Melpomene/Band 1/093 Bei dem Grabe eines alten Mannes, der auf dem Weg am Schlagfluß starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 291–293
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[291]

93. Bei dem Grabe eines alten Mannes, der auf dem Weg am Schlagfluß starb.

Melod. IV.

1. Hier stehen wir und beben
An eines Mannes Grab,
Wo uns der Tod so eben
Ein Schreckensbeispiel gab.
[292]
2. Denn Gottfried Redle wallte
Gesund durchs Herbstes Grün;
Auf einmal sank der Alte
Im Arm des Todes hin.

3. Er sank an einem Hügel
In tiefer Ohnmacht hin,
Da streckten sich die Flügel
Des Todes über ihn.

4. Denn unvermuthet rührte
Den Redlichen der Schlag,
Und kaum, daß ers verspürte,
Erschien sein Sterbetag.

5. Man fand den alten Armen,
Der mit dem Tode rang;
Der eben ohn’ Erbarmen
Ihn gäh zu sterben zwang.

6. Schon saß mit vollem Lächeln
Der Tod auf seinem Mund;
Da sank das letzte Röcheln
Hinab in seinen Schlund.

7. Die Augen wurden trüber,
Der Körper kalt, wie Eis;
So schlummerte hinüber
In jene Welt der Greis.

8. Wir wissen also weder
Die Stunde noch den Tag;
Drum wach und bethe Jeder
Bei jedem Pulsesschlag.
[293]
9. Denn jeder dieser Schläge
Kann ja sein letzter seyn,
Und dich auf jedem Wege
Der Herr dem Tode weihn.

10. Sey also vorbereitet
Beständig auf den Tod,
Dann kommt er, und begleitet
Dich hin zu deinem Gott.

11. So war auch Gottfried Redle
Zum Sterben stets bereit,
Und fand gewiß das edle
Geschenk der Seligkeit,

12. Und dort ward ihm beschieden,
Wie uns sein Namen lehrt,
In Gott der wahre Frieden,
Der ewig, ewig währt.