Melpomene/Band 1/014 Bei der Leiche einer jungen Frau, die auszehrte

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 65-66
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14. Bei der Leiche einer jungen Frau, die auszehrte.

Melod. VIII.

1. Endlich ruht von ihren Schmerzen
Unsre Schwester hier im Grab,
Die mit liebevollem Herzen
Gottes Willen sich ergab.

2. In des Lebens vollster Blüthe
Welkte langsam sie dahin,
Doch mit christlichem Gemüthe
Gieng zu Gott ihr Herz und Sinn.

3. Schon vor vielen Monden fühlte
Sie der Krankheit erste Spur,
Doch des Todes Zahn durchwühlte
Ihre Brust in Stille nur.

4. Langsam schwanden ihre Kräften,
Brust und Magen wurden schwach,
Und verdarben ihre Säften,
Und die Schmerzen wurden wach.

5. Keine Mittel wollten frommen,
Aller Hülfe Schein verschwand,
Bis zuletzt ihr Herz beklommen
Todeswehen tief empfand;

6. Doch in bitterm Schmerz bereute
Sie der Sünden große Schuld,
Und ihr Geist, getröstet, freute
Sich in Gottes Gnad und Huld.
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7. Engel sahen ihren Leiden
Stets mit Wohlgefallen zu,
Und nach ihrem letzten Scheiden
Gieng sie ein zur wahren Ruh.

8. So ist also dieses Leben
Nichts als Tand und Eitelkeit;
Doch die meisten Menschen streben
Nach den Freuden dieser Zeit.

9. Ehre, Reichthum, schöne Kleider,
Wohlseyn, Wohlstand, Überfluß,
Sünd und Laster, ach! und leider
Selten eine wahre Buß;

10. Dieses ist der Menschen Streben,
Ohne Tugend, ohne Gott,
Doch wie wird ihr Herz erbeben
Bei des Todes Machtgeboth.

11. Mensch! du mußt im Tod erblassen,
Und die Güter dieser Welt,
Alle mußt du sie verlassen,
Ehre, Reichthum, Lust und Geld.

12. Laßt uns also weise werden,
Eh uns noch der Tod befällt,
Tugend üben hier auf Erden,
Selig seyn in jener Welt.