Melpomene/Band 1/046 Bei dem Grabe des ehrwürdigen Greisen Johannes Schedler

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 174–175
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[174]

46. Bei dem Grabe des ehrwürdigen Greisen Johannes Schedler.

Melod. III.

1. Nun endlich fand im stillen Grabe
Der Dulder die ersehnte Ruh,
Er wankte, tief gebeugt am Stabe
Dem Ende seines Lebens zu;
Er hat nach zwei und achtzig Jahren
Noch einen Monat lang gelebt,
Allein die beiden letzten waren
Von Leiden, Qual und Schmerz durchwebt.

2. Die Folge seines langen Lebens
War ganzer Nachlaß der Natur,
Und alle Hülfe war vergebens,
Von Trost und Hoffnung keine Spur,
Die edelsten der Sinne, beide,
Gehör und Aug, verloren sich,
Bis endlich aus dem Eingeweide
Die letzte Kraft des Lebens wich.

3. Mit jedem neuen Tag vermehrten
Sich seine Leiden ohne Zahl,
Die alles Fleisch und Blut verzehrten,
Und namenlos war seine Qual;
Er wollte sich dem Schmerz entwinden,
Und krümmte sich als wie ein Wurm,
[175] Doch konnt er keine Lindrung finden,
Und unterlag dem Leidensturm.

4. Doch trug er willig alle Schmerzen
Mit unerschütterter Geduld,
Beweinte noch mit Reu im Herzen
Die Größe seiner Sündenschuld,
Empfieng dann würdig, auf die Reise
Ins bessre Land der Ewigkeit,
Voll Trost, die wahre Seelenspeise,
Und gieng dort ein zur Seligkeit.

5. Was nützte nun das längste Leben
Das endlich doch zu Ende geht?
Was hälfs, nach Erdengüter streben,
Wenn sie des Todeshauch verweht?
Laßt uns daher nach Gütern streben,
Die uns der Tod nicht rauben kann,
Dann fangen wir ein selges Leben
Nach unserm Tod im Himmel an.