

20. Unter wemuthvollen Thränen
Innigst uns nach ihm zu sehnen,
Ist uns immer angenehmste Pflicht;

21. Und so edel stets zu handeln,
Und nach seinem Vorbild wandeln,
Bis auch unser Herz im Tode bricht.

22. Denn was nüzen unsre Klagen?
Warum wollen wir verzagen,
Und verzweifeln ohne Trostesgrund?

23. Mag sein Leib im Grabe modern;
Unsre treuen Herzen lodern
Auf zu seinem Geist im Liebebund.
[28]
24. Zwar noch bluten sie, die Wunden,
Welche unser Herz empfunden
Als es hieß: der edle Graf ist tod;

25. Doch ein Blick auf seinen Erben
Läßt nicht unsre Hoffnung sterben,
Und erleichtert unsre schwere Noth.

26. Denn in seines Sohns Gemüthe
Lebet noch des Vaters Güte,
Lieget noch der Eltern Tugendschatz,

27. An der Seite seiner Mutter
Wird der Sohn gewiß als guter,
Wahrhaft edler Graf für uns Ersatz.

Anmerkungen (Wikisource)

Trauergedicht auf Franz Karl II. Friedrich Ludwig Wilhelm Graf zu Erbach-Erbach und von Wartenberg-Roth (* 11. Juni 1782; † 14. April 1832).

Jungs Errata (Bd. 2, S. 293) wurden in den Text eingearbeitet.