Melpomene/Band 1/060 Bei dem Grabe eines Mannes, der an einer schmerzlichen Krankheit starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 205–206
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[205]

60. Bei dem Grabe eines Mannes, der an einer schmerzlichen Krankheit starb.

Melod. III.

1. Nun endlich hat für ihn geschlagen
Die heiß ersehnte Todesstund,
Und was für Leiden er ertragen
Thut keine Menschenzunge kund;
Denn ach! er litt die größten Schmerzen
Seit einem langen halben Jahr,
Wo aus dem schwer beklemmten Herzen
Die Hoffnung ganz verschwunden war.

2. Es fieng in seinem Eingeweide
Der erste Keim des Todes an,
Und der Gesundheit süsse Freude
[206] Entfloh von seiner Lebensbahn,
Ein stetes drücken, Brennen, Schneiden,
War seine namenlose Qual,
Und ach! den Becher seiner Leiden
Versüßte keiner Hoffnung Strahl.

3. So zehrte bis auf Haut und Knochen
Er langsam ab in Qual und Schmerz;
Es wütheten sechs lange Wochen
Des Todes Qualen durch sein Herz,
Bis endlich aus des Herzens Höhle
Der letzte Tropfen Blut verschwand,
Und seine sehnsuchtvolle Seele
Den Ausgang aus dem Leibe fand.

4. Doch litt er alle diese Schmerzen
Mit unerschütterter Geduld,
Beweinte noch mit Reu im Herzen
Die Größe seiner Sündenschuld
Und hoffte so durch seine Leiden
Für seine Schuld genug zu thun,
Und wird in jenen Himmelsfreuden
Im ewig wahren Frieden ruhn.

5. Laßt uns daher, so lang wir leben
Als Christen fromm und heilig seyn,
In Gottes Willen uns ergeben,
Und uns der Pflicht und Tugend weihn;
Dann mag mit uns zusamen brechen
Der feste Bau der ganzen Welt,
Wir können voll Vertrauen sprechen:
Gott ist es, dessen Hand uns hält.