Melpomene/Band 1/096 Bei dem Grabe eines Mannes, der an der Schwindsucht starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 1, S. 302–303
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[302]

96. Bei dem Grabe eines Mannes, der an der Schwindsucht starb.

Melod. IV. VIII.

1. Endlich hatte Gott Erbarmen
Mit dem armen Leidenden,
Er entschlief in Todes Armen,
Seinem Elend zu entgehn.

2. Seiner Krankheit Schmerzen währten
Länger schon, als Jahr und Tag,
Die mit jeder Stund vermehrten
Seine namenlose Plag.

3. Denn verstopft im Eingeweide
War der Drüsen edler Saft,
Dieses nahm ihm alle Freude,
Und zuletzt den Nahrungsaft.

4. Keine Mittel wollten frommen,
Helfen keine Medizin,
Immer blieb sein Herz beklommen,
Und die Hoffnung schwand dahin.

5. Unter unnenbaren Schmerzen
Sehnt er nach dem Tode sich;
Endlich drang er ihm zum Herzen
Und sein starres Aug verblich.

6. Abgezehrt auf Haut und Knochen
Ruhet nun sein Leib im Grab,
[303] Doch dabei ist nicht gebrochen
Seiner Hoffnung fester Stab.

7. Denn durch Jesus aufgefodert
Baute er auf Gottes Wort:
Wenn der Leib im Grabe modert,
Lebet noch die Seele fort.

8. Ja, vom Schöpfer abgerufen,
Welcher sie zum Himmel schuf,
Folgte sie zu höchern Stuffen
Des Erlösers Gnadenruf.

9. Immer blieb er Gott ergeben
In der Leiden höchster Glut,
Und sein einziges Bestreben
Gieng nur nach dem höchsten Gut.

10. Denn er war von Reu durchdrungen
Über seine Sündenschuld,
Hatte Jesu Kreutz umschlungen
Und bath Gott um Gnad und Huld.

11. Dieses also läßt vermuthen,
Daß er an des Grabes Rand,
Dort, im Reiche aller Guten,
Auch ein Ruheplätzchen fand.

12. Wollt ihr also auch im Frieden
Sterben einst, und selig seyn,
O so müßt ihr stets hienieden
Euer Herz der Tugend weihn.