Melpomene/Band 2/023 Bei dem Grabe der ledigen Anna Redle von Kirchdorf, die an der Lungensucht starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 77–79
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[77]

23. Bei dem Grabe der ledigen Anna Redle von Kirchdorf, die an der Lungensucht starb.

Melod. III. XVIII.

1. Nun endlich hatte Gott Genügen
Am Leiden dieser Dulderin,
Und nahm in ihren letzten Zügen
Ihr Lebensopfer willig hin,
Weil alle Hoffnung zur Genesung
Aus ihrer kranken Brust verschwand,
Und sie im Tode nur Erlösung
Von ihren schweren Leiden fand.

2. Schon lange war aus ihrem Herzen
Verschwunden der Gesundheit Lust,
Und immer wühlten Pein und Schmerzen
In ihrer sonst gesunden Brust.
Sie brauchte viele Medizinen
In der Genesung Zuversicht,
Die öfter zwar zu helfen schienen,
Doch leider ach! sie halfen nicht.
[78]
3. So nagte ohne Unterbrechen
An ihrer Brust des Todes Zahn,
Und ach! es ist nicht auszusprechen,
Wie wehe dieses ihr gethan;
Sie mußte husten zum Ersticken,
Bis endlich Blut und Eiter kam,
Und, unter heissen Tränenblicken,
Sie wieder frischen Athem nahm.

4. So gieng es fort seit dritthalb Jahren,
Wo sie umsonst um Hülf gefleht;
Vergebens waren ihre Klagen
Und hoffnunglos im Wind verweht;
Die Lunge, statt Geblüt zu kochen,
Hat es in Eiter nur verkehrt:
So wurde bis auf Haut und Knochen
Ihr Leib allmählig abgezehrt.

5. So war am Ende ganz verschwunden
Der süssen Hoffnung letzter Strahl,
Und keine Rettung mehr gefunden
Aus ihrer namenlosen Qual;
Ihr Puls und Athem wurden schwächer,
Das Blut im Herzen blieb zurück,
Sie trank den bittern Todesbecher,
Und schloß den kalten Tränenblick.

6. Doch litt sie alle diese Qualen
Mit unerschütterter Geduld,
Um noch hienieden zu bezahlen
Die Größe ihrer Sündenschuld;
Denn ach! sie war mit Magdalenen
[79] Auch eine große Sünderin,
Jedoch durch Reu und Bußethränen
Auch eine große Büßerin.

7. So brachte sie ihr junges Leben
Gott zum Versöhnungsopfer dar,
Wobei ihr einziges Bestreben
Nur Gottes Huld und Gnade war;
Denn Jesu Tod war ihr Vertrauen,
Der Gott für uns genug gethan;
So kam sie ohne Furcht und Grauen
Beim göttlichen Gerichte an.

8. Wir können also sicher hoffen:
Gott werde gnädig ihr verzeihn,
Und ihr das Reich des Himmels offen
Zur ewigen Belohnung seyn;
Denn wer auf Jesu Tod vertrauet,
Und seine Sündenschuld bereut,
Und hoffnungvoll zum Himmel schauet,
Geht ein ins Reich der Seligkeit.

9. Auch wir, o Christen! sind beladen
Mit einer großen Sündenschuld,
Und unersätzlich wär der Schaden,
Als nur durch Jesu Gnad und Huld.
Bringt also wahre Bußefrüchte,
Dann wird Gott gnädig euch verzeihn,
Dann gehet ihr nach dem Gerichte
Auch sicher in den Himmel ein.