Melpomene/Band 1/052 Bei dem Grabe der Marianna Glucker, die sich bei einer Entbindung verblutete

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 185–186
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[185]

52. Bei dem Grabe der Marianna Glucker, die sich bei einer Entbindung verblutete.

Melod III.

1. Ach ach! wie schnell und unvermuthet,
Noch jung, gesund, und voll der Kraft,
Hat eine Mutter sich verblutet
Am Ende ihrer Schwangerschaft!
Denn sie verlor den Saft des Lebens
In Menge schon, eh sie gebar.
Daß alle Kunst und Müh vergebens,
Vom Tode sie zu retten war.

2. Oft bebte sie vor Frost und Regen
Beim Hüten unter Wind und Sturm
Und dachte bei den schwachen Schlägen
Des Pulses an den armen Wurm,
Der unter ihrem Herzen ruhte,
[186] Den ihre Brust ernähren soll,
Da doch von ihrem schwachen Blute
So viel aus ihren Adern quoll.

3. Doch ach! von todter Frucht entbunden,
War schon in einer Viertelstund
Ihr letzter Tropfen Blut verschwunden,
Und blaß und starr ihr Aug und Mund;
Und so entschlief in Todesarmen
Die Mutter und ihr liebes Kind,
Und beider Leben ohn’ Erbarmen
Verschwand im Nu wie Rauch und Wind.

4. Der Kinder Klaggeschrey durchwühlet
Gleich einem Dolche unser Herz,
Und ihres Gatten Seele fühlet
Der schnellen Trennung höchsten Schmerz;
Vergebens fliessen ihre Thränen
Von ihren Wangen heiß herab;
Vereitelt ward ihr kindlich Sehnen,
Die Mutter starb, und sank ins Grab.

5. Allein so wars der Willen Gottes
So fand voll Weisheit es für gut
Der Herr des Lebens und des Todes,
Und weis und gut ist, was er thut.
Nie darf es vor dem Tode grauen
Dem, der getreu die Tugend übt.
Laßt uns daher auf Gott vertrauen
Der dort ein beßres Leben giebt.

Anmerkungen (Wikisource)

Jungs Errata (Bd. 2, S. 294) wurden in den Text eingearbeitet.