Melpomene/Band 1/089 Bei dem Grabe einer frommen Frau, die geduldig litt und starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 278–279
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[278]

89. Bei dem Grabe einer frommen Frau, die geduldig litt und starb.

Melod. IV.

1. Mit schaudervollem Beben
Stehn wir an diesem Grab;
Da mahlt sich unser Leben
In einem Spiegel ab.

2. Es eilet schnell und flüchtig,
Gleich einem Pfeil vorbei;
Da sehen wir wie nichtig
Dieß Erdenleben sey.

3. Wir leben nur ein Weilchen,
Und welken dann dahin,
Und gleichen so den Veilchen,
Die kurze Zeit nur blühn.

4. So gieng es diesem Weibe
Auf ihrer Lebensbahn,
Sie kam mit krankem Leibe
An ihrem Ziele an.

5. Sie war schon lange kränklich,
Und keine Hoffnung da,
Ihr Leiden war bedenklich
Und schon ihr Ende nah.

6. Man gab ihr zum purgiren,
Dem alten, kranken Weib,
[279] Und wollte so kuriren
Den abgezehrten Leib.

7. Allein sie ward geschwollen,
Es war ihr schwer und bang,
Daß ihr das Athem hollen
Mit Mühe nur gelang.

8. So starb sie unter Schmerzen,
Und schied von dieser Welt,
Doch mit ergebnem Herzen
Hat sie ihr Haus bestellt.

9. Sie war voll Reu und büßte
Für ihre Sündenschuld,
Was ihr den Tod versüßte,
Und brachte Gottes Huld.

10. Laßt uns daher nach Dingen,
Die unvergänglich sind,
Das heißt, nach Tugend ringen,
Und meiden jede Sünd.

11. Dann sind wir stets bereitet
Auf einen guten Tod,
Und Seelenruh begleitet,
Und führet uns zu Gott.