Melpomene/Band 1/061 Bei dem Grabe einer Jungfrau, die an einer Nervenlähmung starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 207–208
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61. Bei dem Grabe einer Jungfrau, die an einer Nervenlähmung starb.

Melod. VIII. IV.

1. Endlich ruht von ihren Schmerzen
Unsre Schwester hier im Grab,
Die mit liebevollem Herzen
Gottes Willen sich ergab.

2. Nasse Kälte zog der Armen
Eine Nervenlähmung zu,
Und so fand sie ohn Erbarmen
Nun im Schoos der Erde Ruh.

3. Sie zu retten ward vergebens
Mancherlei und viel gebraucht,
Doch die Geister ihres Lebens
Waren schon zu sehr verraucht.

4. Keine Hoffnung zur Genesung
Kehrte in ihr Herz zurück,
Nur nach baldiger Erlösung
Sehnte sich ihr Seelenblick.

5. Aber ach! wie lange währte
Ihre harte Prüfungszeit,
Bis der Himmel sie erhörte,
Und von ihrer Qual befreyt.

6. Fünfzehn Wochen unbeweglich
Lag sie auf dem Bette dort,
[208] Und die Leiden wuchsen täglich
Bis zu ihrem Ende fort.

7. Eine große Lendenwunde
Fraß sich bis aufs Eingeweid,
Und in ihrem tiefen Grunde
Schmerzte sie mit Heftigkeit.

8. Endlich brach in dieser Wunde
Eine große Ader auf,
Und so gieng in einer Stunde
Schnell zu End ihr Lebenslauf.

9. Doch sie litt die größten Schmerzen
Mit beständiger Geduld,
Und empfahl, mit Reu im Herzen,
Sich in Gottes Vaterhuld.

10. Sie war gründlich unterrichtet
In dem Evangelium,
Und wozu sie Gott verpflichtet,
War ihr liebstes Eigenthum.

11. Immer blieb sie Gott ergeben
War zum Sterben stets gefaßt,
Und hat durch ihr ganzes Leben
Selbst des Bösen Schein gehaßt.

12. Noch empfieng vor ihrer Reise
In das Reich der Geisterwelt
Sie die wahre Seelenspeise
Die dort ewig sie erhält.