Melpomene/Band 1/031 Bei dem Grabe des Georg Springer, Schultheissen von Kirchdorf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
<<< 031 Bei dem Grabe des Georg Springer, Schultheissen von Kirchdorf >>>
{{{UNTERTITEL}}}
aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 137-139
von: [[{{{AUTOR}}}]]
Zusammenfassung: {{{ZUSAMMENFASSUNG}}}
Anmerkung: {{{ANMERKUNG}}}
Bild
Jung Melpomene 1137.jpg
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
[[Index:{{{INDEX}}}|Wikisource-Indexseite]]
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe

[137]

31. Bei dem Grabe des Georg Springer, Schultheissen von Kirchdorf.

Melod. III.

1. O welche allgemeine Trauer,
Und welcher namenlose Schmerz,
Und welcher nie gefühlte Schauer
Durchwühlen grausam unser Herz!
Denn ach! der Mann, den wir begraben,
[138] War so beliebt und allbekannt,
Der seine Fähigkeit und Gaben
Zu unserm Beßten angewandt.

2. Er hatte zwar sein theures Leben
Auf acht und sechzig Jahr gebracht,
Und war bei allem seinem Streben
Nur auf sein Seelenheil bedacht;
Doch war er uns zu früh entrissen,
Weil Niemand ihn ersetzen kann,
Und schmerzlich werden wir vermissen
Den stets zur Hülf bereiten Mann.

3. Denn er hat seine Standespflichten
Getreu, gewissenhaft erfüllt,
Und, Liebesdienste zu verrichten,
Oft seinen Hunger nicht gestillt.
Er war geschickt und diensterbietig,
Und half, wo noch zu helfen war,
Gefällig, liebevoll und gütig,
Und Schutz und Retter in Gefahr.

4. Und o! wie war er Gott ergeben
In seiner Krankheit schweren Zeit,
Und jeden Augenblick sein Leben
Gott darzubringen ganz bereit.
So trug er auch die größten Schmerzen
Des Krankenlagers mit Geduld,
Bereute seine Sünd von Herzen,
Und bath um Gottes Vaterhuld.

5. Er hob in schweren Todeskämpfen
Sein sterbend Auge himmelwerts,
[139] Bis unter Zuckungen und Krämpfen
Im Tode brach sein edles Herz;
Sein Puls und Athem wurden schwächer,
Erblassend schloß er seinen Mund,
Und trank den bittern Todesbecher,
Wie Jesus, aus bis auf den Grund.

6. So gieng er ohne Furcht und Beben
Aus dieser Welt in jene hin,
Und Jesus Christus war sein Leben,
Und Sterben war für ihn Gewinn;
Wir können also gründlich hoffen:
Daß, als sein Lebenshauch verschwand,
Sein Geist das Thor des Himmels offen,
Und seinen Richter gnädig fand.