Melpomene/Band 1/053 Bei dem Grabe einer armen alten Frau, die an der Wassersucht starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 187–188
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[187]

53. Bei dem Grabe einer armen alten Frau, die an der Wassersucht starb.

Melod. IV VIII.

1. Endlich hatte Gott Erbarmen
Mit der armen Dulderin;
Sie entschlief in Todes Armen
Voll der Hoffnung reinem Sinn.

2. Schon durch viele Leidensjahre
War beklommen ihre Brust,
Und doch hatte keine wahre
Hülf zu finden sie gewußt.

3. Langsam war das Übel schlimmer,
Übergieng in Wassersucht;
Da verschwand der Hoffnung Schimmer
Von dem Baum der Lebensfrucht.

4. Abgezehrt auf Haut und Knochen
Hatte sie der Krankheit Wuth,
Denn sie lag bei zwanzig Wochen
In der Schmerzen heisser Glut.

5. Noch bei allen Leiden quälte
Sie der Armuth schwere Noth;
Doch bei guten Leuten fehlte
Niemal ihr das Leibesbrod.

6. Keine Hoffnung zur Genesung
Kam in ihre Brust zurück,
[188] Nur nach baldiger Erlösung
Sehnte sich ihr Thränenblick.

7. Langsam ward ihr Athem schwächer,
Endlich blieb er gänzlich aus,
Und sie trank den Todesbecher
Ohne Furcht und Beben aus.

8. Doch sie trug die schwere Bürde
Ihrer Leiden mit Geduld,
Und sie seufzte stets: o würde
Gott verzeihen meine Schuld!

9. Alles dieses läßt vermuthen:
Daß sie gut gestorben sey,
Und ihr Gott, wie allen Guten
Gnad und Seligkeit verleih.