Melpomene/Band 2/024 Bei dem Grabe eines Mannes, der bei einem Fuhrwerk plötzlich starb

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 80–83
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[80]

24. Bei dem Grabe eines Mannes, der bei einem Fuhrwerk plötzlich starb.

Melod. I. XVI.

1. O welch ein lauter Klageschall
Ertönt in unsern Ohren!
Denn ach! durch einen Unglücksfall
Gieng hier ein Mann verlohren.
Sein Weib mit sieben Kindern schreit
Durch tausendfaches Echo weit
Und breit: er ist verlohren.

2. Der sorgenvolle Vater fuhr
Mit seinen zweien Kühen,
Und ließ den Klee von seiner Flur
Durch sie nach Hause ziehen,
Und führte leitend sie am Zaum,
Als plötzlich auf dem Weg der Raum
Zum Fahren sich verengte.

3. Er mußte nun auf gleichem Pfad
Mit seinem Zuge gehen,
Und fiel, und stürtzte unters Rad;
Da wars um ihn geschehen:
Denn ach! die Kühe wurden scheu,
Und flohen rasch davon, wobei
Sein Haupt zerschmettert wurde.

4. Da lag er nun, und röchelte,
In seinen Todeswunden;
[81] Und seine Tochter rief: O weh!
Sein Leben ist verschwunden!
Und legte ihn auf ihren Schoos,
Auf welchem er sein Todesloos
In kurzer Zeit gefunden.

5. Das Mädchen schrie aus vollem Hals
Ihm in die blut’gen Ohren,
Doch, o des unglückvollen Falls!
Ihr Schreyen ist verlohren;
Sein Ohr ist taub, sein Auge blind,
Und alle ihre Klagen sind
Vergebens, ihn zu retten.

6. Sie schickte schnell den Bruder fort
Die Mutter abzuhollen.
Und daß der Pfarr und Arzt vom Ort
Zu Hülfe kommen sollen:
Indessen starb der Vater schon,
Und röchelte den letzten Ton
Des Lebens, und verstillte.

7. Sie weinte, und benezte ihn
Mit einem Strom von Thränen,
Und alle Hoffnung war dahin
Nach Hülfe sich zu sehnen,
Und Pfarr und Arzt und Mutter kam
Zu spat, und jedes Auge schwam
In wehmuthvollen Thränen.

8. Die Mutter legte nun den Mann
In ihrem Schooße nieder,
Und sieh! es zuckten dann und wann
[82] Die noch ganz warmen Glieder,
Und endlich lag, wie Jesu Leib
Marien in dem Schooß, dem Weib
Der Mann entseelt im Schooße.

9. Man brachte nun ein Fuhrwerk bei,
Den Leichnam abzuhollen,
Wo Seufzer unter Klaggeschrey
Durch Berg und Thal erschollen,
Und als man ihn zu Grabe trug,
Zerfloß der ganze Leichenzug
In einen Strom von Thränen.

10. So plötzlich starb der arme Mann,
Vom Unglück überfallen,
Und lehret uns, die Tugendbahn
Mit weiser Vorsicht wallen;
Denn immer hielt durch Frömmigkeit
Er sich zum guten Tod bereit,
Und ist auch gut gestorben.

11. Wir können nun voll Zuversicht
Die süsse Hoffnung nähren:
Gott werde sicher beim Gericht
Sein Flehn um Gnad erhören,
Ihm seine Sündenschuld verzeihn,
Und gnädig und barmherzig seyn
Im Reiche der Vergeltung.

12. Du aber Wittwe! tröste dich
Mit deinen vielen Kindern,
Und denk: Gott werde sicherlich
Dein großes Leiden lindern,
[83] Dein und der Waisen Vater seyn,
Und euch das Nöthige verleihn,
Als wie dem Wurm im Staube.

13. Laßt uns daher zu jeder Zeit
Nach Gottes Willen handeln,
Und immer mit Besonnenheit
Und weiser Vorsicht wandeln,
Dann, wenn uns gäh der Tod befällt,
So wird uns doch in jener Welt
Die Seligkeit nicht fehlen.