Melpomene/Band 1/083 Bei dem Grabe der Domitia Jäger, die lang und viel zu leiden hatte

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 258–259
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[258]

83. Bei dem Grabe der Domitia Jäger, die lang und viel zu leiden hatte.

Melod. III.

1. Nun schlummert sie im düstern Grabe,
Die arme fromme Dulderin;
Sie brachte Gott als freye Gabe
Ihr Leben gern zum Opfer hin;
Ertrug geduldig alle Schmerzen
Zur Tilgung ihrer Sündenschuld,
Und bath mit reuevollem Herzen
Gott um Verzeihung, Gnad und Huld.

2. Sie hatte schon seit Jahr und Tagen
An einem Fuß zu leiden viel,
Und ach! bei allen ihren Klagen
Vermehrte sich ihr Schmerzgefühl;
Kein Mittel heilte ihre Wunden,
Und immer nahm das Übel zu,
Und alle Hoffnung war verschwunden
Als nur auf ihre Grabesruh.

3. So schwanden langsam alle Kräften
Des leidenvollen Leibes hin,
Doch ihren Blick auf Gott zu heften
War stets ihr hoffnungvoller Sinn;
Sie gab sich hin in Gottes Willen
Mit gänzlicher Ergebenheit,
Und war denselben zu erfüllen
Bis in den bittern Tod bereit.
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4. Nun aber kam ein neues Leiden,
Und war sich auf ihr armes Herz;
In ihren edeln Eingeweiden
Entbrannte der Entzündung Schmerz;
Und leider brachte dieses Fieber
Den Todeskampf in kurzer Zeit;
So schlummerte sie sanft hinüber
Ins bessre Land der Ewigkeit.

5. Wohl ihr! nun hat sie ausgestritten
Des Erdenlebens schweren Streit,
Und Alles, was sie hier gelitten,
Ist aufgelößt in Seligkeit,
Denn immer war durch frommes Leben
Ihr Herz zum guten Tod bereit,
Und konnte sicher sich erheben
Ins Reich der ew’gen Seligkeit.

6. Laßt uns daher die Tugend üben,
Und stets zum Tod bereitet seyn,
Den Höchsten über Alles lieben,
Und uns der Bruderliebe weihn:
Dann können ohne Furcht und Beben
Dem Tode wir entgegen gehn,
Und werden uns zu Gott erheben
Und uns auf ewig selig sehn.