Melpomene/Band 1/067 Bei dem Grabe eines alten reichen Mannes

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 222-224
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[222]

67. Bei dem Grabe eines alten reichen Mannes.

Melod. IV VIII.

1. Alles geht zu seinem Ende,
Auch der längste Lebenslauf,
Wo ich nur mein Aug hinwende,
Steht das Bild des Todes auf.

2. Unter scharfer Sense fallen
Aller Wiesen Blumen ab;
Und so öffnet sich vor allen
Sterblichen das düstre Grab.

3. Unzählbare Ähren sinken
In der Schnitter Sichel hin;
[223] Bald wird uns die Sense winken,
Die des Todes Arme ziehn.

4. Fruchtbeladne Bäume brechen
Unter ihrer schweren Last;
Bald wird auch der Richter sprechen:
Ob du Frucht getragen hast?

5. Hoch am Firmamente krachen
Donner schnell vom Blitz durchzückt;
Sünder! wirst du nicht erwachen,
Eh dich uns der Tod entrückt?

6. Aller Vögel Chöre schweigen
Wenn der Lenz und Sommer flieht;
Bald wird sich der Tod uns zeigen,
Der uns jede Lust entzieht.

7. Bald erscheinen uns die Bäume
Leer an Früchten, und entlaubt;
Und so werden uns die Träume
Alles Erdenglücks geraubt.

8. So vergeht in rascher Eile
Alle Pracht der eitlen Welt,
Und es währt nur kurze Weile
Bis sie ganz zusamenfällt.

9. Dieses hat gewiß erfahren
Unser Bruder hier im Grab;
Alle seine Schätze waren
Nur ein morscher Wanderstab.

10. Denn er brach in seinen Händen,
Als er mit dem Tode rang,
[224] Und, sein Leben zu vollenden,
Ihm der Tod zum Herzen drang.

11. Doch er wurde klug und weise
Sah die Eitelkeit der Welt,
Und hat auf die letzte Reise
Vorher noch sein Haus bestellt.

12. So entschlief er sanft hienieden
In des Todes kalter Hand,
Und genießt den ew’gen Frieden
Nun im wahren Vaterland.

13. Seyd nun stets bereit, und wachet
Auf die schreckenvolle Zeit;
Lebet immer fromm, und machet
Sicher eure Seligkeit.