Melpomene/Band 1/055 Bei dem Grabe der Franziska Weiß, Baderin und Hebamme in Kirchdorf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
<<< 055 Bei dem Grabe der Franziska Weiß, Baderin und Hebamme in Kirchdorf >>>
{{{UNTERTITEL}}}
aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 190–192
von: [[{{{AUTOR}}}]]
Zusammenfassung: {{{ZUSAMMENFASSUNG}}}
Anmerkung: {{{ANMERKUNG}}}
Bild
Jung Melpomene 1190.jpg
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
[[Index:{{{INDEX}}}|Wikisource-Indexseite]]
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe

[190]

55. Bei dem Grabe der Franziska Weiß, Baderin und Hebamme in Kirchdorf.

Melod IV. VIII.

1. Endlich ruht von ihren Leiden
Unsre Schwester hier im Grab,
Und geniesset jene Freuden,
Die ihr Gott zum Lohne gab;

2. Denn bis an ihr Lebensende
Litt sie Alles mit Geduld,
Gab sich hin in Gottes Hände,
Und empfahl sich seiner Huld.

3. Und wie waren ihre Schmerzen,
Ihre Leiden doch so groß,
[191] Bis der Tod in ihrem Herzen
Seinen bittern Kelch ergoß;

4. Abgezehrt und angeschwollen
Durch des Wassers kalte Fluth
Hörte langsam auf zu rollen
Ihr ganz nahrungloses Blut.

5. Zwar des Artztes Hand punktirte
Sie durch einen Lanzenstich,
Was sie aber nicht kurirte,
Wenn auch gleich das Wasser wich.

6. Denn die Leber war verhärtet,
Ach! ein Übel unheilbar,
Und ihr Leben blieb gefährdet
Bis es ganz verschwunden war.

7. Langsam starben alle Glieder
In des Todes kalter Hand,
Keine Hoffnung kehrte wieder,
Bis ihr letzter Hauch verschwand;

8. Kämpfend unter Todeswehen
Litt sie standhaft mit Geduld,
Blickte auf zu jenen Höhen,
Und empfahl sich Gottes Huld.

9. Schon den Tod im Angesichte
Sagte sie: ich sterbe gern,
Bebe nicht vor dem Gerichte;
Denn ich komm zu meinem Herrn;

10. Denn zerknirschet war von Reue
Ganz ihr Herz, und liebevoll,
[192] Und gewiß, für ihre Treue
Ist es ihr nun ewig wohl.

11. Jauchzend werden sie umgeben
Einst die vielen Kinderlein,
Die durch ihre Kunst ins Leben
Ihre Hand geführet ein.

12. Trocknet also eure Zähren,
Und erkennet euer Loos;
Seht, es wird nicht lange währen:
Deckt auch euch des Grabes Moos.

13. Und vor Gottes Augen tretten
Unsre Seelen zum Gericht;
Trachtet also sie zu retten,
Eh das Herz im Tode bricht;

14. Seydt ihr Sünder, o so lebet
Reudurchdrungen jederzeit,
Habt ihr fromm gelebt, so strebet
Stets nach größrer Heiligkeit.

15. Denn es nahet schon die Stunde,
Wo das Herz im Tode bricht,
Und ein Wort aus Jesu Munde
Uns ein strenges Urtheil spricht:

16. Kommet her, ihr Ausgesuchten!
In die Freuden ohne End,
Oder: weichet, ihr Verfluchten!
In das Feur, das ewig brennt.

Anmerkungen (Wikisource)

Jungs Errata (Bd. 2, S. 294) wurden in den Text eingearbeitet.