Melpomene/Band 2/027 Bei dem Grabe einer Frau, die sich zum Tode gut vorbereitete

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aus: Melpomene
Seite: Band 2, S. 87–88
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[87]

27. Bei dem Grabe einer Frau, die sich zum Tode gut vorbereitete.

Melod. V.

Tiefe Trauer füllet unsre Seelen
Bei dem Grabe unsrer Schwester hier.

1. Denn da sehen wir mit Beben
Auch das End von unserm Leben;
Und in tiefer Trauer klagen wir.

2. Jeder neue Grabeshügel
Ist für uns ein treuer Spiegel:
Heut an mir, und morgen schon an dir.

3. Weder Schönheit Kraft und Jugend,
Noch Gesundheit Gelt und Tugend
Kann uns retten aus des Todeshand;

4. Alle müßen ohn’ Erbarmen
Sterben in des Todes Armen,
Und es hülft kein Zittern für den Tod.

5. Dieses hat nach vielen Jahren
Unsre Schwester hier erfahren,
Als zu sterben ihr der Herr geboth.

6. Lange trug sie schon im Herzen
Bangigkeit und Todesschmerzen,
Bis sie unterlag im letzten Streit.

7. Willig hat sie doch ihr Leben
Ihrem Schöpfer hingegeben,
Voll der Hoffnung auf Unsterblichkeit.
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8. Denn sie hielt durch Buß und Reue,
Und gestützt auf Gottes Treue,
Auf des Todes Ankunft sich bereit;

9. Und empfieng vor ihrem Ende
Noch die Sterbesakramente,
Auf die große Reis ins Vaterland.

10. Dieses Alles läßt uns hoffen:
Daß sie dort den Himmel offen,
Und bei dem Gerichte Gnade fand.

11. Laßt uns also redlich streben,
Immer tugendhaft zu leben,
Und zum Sterben stets bereitet seyn,

12. O dann wird in Gottes Händen
Unser Lebenslauf sich enden,
Und wir gehen froh zum Himmel ein.